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IACM-Informationen vom 16. April 2005

Wissenschaft: THC verlangsamt das Fortschreiten der Gefäßverkalkung im Tierversuch

Nach einer Studie mit Mäusen von Wissenschaftlern der Universität Genf schützt THC die Arterien vor krankhaften Veränderungen, die zur Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) führen. Die Arteriosklerose ist die wichtigste Ursache für Schlaganfall und Herzinfarkt. Die Studie, die in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurde, zeigte, dass THC den Entzündungsprozess blockieren kann, der im Wesentlichen für die Gefäßveränderungen verantwortlich ist. Die Entzündung führt zusammen mit fetthaltigen Ablagerungen zur Verengung der Arterien.

Die Wissenschaftler untersuchten eine Mäuseart, die besonders empfänglich für die Entwicklung einer Arteriosklerose ist. Die Tiere erhielten ein cholesterinreiches Futter, damit sie arteriosklerotische Ablagerungen entwickelten. Wurde ihrem Futter THC hinzugefügt, so verlangsamte sich der Prozess des Arterienverschlusses innerhalb eines Zeitraumes von 11 Monaten deutlich. Die verabreichten THC-Dosen waren vergleichsweise gering (1 mg/kg Körpergewicht), zu gering, um bei den Mäusen psychologische Wirkungen auzulösen. Niedrigere und höhere Dosen bewirkten keine schützenden Effekte. Die wirksame Dosis entspricht mäßig hohen Dosen beim Menschen. Allerdings ist unklar, wie sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen.

Die schützenden Wirkungen wurden durch THC-Effekte auf das Immunsystem vermittelt. Die Schweizer Wissenschaftler fanden heraus, dass bestimmte Blutzellen (lymphoide Zellen) von mit THC behandelten Tieren weniger Interferon-Gamma, ein Molekül, das Entzündungen fördert, abgeben. Zudem wurde die Wanderung bestimmter Immunzellen (Makrophagen) zur Gefäßwand gehemmt. Bei Mäusen, die auch einen CB2-Rezeptor-Antagonisten erhielten, der die Wirkungen von THC an diesem Rezeptor blockierte, schritt die Entwicklung der Arteriosklerose unverändert schnell fort. Der CB2-Rezeptor wird vor allem auf Zellen des Immunsystem gefunden. Die Autoren folgerten, dass "THC oder Cannabinoide mit Aktivität am CB2-Rezeptor wertvolle Mittel zur Behandlung der Arteriosklerose sein könnten".

Bei verschiedenen anderen Erkrankungen hatte sich gezeigt, dass THC die Entzündung durch Reduzierung entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine) abschwächt, darunter Interferon-Gamma (IFN-Gamma), Tumor-Nekrose-Faktor-Alpha (TNF-Alpha) und einige Interleukine. THC reduzierte die Entzündung in verschiedenen Tiermodellen, darunter Modelle für Arthritis und multiple Sklerose.

(Quellen: Times Online vom 7. April 2005, Associated Press vom 6. April 2005, Steffens S, et al. Low dose oral cannabinoid therapy reduces progression of atherosclerosis in mice. Nature 2005;434(7034):782-6)

Kurzmeldungen

Spanien: Freispruch
Ein Richter sprach zwei Männer vom Vorwurf des Drogenhandels frei, da einer von beiden das konfiszierte Cannabis zur Behandlung seiner chronischen Rückenschmerzen verwendete, die nicht ausreichend auf verfügbare Medikamente ansprachen. Die Polizei hatte im September 2003 17 Cannabispflanzen in ihrem Garten gefunden. Nach dem Trocknen der Pflanzen wogen diese 1,43 kg und enthielten 3,1 Prozent THC. Es ist das erste Urteil dieser Art in Asturien, einer der autonomen Regionen Spaniens mit der Hauptstadt Oviedo. (Quelle: La Nueva Espana vom 13. April 2005)

Wissenschaft: Glaukom
Italienische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Konzentrationen von Endocannabinoiden im Ziliarkörper von Augen von Glaukom-Patienten niedriger sind als in Augen von Gesunden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass diese endogenen Cannabinoide eine Rolle bei dieser Erkrankung spielen, besonders hinsichtlich der Regulation des Augeninnendrucks. (Quelle: Chen J, et al. Biochem Biophys Res Commun 2005;330(4):1062-7)

Wissenschaft: Ecstasy und Cannabis
Britische Forscher berichteten, dass Ecstasy-Konsumenten, die keinen Cannabis verwendeten, aggressiver waren und über mehr körperliche Symptome klagten als Ecstasy-Konsumenten, die monatlich oder wöchentlich Cannabis rauchten. Starker Cannabiskonsum in der Vergangenheit war mit vermehrten paranoiden Symptomen assoziiert. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass "mäßiger Cannabiskonsum dabei helfen kann, MDMA-induzierte Aggressionen und körperliche Symptome zu lindern oder zu maskieren. Allerdings bestätigt diese Studie, dass starker Cannabis- und Ecstasy-Konsum mit verschiedenen psychobiologischen Problemen assoziiert ist, die nach einer Abstinenzperiode von beiden Drogen auftreten können." (Quelle: Milani RM, et al. Hum Psychopharmacol. 2005 April; [Elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Gehirntumoren
Verglichen mit menschlichem gesunden Gehirngewebe wurden im Gewebe von zwei Gehirntumoren (Glioblastom und Meningiom) massiv erhöhte Endocannabinoidspiegel gefunden. Die Forscher schlossen daraus, dass erhöhte Endocannabinoidspiegel, "die in den zwei Arten von Tumorgewebe gefunden wurden, möglicherweise als endogene Antitumor-Botenstoffe agieren, indem sie sowohl Cannabinoid- als auch Nicht-Cannabinoidrezeptor-abhängige Mechanismen stimulieren". (Quelle: Petersen G, et al. J Neurochem 2005;93(2):299-309)

Wissenschaft: Schizophrenie
Hawaiianische Forscher untersuchten die Frage, ob der Beginn schizotypischer Symptome bei gewohnheitsmäßigen Cannabiskonsumenten dem Beginn des Cannabiskonsums vorausgingen, oder ob diese Symptome dem Cannabiskonsum folgten. Ihre Studie in einem großen Kollektiv von College-Studenten (n = 189) fand heraus, dass diese Symptome im Allgemeinen vor Beginn des Cannabiskonsums auftreten, eine Beobachtung, die die These eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie nicht unterstützt. (Quelle: Schiffman J, et al. Psychiatry Res 2005;134(1):37-42)

Blick in die Vergangenheit

Vor einem Jahr

Vor zwei Jahren

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