Häufig gestellte Fragen
Epilepsie:
Besitzen Cannabinoide anfallsmindernde Eigenschaften?
Antworten:
Presseagentur-Artikel
Ein Richter aus Ontario sprach am Mittwoch einem Mann aus Toronto das Recht zu, Marihuana anbauen und verwenden zu dürfen, um seine schwere Epilepsie zu kontrollieren. Er bezeichnete das Gesetz, das eine medizinische Verwendung von Marihuana verbietet, als verfassungswidrig. Das bahnbrechende Urteil war ein großer Sieg für die Unterstützer der Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke und für den Angeklagten, den 42-jährigen Terence Parker, der seit 20 Jahren dafür gekämpft hatte, Marihuana zur Kontrolle seiner schweren Form von Epilepsie verwenden zu dürfen. (...)
Die Epilepsie-Gesellschaft begrüßte das Urteil: "Wir denken, dass die Menschen Gelegenheiten und Möglichkeiten zur Wahl haben sollten. Menschen, die Epilepsie haben, verwenden im Allgemeinen Medikamente, die ihre Anfälle kontrollieren oder es versuchen. Viele von ihnen bekommen mit diesen Medikamenten keine Kontrolle über ihre Anfälle und suchen nach einem anderen Weg.
Quelle: Reuters vom 10. Dezember 1997
Gordan und Devinsky
Die Forschung an Menschen und Tieren zur Wirkung von Marihuana auf die Anfallsaktivität ist ergebnislos. Es gibt gegenwärtig unzureichende Daten, um zu bestimmen, ob gelegentlicher oder regelmäßiger Marihuanakonsum die Anfallshäufigkeit beeinflusst. Es gibt einige Hinweise, dass Marihuana und seine aktiven Cannabinoide antiepileptische Wirkungen zeigen, aber diese könnten spezifisch für partielle oder tonisch-klonische Anfälle sein. In einigen Tiermodellen können Marihuana und seine Bestandteile die Krampfschwelle erniedrigen und damit Anfälle erleichtern. Vorläufige unkontrollierte klinische Studien legen nahe, dass Cannabidiol antiepileptische Wirkungen beim Menschen haben kann. (...) Marihuanakonsum oder -entzug könnten bei anfälligen Patienten potenziell Krämpfe auslösen.
Modifiziert nach: Gordon E, Devinsky O. Alcohol and marijuana: effects on epilepsy and use by patients with epilepsy. Epilepsia 2001 Oct;42(10):1266-72.
867.
Carlini und Cunha
Fünfzehn Patienten, die an einer sekundären generalisierten Epilepsie litten, die nicht auf bekannte antiepileptische Medikamente ansprachen, erhielten 4,5 Monate lang entweder 200 bis 300 mg Cannabidiol am Tag oder ein Placebo. Sieben der acht Epileptiker, die Cannabidiol erhielten, zeigten eine Verbesserung ihres Krankheitszustandes, während nur einer der Placebo-Patienten eine Verbesserung aufwies.
Quelle: Carlini EA, Cunha JM. Hypnotic and antiepileptic effects of cannabidiol. J Clin Pharmacol 1981;21(8-9 Suppl):417S-427S.
Medizininstitut der USA
Es gibt anekdotische und einzelne Fallberichte, nach denen Marihuana Anfälle bei Epileptikern kontrolliert, aber es gibt keine soliden Beweise, die diese Annahme unterstützen. Obwohl es keine Studien gibt, die darauf hindeuten, dass weder Marihuana noch THC Anfälle verschlechtern, so gibt es gleichzeitig keine wissenschaftliche Basis, die solche Studien rechtfertigen würden. (...)
Die potenzielle antiepileptische Aktivität von Cannabidiol (CBD) wurde untersucht. Sie ist jedoch nicht vielversprechend. Drei kontrollierte Studien wurden durchgeführt, bei denen Cannabidiol Patienten mit generalisierten oder fokalen Anfallsleiden oral gegeben wurde. Zwei dieser Studien wurden niemals veröffentlicht. (...)
Selbst wenn CBD anti-epileptische Eigenschaften hätte, wären diese Studien wahrscheinlich zu klein, um die Wirksamkeit zu demonstrieren. Um die Wirksamkeit von antiepileptischen Medikamenten zu beweisen, benötigt man im Allgemeinen eine große Anzahl von Patienten, die über einige Monate beobachtet werden, weil die Häufigkeit der Anfälle sehr variabel ist und die Ansprechbarkeit auf die Behandlung in Abhängigkeit vom Anfallstyp variiert.
Quelle: Joy JE, Watson SJ, Benson JA, eds. Marijuana and Medicine: Assessing the Science Base. Washington DC: Institute of Medicine, National Academy Press, 1999.