------------------------------------------------------------------------------- ACM-Informationen vom 9. Januar 1999 ------------------------------------------------------------------------------- * Großbritannien: Erste legale Ernte von Marihuana für die medizinische Verwendung * Wissenschaft: Forschung zu den blutdrucksenkenden Eigenschaften von Endocannabinoiden 1. Großbritannien: Erste legale Ernte von Marihuana für die medizinische Verwendung Am 30. Dezember wurde das erste, mit einer Lizenz von der Regierung angebaute Cannabis für die medizinische Forschung durch ein speziell ausgewähltes Team von Botanikern geerntet. Mehrjährige Studien mit insgesamt bis zu 2.000 Personen sollen im Frühjahr beginnen, wenn aus den Pflanzen Medizin hergestellt wurde. Mit ihr sollen Verfahren zur Behandlung von Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Epilepsie entwickelt werden. Der Drogenhanf wurde rund um die Uhr bewacht, während hunderte von potenten Pflanzen in den letzten vier Monaten eine Höhe von 2,5 Meter erreichten. Niemand außer dem Innenministerium und den Mitarbeitern von GW Pharmaceuticals kennen den genauen Ort des Gewächshauses in Südengland. Dr. Geoffrey Guy, Leiter des Pharmaunternehmens, besitzt die einzige Lizenz für den Anbau des Betäubungsmittels für die medizinische Forschung. Diese wird mehrere Jahre dauern. Die Regierung hat eine Serie weiterer Studien genehmigt, die von der Königlichen Pharmazeutischen Gesellschaft durchgeführt werden. Dr. Guy sagte, dass Großbritannien das einzige Land mit einem pragmatischen und offenen Einstieg in die Erforschung der Droge sei. "Wir erfreuen uns einer liberalen Forschungslandschaft," erklärte er. "Unser erstes Ziel ist die Durchführung von Forschung und nicht die Suche nach tausend Gründen, um sie zu blockieren." Botaniker haben zehn Hanfsorten für den ersten Anbau ausgewählt, mit dem Ziel, einen hohen Ertrag an Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) zu erzielen. Die geschätzten 1.000 Multiple-Sklerose-Kranken, die in Großbritannien illegal Cannabis verwenden, kaufen ein Produkt mit einem hohem Gehalt an THC, dem wichtigsten psychoaktiven Inhaltsstoff. Wissenschaftler sind auch an CBD interessiert, von dem angenommen wird, dass es die Nebenwirkungen von THC vermindert und nützlich bei der Behandlung von Schlaganfall und Epilepsie sein könnte. Dr. Guy: "Möglicherweise werden wir eine spezielle MS-Sorte oder eine spezielle Epilepsie-Sorte züchten." Nach der Ernte wurden die Pflanzen zum Trocknen aufgehängt. Danach werden sie vorbereitet für die Herstellung eines flüssigen Extrakts, der mit speziellen Inhalatoren angewandt werden soll. (Quelle: The Times vom 28. Dezember 1998, persönliche Mitteilung von David Watson) 2. Wissenschaft: Forschung zu den blutdrucksenkenden Eigenschaften von Endocannabinoiden Wissenschaftler an der medizinischen Fakultät der Universität Nottingham (Großbritannien) erforschen die Wirkungen von Endocannabinoiden auf den Kreislauf. Diese vom Körper hergestellten Substanzen binden an die gleichen Rezeptoren wie Cannabinoide der Hanfpflanze. Der Prototyp der Endocannabinoide, das Anandamid (N-Arachidonylethanolamid), ein Abkömmling der Arachidonsäure, relaxiert die Blutgefäße, besonders in den Widerstandsgefäßen (Arterien). Dies kann den Blutdruck senken. Die Studie wird mit 120.000 Englischen Pfund von der britischen Herzstiftung unterstützt. Dr. David Kendall, einer der Wissenschaftler, erklärte: "Diese Forschung soll uns weiteren Aufschluss darüber geben, wie diese Substanzen den Kreislauf beeinflussen. Das ist ein neues und aufregendes Forschungsgebiet, das schließlich in besseren Behandlungsmöglichkeiten für eine Reihe von Herzkreislaufkrankheiten münden könnte." Professor Brian Pentecost, medizinischer Direktor der britischen Herzstiftung, erklärte: "Dies sind natürliche Substanzen, die in jedem Körper vorkommen, und sie scheinen wichtige Wirkungen auf den Kreislauf zu haben. Wir hoffen, dass dieses Projekt neue Aufschlüsse darüber bringt, wie wir diese Effekte nutzen können, um Herzpatienten zu helfen." Zwischen 10 und 20 Prozent der Erwachsenen in den westlichen Gesellschaften leiden an einem hohen Blutdruck. Bluthochdruck belastet Herz und Blutgefäße und vergrößert erheblich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden oder eine Herzerkrankung zu entwickeln. Die Aktivierung von Kaliumkanälen scheint eine Rolle bei der durch Anandamid verursachten Gefäßrelaxation zu spielen. Dr. Michael Randall und Dr. David Kendall aus Nottingham schlagen vor, dass ein Endocannabinoid die Stickstoffmonoxid- und Prostaglandin-unabhängige Komponente der endothelabhängigen Relaxation ist. Es konnte kürzlich gezeigt werden, dass Anandamid von Endothelzellen produziert wird. (Endothelzellen kleiden die Innenwände von Blutgefäßen aus. Stickstoffmonoxid und Prostaglandine spielen eine wichtige Rolle bei der endothelabhängigen Relaxation, können aber nicht alle Effekte erklären.) Diese Hypothese hat zu einer wissenschaftlichen Kontroverse geführt. Es ist unklar, ob der Effekt auf die Blutgefäße cannabinoidrezeptorabhängig (Randall 1997) oder cannabinoidrezeptorunabhängig ist (Plane 1997). Eine Forschergruppe der Medizinischen Fakultät von Wisconsin in Milwaukee schlägt vor, dass der gefäßerweiternde Effekt von Anandamid aus seiner Umwandlung zu Arachidonsäure, gefolgt von einer enzymatischen Umwandlung in gefäßerweiternde Eikosanoide wie etwa Prostaglandine resultiert (Pratt et al. 1998). Weitere Beobachtungen hinsichtlich der Rolle von Endocannabinoiden bei der Blutgefäßrelaxation von anderen Forschergruppen: Die Aktivierung peripherer CB1-Cannabinoidrezeptoren trägt zum hämorrhagischen Blutdruckabfall beim septischen Schock bei. Sie scheinen durch Anandamid aus Makrophagen (Fresszellen) und durch 2-Arachidonylglycerol (ein anderes Endocannabinoid) aus Blutplättchen aktiviert zu werden (Varga 1998). Ein Anandamid-Signalsystem existiert auch in der Niere, wo es relevante gefäßrelaxierende und neuromodulatorische Effekte ausübt. Es kommt der CB1- und der CB2-Rezeptor vor. Die Gefäßrelaxation wird durch einen CB1-Cannabinoidrezeptorantagonisten blockiert (Deutsch 1997). (Quellen: PA News vom 29. Dezember 1998; Randall MD, Kendall DA: Eur J Pharmacol (1998) 346:51-53; Randall MD, Kendall DA: Trends Pharmacol Sci (1998) 19:55-58; Varga K, et al: FASEB J (1998) 12:1035-1044; Deutsch DG, et al.: J Clin Invest (1997) 100:1538-1546; Plane F, et al: Br J Pharmacol (1997) 121:1509-1511; Pratt PF, et al: Am J Physiol (1998) 274:H375-381; Randall MD, et al: Eur J Pharmacol (1997) 333:191-197) 3. Kurzmeldungen ****USA: Der neu gewählte Generalstaatsanwalt von Kalifornien, Bill Lockyer, hat eine neue Haltung gegenüber Proposition 215, Kaliforniens zwei Jahre altem Gesetz zur medizinischen Verwendung von Marihuana, signalisiert. Unter Lockyers Vorgänger, Dan Lungren, hatten die lokalen Landkreise und Städte nahezu keine Chance, das Gesetz umzusetzen. Herr Lockyer erklärte, dass er den Wählerwillen umsetzen werde. (Quelle: Orange County Register vom 4. Januar 1999) ****Niederlande: Die Niederlande haben deutlich weniger Cannabiskonsumenten als zuvor gedacht. Dies sagt eine Studie, die am 5 Januar veröffentlicht wurde. Die Studie, die vom Gesundheitsministerium finanziert und von der Universität von Amsterdam sowie dem Zentralen Statistikbüro durchgeführt wurde, fand, dass 15,6 Prozent aller Holländer im Alter von 12 Jahren oder darüber jemals Cannabis verwendet oder probiert haben, gegenüber einem Prozentsatz von 32,9 Prozent in den USA. 2,5 Prozent der Holländer hatte Cannabis innerhalb des letzten Monats konsumiert. (Quelle: Reuters vom 6. Januar 1999) ****Frankreich: Frankreich sollte nach einem Bericht eines interministeriellen Komitees an die Regierung einen pragmatischeren Ansatz zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs wählen. Es sollte berücksichtigt werden, dass Alkohol und Tabak weit mehr Menschen töten als Heroin oder Kokain. Die Zeitung 'Le Monde', die am 7. Januar Auszüge des Berichts veröffentlichte, sagte, das Komitee habe die Regierung gedrängt, eine Politik anzuwenden, "die alle Arten von Suchtverhalten berücksichtigt, unabhängig vom legalen Status des Produkts." Etwa zwei Millionen Menschen in Frankreich (etwa 5 Prozent) rauchen Cannabis. (Quelle: Reuters vom 7. Januar 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zur Art und Weise wie sein Vorgänger, Dan Lungren, mit der kalifornischen Proposition 215 umging: "Ich habe manchmal im Spaß daran gedacht, dass Dan eine Kopie von 'Reefer Madness' zu Hause hat." (Anmerkung: 'Reefer Madness' (Kifferwahn) ist ein US-Film aus den dreißiger Jahren, der von Unterstützern des Marihuanaverbots produziert worden war.) Bill Lockyer, neuer Generalstaatsanwalt von Kaliforniern (Orange County Register vom 4. Januar 1999) ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 23. Januar 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Deutschland: Neues Dronabinol-Präparat von THC Pharm * USA: Grundsätzliche Höherrangigkeit von Bundesrecht gegenüber Landesrecht in Frage gestellt 1. Deutschland: Neues THC-Präparat von THC Pharm Eine Apotheke in Frankfurt/Main bietet seit Januar 1999 Dronabinol (THC) für etwa ein Viertel des horrenden Preises an, der in deutschen Apotheken für das US-amerikanische Dronabinol-Präparat Marinol gezahlt werden muss. Es handelt sich um die Bock-Apotheke, Leipziger Str. 71, 60487 Frankfurt, Tel. 069-9706370, Fax: 069-9706-3777. Dronabinol wird in der Apotheke in Zusammenarbeit mit der Firma THC Pharm GmbH, The Health Concept, hergestellt und kann so als apothekenübliche Rezeptur abgegeben werden. Dieses Vorgehen ist ein Übergangsmodell, das bis zur Erteilung der Handelsgenehmigung durchgeführt wird. Dann soll dieses Dronabinol bundesweit an alle Apotheken geliefert werden. Folgende Rezepturen sind erhältlich: - Dronabinol gelöst in Sesamöl und abgepackt in Hartgelatine-Kapseln - Dronabinol in alkoholischer Lösung. 25 Kapseln zu 5 mg kosten beispielsweise 354,10 DM und 25 Kapseln zu 10 mg kosten 684,70 DM. 10 ml Tropfen 1%ig kosten 269,70 DM und 10 ml Tropfen 2%ig kosten 534,12 DM. Weitere Apotheken in anderen Städten sollen in den nächsten Monaten folgen. Interessierte Apotheken erhalten auf Anfrage Informationen in der Bock-Apotheke oder bei: info@thc-pharm.de Ausgangspunkt der Herstellung des Dronabinols ist Nutzhanf, aus dem das CBD (Cannabidiol) extrahiert wird, welches dann im Labor in THC umgewandelt wird. THC-Pharm kann auch CBD als Rezeptursubstanz an Apotheken liefern. Da CBD nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, kann es auf einem normalen Rezept verschrieben werden. Preisvergleich: 5 Milligramm THC kosten - etwa 8 DM als eine Marinol-Kapsel in den USA - etwa 60 DM als eine Marinol-Kapsel in Deutschland - etwa 14 DM als eine Dronabinol-Kapsel von THC Pharm - etwa 1 DM als 0,1 Gramm Marihuana mittlerer Qualität. (Quelle: persönliche Mitteilung THC-Pharm vom 14. Januar 1999) 2. USA: Die Höherrangigkeit von Bundesrecht über Landesrecht in Frage gestellt Die US-amerikanische Verfassung erlaube dem Bundesrecht nicht automatisch, das Recht der Bundesstaaten zu übertrumpfen. So argumentiert die Stadt Oakland in einem Schriftstück vom 11. Januar zur Unterstützung der umkämpften Cannabis Buyers Kooperative von Oakland. In seinem jüngsten Versuch, den 2.000 Mitglieder starken Klub zu unterstützen, bezieht sich die Stadt in ihrem Schriftsatz auf den neunten und zehnten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung. Der Schriftsatz wurde für die Stadt von Linda LeCraw und dem ehemaligen Berater der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, Peter Barton Hutt; verfasst. "Es ist ein extrem wichtiger Fall," erklärte Hutt, der bei der Abfassung des Betäubungsmittelgesetzes von 1974 beteiligt war. Das Bundesjustizministerium hatte im letzten Januar die Schliessung des Klubs angeordnet, mit der Begründung, dass Marihuana nach dem Betäubungsmittelgesetz eine illegale Substanz sei. Im Schriftstück wird die Position vertreten, dass die Betrachtung der medizinischen Verwendung von Marihuana durch die Bundesgesetze als "gesetzgegebene Wahrheiten" nicht durch die Logik unterstützt würden, vergleichbar mit Gesetzen, die in der Vergangenheit afrikanische Amerikaner verfolgten, Frauen als wahlunmündig erklärten und japanische Amerikaner während des zweiten Weltkrieges einsperrten. Hutt argumentiert, dass die kalifornischen Wähler durch die Annahme der Proposition 215 im Jahre 1996 "die medizinische Verwendung von Cannabis als ein fundamentales Freiheitsinteresse erachten". Nach dem neunten Zusatzartikel liege die Beweislast der Notwendigkeit, dieses Recht zu verletzen, bei der Bundesregierung. Nach dem zehnten Zusatzartikel darf die Bundesregierung bei einem Recht, dass "den Staaten ... oder den Menschen" vorbehalten ist, nicht eingreifen. (Quelle: Oakland Tribune vom 13. Januar 1999) 3. Kurzmeldung ***USA: Steven Kubby, ein bekannter kalifornischer Aktivist für die medizinische Verwendung von Marihuana sowie Kandidat bei den letzten Gouverneurswahlen, und seine Frau Michele wurden am 18. Januar von einem Dutzend Beamten wegen Marihuanabesitzes für den Verkauf, wegen des Anbaus von Marihuana und wegen Konspiration verhaftet. Etwa 300 Pflanzen wurden beschlagnahmt. Beide besitzen eine Erlaubnis ihres Arztes zur Verwendung von Marihuana nach Proposition 215. Herr Kubby leidet an einem bösartigen Phäochromozytom, dass zu oft anfallsartigen Blutdruckerhöhungen führt, welche bei ihm am besten mit Marihuana zu kontrollieren seien. (Quelle: Orange County Register vom 21. Januar 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zu den Hoffnungen, die mit der geplanten Forschung in Großbritanien zu Cannabis in der Schmerztherapie verbunden sind: "Ich habe nahezu drei Jahre lang verschreibbare Medikamente versucht und auch TENS und Chiropraktik. Aber nichts hat so gut geholfen wie Cannabis - was ich widerstrebend versucht habe, nachdem ein Freund es mir vorschlug und mir etwas gekauft hatte. Ich rauche es zunächst morgens. Wenn ich es nicht täte, würden sich meine Muskeln verkrampfen und ich würde kaum gehen können. Ich rauche es auch abends, damit ich schlafen kann. Ich sehe mich selbst als völlig gesetzestreue Bürgerin und würde es nicht ertragen, wenn mich irgend jemand als Kriminelle betrachtet. Man sieht Mitglieder des Parlaments, wenn sie interviewt werden, mit einem Glas Whisky in der einen Hand und einer Zigarette in der anderen. Sie nehmen wesentlich gefährlichere Drogen als ich." Diana Beedle, 44, die seit 13 Jahren an unfallbedingten Rückenschmerzen und Krämpfen leidet (Daily Mail vom 19. Januar 1999) ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 6. Februar 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * USA/Kalifornien: Weiterhin Unklarheit über die Umsetzung von Proposition 215 * Marvin Chavez zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt 1. USA/Kalifornien: Weiterhin Unklarheit über die Umsetzung von Proposition 215 Marvin Chavez zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt Marvin Chavez, Gründer des medizinischen Marihuana-Klubs von Orange County in Kalifornien wurde am 29. Januar wegen des Verkaufs von Marihuana an verdeckte Ermittler, die sich als Schmerzpatienten ausgegeben hatten, und wegen der Versendung von Cannabis an einen Krebspatienten zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Richter Thomas Borris ließ keine Verteidigung auf der Grundlage von Proposition 215, der in 1996 angenommenen Marihuana-Initiative, zu. Chavez ist bereits wegen Drogendelikten vorbestraft. Staatsanwalt Carl Armbrust überzeugte die Jury, dass er Marihuana verkauft habe. "Während ein Gesetz verabschiedet wurde, nach dem Menschen, die Marihuana benötigen, dieses besitzen, verwenden und anbauen dürfen, so gibt es kein Gesetz, dass den Verkauf von Marihuana erlaubt," erklärte er. Während Armbrust sagte, Chavez sei nicht mehr als ein gerissener Strassendealer, der Proposition 215 als Vorwand verwendet, sagen Freunde von Chavez, nichts sei entfernter von der Wahrheit. Die Unklarheit darüber, wie Proposition 215 in Kalifornien umgesetzt werden soll, ist weiterhin groß. Viele Cannabis-Klubs in Nordkalifornien haben geschlossen und viele Behörden stimmen in der Interpretation nicht überein. "Die Cannabis-Klubs waren ein grosser Notbehelf (...), aber es war nicht die Lösung," erklärte Scott Imler, Direktor des Cannabis Resource Center in West Hollywood/Los Angeles. Das Zentrum ist eins von zwei bekannten Marihuana-Klubs in Südkalifornien und hat 1.100 Mitglieder. "Das größte Problem, das wir hatten, sind fehlende Richtlinien der Exekutive," erklärte Jason Browne, ein Treuhänder des Humboldt Cannabis Center in Arcata. "Jeder wartet auf den anderen, dass der etwas tut, und in der Zwischenzeit leiden darunter die Patienten." Der neue Gouverneur Gray Davis, ein Demokrat, hat bisher nicht gesagt, ob er Richtlinien verabschieden will. Generalstaatsanwalt Bill Lockyer, ebenfalls ein Demokrat, erklärte, dass er für das Marihuanagesetz gestimmt habe, und stimmte der Einschätzung zu, dass mehr Klarheit notwendig sei. Seine Mutter und seine Schwester starben beide an Leukämie. "Es gibt Versäumnisse, Lücken und Mehrdeutigkeiten in der ursprünglichen Gesetzesfassung, die von einer Klärung profitieren würden," sagte Lockyer. "Es ist nicht ganz klar, wer ein Betreuer sein kann und wie genau das System für den Aufbau einer Verteilungsstelle oder Klinik aussieht." Patienten können Marihuana noch in Verteilungsstellen in San Francisco, West Hollywood, San Diego, Fairfax, Sonoma County, Ukiah, Arcata, Berkeley und Hayward bekommen. "Bevor die Bundesregierung nicht ihre Politik ändert oder eine nichteingreifende Rolle einnimmt, so lange kann das kalifornische Verfahrensschema nicht legal umgesetzt werden," sagte Lockyer. "Wenn unser Gesetz strenger wäre und es eher eine Klinik gäbe -- keine Kultstruktur in der Satzung --, dann wäre das vielleicht teilweise überzeugend für die Bundesregierung, wenn sie sehen, dass es ein strenges Regulationssystem gibt." (Quellen: Orange County Register vom 30. Januar 1999, AP vom 30. Januar 1999) 2. Kurznachrichten ****USA: Behördenvertreter und Unterstützer der medizinischen Verwendung von Marihuana sagen, dass eine Übersicht der nationalen Institute für Medizin, die noch in diesem Monat veröffentlicht werden soll, sich ablehnend äussert in der Frage einer Einstufung von Marihuana als eine weniger gefährliche Droge oder in der Frage eine Verschreibungsfähigkeit durch Ärzte. Die achtzehnmonatige Übersicht über die gesundheitlichen Auswirkungen von Marihuana und seinen arzneilichen Nutzen war vom Drogenbeauftragten Barry McCaffrey angefordert worden. (Quelle: AP vom 30. Januar 1999) ****Australien: Das erste Behandlungsprogramm für Cannabisabhängige hat in Adelaide begonnen. Das achtwöchige Programm behandle alle Lebens- und Persönlichkeitsaspekte eines Abhängigen, weil die meisten Abhängigkeiten als Antwort auf Leid im normalen Leben entstünden, erklärte Programmkoordinator Nick Gill. Es besteht aus zwei wichtigen Komponenten. Die erste ist ein kognitives Training, ein Management für Stimmung und Denken, um Strategien für die Überwindung des Konsumdrangs und für die Vorbeugung von Rückfällen zu entwickeln. Der andere Hauptschwerpunkt liegt auf dem psychologischen und spirituellen Wohlbefinden. (Quelle: Australian Associated Press vom 29. Januar 1999) ****Großbritannien: Die Zahl der jungen Briten, die illegale Drogen nehmen, hat nach einem Regierungsbericht vom 29. Januar in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich zugenommen. Allerdings beschränken sich nach dem Bericht des Office for National Statistics die meisten Jugendlichen auf Cannabis. "Die meisten Menschen, die Drogen ausprobiert haben, machen genau das -- probieren sie und hören damit auf." Etwa 40 Prozent der 20-24jährigen haben eine Marihuanazigarette geraucht. Aber nur etwa 20 Prozent von ihnen haben Amphetamine oder LSD ausprobiert. "Im Gegensatz zu einigen Vorurteilen weisen gutausgebildete Arbeitnehmer eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, jemals in ihrem Leben Drogen genommen zu haben, als ärmere, ungelernte Arbeiter," heisst es im Bericht. "Aber unter den regelmäßigen Drogenkonsumenten tendieren jene mit einer höheren Konsumfrequenz und jene, die zu gefährlicheren Formen der Anwendung (wie etwa Injektion) wechseln, dazu, ungelernt zu sein." (Quellen: Reuters vom 29. Januar 1999, PA News vom 29. Januar 1999) 3. DER KOMMENTAR ... zu seiner Erfahrung mit der Wirkung von Cannabis bei einem Schmerzpatienten: "Cannabis ist kein neues Medikament und weist klar eine relativ niedrige Toxizität auf. Es sollte nicht ausgeteilt werden wie Smarties (genauso wenig wie Valium), aber es sollte nicht würdigen Fällen wie Walter verweigert werden, nur wegen des ineffektiven weltweiten "Drogenkriegs" der USA während der vergangenen 80 Jahre." Dr. Colin Brewer, medizinischer Direktor des Stapleford Centre in London (The Independent vom 2. Februar 1999) KLARSTELLUNG: In den letzten ACM-Informationen berichteten wir von in einer Frankfurter Apotheke seit kurzem erhältlichen Dronabinol-Zubereitungen. Wir stellen hiermit klar, dass uns nur für die sachlichen Angaben zu diesem Dronabinol die Informationen von THC Pharm als Quelle dienten. Alle anderen Ausführungen stammten nicht von THC Pharm. ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 20. Februar 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * USA: AIDS-Organisationen drängen auf eine Zulassung der medizinischen Verwendung von Marihuana 1. USA: AIDS-Organisationen drängen auf eine Zulassung der medizinischen Verwendung von Marihuana Eine Koalition von AIDS-Organisationen richtete am 18. Februar eine Petition an den Drogenbeauftragten der USA, Barry McCaffrey, mit der Bitte, eine zügige Zulassung von Marihuana zur medizinischen Verwendung sicher zu stellen. "Wir drängen Sie, die bürokratische Trägheit zu durchbrechen, die ein potentiell lebensrettendes Medikament, Marihuana, nahezu unerreichbar für Tausende von Menschen mit AIDS, zurückhält," erklären die 17 Gruppen in einem Brief, ihrem ersten gemeinsamen Aufruf für die Legalisierung von Marihuana für die arzneiliche Anwendung. Die Organisationen, zu denen der "AIDS Action Council", die "San Francisco AIDS Foundation" und die "Latino Commission on AIDS" zählen, erklärten, dass die beschleunigten Zulassungsverfahren, die bei AIDS-Medikamenten wie den Protease-Hemmern verwendet werden, auch auf Marihuana angewendet werden sollten. "Marihuana auf einer quasi-experimentellen Basis für Patienten mit AIDS zugänglich zu machen, (...) ist ein moderater Schritt, der zum verantwortungsvollen Umgang der Bundesregierung mit der Epidemie beitragen kann," erklärten die Gruppen. Kopien des Briefes wurden an den Gesundheitsminister, an den Direktor der Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration), das Büro der nationalen AIDS-Politik und die Vorsitzenden der Fraktionen im Kongress und Senat geschickt. McCaffrey, Leiter der nationalen Drogenbehörde, ist ein harter Gegner der medizinischen Verwendung von Marihuana. Nach seiner Ansicht verwendeten die Reformer eine gefälschte Wissenschaft, um die generelle Legalisierung der Droge zu erreichen. Die AIDS-Gruppen erklärten, das AIDS-Patienten nicht warten sollten, bis die Wissenschaft das Thema geklärt habe. "Wissenschaft und Mitgefühl sollten die Politik unserer Nation bei der medizinischen Behandlung bestimmen," heißt es in dem Brief. "Allerdings stand die Politik der Zulassung von Marihuana als legalem Medikament im Weg, und die volle Entwicklung einer wissenschaftlichen Basis, die zu einer arzneimittelrechtlichen Zulassung führt, könnte noch Jahre entfernt sein." (Quelle: Reuters vom 18. Februar 1999) 2. ****Wissenschaft: Dr. Andrea Hohman vom amerikanischen Nationalen Institut für Zahn- und Gesichtsschädel-Forschung erklärte in einem Interview zur Möglichkeit der Entwicklung von Medikamenten zur Schmerztherapie, die die Wiederaufnahme von endogenen Cannabinoiden hemmen: "Es könnte möglich sein, die Konzentration der körpereigenen Cannabinoide zu manipulieren. Man könnte Medikamente wie Prozac [ein Serotoninwiederaufnahmehemmer, der als Antidepressivum verwendet wird] erschaffen, die die Wiederaufnahme der Cannabinoide in die Körperzellen blockieren oder ihren Abbau hemmen, so dass sie länger wirksam sind." (Quelle: Milwaukee Journal Sentinel (USA) vom 8. Februar 1999) ****Wissenschaft: Schwangere, die Zigaretten rauchen oder Kokain verwenden, weisen ein höheres Risiko für Fehlgeburten auf. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im New England Journal of Medicine publiziert wurde. Tabakraucher weisen danach ein nahezu zweimal so hohes Risiko für Fehlgeburten auf wie Nichtraucher und Kokainverwender ein etwa eineinhalb mal so großes Risiko. Die Studie fand keinen Zusammenhang zwischen Alkohol oder Marihuanakonsum und spontanen Aborten. Die Forscher nahmen 970 Frauen in die Untersuchung auf, die die Notfallaufnahme des Krankenhauses der Universität von Pennsylvania in Philadelphia wegen einer Fehlgeburt oder eines anderen Problems aufsuchten und weniger als 22 Wochen lang schwanger waren. Es handelt sich um die erste Studie, die Haar- und Urintests zur Drogenbestimmung verwendete, anstatt sich auf die Angaben der Frauen zu verlassen. (Quelle: AP vom 3. Februar 1999) ****Wissenschaft: Testosteron-Konzentrationen könnten nach einer kleinen Studie den Effekt von Cannabis auf das Gehirn beeinflussen. Professor Jayashri Kulkarni, Direktorin für Psychiatrie des Zentrums für seelische Gesundheit des Dandenong-Gebietes (Australien), erklärte, dies könnte ein Grund sein, warum mehr Männer die Droge verwendeten. "Wir haben festgestellt, dass Patienten mit hohen Testosteronspiegeln auch hohe Raten einer Cannabisverwendung aufwiesen sowie ein hohes Niveau an psychotischen Symptomen inklusive Halluzinationen, Wahnvorstellungen und formalen Denkstörungen," erklärte sie. Unter den 40 untersuchten Patienten wiesen tägliche starke Cannabiskonsumenten die höchsten Testosteronspiegel auf. (Quelle: Australian Associated Press vom 16. Februar 1999) 3. DER KOMMENTAR ... im neuen Buch von Robert C. Randall und Alice M. O'Leary: "So seltsam es klingen mag. Hier ist ein Republikaner vom rechten Flügel, der den sorgfältig kontrollierten medizinischen Zugang zu Marihuana unterstützt. Als unsere heranwachsende Tochter sich wegen eines Lymphdrüsenkrebses einer Chemotherapie unterzog, war ihr übel und sie musste sich wegen ihrer Behandlung andauernd übergeben. Keine legalen Medikamente, inklusive der synthetischen "Marihuana"-Pille Marinol, halfen ihr in dieser Situation. Daher wandten wir uns schließlich Marihuana zu, welches wir selbstverständlich illegal besorgen mussten. Damit konnte sie ihre Nahrung bei sich behalten. Es ging ihr gut und sie nahm sogar zu. (...) Einem Arzt sollte jedes mögliche Medikament - inklusive Marihuana - zur Verfügung stehen. (...)" Lyn Nofziger, in: Vorwort zu "Marijuana RX - The Patients Fight for Medicinal Pot", veröffentlicht im Februar 1999. (Herr Lofziger war Sprecher des Weißen Hauses und Chef-Redenschreiber des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan.) ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 6. März 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Welt: UN-Bericht ermutigt zur Erforschung des medizinischen Potentials von Cannabis * Kanada: Gesundheitsminister ordnet klinische Studien an * Großbritannien: Einbringung einer Gesetzesvorlage zur medizinischen Verwendung von Cannabis * USA: Einbringung einer Gesetzesvorlage zur medizinischen Verwendung von Marihuana 1. Welt: UN-Bericht ermutigt zur Erforschung des medizinischen Potentials von Cannabis Es sollten gründliche und unparteiische wissenschaftliche Studien zum möglichen medizinischen Nutzen von Marihuana durchgeführt werden. Das empfiehlt der jährliche Bericht der Internationalen Drogenkontrollbehörde (International Drug Control Board, INCB) vom 23. Februar. Der INCB betonte, dass diese Forschung kein Vorwand für die Legalisierung von Cannabis sein dürfe. In seiner "Mitteilung des Präsidenten" erklärte Hamid Ghodse: "Die Behörde hat mit Bedauern festgestellt, dass mögliche medizinische Anwendungen von Cannabis zur Rechtfertigung einer generellen Legalisierung verwendet wurden. Die Behörde begrüßt und ermutigt zu ernsthafter wissenschaftlicher Erforschung der behaupteten medizinischen Eigenschaften von Cannabis sowie die weite Verbreitung diese Arbeit, warnt jedoch davor, diese Forschungsbemühungen als 'Blankoschein' für Legalisierungszwecke zu missbrauchen. Sollte die medizinische Nützlichkeit von Cannabis nachgewiesen werden, so wird es ein Medikament sein, dass sich nicht von den meisten anderen Betäubungsmitteln und psychotropen Substanzen unterscheidet. Cannabis, dass zu medizinischen Zwecken verschrieben würde, würde Gegenstand von Lizensierung und anderen Kontrollmechanismen gemäß der internationalen Kontrollabkommen für Medikamente sein." Der in Wien ansässige INCB ist ein quasi-gerichtliches Kontrollorgan zur Umsetzung der Drogenkonventionen der Vereinten Nationen. Er wurde 1968 auf der Grundlage der Single Convention on Narcotic Drugs (UN-Konvention über Betäubungsmittel) von 1961 eingerichtet. Ihre 13 Mitglieder werden vom Wirtschafts- und Sozialrat der Verneinten Nationen (ECOSOC) gewählt und ihre Arbeit von den Vereinten Nationen (UN) finanziert. Drei Mitglieder werden aus einer Kandidatenliste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und 10 von einer Nominierungsliste der Regierungen gewählt. (Quellen: Pressemitteilung des INCB vom 23. Februar 1999, Jährlicher Bericht des INCB für 1998 auf der Internet-Seite der INCB: http://www.incb.org) 2. Kanada: Gesundheitsminister ordnet klinische Studien an Der kanadische Gesundheitsminister Allan Rock (Liberale) erklärte am 3. März vor dem Abgeordnetenhaus, dass er Beamte mit der Entwicklung von klinischen Studien zur medizinischen Verwendung von Marihuana beauftragt habe. Sie sollen zudem prüfen, wie ein sicherer Zugang zur Droge gewährleistet werden kann. Der Minister gab wenige Details bekannt, erklärte aber, dass klinische Untersuchungen vorbereitet werden sollen, und dass festgestellt werden soll, was für Patienten teilnehmen würden. Die Reaktionen aus der Opposition waren überwiegend positiv, wenn auch Grant Hill von der Reform-Partei, ein Arzt, vor dem Risiko warnte, dass die Studien als erster Schritt zur generellen Legalisierung angesehen werden könnten. Der Abgeordnete Bernhard Bigras vom Block Quebec brachte am 4. März einen Antrag ein, der die Regierung drängt, jeden möglichen Schritt zur Legalisierung einer medizinischen Verwendung von Marihuana zu beschreiten. Bigras hat Unterstützung von den Tories und der NDP. Er beschuldigte den Gesundheitsminister, das Scheitern seines Parlamentsantrages zu betreiben. Bigras erklärte, er bezweifle die Ernsthaftigkeit von Rocks Ankündigung, dass er klinische Tests lancieren werde. Er erklärte, dass falls es Rock aufrichtig mit den Tests meine, er den Antrag vom Block Quebec unterstützen müsse, wenn dieser im Juni zur Abstimmung komme. In der Zwischenzeit könne Rock seinen guten Willen beweisen, indem er die Macht des Gesundheitsministeriums nutzt, um AIDS- und Krebskranken einen legalen Zugang zu Cannabis zu vermitteln. 1997 hatte ein Gericht aus Ontario das Betäubungsmittelgesetz hinsichtlich der therapeutischen Verwendung von Cannabis als verfassungswidrig bezeichnet. (Quellen: Reuters vom 3. März 1999, AP vom 3. März 1999, Calgary Herald vom 4. März 1999, London Free Press vom 5. März 1999) 3. Großbritannien: Einbringung einer Gesetzesvorlage zur medizinischen Verwendung von Cannabis Mitglieder des britischen Parlaments gaben den Unterstützern einer Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke einen kleinen Aufschwung, als sie dem Abgeordneten Paul Flynn von der Labour-Partei gestatteten, eine Gesetzesvorlage einzubringen, die Ärzten die Verschreibung der Droge erlauben würde. Als ein unlizensiertes Medikament, würde es Ärzten erlaubt werden, Cannabis zu verschreiben, aber sie müßten die Personen, die es bekommen, und die Mengen benennen. Obwohl die Gesetzesvorlage nahezu keine Chance hat, Gesetz zu werden, werden solche parlamentarischen Aktivitäten als ein nützlicher Weg angesehen, um für umstrittene Themen zu werben. Sie spiegelt das Gefühl einiger Parlamentsmitglieder, dass Großbritannien bei der medizinischen Verwendung von Cannabis hinter anderen europäischen Staaten hinterher hinkt. Paul Flynn erklärte, dass viele Menschen mit Erkrankungen wie Krebs und Multiple Sklerose nach den gegenwärtigen Gesetzen wie Kriminelle behandelt würden. Die Regierung hat klinische Studien mit Cannabis zur Frage erlaubt, ob es als lizensiertes Medikament zugelassen werden könnte. Aber Herr Flynn sagte: "Die Forschung wird mindestens fünf Jahre brauchen und wahrscheinlich länger. Die Zehntausenden von Multiple Sklerose-, AIDS- und Krebskranken sollten nicht so lange auf eine natürliche Medizin warten müssen, die von Millionen von Menschen seit Tausenden von Jahren verwendet worden ist." (Quellen: PA News vom 23. und 24. Februar 1999, Reuters vom 24. Februar 1999, Independent vom 24. Februar 1999) 4. USA: Einbringung einer Gesetzesvorlage zur medizinischen Verwendung von Marihuana Der Kongress sollte die bundesbehördlichen Beschränkungen gegenüber den Staaten aufheben, die ihren Bürgern die Verwendung von Marihuana für medizinische Zwecke erlauben. Das erklärte der demokratische Abgeordnete Barney Frank. Frank brachte am 2. März eine Gesetzesvorlage ein, nach der Marihuana als Droge der Klasse 2 (Schedule 2, vergleichbar der Anlage 3 des deutschen Betäubungsmittelgesetzes) umgestuft würde, so dass es unter bestimmten Voraussetzungen von Ärzten verschrieben werden könnte, so wie Morphin und andere Betäubungsmittel. Arizona, Alaska, Washington, Oregon, Kalifornien und Nevada haben die medizinische Verwendung der Droge erlaubt. Während Personen, die Marihuana zu medizinischen Zwecken verwenden, in diesen sechs Staaten keine staatliche Verfolgung fürchten müssen, können sie von den Bundesbehörden gerichtlich verklagt werden. Frank sieht keine großen Aussichten, dass der von den Republikanern kontrollierte Kongress seiner Vorlage zustimmen wird. Im letzten Herbst nahm das Repräsentantenhaus mit 310 zu 93 eine Resolution an, nach der Marihuana eine gefährliche und suchterzeugende Droge sei, die nicht für die medizinische Verwendung legalisiert werden sollte. (Quellen: AP vom 3. und 4. März 1999) 5. Kurzmeldungen ****Schweiz: Mit 65 zu 50 Stimmen lehnte der Nationalrat einen Antrag der Grünen zur Legalisierung von Cannabis ab. Die Regierung will über die Legalisierungsfrage erst im Rahmen der geplanten Revision des Betäubungsmittelgesetzes entscheiden. Unterstützung erhielt der Grünen-Antrag von den Sozialdemokraten (SP). Pierre Chiffelle (SP) erklärte, er rauche selber regelmäßig Cannabis. Christine Goll sagte, Haschisch gehöre zur Alltagskultur und habe ein viel geringeres Schadenspotential als Alkohol. Andere Redner warnten vor einer Verharmlosung der Droge. Das Verbot habe seine Berechtigung. (Quelle: Basler Zeitung vom 5. März 1999) ****Großbritannien: Ein Großvater wurde am 23. Februar ins Gefängnis gesperrt, nachdem es ihm nicht gelungen war, ein Gericht zu überzeugen, dass es ihm erlaubt, Cannabis zur Linderung seiner Arthritis zu rauchen. Der Richter urteilte, dass der 56 Jahre alte Eric Mann keine ausreichende Zahl konventioneller Behandlungsmethoden ausprobiert habe, bevor er sich Cannabis zuwandte. Herr Mann leidet an einer verkrüppelnden Arthritis und war selbstmordgefährdet. Konventionelle Medikamente halfen ihm nicht und er versuchte es mit Cannabis, was ihn langsam nahezu schmerzfrei machte. Über die Jahre zog er Hanfpflanzen auf dem Dachboden seines Hauses in West-Wales. Er bekam eine zwölfmonatige Gefängnisstrafe. (Quelle: PA News vom 23. Februar 1999) ****USA: Als AIDS-Patient Peter McWilliams am 26. Februar einen Richter bat, seine Kautionsbedingungen so zu ändern, dass er Marihuana gegen seine Übelkeit rauchen kann, während er auf seinen Prozess im September wartet, lehnte dies die Staatsanwaltschaft ab. Die Staatsanwälte erklärten, dass das Gesetz keinen Raum für Sympathie zulasse. Eine Jury hatte McWilliams im Juli 1998 angeklagt, Marihuana zu besitzen, zu produzieren und zu verteilen, so dass ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe droht. Eine Bedingung für seine Freilassung auf Kaution ist die vollständige Marihuana-Abstinenz. Seit man ihm Cannabis verweigert, hat seine Viruslast von nicht nachweisbar bis zu einem Grad zugenommen, der nach Aussage seines Arztes sein Immunsystem erheblich schädigen wird. (Quelle: Los Angeles Times vom 26. Februar 1999) 6. DER KOMMENTAR ... zur Gefängnisstrafe eines britischen Mannes, der an schwerer Arthritis leidet: "Das ist eine absurd harte Strafe. Bei Verbrechen ohne Opfer sollte keine Gefängnisstrafe verhängt werden." Paul Cavadino, politischer Direktor der nationalen Vereinigung für die Fürsorge und Wiedereingliederung von Straffälligen (PA News vom 23. Februar 1999) ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 20. März 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * USA: Regierungsfinanzierter Bericht schlägt als Übergangslösung Zugang zu Marihuana als Medizin innerhalb klinischer Studien vor * Wissenschaft: Behandlung des Tourette Syndroms mit Cannabis und THC * Großbritannien: Der offizielle Kommentar des britischen Oberhauses zur Zurückweisung ihrer Empfehlungen durch die Regierung 1. USA: Regierungsfinanzierter Bericht schlägt als Zwischenlösung Zugang zu Marihuana als Medizin innerhalb klinischer Studien vor Die seit langem erwartete regierungsfinanzierte Studie des Instituts für Medizin (IOM, Institute of Medicine) drängt Politiker, ihre harte Haltung gegen die therapeutische Verwendung von Cannabis aufzugeben. Sie besagt, dass Marihuana potentiell bei einer Reihe von Symptomen wirksam sei und empfiehlt genaue klinische Studien und die Entwicklung von Applikationssystemen, die die schädlichen Effekte des Rauchens eliminiert. Außer den Schäden durch das Rauchen bewegten sich die Probleme bei der arzneilichen Verwendung von Marihuana innerhalb eines akzeptablen Rahmens, wie sie auch mit der Verwendung anderer Medikamente assoziiert seien. Darüber hinaus könnte Marihuana für die medizinische Verwendung erlaubt werden, ohne dass die nichtmedizinische Verwendung zunehmen würde. Der Bericht greift die Annahmen von Gegnern der medizinischen Verwendung an, nach denen eine Zulassung als Medikament "das falsche Signal aussenden" würde. Die Autoren erklären, dass es "keine überzeugenden Daten für die Unterstützung dieser Besorgnis" gäbe, und stellen fest, dass "diese Frage sich jenseits der Themen bewegt, die normalerweise für medizinische Anwendungen von Medikamenten betrachtet werden." Die mit einer Million Dollar finanzierte, 18 Monate dauernde Studie, die am 17. März in Washington vorgestellt wurde, gibt sechs Empfehlungen, darunter die Durchführung klinischer Studien, die es Patienten mit chronischen Zuständen oder Erkrankungen im Endstadium, die keine andere Alternative haben, erlauben würde, Marihuana sechs Monate lang auf einer experimentellen Basis zu verwenden. Ihre Schlussfolgerungen kontrastieren deutlich die Sichtweise von Mitgliedern des amerikanischen Kongresses, die bei diesem Thema eine harte Linie bevorzugen. Im letzten Herbst, hat das Repräsentantenhaus mit 310 zu 93 Stimmen eine Resolution verabschiedet, nach der Marihuana eine gefährliche und suchterzeugende Droge sei, die nicht für die medizinische Verwendung legalisiert werden sollte. Der Bericht "Marihuana und Medizin: Bewertung der wissenschaftlichen Basis" war im Januar 1997 von der nationalen Drogenkontrollbehörde des Weißen Hauses angefordert worden. Das Institut für Medizin nahm ihre Arbeit im August 1997 auf. Diese umfasste mehrere öffentliche Anhörungen, Besuche bei Cannabis Buyers Klubs und HIV/AIDS-Kliniken und Monate der Analyse der wissenschaftlichen Datenbasis. 1982 hatte das IOM seinen ersten Bericht zur medizinischen Verwendung von Marihuana veröffentlicht und darin festgestellt, dass Cannabis und seine Abkömmlinge bei der Behandlung verschiedener Störungen wie Glaukom, Asthma und Übelkeit bei Krebschemotherapie "vielversprechend" seien. Einige Auszüge aus der Zusammenfassung des neuen 290 Seiten starken Berichts: --- Zum THERAPEUTISCHEN POTENTIAL --- "Die angehäuften Daten zeigen einen potentiellen therapeutischen Wert für Cannabinoid-Medikamente, insbesondere für Symptome wie Schmerzlinderung, Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen sowie Anregung des Appetits." "Die Effekte von Cannabinoiden auf die untersuchten Symptome sind im Allgemeinen moderat und in den meisten Fällen gibt es wirksamere Medikamente. Allerdings variieren Menschen in ihrer Ansprechbarkeit auf Medikamente und es gibt wahrscheinlich immer Untergruppen von Patienten, die nicht gut auf andere Medikamente ansprechen." "In Fällen, in denen die Symptome vielfältig sind, könnte die Kombination von THC-Effekten eine Form der Kombinationstherapie liefern. Beispielsweise würden abgemagerte AIDS-Patienten vermutlich von einer Medikation profitieren, die gleichzeitig Angst, Schmerzen und Übelkeit reduziert sowie den Appetit anregt." --- Zu MÖGLICHEN SCHÄDEN --- "Marihuana ist keine vollständig gutartige Substanz. Es ist eine starke Droge mit einer Vielzahl von Effekten. Allerdings bewegen sich die unerwünschten Effekte einer Marihuanaverwendung mit Ausnahme der Schäden, die mit dem Rauchen verbunden sind, innerhalb der Effekte, die bei anderen Medikamenten toleriert werden." "Die chronischen Effekte von Marihuana (...) sind zwei Kategorien zuzuordnen: Die Effekte durch chronisches Rauchen und die THC-Effekte." "Es wurde ein spezifisches Marihuana-Entzugssyndrom identifiziert, aber es ist mild und kurzlebig." "Es gibt keinen schlüssigen Beweis, dass die Drogeneffekte von Marihuana kausal mit dem späteren Missbrauch anderer illegaler Drogen verbunden sind." "Weder unterstützen noch widerlegen gegenwärtige Daten über den Verlauf der Drogenverwendung die Annahme, die medizinische Verfügbarkeit würde den Drogenmissbrauch verstärken." --- Zur MEDIZINISCHEN VERWENDUNG und klinischen Studien --- "Der Bericht folgert, dass die Zukunft der Cannabinoid-Medikamente nicht im gerauchten Marihuana, sondern in chemisch definierten Medikamenten liegt (...). Bis diese Medikamente entwickelt werden können und für die medizinische Verwendung verfügbar sind, empfiehlt der Bericht Zwischenlösungen." "Obwohl die meisten Wissenschaftler, die Cannabinoide untersuchen, darin übereinstimmen, dass die Wege zur Entwicklung von Cannabinoid-Medikamenten klar vorgezeichnet sind, so gibt es doch keine Garantie, dass die Früchte der wissenschaftlichen Forschung der Öffentlichkeit für die medizinische Verwendung verfügbar gemacht wird. Medikamente auf Cannabinoid-Basis werden nur erhältlich sein, wenn eine öffentliche finanzielle Unterstützung der Forschung gesichert ist und wenn es genügend Anreiz für Privatunternehmen zur Entwicklung und Vermarktung solcher Medikamente gibt." "Klinische Studien zur Marihuanaverwendung für medizinische Zwecke sollten (...) nur eine kurzzeitige Marihuanaverwendung (weniger als sechs Monate) umfassen." "Bis ein nichtrauchbares, schnell einsetzendes Cannabinoid-Applikationssystem erhältlich ist, erkennen wir an, dass es keine klare Alternative für Menschen gibt, die unter chronischen Zuständen leiden, welche durch das Rauchen von Marihuana gelindert werden könnten, wie etwa Schmerzen oder Abmagerung bei AIDS. Ein mögliches Vorgehen ist die Behandlung von Patienten innerhalb von Ein-Personen-Studien, (...)." Das Institut für Medizin wurde 1970 durch die Nationale Akademie der Wissenschaften eingerichtet, damit es politische Themen untersucht, die für die öffentliche Gesundheit von Bedeutung sind. Die Zusammenfassung der Studie ist erhältlich auf der IOM Internetseite: http://www2.nas.edu/medical-mj/index.html (Quellen: Joy JE, Watson SJ, Benson JA (eds): Marijuana and Medicine: Assessing the Science Base. Institute of Medicine, National Academy Press, Washington DC 1999; Pressemitteilung des IOM vom 17. März 1999; UPI, Reuters, PR Newswire, AP, PA News vom 17. März 1999) 2. Wissenschaft: Behandlung des Tourette-Syndroms mit Cannabis und THC Ein Patient mit Tourette-Syndrom wurde erfolgreich mit THC behandelt, nachdem er seinen Ärzten von der Erleichterung seiner Beschwerden durch Marihuanarauchen berichtet hatte. Das Gilles de la Tourette-Syndrom, kurz: Tourette-Syndrom, ist eine häufige und komplexe neuropsychiatrische Erkrankung, die charakterisiert ist durch plötzliche Zuckungen vor allem des Gesichts-, Hals- und Schulterbereiches, sogenannte Tics. Der 25jährige Mann entwickelte die Erkrankung in der Kindheit und wurde im Alter von 22 Jahren diagnostiziert. "Im Alter von 19 Jahren begann er, Marihuana zu rauchen. Wenn er 2 bis 3 Gramm pro Tag rauchte, bemerkte er eine deutliche Verbesserung sowohl von vokalen als auch motorischen Tics. Daher beendete er die weniger wirksame Behandlung mit Pimozid," heißt es in einem Brief von Dr. Kirsten Mueller-Vahl und Kollegen von der Universität von Hannover an das American Journal of Psychiatry. Der Patient wurde einmalig mit 10 mg Delta-9-THC behandelt und seine Symptome besserten sich deutlich nach objektiven Kriterien und subjektivem Erleben. Der Score zur Erfassung der Gesamtschwere der Tics sank innerhalb von 2 Stunden nach der Behandlung von 41 auf 7. Sowohl die motorischen als auch die vokalen Tics verbesserten sich. Diese Veränderungen setzten 30 Minuten nach der Behandlung ein und hielten etwa 7 Stunden an. Es traten keine Nebenwirkungen auf. Auch die Reaktionszeit und die Aufmerksamkeit wurden gebessert. Bei der Kölner Tagung zu Cannabis und Cannabinoiden als Medizin im Dezember 1998 hatte Dr. Mueller-Vahl ein eindrucksvolles Video präsentiert, welches diese Veränderungen dokumentierte. So wie bei anderen Indikationen für THC bzw. Dronabinol auch, wurden die Wissenschaftler zur Durchführung der Studie durch reproduzierbare Erfahrungen von Patienten mit natürlichem Cannabis angeregt (Mueller-Vahl et al. 1997). Eine anschließende klinische Studie von 10 mit THC behandelten Patienten, wurde im Dezember 1998 abgeschlossen und befindet sich nun in der Auswertung. (Quellen: Mueller-Vahl KR, Kolbe H, Dengler R.: Gilles de la Tourette-Syndrom. Einfluss von Nikotin, Alkohol und Marihuana auf die klinische Symptomatik. Nervenarzt 68:985-989, 1997; Mueller-Vahl KR, Schneider U, Kolbe H, Emrich HM: Treatment of Tourette's syndrome with delta-9-tetrahydrocannabinol. Am J Psychiatry 156:3, 1999.) 3. Kurzmeldungen ****Kanada: Der Ehemann einer Frau, die einen langen gerichtlichen Kampf für die Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke ausgefochten hat, sieht einer Verurteilung wegen Drogenbesitzes und -handel entgegen. Der 47jährige Mike Haricky wurde nach einer Polizeirazzia in dem von ihm betriebenen Cannabis Buyers Klub verhaftet. Besitzerin des Zentrums ist seine Frau Lynn, die Multiple Sklerose hat. Das Zentrum wurde 1998 eröffnet, um die Droge an Mitglieder mit bestimmten Erkrankungen wie Krebs oder an Menschen mit einem Brief von ihrem Arzt, der die Marihuanaverwendung für andere Leiden gutheißt, abzugeben. (Quelle: Comtex Newswire vom 9. März 1999) ****USA: Forscher, die klinische Studien zur Wirksamkeit einer medizinischen Marihuanaverwendung durchführen wollen, erklären, dass während die Regierung öffentlich zu solchen Studien auffordere, sie im Verborgenen an der Unterdrückung der Vorschläge arbeite. Es habe seit mehr als zehn Jahren keine von der Regierung unterstützen Studien gegeben. Forscher wie Dr. Ethan Russo von der Western Montana Klinik in Missoula, erklären, dass Regierungsbehörden wie die Nationalen Institute für Gesundheit, das Nationale Institut für den Drogenmissbrauch und die Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration) Wege finde, um die Verhinderung von Studien sicherzustellen. (Quelle: UPI vom 12. März 1999) ****USA: Am 3. März 1999 wurde die 'Maßnahme 8', Alaskas medizinische Marihuana-Initiative, die von nahezu 60 Prozent der Wähler unterstützt wurde, Gesetz. Am 4. März brachte Senator Loren Leman eine Gesetzesänderung ein, die einige Schlüsselbestimmungen des neuen Gesetzes modifizieren würde. Zwei größere Vorschläge werden als besonders kontrovers angesehen. Der erste würde die Registrierung der Patienten bei Alaskas Gesundheitsministerium erfordern. Damit würden die Exekutivorgane Zugang zu dieser Registrierung erhalten. Der zweite kontroverse Punkt ist eine Feststellung, nach der Ärzte eine Bescheinigung mit der Empfehlung von Marihuana für Patienten ausstellen müssten, in der es heißt: "Es gibt keine andere legale, vom Patienten tolerierte Behandlungsmöglichkeit, die so effektiv in der Linderung des schweren medizinischen Zustandes ist." (Quelle: DRCNet vom 12. März 1999) ****Australien: In einer australischen Studie von Autofahrern und psychotropen Drogen, haben Forscher aus Perth herausgefunden, dass mehr Leute wahrscheinlicher Alkohol trinken und fahren, als Drogen zu nehmen und zu fahren. Professor Tim Stockwell, Direktor des Nationalen Zentrums für die Erforschung der Vorbeugung des Drogenmissbrauchs an der Curtin-Universität, erklärte, die Studie zeige, dass die Investierung von Geld in Drogentests von Autofahrern eine Fehlverwendung von Ressourcen sei. Die Untersuchung fand heraus, dass 77 Prozent der 800 interviewten Fahrer in den letzten Jahren Alkohol getrunken hatten und 22 Prozent zugegeben hätten, eine Stunde nach dem Konsum von ein oder zwei Getränken gefahren zu sein. Achtzehn Prozent hatten Cannabis konsumiert, aber nur sechs Prozent von ihnen hätten ein Fahren unter dem Einfluss der Droge zugegeben. (Quelle: Australian Associated Press vom 16. März 1999) 4. DER OFFIZIELLE KOMMENTAR DES BRITISCHEN OBERHAUSES ... zur Ablehnung ihrer Empfehlungen vom November 1998, Ärzten die Verschreibung von Cannabis zu erlauben, durch die Regierung "Die Regierung lehnte die Empfehlung am Tag der Publikation ab. Dies war eine Abkehr von der üblichen Verfahrensweise, wie die Regierung selbst zugestand. (...) Bei der Vorstellung der Antwort der Regierung zur Information des Oberhauses, konnten wir beobachten, dass die Hauptargumente gegen unsere Empfehlungen solche sind, die wir im Zuge unserer Untersuchung berücksichtigt haben. Wir finden sie weiterhin nicht überzeugend. Die Regierung argumentiert, dass die Prohibition Patienten vor der Einnahme von Substanzen unbewiesener Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit schütze. Wir haben genug, wenn auch überwiegend anekdotische Beweise gefunden, um uns zu überzeugen, dass Cannabis wirksam ist, besonders gegen Symptome der MS und zur Kontrolle von Schmerzen. (...) Was die Sicherheit angeht, so ist Cannabis bekannt für seine Sicherheit im Sinne der akuten Toxizität. Nichtsdestoweniger geht seine Verwendung mit Risiken einher, die im Kapitel 4 unseres Berichts diskutiert werden, vor denen Menschen, die es gegenwärtig verwenden, nicht geschützt sind. Wir empfahlen, dass die Organe der medizinischen Berufe Richtlinien für die verantwortungsvolle Verschreibung herausgeben sollten, um Risikogruppen zu schützen und um Gefahren der Berauschung und der Abhängigkeit in Betracht zu ziehen. Zweitens argumentiert die Regierung, dass die Verschreibungserlaubnis zum jetzigen Zeitpunkt den Aspekt der Forschung verringern würde. Wir fanden im Gegenteil Hinweise, die im Kapitel 7 dargelegt sind, dass die Forschung durch das mit dem Status von Cannabis als illegale Droge verbundene Stigma und die damit verbundene Bürokratie zurückgehalten wurde. Schließlich bezweifelt die Regierung die Fähigkeit von Ärzten, mit Patienten umzugehen, die Cannabis für ungebührliche Zwecke verlangen. In unserem Bericht haben wir mehr Vertrauen in den medizinischen Beruf und ihre Regulierungsorgane ausgedrückt (Paragraph 8.14). Wir können zudem beobachten, dass Cannabis für seine leichte Verfügbarkeit zu nichttherapeutischen Zwecken sehr bekannt ist. Das scheint wesentlich einfacher zu sein, als einen praktischen Arzt zu betrügen. Zusammenfassend bedauern wir, dass sich die Regierung offensichtlich diesem Thema verschließt. Wir hoffen, dass die Ergebnisse der nun geplanten Forschung sie veranlasst, unsere Empfehlungen zu einem frühen Zeitpunkt erneut zu betrachten." Das britische Oberhaus, Zweiter Bericht von 1999 des "Select Committee appointed to consider Science and Technology", mit der Intention, über "Cannabis: Government Response" zu berichten, 4. März 1999. ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 3. April 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Deutschland: - Drogenbeauftragte zeigt Sympathie für die medizinische Verwendung von Cannabis - Übergabe der Unterschriftenlisten zur Frankfurter Resolution - Ankündigung einer Verfassungsbeschwerde * Wissenschaft: Neues Patent für Dexanabinol als TNF-Alpha-Hemmer 1. Deutschland: - Drogenbeauftragte zeigt Sympathie für die medizinische Verwendung von Cannabis - Übergabe der Unterschriftenlisten zur Frankfurter Resolution - Ankündigung einer Verfassungsbeschwerde Am 22. März 1999 wurden der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Christa Nickels (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), etwa 11.000 Unterschriften zur Unterstützung der Frankfurter Resolution für die medizinische Verwendung von Marihuana und die Förderung der Forschung übergeben. Frau Nickels erklärte in einer Pressemitteilung, dass aufgrund medizinischer Erfahrungen die Anwendung von Cannabis bei verschiedenen Erkrankungen wie Aids, Krebs und Multiple Sklerose erfolgversprechend sei. Daher unterstütze sie entsprechende Forschungsvorhaben. Die Frankfurter Resolution wurde am 4. Dezember 1998 beim Kongess "Medical Marijuana" in Frankfurt vorgestellt. Sie wird unterstützt von den Aids-Hilfen, akzept e. V., der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM), der Deutschen AIDS-Hilfe, der Deutsche Epilepsievereinigung, der Deutschen Gesellschaft für Algesiologie, der Deutschen Gesellschaft für Drogen- und Suchtmedizin, der Deutschen Gesellschaft niedergelassener Ärzte zur Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ), dem Bundesverband Poliomyelitis und dem SCHMERZtherapeutischen Kolloquium (STK). Bei einem Gespräch zwischen Unterstützern der Frankfurter Resolution und Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums wurden Möglichkeiten besprochen, wie ein legaler Zugang zur arzneilichen Verwendung von Cannabis geschaffen werden könnte, ohne auf eine langwierige arzneimittelrechtliche Zulassung eines Medikamentes warten zu müssen. An dem Treffen nahmen unter anderem teil: Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident des STK, Rüdiger Kriegel, Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe, Trixi Frings von der Berliner Selbsthilfegruppe, Dr. Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der ACM, Frau Nickels, ihr persönlicher Referent Martin Köhler und Dr. Möller von der Abteilung für Betäubungsmittel des Bundesgesundheitsministeriums. Grotenhermen erklärte nach dem Gespräch: "Frau Nickels hat deutlich gemacht, dass es für Cannabis keinen Sonderweg beim Zulassungsverfahren für ein Medikament auf Cannabisbasis geben könne. Sie zeigt jedoch große Sympathie für Menschen, die bereits heute Cannabisprodukte therapeutisch nutzen, und ist ernsthaft an pragmatischen Lösungen für einen baldigen legalen Zugang interessiert." Auf einer Pressekonferenz vor dem Treffen kündigten Ärzte Pläne für eine Verfassungsbeschwerde gegen das Verbot einer Behandlung mit Cannabisprodukten an. An dieser Beschwerde werden sich Ärzte aus den Vorständen des STK, der DAGNÄ und der ACM sowie weitere Mediziner beteiligen. Grundlage der Beschwerde ist die im Artikel 12 des deutschen Grundgesetzes verbriefte Behandlungsfreiheit des Arztes. Diese dürfe zwar durch Gesetze wie etwa das Betäubungsmittelgesetz eingeschränkt werden, das Verbot einer Behandlung mit Cannabis bei schwerer Krankheit sei jedoch nicht verhältnismäßig. (Quelle: ACM) 2. Wissenschaft: Neues Patent für Dexanabinol als TNF-Alpha-Hemmer Pharmos Corporation gab am 23. März bekannt, dass es vom US-amerikanischen Patentamt eine Bewilligung für ein neues Patent auf Tumor-Nekrose-Faktor-Alpha-hemmende Pharmazeutika erhalten habe. Dieses umfasse die Verwendung von Dexanabinol sowie verschiedene nichtpsychotrope Cannabinoid-Analoga, -Abkömmlinge oder -Metaboliten für die Behandlung der Multiplen Sklerose. Der nichtpsychotrope THC-Abkömmling Dexanabinol ist in den letzten Jahren umfangreich in Tierstudien untersucht worden. Er schützt Nervenzellen wirksam gegen Folgen einer verminderten Durchblutung oder Sauerstoffversorgung. Dexanabinol weist Eigenschaften eines NMDA-Rezeptorantagonisten auf und ist ein neuer Hemmer der TNF-Alpha-Produktion. TNF-Alpha ist ein von einigen Immunzellen gebildeter Botenstoff (Zytokin), der eine Rolle bei Entzündungen, Blutbildung, Wundheilung und einigen anderen Prozessen spielt. Dexanabinol könnte zur Behandlung von Gehirnschäden verwendet werden, die in der Folge von Schädelverletzungen und beim Schlaganfall auftreten, und es könnte die schädlichen Effekte von Nervengas neutralisieren. In vorklinischen Studien hatte Pharmos nachgewiesen, dass Dexanabinol entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. Es verursacht nicht die bekannten Nebenwirkungen anderer entzündungshemmender Medikamente, die zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt werden, wie etwa Kortison, und es weist nicht die Psychoaktivität des THC auf. "Unsere Erwartungen, dass Dexanabinol eine Vielzahl neurologischer Anwendungsmöglichkeiten hat, werden unter anderem durch seine Verbesserung der Schwere der Multiplen Sklerose bei Tieren bestätigt," erklärte Dr. Haim Aviv, Präsident von Pharmos. "Dexanabinols nervenschützende Eigenschaften könnten auch nützlich bei der Vorbeugung oder der Verminderung der durch die Multiple Sklerose verursachten kumulativen neurologischen Schäden sein. Wir erwarten den Beginn der Phase-III-Studien zur Bestätigung der Wirksamkeit von Dexanabinol bei Schädelverletzten." Eine kürzlich erfolgreich beendete klinische Phase-II-Studie wies nach, dass Dexanabinol bei der Verwendung an Patienten mit schweren Schädelverletzungen ein sicheres Präparat ist und gut toleriert wird. Es gab weder in der Medikamenten- noch in der Plazebo-Gruppe unerwartete Nebenwirkungen. Der Druck im Schädelinnern (intrakranialer Druck), ein wichtiger Faktor und Indikator für ein schlechtes neurologisches Ergebnis, war in der Medikamenten-Gruppe bis zum dritten Therapietag signifikant vermindert, ohne dass gleichzeitig der systolische Blutdruck abnahm. (Quellen: PR Newswire vom 23. März 1999, Dow Jones vom 23. März 1999, ACM) 3. Kurzmeldungen ****Wissenschaft: Der vollständige, 290seitige Bericht des US-amerikanischen Medizininstituts "Marihuana und Medizin: Bewertung der wissenschaftlichen Basis", der am 17. März 1999 veröffentlicht worden war, befindet sich nun im Internet unter: >http://www.taima.org/nas/iom0.htm< und >http://prop1.org/thomas/iom_report/iomlv.htm< ****Wissenschaft: Eine Studie an ein- und zweieiigen Zwillingen fand heraus, dass der genetische Einfluss auf eine Drogenabhängigkeit etwa ein Drittel der Abhängigkeit ausmacht, die Familie ein weiteres Drittel sowie Freunde, Peers und Mitarbeiter das restliche Drittel. Allerdings unterscheiden sich die verschiedenen Abhängigkeitsformen. Die Studie, die in der Fachzeitschrift "Archives of General Psychiatry" erscheint, fand heraus, dass die Gene mehr als die Hälfte des Risikos einer Heroinabhängigkeit und 33 Prozent einer Abhängigkeit von Marihuana bestimmen. "Das bedeutet nicht, dass Abhängigkeit durch Gene vorbestimmt ist. Es bedeutet nur, dass einige von uns anfälliger für einen Drogenmissbrauch sind, wenn wir sie ausprobieren," erklärte Dr. Jack Goldberg von der Universität von Illinois in Chicago. Die Studie, die von Dr. Ming Tsuang von der Harvard-Universität geleitet worden war, widerlegt auch den alten Glauben, dass die Verwendung von weniger suchtbildenden Drogen wie Marihuana Leute auf den Weg zur Abhängigkeit von Kokain oder Heroin bringe. (Quelle: Toronto Star vom 26. März 1999) ****Wissenschaft: Menschen, die mäßige Mengen Marihuana rauchen, sind hinter dem Lenkrad nicht gefährlicher als völlig nüchterne Fahrer, erklärten kanadische Wissenschaftler. Fahrer, die es rauchten und fahren, sollten nicht dämonisiert werden. Während Marihuana wie Alkohol die Leistung beeinträchtige, würden Menschen, die nach dem Rauchen von mäßigen Cannabismengen fahren, diese Beeinträchtigung durch langsameres und vorsichtigeres Fahren kompensieren, erklärte der Wissenschaftler Alison Smiley von der Universität von Toronto: "Das vorsichtigere Verhalten von Personen, die Marihuana [in Studien] erhielten, verminderte die Bedeutung der Droge für die Leistung. Ihr Verhalten ist ihrer Beeinträchtigung besser angepasst, während Personen, die Alkohol bekamen, zu einem risikoreicheren Fahrverhalten tendierten." (Quellen: Toronto Star vom 30. März 1999, Reuters vom 31. März 1999) ***Sport: Schwimmer dürfen nach neuen Regeln zukünftig Cannabis rauchen, ohne vom Sport ausgeschlossen zu werden, so lange sie es nicht während eines Wettbewerbs tun. Die Regeländerungen wurden auf einem außerordentlichen Kongress des Schwimmweltverbandes FINA beschlossen. Die FINA hat zwei Listen von verbotenen Substanzen beschlossen - solche, die während eines Wettkampfes, und solche, die außerhalb des Wettkampfes verboten sind. Steroide befinden sich auf beiden Listen. Cannabis wurde in die gleiche Kategorie wie Erkältungsmittel eingestuft. (Quelle: Australian Associated Press vom 1. April 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zu den Schlussfolgerungen des jüngsten Berichts des Medizininstituts der USA: "Vor einundzwanzig Jahren war Neu-Mexiko der erste Staat, der ein Pilotprogramm initiierte, welches schließlich das folgerte, was eine Bundesstudie erst in der vergangenen Woche feststellte: Marihuana kann das Leiden einiger kranker oder todkranker Menschen lindern. (...) 1984, nach fünfeinhalb Jahren an Behandlung, berichtete der Direktor des Programms, dass 75 Prozent der etwa 200 Patienten aus Neu-Mexiko - im Alter zwischen 12 und 78 Jahren - von der Therapie profitierten. (...) Neu-Mexikos Programm erzielte gute Noten von Wissenschaftlern aus dem gesamten Land und 32 Staaten folgten seinem Beispiel, aber im Juni 1986 fiel das 50.000-Dollar-Programm Budgeteinsparungen zum Opfer und wurde nie wieder aufgelegt." Editorial, Albuquerque Journal vom 22. März 1999 ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 17. April 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Australien: Umfrage zur medizinischen Verwendung von Cannabis * Wissenschaft: Wechselwirkung zwischen Anandamid und Dopamin, eine Basis für die Therapie von Bewegungsstörungen und Schizophrenie * USA: Umsetzung des Gesetzes zur medizinischen Verwendung von Marihuana in einer kalifornischen Stadt 1. Australien: Umfrage zur medizinischen Verwendung von Cannabis Die meisten Menschen, die regelmäßig Cannabis für medizinische Zwecke verwenden, haben nach einer am 15. April veröffentlichten Umfrage die Verwendung der illegalen Droge mit einem Arzt oder einem Gesundheitsarbeiter besprochen. "Die Umfrage zeigt, dass praktische Ärzte nicht vor Wut explodieren und die Menschen aus ihrem Zimmer werfen, wenn ein Patient von einer Cannabisverwendung spricht," erklärte der Autor der Umfrage, David Helliwell aus der Stadt Nimbin im nördlichen New South Wales. Er analysierte die Antworten von 202 medizinischen Cannabisanwendern aus New South Wales, Queensland, Viktoria, Südaustralien und Übersee. 63 Prozent der Antwortenden hatten die Cannabisanwendung mit einem Gesundheitsarbeiter besprochen, während 50 Prozent mit ihrem Hausarzt gesprochen hatten. Dr. Helliwell erklärte, seine Forschung habe ergeben, dass einige Menschen mit chronischen Schmerzen, beispielsweise solche, die mit verzögert freigesetzten Morphinen oder anderen starken schmerzlindernden Medikamenten behandelt würden, durch Cannabis zur Dosisreduktion in der Lage gewesen seien. Unter den Cannabisanwendern waren Angst und Stress die häufigsten Beschwerden. 71 Prozent erklärten, sie verwendeten die Droge zur Verminderung dieser Symptome. Depression war mit 56 Prozent der Antwortenden der zweithäufigste Zustand, gefolgt von körperlichen Schmerzen in 55 Prozent. Etwas über die Hälfte der weiblichen Antwortenden, nämlich 51 Prozent, erklärten, sie würden Cannabis gegen prämenstruelles Spannungsgefühl und schmerzhafte Menstruation verwenden. Andere mit Cannabis behandelte Symptome waren Übelkeit (32 Prozent), chronische Schmerzen (31 Prozent), Muskelkrämpfe (23,5), Verdauungsprobleme (21,5), Glaukom (4,5), Übelkeit bei Chemotherapie (3,5) und Abmagerung bei HIV/Aids. (Quelle: AAP vom 15. April 1999) 2. Wissenschaft: Wechselwirkung zwischen Anandamid und Dopamin, eine Basis für die Therapie von Bewegungsstörungen und Schizophrenie In einer Gehirnregion, dem sogenannten Striatum, die die Planung und Durchführung motorischen Verhaltens kontrolliert, haben Forscher der Universität von Kalifornien in Irvine Wechselwirkungen zwischen dem Endocannabinoid-Signalsystems und dem Dopamin-Neurotransmittersystem nachgewiesen. Das Striatum enthält eine große Anzahl an CB1-Cannabinoidrezeptoren. Abweichungen von der normalen Neuromodulation werden in Verbindung mit Erkrankungen wie Parkinsonsche Erkrankung und Tourette-Syndrom gebracht. Dr. A. Giuffrida und Kollegen deckten einen physiologischen Mechanismus auf, mit dem Endocannabinoide an der Funktion der Nervenzellen im Striatum beteiligt sind. Ihre Studie mit männlichen Ratten wurde in der April-Ausgabe von 'nature neuroscience' veröffentlicht (Giuffrida et al. 1999). Es fanden sich folgende Ergebnisse: 1. Das Endocannabinoid Anandamid wird durch nervale Aktivität freigesetzt, aber es gab keine Wirkung auf die Endocannabinoide Palmitylethanolamid, Oleylethanolamid und 2-Arachidonylglycerol. Dies zeige, dass diese Rolle im Striatum spezifisch für Anandamid ist. 2. Die Aktivierung von Dopaminrezeptoren mit dopamin-2(D2)-ähnlichen Rezeptorliganden führt zu einer Stimulation der Anandamid-Freisetzung um das Achtfache. Dopamin-1(D1)-ähnliche Rezeptoragonisten waren ohne Einfluss. 3. Die Verhaltensreaktion auf eine systemische Gabe von D2-ähnlichen Agonisten -- eine zweiphasige motorische Antwort, charakterisiert durch eine vorübergehende Unterdrückung der Bewegung, gefolgt von einer längerdauernden Hyperaktivität -- wurde durch den CB1-Rezeptorantagonisten SR141716A beeinflusst. Die zweite Phase wurde durch den CB1-Antagonisten deutlich potenziert. Die Forscher schlossen daraus, dass die physiologische Rolle des Anandamids darin bestehen könnte, "die Dopamin-Stimulation der motorischen Aktivität zu kontern. (...) Daher könnten unsere Befunde Bedeutung für neuropsychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie, Tourette-Syndrom und Parkinsonsche Erkrankung haben und auf neue therapeutische Ansätze für diese Zustände hinweisen." Es scheine so, dass Anandamid im zentralen Nervensystem mehr als ein lokaler Mittler fungiere, ähnlich wie die Prostaglandine, denn als klassischer Neuromodulator. In einem Kommentar ergänzte David W. Self von der Abteilung für Molekulare Psychiatrie der Yale-Universität, dass diese Forschung verspreche, "Anandamid von einem Kandidaten zu einem echten Neurotransmitter zu wandeln" (Self 1999). Im Striatum scheine Anandamid "wie eine Bremse zu funktionieren", die die Verhaltensreaktion auf eine Dopamin-Rezeptoraktivierung begrenze. Dies könnte zur Entwicklung von Medikamenten führen, die den Cannabinoidrezeptor blockieren und damit die therapeutische Wirksamkeit von Behandlungen auf Dopamin-Basis verstärken, und zu Medikamenten, die den CB1-Rezeptor stimulieren und so die dyskinetischen Bewegungen bei einem Überangebot von Dopamin vermindern. Diese Hypothese wird unterstützt durch die erfolgreiche Verwendung von Cannabis durch Patienten, die an hyperkinetischen Bewegungsstörungen leiden, wie Zittern bei Multipler Sklerose, Tourette-Syndrom und tardive Dyskinesie als Folge einer antipsychotischen Medikation. J. M. Brotchie von der Universität von Manchester in Großbritannien diskutierte zudem den Einsatz von Cannabinoiden als Zusatztherapie zum Dopaminersatz, um so die Probleme mit Dyskinesien bei der Parkinsonschen Erkrankung zu reduzieren (Brotchie 1998). (Quellen: Giuffrida A, et al: nature neuroscience (1999 Apr) 2(4):358-63; Self DW: nature neuroscience (1999 Apr) 2(4):303-4; Brotchie JM: Mov Disord (1998 Nov) 13(6):871-6; Reuters vom 24. März 1999) 3. USA: Umsetzung des Gesetzes zur medizinischen Verwendung von Marihuana in einer kalifornischen Stadt Behördenvertreter von Arcata, Kalifornien, haben einen Weg gefunden, um die staatliche Proposition 215, eine Initiative der Wähler für die Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke aus dem Jahre 1996, umzusetzen. "Hier halten die Vertreter des Gesetzes den Olivenzweig über Menschen, die medizinisches Marihuana rauchen," erklärte Mel Brown, Arcatas Polizeichef. Brown stellt Fotos enthaltende Identifikationskarten mit seiner Unterschrift für Menschen aus, die sich als medizinische Marihuana-Patienten registrieren lassen. Um sich registrieren zu lassen, müssen diese bestätigen, dass sie eine ärztliche Empfehlung besitzen. Brown hält seine Polizisten an, Marihuana-Anbauer oder -Raucher, die die Identifikationskarte bei sich tragen, nicht zu verhaften. Bisher hat er etwa 100 dieser "Bleib aus dem Knast"-Karten ausgestellt. "Was das Programm in Arcata funktionieren lässt, ist die Tatsache, dass die Polizeibehörden und die medizinische Gemeinschaft beteiligt sind," erklärte Nathan Barankin, Sprecher des Generalstaatsanwalts von Kalifornien, Bill Lockyer. Nachdem das Bundesjustizministerium wegen der Verletzung der Bundesgesetze durch Marihuana einen Gerichtsbeschluss zur Schließung der meisten Cannabisklubs in Kalifornien erwirkt hatte, sucht Lockyer nach einem Kompromiss, der die Wut der Bundesbeamten vermeidet. Er hat ein Sonderdezernat mit Behördenvertretern und Unterstützern der medizinischen Verwendung von Marihuana eingerichtet, um dieses Thema zu behandeln. "Das Sonderdezernat wurde gebeten, sich Arcata als Modell anzuschauen und vielleicht einige Empfehlungen abzugeben, ob das, was für Arcata funktioniert auch für Los Angeles und andere größere Gemeinden funktioniert," erklärte Barankin. Es wird erwartet, dass Distriktstaatsanwalt Norman Vroma ein ähnliches Identifikationskartensystem im Kreis Mendocino einführen wird. (Quellen: AP vom 9. April 1999, Join Together Online vom 13. April 1999) 4. Kurznachrichten ****Kanada: 78 Prozent der Kanadier unterstützen nach einer Erhebung von Decima Research Incorporated die Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke. Die Firma für Meinungsumfragen befragte 2.026 erwachsene Kanadier, ob sie der jüngsten Überlegung der Bundesregierung, Marihuana zur medizinischen Behandlung zuzulassen, sehr zustimmen, zustimmen, widersprechen oder sehr widersprechen. (Quelle: NORML vom 8. April 1999) ****USA: Mary Jane Rathburn, besser bekannt als "Brownie Mary", die großmütterliche Aktivistin, deren Verhaftungen wegen der Verteilung von Haschischplätzchen ('Brownies') an Aids-Patienten ein Impuls für die medizinische Marihuana-Bewegung wurde, ist mit 77 Jahren gestorben. Sie starb am 10. April in einem Krankenhaus an ungenannten Ursachen. Frau Rathburn wurde in den ersten Tagen der Aids-Epidemie eine feste Einrichtung im allgemeinen Krankenhaus von San Francisco, als sie Marihuana-enthaltende Backwaren zubereitete und an Kranke verteilte, um ihre Übelkeit und ihre Schmerzen zu lindern. (Quelle: AP vom 12. April 1999) ****USA: Vertreter des Kreis San Mateo (Kalifornien) übergaben dem Nationalen Institut für der Drogenmissbrauch (NIDA) einen Antrag auf Erteilung einer Genehmigung zur Durchführung klinischer Studien mit Marihuana an Patienten, die an schwerer Übelkeit und Gewichtsverlust leiden. Es handelt sich seit 1996 um die dritte staatliche Regierungsbehörde, die einen Antrag auf Erforschung der medizinischen Qualitäten von Marihuana gestellt hat. Frühere Anträge von Gesundheitsbehörden der Staaten Washington und Massachusetts wurden von der Behörde abgelehnt. NIDA lehnte im letzten Herbst auch einen weiteren Antrag privater Forscher zur Untersuchung von Marihuana in der Migränetherapie ab. (Quelle: NORML vom 8. April 1999) ****Großbritannien: Die 51 Jahre alte Candace Kelly, die zu Hause Cannabispflanzen zur Linderung der Schmerzen beim chronischem Müdigkeitssyndrom anbaute, wurde von einem Gericht in Plymouth zu 12 Monaten Gefängnis auf ein Jahr Bewährung verurteilt. Der 49 Jahre alte Peter Harris, der an einer schmerzhaften degenerativen Wirbelsäulenerkrankung leidet, wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem er sich schuldig erklärt hatte, Cannabispflanzen in zwei Schlafzimmern seines Hauses angebaut zu haben und einige der Blüten einem Freund gegeben zu haben, der ebenfalls an Beschwerden leidet, die mit konventionellen Medikamenten nicht behandelt werden konnten. (Quellen: PA News vom 8. und 16 April 1999) ****Deutschland: Nur eine Apotheke in Deutschland -- in Frankfurt -- darf derzeit den Cannabisinhaltsstoff THC bzw. Dronabinol vertreiben. Das hat der Frankfurter Stadtrat auf eine Anfrage der Grünen im Römer mitgeteilt. Dass bislang nur eine Apotheke Dronabinol herstellt beziehungsweise vertreibt, liege daran, dass sich andere Apotheken nicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte um die notwendige Erlaubnis beworben haben. (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 15. April 1999) 5. DER KOMMENTAR ... zu den Reaktionen auf den jüngsten Bericht des Medizininstituts der USA: "Der Bericht des Medizininstituts über die medizinische Verwendung von Marihuana gibt Orientierung zu einem Thema, dass jenseits sowohl der aktuellen medizinischen Verheißung als auch der aktuellen Bedeutung für die Exekutive politisiert worden ist. Der Bericht wurde von allen Seiten als Sieg reklamiert, aber seine Inhalte sind weder eine klingelnde Gutheißung noch eine völlige Rückweisung der therapeutischen Qualitäten von Marihuana." Editorial, Washington Post vom 14. April 1999. ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 1. Mai 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Kanada: Parlamentsdebatte über die medizinische Verwendung von Marihuana * Schweiz: Drogenkommission empfiehlt Legalisierung von Cannabis 1. Kanada: Parlamentsdebatte über die medizinische Verwendung von Marihuana Am 14. April debattierte das Abgeordnetenhaus einen Antrag, der der Regierung empfiehlt, "alle notwendigen Schritte hinsichtlich der möglichen legalen Verwendung von Marihuana für gesundheitliche und medizinische Zwecke zu unternehmen." Die Mitglieder des Parlaments werden im Juni über den 'Antrag 381', der von Bernhard Bigras (Block Quebec) eingebracht worden war, abstimmen. Gesundheitsminister Allan Rock (Liberale) hatte am 3. März erklärt, dass er die Entwicklung von klinischen Studien für die medizinische Verwendung von Marihuana angeordnet habe. Bigras erklärte, dass er an der Ernsthaftigkeit von Rocks Ankündigung zweifle. Ein Helfer von Bigras schätzte, dass etwa 100 Abgeordnete aus verschiedenen Parteien im 301 Mitglieder starken Abgeordnetenhaus den Antrag 381 unterstützen würden. Das Abgeordnetenhaus besteht aus der Block Quebec Partei (42 Mitglieder), Unabhängigen (2), der Liberalen Partei (156), der Neuen Demokratischen Partei (21), der Progressiv Konservativen Partei (19) und der Reformpartei (59). Pauline Picard (Block Quebec): "Nach unserer Ansicht hält die Regierung Tausende von Menschen, die leiden und auf ein Signal der Hoffnung warten, als Geiseln." Sue Barnes (Liberale): "Ich habe diese Angelegenheit mit großer Intensität in meiner Regierung angeschoben. (...) Ich denke, wie andere, dass es selbst jetzt nicht über Nacht zu einer Änderung kommt, aber wir sollten den bisher erreichten Fortschritt nicht unterschätzen." Libby Davies (Neue Demokraten): "In mancher Hinsicht liegt diese Institution des Abgeordnetenhauses weit hinter der öffentlichen Meinung zurück, auch hinter den im medizinischen Bereich Tätigen. (...) Wir müssen sehr deutlich machen, dass wir nicht noch weitere zwei oder drei Jahre auf die Durchführung von Studien warten wollen." Diane St-Jacques (Progressiv Konservative): "Ich denke, dass es völlig inakzeptabel ist, dass jemand der chronisch krank ist oder sich im Endstadium von AIDS befindet, wegen einer medizinischen Behandlung bestraft wird, die Ärzte empfehlen würden, wenn sie das könnten." (Quellen: Reden vor dem kanadischen Abgeordnetenhaus am 14. April 1999, Calgary Herald vom 4. März 1999, NORML vom 22. April 1999) 2. Schweiz: Drogenkommission empfiehlt Legalisierung von Cannabis Die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) hat eine weitgehende Liberalisierung der Cannabisgesetzgebung vorgeschlagen. Das erste von zwei Modellen sieht eine Straflosigkeit der Beschaffung zum Eigengebrauch, das zweite eine Legalisierung mit einem lizensierten Handel vor. "Cannabis ist eine Droge und die Kommission will das nicht trivialisieren oder sagen, sein Konsum ist ohne Risiko (...), aber der Konsum nimmt zu, besonders unter jungen Leuten," erklärte Kommissions-Mitglied Anne-Catherine Menetrey. In der Zusammenfassung des Cannabisberichtes, die am 23 April vorgestellt wurde, heißt es: "Verschiedene Umstände lassen die Kommission zum Schluss kommen, dass eine Neubewertung der Stellung von Cannabis erforderlich ist - sowohl im Hinblick auf seine Rolle als Freizeitdroge wie auch hinsichtlich einer möglichen medizinischen Verwendung." Mit der medizinischen Anwendung befasst sich der Bericht nur am Rande: "Aufgrund der internationalen medizinischen Fachliteratur wird die Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für kontrollierte Forschungsprojekte im Bereich der therapeutischen Anwendung von Cannabis in der Schweiz empfohlen." Cannabis sei zu einem Genussmittel geworden, das "von einem wesentlichen Teil der Bevölkerung ohne Unrechtsbewusstsein" konsumiert werde. Die gegenwärtige Drogenpolitik leide an einem "zunehmenden Verlust an Glaubwürdigkeit". Im ersten Vorschlag empfiehlt die Kommission "die Straflosigkeit des Cannabiskonsums wie auch der Beschaffungshandlungen zum eigenen Gebrauch" sowie eine Opportunitätsregelung, die es der Polizei ermögliche, "unter klar definierten Rahmenbedingungen von der Verfolgung des Kleinhandels, einschliesslich des gewerblich betriebenen, abzusehen." Im zweiten Vorschlag "wird die Ausarbeitung eines Modells mit lizenziertem Handel (...) vorgeschlagen. Ein solches Modell würde einen legalen Zugang zu Cannabis ermöglichen, aber nicht im Sinne eines freien Handels, sondern mit klaren Regulierungen." Die Kommission "gibt aus fachlicher Sicht dem Lizenzierungsmodell den Vorzug, da es saubere und durchsetzbare Rahmenbedingungen für den Umgang mit Cannabis schafft." Es sei "jedoch mit den internationalen Abkommen nicht mehr vereinbar." Die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) ist eine durch den Bundesrat gewählte außerparlamentarische Kommission. Ihre Mitglieder sind Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen, die beruflich mit Teilaspekten des Drogenproblems konfrontiert sind. Mitglieder der Regierung haben bereits erklärt, dass eine Legalisierung von Cannabis ein gesundheitliches Risiko bedeuten würde. (Quellen: Zusammenfassung des Cannabisberichts der EKDF für das Medienseminar vom 23. April 1999, AP vom 23. April 1999, Tagesanzeiger vom 24. April 1999, Basler Zeitung vom 24. April 1999) 3. Kurzmeldungen ***USA: In der kommenden Woche in Kraft tretende Richtlinien erlauben dem Gesundheitsministerium des Bundesstaates Oregon die Registrierung und Lizensierung von Patienten, die Marihuana medizinisch verwenden. Oregon wird der erste Bundesstaat sein, der Identifikationskarten für Patienten ausstellt, denen damit der Besitz von Marihuana erlaubt wird. Am 3. November 1998 hatten die Wähler von Oregon und weiteren vier Staaten Volksbegehren angenommen, die Patienten von Strafen ausnehmen, wenn sie Marihuana unter Beaufsichtigung eines Arzt verwenden. (Quelle: NORML vom 29. April 1999) ***USA/Kanada: Der Kampf um die Verhinderung der Abschiebung einer 29 Jahre alten Kalifornierin in die USA wegen Marihuana-bezogener Vergehen hat am 19. April am Obersten Gericht von British Columbia in Vancouver begonnen. Renee Boje, eine Verfechterin der medizinischen Verwendung von Marihuana wurde im Jahre 1997 in Los Angeles festgenommen. Die USA verlangt ihre Auslieferung nach Kalifornien, wo Boje eine mindestens 10jährige Haftstrafe erwarten würde, wenn sie verurteilt würde. (Quelle: Vancouver Province vom 20. April 1999) ***Wissenschaft: Menschen, die täglich Marihuana rauchen, werden aggressiver, wenn sie damit aufhören. Dr. Elena Kouri und Mitarbeiter von der Harvard-Universität erklärten in der Zeitschrift Psychopharmacology, dass sie objektiv nachgewiesen hätten, dass es ein klares Entzugssyndrom gibt, wenn Menschen das Rauchen von Marihuana einstellen. "Auch wenn dieses Syndrom nicht so dramatisch ist wie das Entzugssyndrom bei Alkohol, Opiaten oder Kokain, so könnte es doch bei den von Marihuana Abhängigen zu Rückfällen beitragen," erklärte Dr. Alan Leshner, Leiter des Nationalen Instituts für den Drogenmissbrauch (NIDA), das die Studie finanziert hat. (Quelle: Reuters vom 20. April 1999) ***Australien: Einer der ranghöchsten Staatsanwälte Australiens würde es lieber sehen, wenn Marihuana in Geschäften an der Ecke als durch Kriminelle verkauft würde. Der südaustralische Direktor für öffentliche Anklagen Paul Rolfe sprach am 28. April bei der australischen Konferenz über Drogenstrategie. Die Menschen sollten eine regierungskontrollierte Abgabe und Verteilung von Drogen wie Marihuana und Heroin in Erwägung ziehen, da die gegenwärtigen Versuche zur Bekämpfung der Drogenkrise nicht funktionierten. Premierminister John Howard kritisierte Herrn Rofe am Folgetag und erklärte, die Kommentare seien nicht hilfreich. (Quellen: AAP vom 28. und 29. April 1999) ***Großbritannien: Die Regierung verschwende durch die gerichtliche Verfolgung von Menschen, die Cannabis rauchen "riesige Geldmengen", erklärte ein Abgeordneter der Labour-Partei am 28. April. Dr. Brian Iddon sagte zudem, es sei "skandalös", dass kranke Menschen es nicht zur Schmerzlinderung verwenden dürften. Dr. Iddon ist Vorsitzender der Drogenmissbrauchsgruppe des Abgeordnetenhauses. Er unterstützt eine an diesem Wochenende stattfindenden Demonstration, die von Aktivisten für die Legalisierung von Cannabis als Teil der internationalen "Maitag ist Joint-Tag"-Veranstaltungen organisiert wird. (Quelle: PA News vom 28. April 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zu den Plänen des kanadischen Gesundheitsministers zur Durchführung von klinischen Studien mit Cannabis: "Es ist eine nützliche und gute Sache, dass diese klinischen Studien durchgeführt werden, da es Dinge gibt, die wir noch lernen müssen. Allerdings besitzen wir bereits heute genug Informationen, um den Minister aufzufordern, mit der Befreiung [von Strafverfolgung] zu beginnen, so dass Menschen jetzt Linderung, Hilfe und Unterstützung bekommen, ohne kriminell werden zu müssen. (...) Der Gesundheitsminister sollte bereits jetzt Anträge auf Befreiung genehmigen, so dass Kanadier nicht länger leiden müssen. (...) Es ist eine Schande. Das ist eine Sache, die es nicht geben müsste, wenn wir den politischen Willen hätten und die Führungskraft." Abgeordnete Libby Davies (Ost-Vancouver, Neue Demokratische Partei), Rede vor dem Abgeordnetenhaus vom 14. April 1999 ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 15. Mai 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Wissenschaft: Cannabiskonsum scheint die Denkfunktionen nicht zu beeinträchtigen * Australien: Rufe nach einer Behandlung von Drogen als gesundheitliches und soziales Thema * Kanada: Oberstes Gericht von Ontario erlaubt einem Aids-Patienten die Verwendung von Marihuana 1. Wissenschaft: Cannabiskonsum scheint die Denkfunktionen nicht zu beeinträchtigen Nach einer groß angelegten US-Studie über die Effekte eines langzeitigen Cannabiskonsums, die im American Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde, scheint ist die altersabhängige Abnahme der kognitiven Funktionen "nicht mit Cannabiskonsum assoziiert zu sein" (Lyketsos 1999). Constantine Lyketsos und Kollegen von John Hopkins Hospital in Baltimore haben eine Längsschnitt-Studie mit 1.318 Personen durchgeführt. Diese waren eingeteilt in starke Marihuanakonsumenten, leichte Konsumenten und Nichtkonsumenten. Alle Teilnehmer mussten in den Jahren 1981, 1982 und 1993-1996 einen speziellen Test, die Mini Mental State Untersuchung (MMSE) absolvieren. Für jeden Studienteilnehmer wurde die individuelle Punktdifferenz zwischen 1982 und 1993-1996 berechnet. Innerhalb dieser 12 Jahre nahm die mittlere Punktzahl um 1,2 ab. Die Mini Mental State Untersuchung (MMSE) ist eine kurze und weit verbreitete standardisierte Methode zur Beurteilung des kognitiven geistigen Zustandes. Sie beurteilt Orientierung, Aufmerksamkeit, das unmittelbare und Kurzzeit-Gedächtnis, Sprache sowie die Fähigkeit, einfachen gesprochenen und geschriebenen Befehlen zu folgen. Die mit verschiedenen Aufgaben maximal erreichbare Punktzahl ist 30. Die Forscher fanden eine Abnahme in allen Altersgruppen. Es gab "keine signifikanten Unterschiede bei der kognitiven Abnahme zwischen starken Konsumenten, leichten Konsumenten und Nichtkonsumenten von Cannabis." Und es gab in den Untergruppen auch keine Geschlechtsunterschiede. Es handelt sich um die erste umfangreiche prospektive Studie, die die Wirkungen eines langzeitigen Cannabiskonsums auf die Denkfunktion untersucht hat. Die jüngere Forschung hat die Hypothese unterstützt, dass es eine leichte Beeinträchtigung spezieller "höherer kognitiver Funktionen [gibt], die die Organisierung und Integrierung komplexer Informationen betrifft, welche verschiedene Mechanismen der Aufmerksamkeit und Gedächtnisprozesse umfasst" (Solowij 1999). Aber diese Beobachtungen sind in ihrer Aussagekraft durch die Tatsache eingeschränkt, dass sie auf retrospektiven Studien mit Einzelmessungen beruhen. In einem Kommentar von Martha Clare Morris und Kollegen vom Rush-Institut für Gesundes Altern in Chicago werden die Schwierigkeiten, die bei der Verwendung von Einzelmessung von Denkfunktionen auftreten, und die Wichtigkeit der Messung von Änderungen betont (Morris 1999). Auf der anderen Seite könnte man einwenden, dass der MMSE kein adäquates Werkzeug zur Entdeckung von geringfügigen kognitiven Veränderungen darstellt, die im Verdacht stehen, von Cannabis verursacht zu werden, insbesondere eine leichte Beeinträchtigung der Funktion des Stirnhirns. (Quellen: Lyketsos CG, et al: Am J Epidemiol (1999) 149:794-800; Morris MC, et al: Am J Epidemiol (1999) 149:789-793; Solowij N, in: Kalant H, et al (eds): The Health Effects of Cannabis. Toronto 1999, 195-265) 2. Australien: Rufe nach einer Behandlung von Drogen als gesundheitliches und soziales Thema Die Australische Medizinische Gesellschaft und die Juristen-Vereinigung von Neu-Süd-Wales (NSW) erklärten am 14. Mai, dass sie Cannabis für die medizinische Verwendung innerhalb von Studien verfügbar machen wollen, und sie riefen dazu auf, Drogen als gesundheitliches und soziales Thema zu behandeln, eher als ein strafrechtliches Thema. Diese Forderung geht einem einwöchigen Drogen-Gipfeltreffens vom 17. bis 21. Mai im Parlament von NSW voraus. "Wenn die Reform auch Risiken birgt, so sind Bemühungen zur Reduzierung von Angebot und Nachfrage relativ uneffektiv geblieben," erklärten die beiden NSW-Gesellschaften in einer Stellungnahme. Der Präsident des Ärzteverbandes, Peter Thursby, erklärte, es sei leichter illegale Drogen zu kaufen als in Behandlungs- und Rehabilitationsprogramme aufgenommen zu werden. Die beiden Organisationen fordern: -- klinische Studien, in denen Cannabis für Kranke mit terminalen Erkrankungen verfügbar ist, -- die Beseitigung von Strafverfahren beim Besitz und Anbau geringer Mengen Cannabis, -- das Aussprechen von Verwarnungen an Personen, die mit geringen Mengen illegaler Drogen, inklusive Ecstasy und Heroin, angetroffen werden, und eine Bestandsaufnahme der Effektivität von Nadel-Austausch-Programmen. -- eine Untersuchung ausländischer Forschung über sichere Injektionsräume, -- eine Verdopplung der staatlichen Unterstützung für Drogenbehandlung und -entgiftung von 70 Millionen Dollar pro Jahr, sowie -- die gleiche Behandlung für Gefangene wie sie anderen zuteil wird. Angeführt durch die 'HANF-Botschaft' von Nimbin werden Cannabisaktivisten einen fünftägigen Volks-Drogengipfel im Domain gegenüber dem Parlamentsgebäude abhalten. Sie werden die Entkriminalisierung kleiner Mengen Cannabis fordern sowie die Legalisierung der Droge für medizinische Zwecke. "Wir erwarten, dass während der fünf Tage Tausende kommen und am Volks-Drogengipfel teilnehmen," erklärte der Sprecher von HANF-Botschaft Michael Balderstone. (Quellen: AAP vom 12. 13. and 14. Mai 1999) 3. Kanada: Oberstes Gericht von Ontario erlaubt einem Aids-Patienten die Verwendung von Marihuana Die kanadische Regierung hat angedeutet, dass sie keine Berufung gegen eine Entscheidung des obersten Gerichtshofs von Ontario einlegen wird, das einem Aids-Patienten aus Toronto die Verwendung von Marihuana für medizinische Zwecke erlaubt. Gesundheitsminister Allan Rock erklärte allerdings, dies bedeute keine Legalisierung von Marihuana. Der am 10. Mai bekanntgegebene Gerichtsbeschluss erteilte dem 54 Jahre alten Jim Wakeford eine verfassungsmäßige Ausnahme von gerichtlicher Verfolgung, wenn er zur Linderung seiner Symptome Cannabis rauchte. Richter Harry La Forme entschied zudem, dass er der Regierung nicht sagen brauche, woher er das Marihuana beziehe. Wakeford ist die zweite Person in Toronto, die eine gerichtliche Erlaubnis zur Verwendung von Marihuana für medizinische Zwecke erhielt. 1997 hat eine niedrigere Instanz die Vorwürfe wegen Drogenbesitzes gegen Terry Parker abgewiesen, der erklärt hatte, er benötige Marihuana zur Behandlung seiner Epilepsie-Symptome. Die Bundesregierung hat gegen diese Entscheidung Revision eingelegt. (Quelle: UPI vom 12. Mai 1999) 4. Kurzmeldungen ***USA: Die erste nationale Konferenz über Cannabis-Therapeutika wird vom 7. und 8. April 2000 an der Universität von Iowa abgehalten. Die Konferenz wird gefördert vom Medizin-College und vom Krankenpflege-College der Universität von Iowa, mit der Unterstützung von 'Patients out of Time'. Mitgliedern der medizinischen Berufe werden aktuelle Informationen über Cannabis als Medizin vermittelt. Kontakt: Patients@MedicalCannabis.com (Quelle: Pressemitteilung von Patients out of Time vom 11. Mai 1999) ***USA: Bürger aus Oregon, die Marihuana für medizinische Zwecke verwenden, müssen pro Jahr 150 US-Dollar für eine Registrierkarte zahlen. Die Karte nimmt kranke Marihuana-Konsumenten und ihre Helfer von den staatlichen Gesetzen gegen den Besitz und den Anbau von Marihuana aus. Die Gebühr, die von den Gesundheitsbehörden in Oregon genehmigt wurde, ist Teil der Regelungen zur Umsetzung eines Gesetzes, das im November 1998 von den Wählern angenommen wurde und Schwerkranken den Konsum von Marihuana erlaubt. (Quelle: The Oregonian vom 1. Mai 1999) 5. DER KOMMENTAR ... auf die Reaktion von Barry McCaffrey, Drogenbeauftragter der US-amerikanischen Regierung, zum Bericht des Medizininstituts vom 17. März: "McCaffrey zwingt das Marihuana-Thema herunter auf die Ebene der Staaten und Kommunen, die sich mit der Realität und nicht mit Bockmist befassen müssen. (...) Er versucht, die Gespräche zu stoppen, aber die Gespräche finden überall um ihn herum statt. Er macht sich mehr und mehr irrelevant." Michael Cutler, ein Anwalt aus Brooklin, der das 'Freiwillige Komitee von Juristen' koordiniert, Boston Phoenix vom 6. Mai 1999 ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 29. Mai 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Kanada: Abgeordnetenhaus unterstützt Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke * USA: Regierung erleichtert Zugang zu Marihuana für die Forschung 1. Kanada: Abgeordnetenhaus unterstützt Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke Am 25. Mai nahm das Abgeordnetenhaus einen Antrag der Block Quebec Partei an, der auf die Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke drängt. Der Beschluss fordert die Regierung auf, "sofortige Schritte" zur Entwicklung klinischer Studien, für Richtlinien zur Verwendung und für die sichere Abgabe von Marihuana an Menschen, die es aus medizinischen Gründen benötigen, zu einzuleiten. Peter McKay von der Progressiv Konservativen Partei teilte die Unterstützung seiner Partei mit, erklärte jedoch, dass Gesundheitsminister Allan Rock sich zu langsam bewege. Er verwies auf Erklärungen des Cannabis-Klubs von Vancouver, der Marihuana zur Schmerzlinderung ihrer Klienten abgebe, und erklärte, Rocks Geschwindigkeit bedeute, dass "mehr Personen weiterhin leiden werden, bis das Gesetz verabschiedet wird." Rock, der im nächsten Monat Details zu den klinischen Studien mit Marihuana ankündigen will, erklärte, es gebe Vorteile, wenn das Cannabis in Kanada selbst unter den wachsamen Augen der Regierungsbehörden angebaut würde. "Vorteile könnten eine konsistente THC-Konzentration, eine gleichbleibende Qualität und ein gleichbleibendes Niveau an Reinheit sein," erklärte er. Die Regierung schaut auch nach Großbritannien, wo GW Pharmaceuticals mit Regierungserlaubnis Cannabis für Forschungszwecke anbaut. Das kanadische Gesundheitsministerium hat bisher 26 Anfragen von Personen erhalten, die Marihuana für medizinische Zwecke verwenden wollen. (Quellen: Toronto Star vom 26. und 28. Mai 1999, AP vom 27. Mai 1999) 2. USA: Regierung erleichtert Zugang zu Marihuana für die Forschung Forschung mit von der Regierung angebautem Marihuana wird unter neuen Richtlinien des Nationalen Instituts für den Drogenmissbrauch (NIDA) vermutlich ab Dezember 1999 zunehmen. Unter den neuen Regeln wird die NIDA Regierungs-Marihuana an privat finanzierte Wissenschaftler verkaufen, deren Forschungsanträge genehmigt wurden. Das 'Department of Health and Human Services' erklärte, Wissenschaftler, die Zugang zur Droge suchten, müssten an Studien beteiligt sein, die im Allgemeinen den Richtlinien des Berichts des Medizininstituts vom März 1999 folgen müssten. Regierungs-Marihuana wird in vertraglicher Absprache mit der NIDA auf einem kleinen Areal der Universität von Mississippi angebaut. Bisher hatten nur Wissenschaftler, die eine bundesbehördliche Bewilligung erhalten hatten, Zugang zu diesem Cannabis. Und nur wenige solcher Bundesstudien sind bisher genehmigt worden. Die neuen Richtlinien wurden nach Diskussionen auf Kabinetts-Ebene erstellt, unter Teilnahme verschiedener Behörden, die am Krieg gegen die Drogen beteiligt sind, darunter das 'Department of Health and Human Services', das Elternbüro der Nationalen Gesundheitsinstitute, das Justizministerium, die DEA (Drug Enforcement Administration) und das Büro der Nationalen Drogenkontrollpolitik des Weißen Hauses. Die Universität von Mississippi baut das Marihuana auf 1,8 Morgen (etwa 0,72 Hektar) eines gut gesicherten Platzes an. Jedes zweite Jahr wird geerntet. Bisher war das mehr als ausreichend, um die wenigen genehmigten Studien zu versorgen. Wenn die neuen Richtlinien zu vermehrter Forschung führen, so ist die Behörde bereit, mehr Marihuana anzubauen. Der Preis für dieses Marihuana wurde bisher nicht festgelegt, und die Droge wird voraussichtlich nicht vor Dezember für Forscher bereit stehen. In einer Pressemitteilung vom 27. Mai bittet NIDA um "Vorschläge von qualifizierten Organisationen, die in der Lage sind, Marihuana-Zigaretten anzubauen, zu ernten, zu extrahieren, zu analysieren, zu lagern und zu produzieren und Cannabis und Marihuana-Zigaretten an Personen zu verteilen, die eine Erlaubnis durch die NIH erhalten haben, und andere Wissenschaftler, um Grundlagen- und klinische Forschung zu unterstützen." Chuck Thomas vom amerikanischen 'Marijuana Policy Project' erklärte, seine Gruppe sei erfreut, dass die Richtlinien zu mehr Forschung ermuntern würden, dieses Vorhaben werde Patienten, die die Droge jetzt benötigen, jedoch nicht helfen. "Wir sind sehr enttäuscht, dass sie nicht die Verwendung für einzelne Patienten erlaubt haben, so wie es das Medizininstitut empfohlen hat," erklärte Thomas. (Quellen: Los Angeles Times vom 21. Mai 1999, AP vom 23. Mai 1999, PR Newswire vom 21. und 24. Mai 1999, NIDA- Pressemitteilung vom 27. Mai 1999) 3. Kurzmeldungen ***Großbritannien: Die britische Diskussion über die Legalisierung für die arzneiliche Verwendung von Cannabis wurde am 20 Mai erneut belebt, nachdem eine Rekordzahl von 89 Abgeordneten über alle politischen Lager hinweg einen privaten Gesetzentwurf zur Aufhebung des Banns unterstützt hatten. Der Labour-Abgeordnete Paul Flynn, dessen privater Gesetzentwurf zur Legalisierung von Marihuana für die Verwendung als Medizin zur Zeit im Parlament behandelt wird, bittet die Regierung, ihre vorsichtige Haltung fallen zu lassen und kranken Menschen zu erlauben, von der "3.000 Jahre alten Medizin" zu profitieren. (Quelle: Reuters vom 20. Mai 1999) ***USA: In Oregon wurde am 21. Mai einem Multiple-Sklerose-Patienten die erste Identifikationskarte für medizinische Marihuana-Patienten ausgestellt. Es wird erwartet, dass im Juni auch Alaska mit der Ausgabe solcher ID-Karten beginnen wird. 66 Prozent der Einwohner Alaskas unterstützen nach einer Umfrage vom Zentrum für Verhaltensforschung in Phönix die ärztliche Befugnis, Patienten Marihuana zu verschreiben. Der Kalifornier B.E. Smith wurde vor wenigen Tagen trotz einer ärztlichen Empfehlung zur Verwendung von Marihuana wegen Besitz und Anbau von Cannabis schuldig gesprochen. Ein Richter hatte entschieden, dass die medizinisch überwachte Anwendung der Droge durch den Angeklagten diesen nicht vor gerichtlicher Verfolgung durch die Bundesbehörden schütze. (Quellen: AP vom 21. Mai 1999, The Arizona Republic vom 22. Mai 1999, NORML vom 25. Mai 1999) ***Deutschland: Fachtagung: "Cannabis - eine Pflanze mit vielen Facetten" Mittwoch, 29. September 1999, 15.00 bis 19.00 Uhr, Fachhochschule Münster Veranstalter: Ärztekammer Westfalen-Lippe, akzept NRW e.V., INDRO e.V. Mit: Prof. Dr. D. Kleiber, Berlin: Cannabiskonsum in Deutschland - Daten und Fakten Dr. F. Nolte, Bremen: Cannabis als ein jugendkulturelles Phänomen W. Neskovich, Lübeck: Vom Elend der Drogenpolitik - Das Recht auf Rausch Dr. A. Breiing, Münster: Cannabis und Alkohol - Eine etwas andere Betrachtung Dr. M. Schnelle, Berlin: Cannabis als Medizin Information: Dr. Wolfgang Schneider, INDRO, Email: indro@muenster.net ***Australien: Beim Drogengipfel von Neu-Süd-Wales wurden Vorschläge zur Annahme der liberalsten Drogengesetze in Australien verabschiedet. Die vorgeschlagenen Veränderungen beinhalten unter anderem die Abschaffung von Gefängnisstrafen für den Besitz und den Anbau kleiner Mengen von Cannabis sowie für den Besitz und den Verkauf von Gegenständen wie Rauchgeräten. Die Regierung hat nun sechs Wochen Zeit zur Entscheidung, ob sie die 172 Resolutionen der mehr als 200 Politiker, Experten und Gesundheitsarbeiter, die an dem einwöchigen Gipfel im Parlamentsgebäude teilnahmen, annehmen. Der Premierminister von Neu-Süd-Wales, Bob Carr, kündigte die Bildung eines hochrangigen Kabinett-Komitees an, das die Regierungsantwort formulieren werde. (Quellen: AAP vom 20. und 27. Mai 1999) ***USA: Das von den Cannabis-Klubs abgegebene Marihuana weist im allgemeinen wesentlich höhere THC-Konzentrationen auf als das legal für Forscher und Patienten von der Regierung erhältliche Cannabis. Dies ergab eine Analyse von 49 Proben, die von der kalifornischen NORML (Nationale Organisation für die Reform der Marihuana-Gesetzgebung) und MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies) finanziert worden war. Die Probe von der NIDA (Nationales Institut für den Drogenmissbrauch) enthielt 3,9 Prozent THC und nahezu alle anderen Proben über 8 Prozent, überwiegend im Bereich zwischen 12,8 und 15,4 Prozent THC. (Quelle: California NORML vom 21. Mai 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zu den Aussichten auf einen legalen Zugang zu Cannabis für medizinische Zwecke in Japan: "Wir folgen immer der Führung der USA. Ich glaube, dass die Legalisierung eventuell hier stattfinden wird, aber es wird ein sehr langsamer Prozess sein. Vielleicht 100 Jahre." Koichi Maeda, Autor von "Marijuana Seishun Ryoko" (Die Marihuana-Reisen eines jungen Mannes), ein Buch, das 75.000mal in Japan verkauft wurde, Daily Yomiuri vom 27. Mai 1999 ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 12. Juni 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Kanada: Die beiden ersten Patienten erhielten eine Erlaubnis der Regierung zur Verwendung von Marihuana -- Forschungsplan für klinische Studien und den Anbau von Cannabis * Wissenschaft: Erhöhte Konzentration von Endocannabinoiden eine Kompensation für ein hyperaktives Dopaminsystem bei Schizophrenie? 1. Kanada: Die beiden ersten Patienten erhielten eine Erlaubnis der Regierung zur Verwendung von Marihuana -- Forschungsplan für klinische Studien und den Anbau von Cannabis Die Bundesregierung hat zum ersten Mal in der kanadischen Geschichte zwei Patienten die Erlaubnis erteilt, Marihuana für medizinische Zwecke anzubauen und zu verwenden. Es handelt sich um zwei Aids-Patienten, Jim Wakeford aus Toronto und Jean-Charles Pariseau aus Vanier. In einer Pressemitteilung vom 9. Juni gab Gesundheitsminister Allan Rock bekannt, dass "er seine Befugnis nach Kapitel 56 des Betäubungsmittelgesetzes ausgeübt und zwei Personen Ausnahmen für den Besitz und den Anbau von Marihuana für medizinische Zwecke gewährt habe." Er stellte zudem im Abgeordnetenhaus einen Zustandsbericht unter dem Titel "Forschungsplan des kanadischen Gesundheitsministeriums für die Verwendung von Marihuana für medizinische Zwecke" vor. Der Plan beinhaltet die Möglichkeit, weitere Genehmigungen nach Kapitel 56 des Betäubungsmittelgesetzes zu beantragen. Das Ministerium will jeden Antrag innerhalb von 15 Tagen nach Eingang aller notwendigen Informationen bearbeiten. Am 6. Mai veröffentlichte das Gesundheitsministerium eine Anleitung zur Zusammenstellung der Informationen, die Bewerber um eine Ausnahmegenehmigung beibringen müssen. Rock erklärte, er habe 30 Anträge von Personen erhalten, die Marihuana für medizinische Zwecke verwenden wollen. Hinsichtlich klinischer Studien weist der Forschungsplan drei Komponenten auf: 1. Finanzierungsmittel zur Durchführung von klinischen Kurzzeitstudien, in denen Marihuana geraucht wird, sind der "Community Research Initiative" von Toronto im Verein mit dem kanadischen "HIV Trial Network" übergeben worden. Das Gesundheitsministerium wird mit kanadischen Forschern zusammenarbeiten, um Zugang zu für Forschungszwecke bestimmten Marihuanazigaretten des Nationalen Institut für den Drogenmissbrauch (NIDA) der USA zu erhalten. 2. Der Medizinische Forschungsrat (Medical Research Council) wird Geldmittel zur Unterstützung mannigfaltiger Forschungsaktivitäten erhalten, inklusive klinischer Studien mit Marihuana, Marihuana-Extrakten und verwandten Produkten. Aufforderungen für Vorschläge werden später im Juni bekannt gegeben. Forschungsvorschläge sind fällig bis zum 15. September. 3. Das Gesundheitsministerium steht in Verhandlungen mit GW Pharmaceuticals aus Großbritannien zur Entwicklung von klinischen Studien, in der nicht-gerauchte Formen von Marihuana eingesetzt werden -- unter Verwendung von Inhalatoren. Diese Studien würden in Kanada durchgeführt, unter Verwendung des für Forschungszwecke entwickelten Produkts. Zusätzlich zur Inangriffnahme der Entwicklung klinischer Studien ist das kanadische Gesundheitsministerium dabei, einen Geschäftsplan für die Schaffung einer von der Regierung bewilligten heimischen Quelle für die Versorgung mit Marihuana für Forschungszwecke in Kanada zu entwickeln. (Quellen: Pressemitteilung von Allan Rock vom 9. Juni 1999, Canadian Press vom 9. Juni 1999, Calgary Sun vom 9. Juni 1999) 2. Wissenschaft: Erhöhte Konzentration von Endocannabinoiden eine Kompensation für ein hyperaktives Dopaminsystem bei Schizophrenie? In der Hirnflüssigkeit von Menschen mit Schizophrenie finden sich möglicherweise vermehrt Endocannabinoide. Dies könnte erklären, warum viele an dieser Krankheit Leidende Marihuana rauchen. Cannabis wird von mehr Schizophrenen als von anderen konsumiert. Viele Forscher machen ein überaktives Dopamin-System im Gehirn für die Schizophrenie verantwortlich. Daniele Piomelli und Kollegen von der Universität von Kalifornien in Irvine haben bereits an Ratten demonstriert, dass die Anandamid-Freisetzung im dorsalen Striatum -- einer Gehirnregion -- durch eine Aktivierung von Dopaminrezeptoren dramatisch stimuliert wird (Giuffrida 1999). Nun hat Piomellis Gruppe die Rückenmarksflüssigkeit von 10 schizophrenen Patienten untersucht, die ihnen an der Medizinischen Hochschule Hannover für diagnostische Zwecke entnommen worden war. Sie fanden, dass die Flüssigkeit von schizophrenen Patienten im Durchschnitt zweimal so viel Anandamid und zweimal so viel Palmitylethanolamid (PEA) enthielt wie die Flüssigkeit von normalem Kontrollen. Es fand sich kein Unterschied in der Konzentration von Oleylethanolamid. Ihre Forschung wurde in der Juni-Ausgabe von NeuroReport veröffentlicht (Leweke 1999). Eine Erklärung für die höheren Konzentrationen bei Schizophrenen ist ein Versuch des Gehirns, ein hyperaktives Dopaminsystem zu kompensieren. "Es ist die Antwort des Gehirns, um diese Dopamin-Aktivität herunterzubringen," sagte Piomelli. Aber das Gehirn kann die Anandamid-Menge nicht hoch genug halten, um das Dopamin-Niveau zu senken, erklärte er. Dies könnte erklären, warum Schizophrene oft Marihuana rauchen. THC und Anandamid binden beide an den Cannabinoid-Rezeptor des Gehirns (CB1), der eine hohe Dichte in Regionen des menschlichen Hirns zeigt, die mit der Schizophrenie in Verbindung stehen, inklusive der präfrontalen Hirnrinde, den Basalganglien und dem Hippocampus. Es könnte sein, dass sich die Patienten selbst zu behandeln versuchen, erklärte Piomelli. Aber da Cannabis im Gehirn nicht selektiv wirkt, sieht er es nicht als eine nützliche Therapie für die Schizophrenie an. "Ich denke nicht, dass die Patienten high werden wollen," sagte er. "Ich denke, dass sie sich besser fühlen wollen." Die Rolle des PEA bleibt unklar, weil es nicht an den CB1-Rezeptor bindet. Pharmakologische Befunde zeigen jedoch, dass PEA die Übererregbarkeit des Kleinhirns reduzieren kann. "Unsere Befunde, die ein erhöhtes PEA bei Schizophrenie zeigen, unterstreichen die Notwendigkeit zur weiteren Erforschung der biochemischen und pharmakologischen Eigenschaften dieses möglichen Signal-Moleküls," heißt es in dem Artikel. Es bestehen einige Unsicherheiten in dieser Untersuchung hinsichtlich der kausalen Beziehung zwischen hohen Konzentrationen der beiden Endocannabinoide und Schizophrenie. Daher untersuchen die Forscher nun Hirnflüssigkeit von mehr Patienten, um zu sehen, ob die Korrelation weiterbesteht. (Quellen: Leweke FW, et al: NeuroReport (1999) 10:1665-1669; Giuffrida A, et al: Nat Neurosci (1999) 2:358-363; Knight J: New Scientist, 29 May 1999) 3. Kurzmeldungen ***Großbritannien: Der Drogenbeauftragte der Regierung Keith Hellawell erklärte am 4. Juni in BBC News Online, dass er die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke unterstütze. "Ich unterstütze die Verwendung von Cannabis aus medizinischen Gründen," erklärte er. "Ich habe auch eine Menge Sympathie, weil ich viele Menschen getroffen habe, die unter echten Erkrankungen leiden und feststellen, dass ihnen diese Substanz helfen kann." Hellawell sagte, dass er nicht denke, Cannabis solle auf Rezept verfügbar sein, bevor weitere klinische Studien abgeschlossen sind. (Quelle NORML vom 10. Juni 1999) ***Kanada: Seit zwei Jahren verkauft der Compassion Club in Ost-Vancouver ohne Aufsehen Marihuana an Patienten mit ernsthaften Erkrankungen. Die Gründerin des Klubs, Hilary Black, erklärte, ihre Gesellschaft habe bisher keinen Ärger mit der Polizei gehabt. Der Klub sei eine registrierte gemeinnützige Organisation mit 700 Mitgliedern. Die Mitglieder des Compassion Clubs sind HIV-Positive, haben Aids, Krebs, Epilepsie, Glaukom, Multiple Sklerose, Arthritis, Fibromyalgie und andere Arten chronischer Schmerzen. (Quelle: North Shore News vom 24. Mai 1999) ***USA: Der Oberste Gerichtshof von Florida hat am 3. Juni entschieden, dass wegen des Besitzes von Marihuana Angeklagte, sich weiterhin auf die "medizinische Notwendigkeit" berufen können. George Sowell, der am Glaukom leidet, wurde 1995 wegen Marihuana-Besitzes verurteilt. Er hatte vor Gericht argumentiert, dass er die Substanz zur Kontrolle seiner Erkrankung brauche, aber der Richter weigerte sich, diese Rechtfertigung zu erlauben. Das erste Berufungsgericht hob jedoch die Verurteilung auf. Generalstaatsanwalt Bob Butterworth bat den Obersten Gerichtshof die Entscheidung des Berufungsgerichts zu verwerfen. Aber der Gerichtshof "stimmte einstimmig darin überein, dass die Angelegenheit 'ein extremes Grenzprinzip des Rechts' berührt und daher nicht in das höchste Gericht gehört." Daher kann Sowell zurück zur ersten Instanz gehen und beweisen versuchen, dass seine Marihuanaverwendung eine gültige medizinische Notwendigkeit darstellte. (Quelle: Kaiser Daily HIV/AIDS Report vom 8. Juni 1999) ***Schweiz: Ein Schweizer Gericht verurteilte am 31. Mai einen Hanfbauern wegen der Produktion von 8,5 Tonnen getrockneter Pflanzen und Verkauf des THC-reichen Materials in Duftsäckchen zu 16 Monaten Gefängnis. Bernard Rappaz wurde wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz für schuldig befunden. Drei weitere Angeklagte wurden freigesprochen. (Quelle: AP vom 31. Mai 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zu seinem Plan, klinische Forschung mit Cannabis zu fördern und sofort einigen Patienten die medizinische Verwendung der Droge zu erlauben: "Dieser Plan reflektiert Mitleid und er wird zudem helfen, die Beweisbasis aufzubauen, die hinsichtlich der Verwendung von Marihuana für medizinische Zwecke notwendig ist." Allan Rock, kanadischer Gesundheitsminister, Pressemitteilung vom 9. Juni 1999. ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 26. Juni 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Großbritannien: Ärzte drängen auf Legalisierung von Cannabis für die medizinische Verwendung und als Freizeitdroge * Wissenschaft: Cannabis soll tödliche Wirkung von antidepressiven Medikamenten verstärken 1. Großbritannien: Ärzte drängen auf Legalisierung von Cannabis für die medizinische Verwendung und als Freizeitdroge Eine Gruppe von führenden Ärzten sind die ersten Vertreter des britischen Gesundheitswesens, die eine Legalisierung von Cannabis als Freizeitdroge fordern. Die Ärzte des "Scottish Committee for Public Health Medicine and Community Health" (Schottisches Komitee für Öffentliche Gesundheit und Gesundheit der Gemeinden) der Britischen Medizinischen Gesellschaft argumentieren, dass die gleichartige Klassifizierung von Cannabis mit Heroin und Kokain jungen Menschen den Eindruck verschafft, die Verwendung harter Drogen sei nicht gefährlicher als das Rauchen eines Joints. Die Gruppe hat einen Antrag für die jährliche Konferenz der Britischen Medizinischen Gesellschaft (BMA) im kommenden Monat in Belfast vorbereitet. Sie fordert darin eine Gesetzesänderung zur Unterstützung der Eindämmung der Ausbreitung harter Drogen. Die Initiative, nach der die BMA "die Legalisierung von Cannabis für medizinische und Freizeitverwendung erlauben" sollte, wurde von dem Komitee bereits in diesem Monat der BMA-Konferenz zur öffentlichen Gesundheit vorgetragen und abgelehnt. George Venters, der Vorsitzende des Komitees, erklärte: "Ich denke, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Legalisierung unterstützen würde, wenn man die Hinweise entsprechend darlegen würde." Die BMA unterstützt die Forschung zur Entwicklung von Medikamenten auf Cannabinoid-Basis, unterstützt jedoch nicht das Rauchen der rohen Droge zur Linderung von Schmerzen, da es zu viele Verunreinigungen enthalte. Eine Sprecherin der BMA erklärte: "Dies ist nur ein Komitee der BMA. Es ist nicht die Politik der BMA als Gesamtheit. (...) Der Wissenschaftsrat hat sich im letzten Jahr mit dem Thema der Freizeitverwendung befasst und entschieden, dass das Thema der Legalisierung jenseits ihrer Zuständigkeit liegt." Dr. Brian Potter, schottischer Sekretär der BMA, erklärte: "Was [das Komitee] sagen möchte, ist, dass es andere gefährliche Drogen gibt, die legal sind und viel mehr Tote verursachen. In Schottland sterben sicherlich täglich 35 Menschen an der Verwendung von Tabak. Wir sollten uns vielleicht darauf konzentrieren, anstatt unsere Energien auf Cannabis zu verwenden." (Quellen: PA News vom 21. Juni 1999, Daily Telegraph vom 21. Juni 1999, The Times vom 21. Juni 1999, The Independent vom 22. Juni 1999) 2. Wissenschaft: Cannabis soll tödliche Wirkung von antidepressiven Medikamenten verstärken. Todesfälle von tödlichen Cocktails aus Cannabis und antidepressiven Medikamenten könnten häufig als jugendlicher Selbstmord fehldiagnostiziert werden. Dies erklärte der Psychophysiologe John Anderson aus Sydney vor einem Anti-Drogen-Forum am 19. Juni in Sydney/Australien. "Wir wissen (...), dass Cannabis ein sehr wichtiges Enzym im Körper hemmt - Cytochrom P450 -, welches zum Abbau von Antidepressiva benötigt wird," erklärte er. "Wenn es nicht da ist, wird es nicht verstoffwechselt. (...) Das antidepressive Medikament kann nicht abgebaut werden. Tatsächlich kehrt es den Stoffwechsel um." Er zitierte das Beispiel eines jungen Depressiven, der eine korrekte antidepressive Medikation von seinem Arzt bekam, aber seinen starken Cannabiskonsum nicht erwähnte. "Der Junge nimmt das Antidepressivum exakt so wie verschrieben und verwendet Cannabis. (...) Etwas später ist der Junge plötzlich tot, unter der Annahme, er habe wegen seiner Depression Selbstmord begangen." Dr. Franjo Grotenhermen vom nova-Institut in Köln erklärte: "Es gibt einige Cytochrom P450 Enzyme. Es sind die wichtigsten Enzyme, die Medikamente und Drogen abbauen. Das nicht psychotrope CBD (Cannabidiol), das kein Cannabid-Rezeptoragonist ist, scheint die Cytochrom P450-Enzyme zu inaktivieren. Aber THC und andere CB-Rezeptoragonisten scheinen die Aktivität des mikrosomalen Cytochrom P450 Systems zu verstärken (pharmakokinetische Toleranz). Daher habe ich einige Zweifel an der Annahme von Dr. Anderson." (Quellen: AAP vom 19. Juni 1999, Kommentar von Dr. Grotenhermen) 3. Kurzmeldungen ***USA: Ein kalifornischer Arthritispatient und Marihuana-Aktivist, der wegen illegalen Anbaus der Pflanze angeklagt war, wurde angewiesen, die Werbung für Marihuana zu unterlassen oder eine zweijährige Gefängnisstrafe anzutreten. Joe Kidwell wurde am 18. Juni wegen des illegalen Anbaus von 14 Marihuana-Pflanzen verurteilt. Richter Albert Matthews vom obersten Gerichtshof in Los Angeles ordnete die Beschränkung seines Marihuanakonsums auf sein Zuhause an. Der Beschluss hindert ihn zudem daran, öffentlich über die Verwendung von Marihuana zu sprechen. Während seines Gerichtsverfahrens im Mai hatte der Orthopäde Dr. Fred Hakmet ausgesagt, er habe Kidwell die Verwendung von Marihuana wegen seiner Arthritis und chronischen Rückenschmerzen empfohlen. Seit Januar 1997 erlaubt das Gesetz des Staates Kalifornien bei einer entsprechenden ärztlichen Empfehlung die Verwendung und den Anbau von Marihuana für medizinische Zwecke. (Quelle: Santa Monica Our Times vom 20. Juni 1999) ***Neuseeland: Zum zweiten Mal in sechs Monaten hat das parlamentarische Gesundheitskomitee der Regierung das Überdenken der Kriminalisierungspolitik hinsichtlich Marihuana empfohlen. "Im Licht der Hinweise, die wir über die Effekte von Cannabis gehört haben und der hohen Konsumrate in Neuseeland, erfordert die Effektivität der gegenwärtigen Politik zu Cannabis eine Überprüfung," erklärte der Vorsitzende des Gesundheitskomitees Brian Neeson. (Quelle: NORML vom 17. Juni 1999) ***USA: Drei Gruppen, die die erfolgreiche Initiative aus dem Jahre 1998 zur Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke in Washington unterstützten, haben eine Anleitung herausgegeben, um das Gesetz Patienten, Ärzten und anderen zu erläutern. Die Anleitung erklärt, wer nach dem Gesetz zur medizinischen Verwendung von Marihuana geeignet ist, wofür es verwendet wird, wie ärztliche Empfehlungen zu dokumentieren sind und andere Themen. (Quelle: Seattle Post-Intelligencer vom 24. Juni 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zu der jüngsten Entscheidung des obersten Gerichts von Florida zur medizinischen Verwendung von Marihuana "Wenn Sie dieses Szenario ein wenig benommen und verwirrt zurücklässt, so seien Sie willkommen in der bizarren Matrix von Staats- und Bundesgesetzen, Regeln und Richtlinien, die nun durch ein Rechtssystem führen, das plump versucht, mit einem Thema umzugehen, das besser Ärzten und ihren Patienten überlassen bleiben sollte." Editorial, ("Dazed and confused on medical marijuana"), Miami Herald vom 22. Juni 1999 ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 10. Juli 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * USA: Regierung verringert Beschränkungen für das THC-Präparat Marinol * Deutschland: Pläne zur Klassifizierung von Cannabis als unlizensiertes Medikament 1. USA: Regierung verringert Beschränkungen für das THC-Präparat Marinol Die "Drug Enforcement Administration" (DEA), die US-amerikanische Behörde zur Verfolgung von Drogenvergehen, hat Marinol von der Liste II in die weniger restriktive Liste III des Betäubungsmittelgesetzes umgestuft. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass es nicht mehr wie Morphin eingestuft ist, sondern wie häufiger verwendete Medikamente wie etwa Codein. Marinol ist ein eingetragenes Warenzeichen von Unimed Pharmaceuticals und enthält synthetisch hergestelltes Dronabinol (Delta-9-THC), den pharmakologisch relevantesten und psychoaktiven Inhaltsstoff von Marihuana. Barry McCaffrey, Direktor des Amtes für die nationale Drogenpolitik des Weißen Hauses, erklärte, die Kapselform von Marinol sei eine "sichere und geeignete Art", der Öffentlichkeit die Marihuana-Inhaltsstoffe verfügbar zu machen. "Dieses Vorgehen wird Marinol, das, wissenschaftlich bewiesen, sicher und effektiv ist, breiter verfügbar machen," sagte er. Geoff Sugerman, ein Verfechter der medizinischen Verwendung von Marihuana, erklärte: "Hier ist ein weiterer Beweis, dass die Eigenschaften von Marihuana wirklich als Medizin wirken." Oregon hat neben anderen Staaten im letzten Herbst die Verwendung von Marihuana mit einer ärztlichen Empfehlung gebilligt, eine Maßnahme, gegen die sich McCaffrey wendet. Marinol ist das einzige Cannabinoid in Marihuana, das zu einem verschreibbaren Medikament entwickelt wurde. Es wurde zuerst 1985 auf den Markt gebracht und ist heute für die Behandlung von Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bei AIDS sowie Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Chemotherapie zugelassen. Mit der Änderung der Klassifizierung kann Marinol nun von Ärzten mit der Möglichkeit von fünf Wiederholungsrezepten verschrieben werden. Zudem werden die Vorschriften für Nachweispflichten und die Verteilungs-Beschränkungen für das Medikament verringert. (Quelle: AP vom 3. Juli 1999) 2. Deutschland: Pläne zur Klassifizierung von Cannabis als unlizensiertes Medikament Dies ist ein Zwischenbericht zu den Bemühungen, standardisierte Rezepturen von Cannabis zu entwickeln und sie als unlizensiertes Medikament zu klassifizieren. Dr. Moeller, ein Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums, und Christa Nickels, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, schlugen dieses Vorgehen beim Treffen am 22. März 1999 mit Vertretern der sogenannten Frankfurter Resolution, einer Initiative für die medizinische Verwendung von Marihuana, vor. Es wird als der vielversprechendste Weg angesehen, Cannabis für Patienten in Deutschland zugänglich zu machen, ohne den Abschluss klinischer Studien, die bald beginnen sollen, abwarten zu müssen. In einem Brief vom 29. März bat das Gesundheitsministerium den Deutschen Arzneimittelkodex (DAC) und das Neue Rezepturformularium (NRF), standardisierte Cannabis-Rezepturen zu entwickeln. DAC und NRF sind Einrichtungen des Bundesverbandes der Deutschen Apothekerverbände, die bereits eine Vielzahl von Vorschriften für die Herstellung von Medikamenten und Monographien über Arzneien, pflanzliche Drogen, Tinkturen, Extrakte etc. erstellt haben. DAC und NRF wurden in diesem Brief gebeten, Kontakt mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) aufzunehmen, um ihr Wissen über Cannabis zu nutzen. In einem Brief vom 3. Mai teilten Vertreter des DAC und des NRF der ACM mit, dass sie zu einer Zusammenarbeit bereit sind, um standardisierte Ausgangsstoffe und Rezepturen für Cannabis zu entwickeln. Seither gibt es einen regelmäßigen Kontakt zwischen Vertretern dieser Institutionen mit dem Ziel, Probleme im Zusammenhang mit der Versorgung mit dem Ausgangsmaterial, Fragen der Standardisierung und andere Aufgaben zu lösen. Einige Behörden, die für die Regulierung des Umgangs mit Betäubungsmitteln und Medikamenten in Deutschland zuständig sind, werden in diese Thematik einbezogen. Es kann keine Prognose hinsichtlich Erfolg und Zeithorizont aufgestellt werden. Die Entwicklung und offizielle Veröffentlichung einer oder mehrerer Cannabis-Rezepturen könnte ein Jahr oder länger dauern. Dann müssen die zuständigen politischen Institutionen Cannabis im Deutschen Betäubungsmittelgesetz umstufen. Die Haltung all dieser Institutionen ist heute nicht sicher vorhersagbar. Diese Unsicherheit ist einer der wesentlichen Gründe, warum die ACM zusammen mit Ärzten und Patienten weiterhin eine Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Verbot der medizinischen Verwendung von Cannabis vorbereitet. (Quelle: ACM) 3. Kurzmeldungen ***Großbritannien: Bei ihrem jährlichen Kongress am 7. Juli hat die Britische Medizinische Gesellschaft (BMA) nur knapp einen Antrag auf Unterstützung der Legalisierung von Cannabis für die medizinische Verwendung abgelehnt. Mit deutlicher Mehrheit wurde eine Antrag für eine Entkriminalisierung als Freizeitdroge abgelehnt. Der Antrag zur medizinischen Verwendung, eingebracht vom Schottischen Komitee für Öffentliche Gesundheit, fiel nach einer hitzigen Debatte über den Nutzen der Droge mit nur neun Stimmen durch. Dr. Stephen Kisely, der den Antrag vorschlug, erklärte: " Die rechtlichen Effekte von Cannabis sind viel schlimmer als die medizinischen und psychologischen Effekte. (...) Die BMA sollte aufstehen und handeln, um ihren Patienten zu helfen. Sie zu Kriminellen zu machen, hilft ihnen nicht." (Quelle: PA News vom 7. Juli 1999) ***USA: Eine landesweite Registrierung von Patienten, die Marihuana verwenden, wurde von einer kalifornischen Arbeitsgruppe zu diesem Thema, bestehend aus Polizisten, Unterstützern der medizinischen Verwendung von Marihuana und Ärzten, vorgeschlagen. Die Arbeitsgruppe war vom kalifornischen Generalstaatsanwalt Bill Lockyer eingesetzt worden. Die Empfehlungen sollen eine einheitliche Umsetzung von Proposition 215, dem kalifornischen Gesetz für die arzneiliche Verwendung von Marihuana, ermöglichen. Es wird erwartet, dass Landes-Senator John Vasconcellos in diesem Monat einen Gesetzentwurf einbringt, um die landesweite Registrierung einzuführen. Zur Zeit hängen die Chancen für einen Patienten, wegen einer medizinischen Marihuana-Verwendung verhaftet und verurteilt zu werden, von seinem Aufenthaltsort ab. (Quelle: Los Angeles Times vom 5. Juli) ***Großbritannien: Ein Großvater verließ am 9. Juli als freier Mann das Londoner Gericht Old Bailey, nachdem ein Richter die Begründung, er verwende Cannabis in seinem Tee, um sein verkrüppelndes Rheuma zu lindern, anerkannte. Der 65 Jahre alte Herr James verwendete pflanzliches Cannabis gegen seine einschießenden Schmerzen in Armen und Beinen. Nach Angaben der Polizei, die im letzten Mai in seinem Haus in Süd-London eine Razzia durchgeführt hatte, hätten sie etwa 300 Gramm Cannabis gefunden. James gab den einfachen Besitz zu. Er erhielt vom Richter eine dreijährige Bewährungsstrafe. (Quelle: PA News vom 9. Juli 1999) 4. DER KOMMENTAR ... zur Behauptung eines australischen Dr. Anderson, Cannabis könne die tödliche Wirkung antidepressiver Medikation verstärken, verbreitet durch Australian Associated Press vom 19. Juni 1999 "Ich war erstaunt über die Kommentare von Dr. John Anderson, über die gestern im ACM-Bulletin berichtet wurde. Ich stimme der Interpretation von Dr. Grotenhermen zu, dass die Behauptungen von Dr. Anderson hinsichtlich der metabolischen Interaktionen zwischen Cannabinoiden und Antidepressiva weder eine Basis in der Realität noch in der pharmakologischen Theorie haben. Ich bin auch darüber besorgt, dass Dr. Anderson kürzlich weitere unbegründete und fälschliche Behauptungen über die gesundheitlichen Effekte von Cannabis aufgestellt hat. Dr. Anderson erhielt 1998 seinen Doktortitel von der Universität von Sydney für eine Doktorarbeit, die nichts mit einem pharmakologischen Gebiet oder einem Aspekt von Cannabis zu tun hatte. Meines Wissens hat Dr. Anderson bisher nur zu zwei wissenschaftlichen Publikationen beigetragen, über Themen im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit, und er hat keine einzige wissenschaftliche Arbeit über Cannabis publiziert. Ich glaube nicht, dass er jemals originäre Cannabis-Forschung betrieben hat. Mir ist nicht bekannt, dass er irgendeine Qualifikation oder Erfahrung als Pharmakologe besitzt. Ich bin sehr besorgt, dass diese Behauptungen über Cannabis, über die im ACM-Bulletin berichtet wurde, und die woanders publiziert wurden, nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, sondern nichts als Hörensagen darstellen." Prof. MacDonald J. Christie, Institutsleiter, Institut für Pharmakologie, Universität von Sydney; persönliche Mitteilung vom 28. Juni 1999. ------------------------------------------------------------------------------ ACM-Informationen vom 24. Juli 1999 ------------------------------------------------------------------------------ * Großbritannien: Freispruch für einen Mann, der Cannabis an Kranke abgegeben hat * Kanada: Suchtexperte unterstützt die medizinische Verwendung von Marihuana 1. Großbritannien: Freispruch für einen Mann, der Cannabis an Kranke abgegeben hat Ein Mann, der eine Kooperative gegründet hat, um Cannabis an Kranke abzugeben, wurde am 22. Juli im ersten Fall dieser Art in Großbritannien von einem Gericht freigesprochen. Der 42jährige Colin Davies begann mit dem Anbau von Cannabis, nachdem er bei einem Sturz schwere Wirbelsäulenverletzungen erlitten hatte. Er gab zu, Cannabis angebaut und verwendet zu haben, um seine Schmerzen zu lindern. Ein Geschworenengericht des königlichen Gerichts von Manchester sprach ihn in allen vier Anklagepunkten des Anbaus und Besitzes der Droge mit der Absicht, damit zu handeln, frei. Das Gericht hatte gehört, dass Herr Davies die medizinische Marihuana-Kooperative gegründet hatte, mit der Absicht, Menschen zu helfen, die an schweren oder terminalen Leiden erkrankt sind. Er begann mit der Verwendung von Cannabis vor drei Jahren, nachdem konventionelle Medikamente, die er für seine eigenen Verletzungen nahm, zu "verheerenden" Nebenwirkungen führten. Es handelt sich um das erste Verfahren vor einem britischen Gericht wegen der Abgabe der Droge aus medizinischen Gründen, auch wenn andere Menschen bereits wegen einfachen Besitzes aufgrund einer Erkrankung freigesprochen worden waren. Zuschauer brachen im Gericht in Jubel und Applaus aus, mit Rufen von "Danke" und "Gott segne Sie", als die Geschworenen am Ende einer viertägigen Verhandlung ihren einstimmigen Urteilsspruch bekannt gaben. Der Unterhausabgeordnete der Labour-Partei Paul Flynn erklärte, dies sei eine "bahnbrechende Entscheidung." "Es zeigt den gesunden Menschenverstand der Geschworenen in der Überwindung eines überholten Gesetzes. Was wir zur Zeit machen, ist unfair und grausam - Leute in Angst vor Gefängnisstrafen zu versetzen, die kein größeres Verbrechen begehen, als gegen ihre Leiden ein Medikament ihrer Wahl zu nehmen." Die britische medizinische Gesellschaft hat die Gerichte und die Polizei gedrängt, sich klinischer Studien bewusst zu sein, die zur Zeit durchgeführt werden, wenn Anklagen in Erwägung gezogen würden. Eine Sprecherin sagte nach dem Urteilsspruch: "Wir unterstützen die zur Zeit durchgeführte Erforschung des Nutzens der Droge, um Schmerzen zu lindern. In der Zwischenzeit haben wir die Gerichte gebeten, Ihnen mit Verständnis und Mitleid zu begegnen." Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, die Regierung würde nur eine Änderung des Gesetzes in Erwägung ziehen, wenn Cannabis-Zubereitungen klinische Studien durchlaufen hätten. Die 42jährige Clare Hodges, Mutter zweier Kinder und Gründerin der Allianz für Cannabis-Therapeutika, erklärte: "Den Menschen zu sagen, dass weitere Forschung benötigt wird, ist ein Ablenkungsmanöver. Wir wissen mehr über die nützlichen Effekte von Cannabis als von den Medikamenten, die man auf Rezept erhält." Frau Hodges schätzt, dass 10.00