-------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 5. Januar 2002 -------------------------------------------------------------- * IACM: Werde ein Mitglied der IACM 1. IACM: Werde ein Mitglied der IACM Die Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin wurde im März 2000 von Mitgliedern der deutschen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin gegründet. Eine zunehmende Zahl von Personen außerhalb des deutschen Sprachraums wird Mitglied der IACM, um dabei zu helfen, Cannabis und Cannabinoide für die medizinische Verwendung verfügbar zu machen, weltweit, und unser Wissen über ihre Pharmakologie, Toxikologie und das therapeutische Potenzial zu vergrößern. Werde eine Mitglied dieses internationalen Netzwerks: http://www.cannabis-med.org/german/member.htm Neue Mitglieder, die sich der IACM bis zum 1. März 2002 anschließen, erhalten ein kostenloses Exemplar der Spezialausgabe zu HIV/Aids des Journal of Cannabis Therapeutics, Ausgabe 1(3/4) von 2001. 2. Kurzmeldungen ***Schweiz - Hungerstreik Ein Schweizer Cannabisaktivist begann am Tag seiner Verhaftung am 14. November 2001 einen Hungerstreik, nun seit mehr als 50 Tagen. Bernard Rappaz baut Cannabis an. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Hanf-Kooperative Valchanvre (deutsch: Hanf-Tal). 25 Polizeibeamte führten in der Kooperative eine Razzia durch und konfiszierten 10 Tonnen Cannabis. Rappaz wird beschuldigt, Hanf anzubauen, das mehr als die erlaubten 0,3 % THC enthält. (Mehr unter: http://www.multimania.com/fdcc) ***Wissenschaft - Brechreiz auslösende Wirkungen durch THC blockiert Das Endocannabinoid 2-Arachidonylglycerol (2-AG) verursachte Erbrechen bei Spitzmäusen. THC und einige synthetische CB1-Rezeptoragonisten blockierten diese emetogenen Wirkungen. Das nicht-psychoaktive Cannabinoid Cannabidiol (CBD) war inaktiv. (Quelle: Darmani NA. J Pharmacol Exp Ther 2002;300(1):34-42) ***Großbritannien - Pilotprojekt ausgeweitet Etwa 400 Drogenkonsumenten wurden im Rahmen eines Pilotprojektes in Brixton, Süd-London, wegen Cannabisbesitzes verwarnt anstatt verhaftet. Dies erklärte die Polizei am 2. Januar. Das Projekt wurde im Juli 2001 begonnen und soll der Polizei mehr Zeit geben, um sich auf harte Drogen zu konzentrieren. Die Polizei argumentierte, dass die Konfiszierung der Drogen und die Verwarnung auf der Straße einem Polizeibeamten 10 Minuten kosten würde, gegenüber bis zu 10 Stunden bei einer Verhaftung. Das Projekt wurde bis zum Frühjahr verlängert. (Quelle: PA News vom 2. Januar 2002) ***USA - Marihuana-Gesetzgebung NORML (Nationale Organisation für die Reform der Marihuana-Gesetzgebung) hat ihre Informationen zur Marihuana-Gesetzgebung in allen Staaten der USA vervollständigt und auf den neuesten Stand gebracht: http://www.norml.org/states/index.shtml 3. VOR EINEM JAHR: - Schweiz: Studie mit Cannabis bei MS-Patienten soll im Frühjahr abgeschlossen werden - USA: Unimed Pharmaceuticals einziger Vermarkter von Marinol VOR ZWEI JAHREN: - Spanien: Freispruch wegen medizinischer Verwendung von Haschisch - Australien: Richter akzeptierte Cannabis als Schmerzmedikament ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 19. Januar 2002 ----------------------------------------------------------------- ======================================= Werde Mitglied der IACM http://www.cannabis-med.org/german/member.htm und erhalte ein Freiexemplar der Ausgabe des Journal of Cannabis Therapeutics zu HIV/AIDS ======================================= * Großbritannien: GW erweitert Studien auf Wirkung bei Krebsschmerz * USA: Kalifornischer Cannabisklub strebt neues Gerichtsurteil an 1. Großbritannien: GW erweitert Studien auf Wirkung bei Krebsschmerz GW Pharmaceuticals erklärte am 16. Januar, dass es seine klinischen Studien auf die Linderung von Schmerzen von Krebspatienten ausdehnen werde. Das Unternehmen gab an, Studien mit Patienten, die an multipler Sklerose oder Querschnittslähmung litten, hätten sich bereits als erfolgreich erwiesen. GW erklärte, mehr als 100 Patienten mit Krebs im Endstadium, die an Schmerzen leiden, die nicht auf verfügbare Behandlungen ansprechen, würden an der Studie an mehr als 20 Zentren in Großbritannien teilnehmen. Die Patienten erhalten einen Cannabisextrakt als Spray unter die Zunge. Geschäftsführer Dr. Geoffrey Guy erklärte: "Wir bleiben zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, den Regulierungsbehörden von Großbritannien im Jahre 2003 Daten zu präsentieren, und - vorbehaltlich einer Genehmigung - Anfang 2004 das erste rezeptierfähige Medikamente auf Cannabis-Basis auf den Markt zu bringen." (Quelle: Reuters vom 16. Januar 2002) 2. USA: Kalifornischer Cannabisklub strebt neues Gerichtsurteil an Rechtsanwälte der Oakland Cannabis Buyers' Kooperative (OCBC) baten ein US-Bezirksgericht, seine Verfügung aus dem Jahre 1998 zu ändern, die den Klub anwies, die Verteilung von Marihuana an Schwerkranke einzustellen. Dieser Schritt kommt acht Monate nachdem das höchste Bundesgericht erklärt hatte, die Kooperative dürfe Cannabis nicht an Patienten abgeben. Die OCBC argumentiert, dass die Verfügung des Bezirksgericht von 1998 verfassungswidrig sei, weil die Verteilung von Marihuana durch die OCBC den Handel innerhalb des Staates und nicht den Handel zwischen den Staaten betreffe. Zudem bittet die OCBC das Gericht zu entscheiden, ob die Bundesregierung ordnungsgemäß in die Souveränität des Staates eingreifen dürfe oder ein zwingendes Interesse habe, die Ausübung grundsätzlicher Rechte zu begrenzen, wie etwa die Linderung von Schmerzen oder die Verlängerung des Lebens. Rechtsanwälte erwarten, dass auch der neue Fall den Supreme Court erreichen wird. Im Mai 2001 hatte das oberste Bundesgericht entschieden, dass Marihuana-Verteilungsstellen nicht die medizinische Notwendigkeit als Verteidigung gegen Anschuldigungen durch die Bundesbehörden wegen der Herstellung und Verteilung von Marihuana anführen können. Andere Themen hinsichtlich der Verfassungsmäßigkeit der Bundesgesetze zu Marihuana wurden in diesem Fall nicht vom Gericht entschieden. (Quellen: Associated Press vom 8. Januar 2002, NORML vom 10. Januar 2002) 3. Kurzmeldungen ***Frankreich - Diskussion zur Legalisierung Justizministerin Marylise Lebranchu will eine Diskussion über die Legalisierung von Cannabis anstoßen. Nach dem jüngsten nationalen Drogenbericht habe sich das Image von Cannabis verändert und sich dem Image akzeptierter Drogen wie Alkohol und Tabak angenähert. Im Jahr 2000 hatten erstmals mehr als 50 Prozent der erwachsenen Franzosen wenigstens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert. (Quelle: dpa vom 17. Januar 2002). ***Wissenschaft - Herzinfarkt Sechs Fälle eines möglichen Todes wegen Herzinfarkt nach Cannabiskonsum wurden bei jungen Erwachsenen in einer norwegischen Studie beobachtet. Sie wiesen 2 bis 22 ng/ml THC im Gesamtblut auf. Bei insgesamt 10.000 Obduktionen war in 35 Fällen THC der "wichtigste toxikologische Befund". Die meisten davon starben an Unfällen oder Selbstmord. Sechs der 35 starben an einer unbekannten Ursache, von denen die meisten in der Obduktion Zeichen einer Herzerkrankung zeigten. (Quelle: Bachs L, Morland H. Forensic Sci Int 2001 Dec 27;124(2-3):200-3) ***Kanada - Verteilung von Marihuana Es wird voraussichtlich zwei oder drei Monate dauern, bevor Menschen mit einer medizinischen Erlaubnis Zugang zu Cannabis haben werden, weil das Gesundheitsministerium noch entscheiden muss, wie das Marihuana verpackt und verteilt wird. Das erklärte Brent Zettl, Direktor von Prairie Plant Systems, das die Droge anbaut. (Quelle: Edmonton Sun vom 10. Januar 2002) ***Wissenschaft - Geburtsgewicht Nach einer Studie, die im British Journal of Obstetrics and Gynaecology veröffentlicht wurde, kann Cannabiskonsum während der Schwangerschaft zu einem verminderten Geburtsgewicht führen. Etwa 5 Prozent der 12.000 Frauen, die an der Studie teilnahmen, gaben zu, Cannabis vor der Schwangerschaft konsumiert zu haben, und ein etwas kleinerer Teil gab an, es auch während der Schwangerschaft konsumiert zu haben. Cannabis war in der Studie für eine geringe mittlere Reduzierung des Geburtsgewichts um 90 Gramm verantwortlich. (Quelle: BBC News vom 7. Januar 2002) ***Deutschland - CannabisKampagne Die CannabisKampagne wurde von akzept e.V. (Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik) gestartet. Die Kampagne will Gruppen und Personen zusammenbringen, zur Unterstützung der Entkriminalisierung von Cannabiskonsum und -besitz. (Quelle: www.DieCannabisKampagne.de) ***Wissenschaft - Immunfunktion THC induziert die Produktion des immununterdrückenden Zytokins TGF-beta in menschlichen peripheren Blutlymphozyten. Diese Fähigkeit von THC wurde durch einen CB2-Rezeptor-Antagonisten blockiert, nicht jedoch durch einen spezifischen CB1-Anatgonisten. (Quelle: Gardner B, et al. Biochem Biophys Res Commun 2002 Jan 11;290(1):91-6) ***Wissenschaft - Schmerzen In einem Tiermodell für neuropathischen Schmerz wurde die Wirkung einer Nervenverletzung auf die Cannabinoidrezeptor-Aktivierung untersucht. Die Verletzung eines Spinalnerven bei Ratten resultierte in funktionellen Veränderungen, die die Wirkung eines starken Cannabinoids (HU-210) reduzierte. (Quelle: Chapman V. Neuropharmacology 2001 Dec;41(7):870-7) 4. VOR EINEM JAHR: - Belgien: Legalisierung von Cannabis für persönlichen Bedarf - Wissenschaft: Studie zeigt, dass Verdampfer die Gifte im Cannabisrauch reduzieren - Wissenschaft: Klinische Studie mit MS-Patienten hat in Großbritannien begonnen VOR ZWEI JAHREN: - USA: Entwicklung eines Cannabinoid-Pflasters durch Krebsgesellschaft gefördert - Malta: Krebspatient wurde Haftstrafe wegen Cannabisanbau erspart ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 2. Februar 2002 ----------------------------------------------------------------- ======================================= Werde Mitglied in der IACM http://www.cannabis-med.org/german/member.htm ======================================= * USA: Zweite nationale klinische Konferenz zu Cannabis-Therapeutika * Wissenschaft: THC nicht Megestrolazetat überlegen 1. USA: Zweite nationale klinische Konferenz zu Cannabis-Therapeutika Die zweite nationale klinische Konferenz zu Cannabis-Therapeutika wird am 3. und 4. Mai 2002 in Portland, Oregon, stattfinden. Der Schwerpunkt wird auf der Schmerzbehandlung liegen. Die Konferenz wird unterstützt von "Patients Out of Time", der Abteilung für Gesundheitsberufe des College von Portland, dem Gesundheitsministerium von Oregon, dem Verein "Mütter gegen Missbrauch von Drogen", und dem Verband der Pflegeberufe von Oregon. Zu den Referenten zählen Wissenschaftler aus Israel, Großbritannien, Holland, Kanada und den Vereinigten Staaten. Patientenvorstellungen umfassen Schmerzpatienten, die ihre Cannabis-Medizin von der amerikanischen Regierung erhalten, solche, die durch das Gesetz für medizinisches Marihuana in Oregon unterstützt werden, und weitere Patienten von verschiedenen Staaten. Informationen zur Teilnahme und Einzelheiten der Konferenz sind bald unter www.medicalcannabis.com/ erhältlich. 2. Wissenschaft: THC nicht Megestrolazetat überlegen THC (Dronabinol) war Megestrolazetat nicht bei der Appetitsteigerung von Krebspatienten überlegen. Dies sind die Ergebnisse einer Studie, die im Januar im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurden. Amerikanische und kanadische Forscher fanden, dass 49 Prozent derjenigen, die THC genommen hatten, von einem verbesserten Appetit berichteten, gegenüber 75 Prozent bei denen, die Megestrolazetat verwendeten. Nur 3 Prozent in der Dronabinol-Gruppe und 11 Prozent in der Megestrol-Gruppe hatten mehr als 10 Prozent an Gewicht über dem Ausgangswert zugenommen. Eine Kombination beider Mittel verbesserte die Ergebnisse gegenüber der alleinigen Gabe von Megestrolazetat nicht. Patienten erhielten entweder 800 mg Megestrolazetat, 2 x 2,5 mg Dronabinol oder beide Medikamente. Insgesamt waren zwischen Dezember 1996 und Dezember 1999 469 Krebspatienten mit Gewichtsverlust in die Studie aufgenommen worden. Die Studie war als gemeinsame Untersuchung der Nord-Zentral-Krebsbehandlungsgruppe und der Mayo-Klinik durchgeführt worden. (Quellen: Jatoi A, et al. J Clin Oncol 2002;20(2):567-573; WENN via COMTEX vom 28. Januar 2002) 3. Kurzmeldungen ***USA - Umfrage in Maryland Bei einer Telefonbefragung von 833 registrierten Wählern in Maryland erklärten 37 Prozent der Befragten, dass Sie eher einen Politiker unterstützen würden, der die Verwendung von Marihuana durch Patienten unterstützt, wenn diese eine ärztliche Erlaubnis besitzen. 40 Prozent erklärten, die Haltung eines Kandidaten zur medizinischen Verwendung von Cannabis würde ihre Wahl nicht beeinflussen. 18 Prozent sagten, sie würden einen solchen Kandidaten eher nicht unterstützen und 5 Prozent waren unentschlossen. (Quelle: Washington Times vom 19. Januar 2002) ***Wissenschaft - Wechselwirkung mit Nikotin In Tier-Studien wurde die Wechselwirkung von THC und Nikotin untersucht. Nikotin erleichterte deutlich die Abnahme der Körpertemperatur, die Schmerzlinderung und die reduzierte Bewegungsabnahme durch THC. Zudem verursachte die gleichzeitige Gabe niedriger THC- und Nikotindosen eine angstlösende Reaktion in zwei Tests. Tiere, die gleichzeitig THC und Nikotin erhalten hatten, zeigten eine Abnahme der Toleranz gegenüber Nikotin und eine Zunahme der durch Cannabinoid-Antagonisten ausgelösten Entzugssymptome. (Quelle: Valjent E, et al. Br J Pharmacol 2002 Jan 2;135(2):564-578) ***Kanada - Diskussion zur Verzögerung Ein Artikel in der Zeitung Edmonton Sun hat eine Diskussion darüber ausgelöst, ob der wahre Grund für die jüngst angekündigte Verzögerung der Verteilung medizinischen Cannabis durch die Regierung Probleme mit einer Konvention der Vereinten Nationen sein könnte. Die UN-Konvention zu Betäubungsmitteln von 1961 erlaubt den Ländern die Verwendung von verbotenen Drogen nur für wissenschaftliche oder medizinische Zwecke. Der medizinische Nutzen von Cannabis sei jedoch möglicherweise nicht hinreichend belegt. (Quelle: Edmonton Sun vom 19. Januar 2002) ***Großbritannien - Cannabis zur Entspannung Weibliche Mitglieder der größten Handelsgewerkschaft Großbritanniens fordern die Legalisierung von Cannabis. Sie haben ein ungewöhnliches Argument: Die Droge biete Frauen eine kalorienfreie Art der Entspannung, im Gegensatz zu Alkohol. Ein entsprechender Antrag wird beim Treffen der Gewerkschafts-Frauen in Cardiff, Wales, in diesem Monat diskutiert. Die Delegierten vertreten 900.000 Frauen. Der Antrag wird vermutlich keine Mehrheit finden. (Quelle: Reuters vom 22. Januar 2002) ***Kanada - Teehaus geschlossen Ein Marihuana-Teehaus in Vancouver, das von Regelungen der Regierung zu medizinischem Marihuana profitieren wollte, wurde geschlossen, zwei Monate nach seiner Öffnung. Die Polizei verschloss die Türen am letzten Wochenende und verhaftete zwei Personen, die an der Betreibung des Teehauses beteiligt waren. (Quelle: Globe and Mail vom 25. Januar 2002) 4. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft: Erste Ausgabe des Journal of Cannabis Therapeutics - Spanien: Krebspatienten fordern medizinische Verwendung von Marihuana - USA: Gesetzesinitiativen für die medizinische Verwendung in mehreren Staaten VOR ZWEI JAHREN: - Kanada: Richter ordnet Freilassung bei Handel mit Marihuana an - Großbritannien: Differenzen in der Regierung zu Cannabis - Deutschland: Biorohstoff Hanf & andere Faserpflanzen, September 2000 ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 16. Februar 2002 ----------------------------------------------------------------- ======================================= Ein Freiexemplar des Journal of Cannabis Therapeutics http://www.cannabis-med.org/science/jcant.htm ======================================= * IACM: Suchmaschine für IACM-Informationen * USA: DEA führt Razzia in einem Verteilungszentrum für medizinisches Marihuana in San Francisco durch 1. IACM: Suchmaschine für IACM-Informationen Auf der IACM-Internetseite wurde eine komfortable Suchmaschine eingerichtet. So können Sie sich beispielsweise alle Berichte unter der Rubrik "Wissenschaft" mit dem Stichwort "Schmerzen" oder dem Stichwort "multiple Sklerose" ansehen oder sich alle Meldungen aus der Schweiz heraussuchen. Die Profisuche ermöglicht komplexe Kombinationen von Rubriken und Suchwörtern, inklusive der Begrenzung auf bestimmte Zeiträume. Bisher liegt die Suchmaschine nur für die deutschsprachigen IACM-Informationen vor. Die anderen Sprachen folgen in wenigen Wochen. Wenn Sie Verbesserungsvorschläge haben oder in der Testphase Fehler auftreten, schicken Sie uns bitte eine E-Mail an info@cannabis-med.org. Die Umgestaltung der IACM-Informationen als Datenbank und die Einrichtung der Suchmaschine wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung von Bionorica AG, Deutschland. http://www.cannabis-med.org/german/bulletin/iacm.php 2. USA: DEA führt Razzia in einem Verteilungszentrum für medizinisches Marihuana in San Francisco durch Am 12. Februar führten Beamte der Drogenbehörde "Drug Enforcement Administration" (DEA) eine Razzia in einem medizinischen Cannabisverteilungszentrum in San Francisco, der Klinik für Schadensminderung, durch und beschlagnahmten mehr als 600 Cannabispflanzen. Mehrere Wohnungen in San Francisco und umgebenden Gemeinden wurden durchsucht, und vier Personen wurden verhaftet, darunter Richard Watts, Direktor der Klinik für Schadensminderung, und Marihuana-Autor Edward (Ed) Rosenthal aus Oakland. Später hielt der Leiter der DEA, Asa Hutchinson, eine Rede vor dem Commonwealth-Klub von Kalifornien, unter anderem über die Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke. "Wir müssen die Gesetze durchsetzen," erklärte er. "Die Durchsetzung der Gesetze hat hier in San Francisco begonnen, und sie sollte nicht hier enden." Mehrere Offizielle der Stadt San Francisco schlossen sich den Demonstranten vor dem Commonwealth-Klub an, darunter Distrikt-Staatsanwalt Terence Hallinan. "Dies ist eine Entscheidung, die durch die Wähler von Kalifornien getroffen werden sollte, sowie durch die Menschen der Stadt und des Kreises San Francisco," sagte Hallinan. Die Razzia fällt zusammen mit der Ankündigung von Präsident Bush, den Krieges gegen die Drogen zu beschleunigen, mit dem Ziel, den Drogenkonsum in fünf Jahren um 25 Prozent zu senken. (Quellen: Associated Press vom 12. Februar 2002, Reuters vom 12. Februar 2002) 3. Kurzmeldungen ***Österreich - Jahreshauptversammlung der CAM Die Jahreshauptversammlung der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (CAM) findet am 22. Februar 2002 um 19 Uhr im Restaurant "Beim Hofmeister" in Wien, Bräunerstr. 7, statt. ***Kanada - Umfrage zur medizinischen Verwendung Nach einer nationalen Umfrage durch Pricewaterhouse-Coopers im Auftrag des Gesundheitsministeriums verwenden etwa vier Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre Cannabis zu medizinischen Zwecken, ohne entsprechende Genehmigung durch die Regierung. Dies entspricht etwa einer Million Kanadier. 70 Prozent sind der Ansicht, dass es zuverlässige Beweise für die Unterstützung der medizinischen Verwendung von Cannabis gebe. 85 Prozent meinen, dass Marihuana unter speziellen Bedingungen für die medizinische Verwendung verfügbar gemacht werden sollte. (Quelle: Ottawa Citizen vom 3. Februar 2002) ***Holland - Tagung an der Universität Leiden Am 15. Februar fand an der Universität Leiden (Niederlande) ein Symposium zur medizinischen Verwendung von Cannabis statt. Namhafte Referenten gaben einen Überblick über Grundlagenforschung und klinische Anwendungsgebiete, darunter Raphael Mechoulam (Israel), Elizabeth Williamson (Großbritannien), William Notcutt (Großbritannien) und Kirsten Müller-Vahl (Deutschland). Regierungsvertreter aus Kanada und Holland beschrieben die Wege, nach denen in ihren Ländern ein legaler Zugang zu Cannabis geschaffen wird. ***Wissenschaft - THC bei Schmerzen Forscher der Klinik für Anästhesiologie der Universität Köln (Deutschland) berichteten von ihren ersten Erfahrungen mit THC in der Schmerzbehandlung. Bei sechs Personen, die an chronischen Schmerzen litten, wurde THC mit Tagesdosen von 5-20 mg verabreicht. Eine ausreichende Schmerzlinderung wurde bei drei Patienten erreicht. (Elsner F, et al. Schmerz 2001 Jun;15(3):200-204) ***Wissenschaft - Ecstasy und Cannabis In einer Studie an Ratten von Forschern der Universität Sydney (Asutralien) verminderte Cannabis schädliche Wirkungen, die durch Ecstacy verursacht wurden. Wenn die Ratten zusammen Ecstacy und Cannabis erhielten, fiel die Reduzierung von Gehirnzellen geringer aus, und sie waren weniger ängstlich. (Quelle: The Australian vom 2. Februar 2002) ***Wissenschaft - Starker Cannabiskonsum In einer Studie mit 2.600 Jugendlichen im Alter von 15-16 Jahren identifizierten britische Wissenschaftler drei Gruppen von starken Cannabiskonsumenten unter den 201 starken Konsumenten der Droge. Die kleinste unterschied sich vor allem durch antisoziales Verhalten. Ein weiteres Cluster präsentierte sich mit einem hohen Niveau an depressiver Stimmung und niedrigem Selbstbewusstsein. Die größte Gruppe war "normal" und unterschied sich kaum von Nicht-Konsumenten. Starke jugendliche Cannabiskonsumenten sollten nicht als homogene Gruppe angesehen werden. (Quelle: Miller P, Plant M. Drug Alcohol Depend 2002 Feb 1;65(3):235-242.) ***Wissenschaft - Dystonie Eine kleine doppelblinde, placebo- und kreuzkontrollierte Studie, die das synthetische Cannabinoid Nabilon bei Patienten mit generalisierter und partieller primärer Dystonie verwendete, fand keine signifikante Reduzierung der Dystonie nach Behandlung mit dem Cannabinoid. (Quelle: Fox SH, et al. Mov Disord 2002 Jan;17(1):145-149) ***Wissenschaft - Entzündung Das synthetische Cannabinoid Nabilon war wirksam bei der Reduzierung der Entzündung in einem Rattenmodell für Entzündung. Es wurde angenommen, dass die Wirkungen durch einen bisher nicht charakterisierten CB2-ähnlichen Cannabinoidrezenptor vermittelt wurden. (Quelle: Conti S, et al. Br J Pharmacol 2002 Jan;135(1):181-187) ***USA - Kalifornien Menschen, die auf ärztliche Empfehlung Marihuana verwenden, werden Ausweiskarten erhalten, die sie nach einem Programm der Stadtrates von San Diego vom 13. Februar vor Verhaftung schützen sollen. (Quelle: Union-Tribune vom 14 Februar 2002) ***Jamaika - Debatte über Legalisierung Das jamaikanische Parlament wird darüber diskutieren, ob Cannabis für die persönliche, medizinische und religiöse Verwendung durch Erwachsene legal sein soll. Ein Komitee des Parlaments soll darüber entscheiden, ob das Gesetz geändert werden soll, ohne zeitliches Limit hinsichtlich der Entscheidungsfindung. Dies erklärte die Regierung am 11. Februar. (Quelle: Reuters vom 12. Februar 2002) ***Deutschland - ECBS-Symposion Das Europäische Collegium für Bewußtseinsstudien (ECBS) wird sein 9. Sympsion vom 12.-14. April 2002 in Frankenthal (Deutschland) abhalten. Der Schwerpunkt liegt auf Cannabis, mit Vorträgen von Peter Hess, Jochen Sattler, Daniel Lamparter, Adi Dittrich, Franjo Grotenhermen, Jörg Fachner, Markus Leweke, Henrik Jungaberle, Rolf Verres, Dietrich Ebert und anderen. (Mehr unter: www.magnet.ch/ecbs/) ***Schweiz - CannaTrade Bei der Hanf-Messe CannaTrade vom 1.-3. März 2002 in Bern wird es am Sonntag Vorträge zur medizinischen Verwendung von Cannabis geben, von Ethan Russo (USA), Claude Vaney (Schweiz), Mario Price (Großbritannien) und Manfred Fankhauser (Schweiz). (Mehr unter: www.cannatrade.ch/) 3. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft: Endocannabinoide spielen eine wichtige Rolle in Regelkreisen, die verantwortlich für Erbrechen sind VOR ZWEI JAHREN: - Deutschland: Bundesverfassungsgericht nimmt Verfassungsbeschwerde von acht Patienten nicht an - Kanada: Razzia in einem Marihuana-Klub - Kanada/USA: Kanadisches Gericht bestimmt Ausweisung von Renee Boje ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 2. März 2002 ----------------------------------------------------------------- * Europa: Konferenz zur Cannabisforschung in Brüssel * Wissenschaft/Wirtschaft: Pharmos entwickelt CB2-Rezeptor-Agonisten 1. Europa: Konferenz zur Cannabisforschung in Brüssel Etwa 100 eingeladene Wissenschaftler und Regierungsvertreter trafen sich am 25. Februar in Brüssel zu einer wissenschaftlichen Konferenz zu Cannabis. Sie war von den Gesundheitsministern Belgiens, Hollands, Frankreichs, der Schweiz und Deutschlands initiiert worden. Unter den Teilnehmern waren vier Gesundheitsminister der einladenden Länder und eine Drogenbeauftragte (Deutschland). Die Konferenz gab einen Überblick über den aktuellen Stand der Cannabisforschung, inklusive epidemiologischer, psychologischer, soziologischer und neurobiologischer Themen zum Freizeitkonsum. Die medizinische Verwendung von Cannabis war nur ein kleines Thema, mit einem Vortrag durch einen Vertreter des holländischen Büros für Medizinisches Cannabis. Die meisten Teilnehmer stimmten darin überein, dass die Droge ein medizinisches Potenzial besitzt, mit wenig Widerspruch, etwa durch einen Vertreter des schwedischen Gesundheitsministeriums. 2. Wissenschaft/Wirtschaft: Pharmos entwickelt CB2-Rezeptoragonisten Pharmos Corporation berichtete von Fortschritten des Unternehmens bei der Entwicklung einer neuen Klasse synthetischer Verbindungen, die spezifisch an Cannabinoid-2-Rezeptoren binden, die sich auf Immunzellen befinden. Diese bizyklischen Dextrocannabinoid-Verbindungen verursachen keine Wirkungen auf die Psyche und den Kreislauf. Pharmos beforscht sie als entzündungshemmende Modulatoren des Immunsystems mit möglicher Wirksamkeit bei Autoimmunerkrankungen und neurologischen Störungen. Die Entwicklung dieser Substanzen folgt kurz auf die erfolgreiche Entwicklung des trizyklischen THC-Abkömmling Dexanabinol. Klinische Phase-III-Studien mit Dexanabinol begannen im letzten Jahr in einigen europäischen Ländern, um die Wirksamkeit bei schwerer Hirnverletzung zu testen. Dr. George Fink, Vizepräsident der Forschungsabteilung, erklärte: "Die Verwendung natürlicher Cannabinoide für medizinische Zwecke hat signifikante medizinische und regulatorische Grenzen weil sie an den CB1-Rezeptor binden, die sich überwiegend im Nervensystem befinden, und daher unerwünschte psychotrope und andere Nebenwirkungen verursachen." (Quelle: PR Newswire vom 25. Februar 2002) 3. Kurzmeldungen ***Wissenschaft - Studie zu regelmäßiger Verwendung Eine Studie von Ethan Russo und Kollegen, die in der kürzlich erscheinenden Ausgabe des Journal of Cannabis Therapeutics veröffentlicht wurde, untersuchte den Nutzen und die unerwünschten Wirkungen von Cannabis bei vier Patienten, die in den USA legal Marihuana für medizinische Zwecke erhalten. Sie haben seit 11 bis 27 Jahren von der Regierung angebautes Cannabis geraucht. Dies hat keine relevanten körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen verursacht. Eine PDF-Datei der Studie ist auf der IACM-Internet-Seite erhältlich unter http://www.cannabis-med.org/science/jcant.htm/. ***USA/Wirtschaft - Inhalator für THC Am 26. Februar kündigte das Unternehmen Unimed Pharmaceuticals an, dass es eine Kooperation mit der Firma Inhale eingegangen sei, um einen dosierbaren Inhalator für Dronabinol (THC) zu entwickeln. Unimed vermarktet bereits Marinol-Kapseln, ein synthetisches Dronabinol-Präparat. (Quelle: Business Wire vom 26. Februar 2002) ***Holland - Forschung mit gerauchtem Cannabis Das Büro für Medizinisches Cannabis des holländischen Gesundheitsministeriums will eine klinische Studie mit gerauchtem Cannabis bei 16 Multiple-Sklerose-Patienten durchführen. Dies wird die erste klinische Studie mit gerauchtem Cannabis in Europa seit der Studie von 1989 mit einem MS-Patienten an der Universität Göttingen (Deutschland) sein. (Quellen: Drug Policy Alliance vom 21. Februar 2002; Meinck HM, et al. J Neurol 1989;236(2):120-122) ***Großbritannien - Cannabis im Jahre 2004 Cannabis wird möglicherweise bereits 2004 auf Rezept verfügbar sein, wenn klinische Studien erfolgreich sind. Dies erklärte das Gesundheitsministerium am 18. Februar. "Ergebnisse werden Ende 2002 erwartet," erklärte Gesundheitsminister Lord Hunt. Die Ergebnisse werden dann von den zuständigen Behörden zu bewerten sein. (Quelle: Reuters vom 18. Februar 2002) ***Irland - Ruf nach medizinischem Zugang Irlands größte Oppositionspartei rief am 18. Februar dazu auf, Cannabis in der Republik auf Rezept verfügbar zu machen. Der gesundheitspolitische Sprecher von Fine Gael, Gay Mitchell, versprach das Thema mit Gesundheitsminister Michael Martin im Irischen Parlament anzusprechen. (Quelle: PA News vom 18. Februar 2002) 4. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft: Vier Studien werden von einem universitären Forschungszentrum in Kalifornien durchgeführt - Wissenschaft: Große pharmazeutische Unternehmen fangen an, sich für Medikamente auf Cannabinoidbasis zu interessieren VOR ZWEI JAHREN: - Wissenschaft: THC zerstört Hirnkrebs im Tierversuch - Wissenschaft: Cannabinoide reduzieren Tremor im Tiermodell der Multiplen Sklerose - Wissenschaft: Das Rauchen von Marihuana kann Risiko für Herzattacken erhöhen ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 16. März 2002 ----------------------------------------------------------------- * Italien: Gesundheitssystem muss nach einem Richterspruch für eine Cannabisbehandlung bezahlen * Wissenschaft: Diskussion zu gewohnheitsmäßigem Cannabiskonsum und Gehirnfunktionen 1. Italien: Gesundheitssystem muss nach einem Richterspruch für eine Cannabisbehandlung bezahlen Die Richterin Barbara Bortot aus Venedig entschied am 13. März, dass die lokalen Gesundheitsbehörden von San Dona di Piave, nahe Venedig, nicht nur die medizinische Verwendung von Cannabis durch eine Frau mit Lungenkrebs im Endstadium tolerieren müssen, sondern die Droge auch im Ausland besorgen und ihr kostenlos zur Verfügung stellen müssen. Die Frau beantragte die Erlaubnis beim Magistrat, weil Cannabis in Italien auch zur medizinischen Verwendung nicht legal ist. Richterin Bortot entschied, dass das Recht auf Gesundheit, das im Artikel 32 der Verfassung verfügt wurde, die Verwendung der Droge erlaube. "Wenn es einen unausweichlichen Bedarf für etwas gibt, für das die nationale Gesundheitsversorgung keine alternativen Heilmittel anbietet, so unterliegt das individuelle Recht auf Gesundheit keiner Begrenzung oder Bedingung irgendeiner Art," schrieb die Richterin. Nach dem Urteil haben die lokalen medizinischen Behörden 30 Tage Zeit, um die Patientin mit der Droge zu versorgen. Italien wird sie vermutlich beim Büro für medizinisches Cannabis des holländischen Gesundheitsministeriums erbitten. Das schrieb die Tageszeitung Corriere della Sera. Die Entscheidung könnte den Weg für viele weitere Anfragen von Patienten mit Erkrankungen wie multiple Sklerose und Epilepsie bereiten. Das erklärte die italienische Arbeitgemeinschaft für therapeutisches Cannabis (ACT). "Wir hoffen, dass dies ein wertvoller Präzedenzfall für alle sein wird, die das Recht, Cannabis als therapeutisches Medikament zu verwenden, für sich in Anspruch nehmen," erklärte die Arbeitsgemeinschaft in einer offiziellen Erklärung. (Quelle: Reuters vom 13. März 2002) 2. Wissenschaft: Diskussion zu gewohnheitsmäßigem Cannabiskonsum und Gehirnfunktionen Nach einem Bericht in der Zeitschrift der amerikanischen medizinischen Gesellschaft fanden australische und US-amerikanische Wissenschaftler eine Beeinträchtigung von Gedächtnis und Aufmerksamkeit bei gewohnheitsmäßigen Cannabiskonsumenten, die über die Zeit der Berauschung hinaus anhielt. In einem Kommentar in der gleichen Zeitschrift warnte ein Forscher der Universität von Harvard in Boston vor Schlussfolgerungen aus der Studie, dass Cannabiskonsum kognitive Funktionen irreversibel beeinträchtigen könnte. In der Studie von Dr. Nadia Solowij vom Nationalen Drogen- und Alkoholforschungszentrum in Sydney, die in den USA durchgeführt worden war, absolvierten 102 gewohnheitsmäßige Cannabiskonsumenten (51 kurzzeitige und 51 langzeitige Konsumenten) nach 17 Stunden Cannabis-Abstinenz 9 standardisierte neuropsychologische Tests. Cannabiskonsumenten schnitten in einigen Tests signifikant schlechter ab als eine Kontrollgruppe, und die Leistungsfähigkeit korrelierte oft mit der Dauer des Drogenkonsums. In seinem Editorial stellte Dr. Harrison Pope vom der Abteilung für biologische Psychiatrie der medizinischen Hochschule in Harvard fest, dass eine Abstinenzperiode von 17 Stunden zu kurz sein könnte, um mögliche langdauernde Beeinträchtigungen festzustellen. Er wies daraufhin, dass eine kürzlich durchgeführte Meta-Analyse von neuropsychologischen Studien mit langzeitigen Marihuanakonsumenten keinen signifikanten Beweis für Defizite in 7 von 8 Gebieten neuropsychologischer Fähigkeiten gefunden hat und nur einen kleinen Effekt bei dem verbliebenen Gebiet des Lernens. "Auch wenn lebenslanger Cannabiskonsum mit einer größeren Beeinträchtigung nach 17-stündiger Abstinenzdauer verbunden ist, so sind die Daten unzureichend, um zu wissen, ob eine größere Beeinträchtigung eine Woche oder einen Monat später da gewesen wäre. Trotz des wichtigen Beitrages durch diese neue Studie werden wir weiterhin mit dieser Unsicherheit leben müssen," folgerte Pope. (Quellen: Solowij N, et al. JAMA 2002 Mar 6;287(9):1123-31; Pope HG. JAMA 2002 Mar 6;287(9):1123-31) 3. Kurzmeldungen ***UN - Cannabiskonsum In seinem jährlichen Bericht wies die Internationale Drogenkontrollbehörde der Vereinten Nationen (International Drug Control Board, INCB) Argumente zurück, nach denen Marihuana legalisiert werden sollte, forderte jedoch weitere Forschung "zu den möglichen therapeutischen Eigenschaften und medizinischen Verwendung von Cannabis oder Cannabisextrakten." (Quelle: Washington Times vom 27. Februar 2002) ***USA - 80-prozentige Unterstützung in Wisconsin Ernsthaft erkrankte Patienten, die ihre Leiden mit Marihuana lindern wollen, haben die Unterstützung von 80,3 Prozent der Bürger des Staates Wisconsin. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von Chamberlain Research Consultants, die am 13. März veröffentlicht wurde. (Quelle: Daily Cardinal vom 13. März 2002) ***Großbritannien - Unterstützung für Umstufung Medizinische Experten unterstützten die Absicht der Regierung, Cannabis in eine Niedrigrisikogruppe umzustufen. In einem Bericht an Innenminister David Blunkett erklärten medizinische Experten des Beirates für den Missbrauch von Drogen, dass alle Cannabisprodukte in die Klasse C umgestuft werden sollten, die Gruppe mit Drogen des niedrigsten Risikos im Betäubungsmittelgesetz. (Quelle: Reuters vom 14. März 2002) ***USA - Anzeige in der New York Times In einer ganzseitigen Anzeige in der New York Times vom 6. März forderte ein Zusammenschluss von Ärzten, Schwestern, medizinischen Organisationen, bekannten Persönlichkeiten und mehr als 300 staatlichen Abgeordneten Präsident Bush auf, Patienten mit ernsthaften Erkrankungen zu ermöglichen, einen Antrag auf Verwendung von Marihuana zur Linderung ihrer Symptome zu stellen. (Mehr unter: http://compassionateaccess.org) ***Deutschland - Gewerkschaft der Polizei In einem Interview mit der Wochenzeitung Focus unterstützte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, die Legalisierung von Cannabis und seinen Verkauf in Apotheken. Demgegenüber stellte der Präsident der Gewerkschaft klar, dass die Gewerkschaft gegen eine Legalisierung der Droge sei. (Quellen: dpa vom 9. März 2002, ddp vom 10. März 2002) ***Großbritannien - Liberaldemokraten Die britische Oppositionspartei Liberale Demokraten erklärte am 9. März, dass die Mitglieder dafür gestimmt hätten, die Legalisierung von Cannabis als Parteipolitik anzunehmen. Delegierte der Frühjahrskonferenz der drittgrößten britischen Partei stimmten zudem für ein Ende von Gefängnisstrafen für den Besitz irgendeiner illegalen Droge, inklusive Heroin und Kokain. (Quelle: Reuters vom 9. März 2002) ***USA - Hanflebensmittel Am 7. März hat ein Bundesberufungsgericht temporär eine Anordnung der Drogenkontrollbehörde DEA (Drug Enforcement Administration) aufgehoben, die Lebensmittel aus Hanf verbietet. Die Behörde erklärte im Oktober 2001, dass Lebensmittel, die selbst Spuren von THC enthalten, nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten sind. Das Berufungsgericht wird innerhalb der kommenden Wochen in dem Fall endgültig entscheiden. Am 8. April wird es eine mündliche Anhörung geben. Ein 90-seitiges Gutachten zur gesundheitlichen Bedeutung von THC in Hanflebensmitteln, das in der Diskussion verwendet wird, ist online unter http://www.nova-institut.de/pdf/hemp-food-risk.pdf erhältlich. (Quelle: AP vom 8. März 2002) ***Wissenschaft - Autofahren Eine Studie untersuchte die Wirkungen einer chronischen Cannabisexposition auf die Wirkungen von Alkohol auf fahrrelevante psychomotorische Fertigkeiten. Chronischer Cannabiskonsum (bei Abwesenheit akuter Verabreichung) potenzierte nicht die Alkoholwirkungen. Tatsächlich zeigten die gewohnheitsmäßigen Konsumenten nach Alkohol niedrigere Werte für Schwindel und eine bessere Verfolgungsgenauigkeit verglichen mit Gelegenheitskonsumenten. (Quelle: Wright A, Terry P. Psychopharmacology 2002 Mar;160(2):213-9) ***Wissenschaft - Wechselwirkung Es gibt nur einen kleinen Einfluss von Cannabisrauchen und oralem THC auf pharmakokinetische Parameter der antiretroviralen Therapie bei HIV-Infektion (Indinavir, Nelfinavir), und die Verwendung von Cannabinoiden hat vermutlich keinen Einfluss auf die antiretrovirale Wirksamkeit. (Quelle: Kosel BW, et al. AIDS 2002 Mar 8;16(4):543-50) 4. VOR EINEM JAHR: - Schweiz: Regierung will den Konsum von Cannabis legalisieren VOR ZWEI JAHREN: - IACM: Gründung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin - Deutschland: Expertengespräch zu Cannabis als Medizin ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 30. März 2002 ----------------------------------------------------------------- * Wissenschaft: THC wirksam bei Tourette-Syndrom * Wissenschaft/Spanien: Erste klinische Studie mit THC zur Behandlung von Krebs * USA: Neues zu Initiativen und Gesetzesvorlagen für medizinisches Marihuana 1. Wissenschaft: THC wirksam bei Tourette-Syndrom Eine klinische Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover (Deutschland), die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Pharmacopsychiatry veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass eine Einzeldosis THC Symptome des Tourette-Syndroms reduziert. Unter der Leitung von Dr. Kirsten Müller-Vahl erhielten 12 erwachsene TS-Patienten 5, 7,5 oder 10 mg THC in einem doppel-blinden, plazebo- und kreuzkontrollierten Design. Die Patienten nahmen an zwei Tagen, die durch 4 Wochen getrennt waren, bevor sie die andere Behandlung erhielten, entweder zuerst eine Einzeldosis orales THC oder zuerst ein Plazebo. THC verursachte eine signifikante Verbesserung der Symptome. Am Ende der Studie beurteilten neun Patienten den THC-Behandlungstag insgesamt positiver als den Plazebo-Tag. Drei Patienten erlebten den Plazebo-Tag positiver. Es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf. Der Blutdruck und der Puls veränderten sich nicht signifikant. Fünf Patienten erlebten leichte Nebenwirkungen, die 1 bis 6 Stunden anhielten. Es gab eine signifikante Korrelation zwischen der Verbesserung der Tics and der maximalen Konzentration von 11-OH-THC im Blutplasma. Das Gilles de la Tourette-Syndrom (Tourette-Syndrom, TS) ist eine komplexe neurologische Störung, die durch mehrere motorische Tics (plötzliche Bewegungen) und eine oder mehrere vokale Tics charakterisiert ist. Eine weitere sechswöchige Studie mit 24 Patienten, die inzwischen abgeschlossen wurde, bestätigt die Ergebnisse dieser früheren Studie. (Quellen: Müller-Vahl K, et al. Treatment of Tourette-Syndrome with delta-9-tetrahydrocannabinol (THC): a randomized crossover trial. Pharmacopsychiatry, April 2002. Persönliche Mitteilung von Kirsten Müller-Vahl) 2. Wissenschaft/Spanien: Erste klinische Studie mit THC zur Behandlung von Krebs Eine Gruppe spanischer Wissenschaftler hat mit der ersten klinischen Studie mit Cannabinoiden zur Behandlung von Krebs im Krankenhaus von La Laguna (Teneriffa) begonnen. Das Ziel der Phase-I/II-Studie ist die Abschätzung der Wirkungen von THC auf das Glioblastoma multiforme, einen bösartigen Hirntumor, für den es bisher keine wirksame Behandlung gibt. Die Studie wird zudem die erste Studie sein, die die intrakranielle Verabreichung von THC, d.h. die Gabe direkt in das Gehirn, untersucht. Vor zwei Jahren hatte ein Team von Dr. Manuel Guzmán von der Complutense-Universität in Madrid gezeigt, dass THC und ein synthetisches Cannabinoid einen deutlichen Rückgang von bösartigen Gliomen bei Ratten bewirkte und dabei die Tumoren bei einem Drittel der Tiere vollständig zerstörte. Dr. Luis González Feria, Neurochirurg am Krankenhaus von La Laguna, wird die klinische Studie leiten. Sie wird mit fünf Patienten beginnen. Wenn die Behandlung gut vertragen wird, sollen neun weitere Patienten hinzukommen, unterteilt in drei Gruppen, die drei verschiedene Dosen erhalten. Da das Glioblastom ein sehr aggressiver Tumor ist, erwarten die Forscher nicht, dass die Patienten geheilt werden, sie hoffen jedoch, die Überlebenszeit zu verlängern. Die Patienten sterben normalerweise innerhalb von sechs bis acht Monaten nach der Diagnose. THC wird zwei bis acht Wochen lang gegeben und die Dosen hängen von der Verträglichkeit ab. Es werden Patienten ausgewählt, deren Tumoren durch eine Operation erreichbar sind. Die Studie wird drei Jahre dauern. (Quelle: Reuters vom 25. März 2002) 3. USA: Neues zu Initiativen und Gesetzesvorlagen für medizinisches Cannabis Washington DC: Die Entscheidung eines Bundesrichters könnte Unterstützern der Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke in Washington DC den Weg bereiten, den Wählern der Stadt das Thema in diesem November vorzulegen. US-Distriktrichter Emmet Sullivan erklärte am 28. März ein Bundesgesetz für ungültig, das die Bewohner des Distrikts von Columbia daran gehindert hatte, das Thema auf den Stimmzettel zu bringen. Das Gesetz wurde 1998 vom Kongress erlassen, nachdem die Einwohner Marihuana für medizinische Zwecke legalisiert hatten. (Quellen: New York Times vom 29. März 2002, Associated Press vom 30. März 2002) Vermont: Mit einem Verhältnis von 89 zu 59 Stimmen stimmte das Abgeordnetenhaus für eine Gesetzesvorlage, die Opfern schwerer Erkrankungen wie Krebs oder Aids erlauben würde, ihre Symptome mit Cannabis zu behandeln, wenn sie eine Empfehlung durch einen Arzt haben. Gouverneur Howard Dean, ein Demokrat, der nachdrücklich gegen die Vorlage ist, hat angekündigt, dass er versuchen will, die Gesetzesvorlage im Senat zu blockieren. (Quellen: Associated Press vom 15. März 2002, New York Times vom 16. März 2002). Maryland: Das Repräsentantenhaus stimmte mit 80 zu 56 für eine Gesetzesvorlage, die eine Möglichkeit für eine Verteidigung vor Gericht für Menschen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden, schaffen würde. Nach diesem Entwurf würden Angeklagte, die einem Richter oder den Geschworenen beweisen können, dass sie Marihuana nur zu medizinischen Zwecken verwenden, anstatt der üblichen Strafe -- eine Geldstrafe von 1000 Dollar und bis zu einem Jahr Gefängnis -- eine Geldstrafe von nur 100 Dollar erhalten. Der Vorschlag muss noch durch den Senat überprüft werden. (Quelle: Washington Post vom 26. März 2002) Bisher erlauben acht Staaten -- Alaska, Kalifornien, Colorado, Hawaii, Maine, Nevada, Oregon und der Staat Washington -- ernsthaft erkrankten Einwohnern mit vorheriger Erlaubnis durch einen Arzt, Cannabis zu verwenden. 4. Kurzmeldungen ***Wissenschaft/Großbritannien: Straßenverkehr Ein einziges Glass Wein beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit mehr als das Rauchen einer Cannabiszigarette. Dies sind die Ergebnisse einer wichtigen neuen Studie des Transportforschungsinstituts in Crowthorne (Großbritannien). Sie bestätigen die Ergebnisse einer vorläufigen Studie von vor einem Jahr. Die Studie fand zudem, dass Fahrer unter Cannabiseinfluss dazu tendierten, sich ihrer Berauschung bewusst zu sein und vorsichtiger zu fahren, um ihre Beeinträchtigung zu kompensieren. (Quelle: New Scientist vom 19. März 2002) ***Frankreich: Premierminister Jospin Premierminister Jospin erklärte, dass ein Cannabisjoint, der zu Hause geraucht wurde, weniger schlimm sei als Alkohol hinter dem Steuer. Gesundheitsminister Bernard Kouchner erklärte jüngst, dass Alkohol und Tabak viel mehr Schaden anrichten würden als Cannabis. (Quelle: AFP vom 25. März 2002) ***Deutschland: Grüne Partei Gemäß ihrem neuen Parteiprogramm, das auf dem Parteitag im März in Berlin verabschiedet wurde, unterstützen die deutschen Grünen die Legalisierung von Cannabis. "Die bisherige Drogenpolitik der generellen Strafverfolgung von Konsumenten ist gescheitert," heißt es im neuen Programm. (Quelle: sda vom 16. März 2002) ***Großbritannien: Polizeiumfrage Die Hälfte der Polizeibeamten, die anonym befragt worden waren, gaben an, dass sie mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert hatten. Mehr als die Hälfte glaubten, dass die Cannabisgesetzgebung das Verhältnis zwischen der Polizei und jungen Menschen schädige. (Quelle: The Times vom 16. März 2002) ***Wissenschaft: Nervenschutz Ergebnisse zellexperimenteller Studien legen stark nahe, dass der Cannabinoid-1-Rezeptor (CB1) nicht an den zellulären nervenschützenden Wirkungen der Cannabinoide beteiligt ist. (Quelle: Marsicano G, et al. J Neurochem 2002 Feb;80(3):448-56) ***Wissenschaft: Blutfluss im Gehirn Der Gedächtnis-bezogene Blutfluss im Gehirn gewohnheitsmäßiger Cannabiskonsumenten wurde mit dem nicht-konsumierender Kontrollen nach mehr als 26-stündiger Abstinenz verglichen. Der Gedächtnis-bezogene Blutfluss von Cannabiskonsumenten zeigten Abnahmen in der präfrontalen Hirnrinde und Zunahmen in Gedächtnis-relevanten Regionen des Kleinhirns. (Quelle: Block RI, et al. Pharmacol Biochem Behav 2002 May;72(1-2):237-50) 5. VOR EINEM JAHR: - IACM: Jahrestagung 2001 in Berlin - Großbritannien: Oberhaus fordert erneut legalen Zugang zur medizinischen Verwendung von Cannabis - USA: Medizinische Verwendung von Cannabis vor dem Höchsten Gericht VOR ZWEI JAHREN: - Großbritannien: 'Police Foundation' schlägt Entkriminalisierung von Cannabis vor ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 13. April 2002 ----------------------------------------------------------------- * Wissenschaft: Cannabisextrakt wirksam bei multipler Sklerose * Wissenschaft: Starker Cannabiskonsum ohne langzeitige Wirkung auf die globale Intelligenz * Niederlande: Cannabis auf Rezept innerhalb eines Jahres 1. Wissenschaft: Cannabisextrakt wirksam bei multipler Sklerose In einer Studie an der Klinik Montana (Schweiz) unter der Leitung von Dr. Claude Vaney wurde die Wirksamkeit eines kapsulierten Cannabisextraktes bei 57 Patienten mit multipler Sklerose untersucht. In einem kreuzkontrollierten Desgin erhielt eine Hälfte der Patienten zunächst ein Placebo und dann den Extrakt, während die andere Hälfte der Teilnehmer zunächst das Cannabis erhielt. Die Dosis wurde entsprechend der individuellen Verträglichkeit angepasst. Die maximalen Tagesdosen lagen zwischen 7,5 und 30 mg THC. Der mittels der Ashworth-Skala bestimmte Muskeltonus wurde durch Cannabis im Vergleich mit Placebo nicht relevant beeinflusst, jedoch waren subjektiv die Zahl der Muskelspasmen und die Intensität der Spastik verringert. Die Mobilität, gemessen mit dem Rivermead-Mobility-Index (RMI), verbesserte sich unter Cannabis. Das Schlafverhalten wurde nicht relevant beeinflusst. Die Medikation wurde im Allgemeinen gut vertragen. Die kognitive und motorische Leistungsfähigkeit wurde durch die Cannabis-Medikation nicht relevant beeinflusst. Eine ausführliche Publikation befindet sich in Vorbereitung. (Quelle: Fortissimo 1, März 2002, Zeitschrift der schweizerischen MS-Gesellschaft) 2. Wissenschaft: Starker Cannabiskonsum ohne langzeitige Wirkung auf die globale Intelligenz Kanadische Wissenschaftler verglichen den Intelligenzquotienten (IQ) von 15 aktuellen starken Cannabiskonsumenten, 9 aktuellen leichten Konsumenten, 9 ehemaligen gewohnheitsmäßigen Konsumenten und 37 Nicht-Konsumenten in einer Gruppe von 70 jungen Menschen. Die Teilnehmer waren seit ihrer Geburt begleitet worden und nun 17 bis 20 Jahre alt. Aktueller Marihuanakonsum war in einer dosisabhängigen Weise signifikant mit einer Abnahme des IQ verbunden, wenn der aktuelle IQ mit dem IQ im Alter von 9 bis 12 Jahren verglichen wurde. Bei aktuellen starken Konsumenten zeigte der IQ eine Abnahme von 4,1 Punkten, verglichen mit einem Zugewinn an IQ-Punkten bei leichten aktuellen Konsumenten (5,8), ehemaligen Konsumenten (3,5) und Nicht-Konsumenten (2,6). Die Autoren schlossen daraus, dass aktueller Cannabiskonsum "einen negativen Effekt auf den globalen IQ nur bei Personen, die 5 oder mehr Joints pro Woche rauchen," hat, und dass "Marihuana keinen langzeitigen negativen Einfluss auf die globale Intelligenz" ausübt. Ehemalige Konsumenten hatten in der Vergangenheit regelmäßig Cannabis geraucht, jedoch nicht für mindestens 3 Monate. Aktueller starker Konsum wurde definiert als das Rauchen von mindestens 5 Cannabiszigaretten pro Woche. Leichte Konsumenten rauchten weniger als 5 Joints pro Woche. (Quelle: Fried P, et al. Current and former marijuana use: preliminary findings of a longitudinal study of effects on IQ in young adults. CMAJ 2002;166(7):887-91) 3. Niederlande: Cannabis auf Rezept innerhalb eines Jahres Eine große Mehrheit der Mitglieder des Unterhauses des Parlaments erklärte am 8. April, dass es einen von der Regierung unterstützten Gesetzentwurf unterstützen werde, der Ärzten die Verschreibung von Cannabis erlauben soll. Der Gesetzentwurf benötigt zudem die Unterstützung des Senats, die später in diesem Jahr erwartet wird. Wenn es verabschiedet ist, soll das Cannabis von zwei von der Regierung ausgewählten und kontrollierten Anbauern produziert. Abgeordnete der drei Koalitionspartner in der Regierung und der zwei größten Oppositionsparteien erklärten, dass sie das Gesetz genehmigen würden. Der Sprecher des Gesundheitsministeriums Bas Kuik erklärte, dass Cannabis für medizinische Zwecke vermutlich innerhalb etwa eines Jahres in den Apotheken verfügbar sein werde. (Quelle: Associated Press vom 8. April 2002) 4. Kurzmeldungen **USA: Klinische Konferenz zu Cannabis Die zweite nationale klinische Konferenz zu Cannabis wird am 3. und 4. Mai in Portland, Oregon, stattfinden. Detaillierte Informationen, Programm und Konferenzbroschüre finden sich auf der Homepage von Patients Out of Time: http://www.medicalcannabis.com/conference/ ***Großbritannien: GW Pharmaceuticals GW Pharmaceuticals verdoppelte die Zahl ihrer klinischen Studien zur Untersuchung des medizinischen Nutzens von Cannabis. Vier neue Studien werden bei Patienten mit Querschnittserkrankungen, multipler Sklerose und Nervenschäden durchgeführt und erhöhen damit die Zahl der in sieben klinischen Studien von GW eingeschlossenen Patienten auf etwa 600. (Quelle: The Guardian vom 12. April 2002) ***USA/Kanada: Zählung medizinischer Cannabisgruppen Die kalifornische NORML stellt eine Aufzählung von Patientengruppen, die Cannabis medizinisch verwenden, zusammen, ihre ungefähre Mitgliederzahl, Ärzte und Unterstützer in den USA und Kanada. Weitere Informationen unter: http://www.canorml.org/prop/cblist.html (Quelle: Dale Gieringer, persönliche Mitteilung) ***USA: Anzeige mit Bürgermeister von New York Michael Bloomberg, Bürgermeister von New York, fand sich in einer Anzeige von Marihuana-Aktivisten in der New York Times vom 9. April. Die Anzeige ist Teil einer Kampagne von NORML für die Entkriminalisierung von Cannabis. Bloomberg wurde im Jahre 2001 in einem Magazin zitiert, wonach er Marihuana geraucht und es ihm gefallen habe. (Quelle: Reuters vom 9. April 2002) ***USA: Maryland Ein Gesetzesvorschlag, der die Strafe für Patienten, die Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden, deutlich reduziert hätte (100 Dollar Geldbuße anstatt 1000 Dollar Geldbuße und bis zu einem Jahr Gefängnis), wurde mit einer Stimme Mehrheit in einem Komitee des Senats abgelehnt. Der Entwurf hatte das Repräsentantenhaus von Maryland am 24. März passiert. (Quelle: Carroll County Times vom 6. April) ***Wissenschaft: Fettsucht Der CB1-Rezeptorantagonist SR141716 der französischen Firma Sanofi-Synthelabo befindet sich in Phase-III-Studien für die Verwendung bei Übergewicht. Er hatte eine deutliche Gewichtsreduzierung in früheren kleinen Studien gezeigt. SR141716 blockiert die Wirkungen von Endocannabinoiden am Cannabinoid-1-Rezeptor. (Quelle: Reuters vom 10. April 2002) ***Wissenschaft: Magensaftsekretion Cannabinoide (WIN 55,212-2, HU-210) reduzierten die saure Sekretion, die durch Pentagastrin induziert worden war. Diese Wirkung wurde durch einen CB1-Rezeptorantagonisten, jedoch nicht durch einen CB2-Rezeptorantagonisten blockiert. Daher ist die Hemmung der Säuresekretion im Magen durch Cannabinoide durch CB1-Rezeptoren vermittelt. (Quelle: Adami M, et al. Br J Pharmacol 2002 Apr 7;135(7):1598-1606) 5. VOR EINEM JAHR: - Kanada: Gesundheitsminister will die medizinische Verwendung von Cannabis erleichtern - Wissenschaft: Endocannabinoide sind an der Regulierung des Appetits beteiligt VOR ZWEI JAHREN: - Wissenschaft/Großbritannien: Klinische Studie mit Cannabis genehmigt - Wirtschaft/USA: IND-Antrag für CT3 - USA: Konferenz zu Cannabis-Therapeutika ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 27. April 2002 ----------------------------------------------------------------- * Kanada: Kein medizinisches Cannabis von der Regierung * USA: Studie mit gerauchtem Cannabis bei Neuropathie von AIDS-Patienten hat begonnen * Kanada: Amerikanische Bürger und medizinische Konsumenten von Marihuana, die nach Kanada geflüchtet waren, verhaftet 1. Kanada: Kein medizinisches Cannabis von der Regierung Gesundheitsministerin Anne McLellan erklärte, dass sie nichts von dem Marihuana, das für die Regierung angebaut wurde, freigeben werde, damit es an kranke Patienten verteilt werden kann, bevor es nicht in klinischen Studien getestet worden ist. Dies erklärte ihre Sprecherin am 22. April. Diese Stellungnahme legt nahe, dass das Cannabis, das in einer alten Mine in Manitoba angebaut wurde, einige Jahre lang nicht Patienten verfügbar gemacht wird, wenn überhaupt. Die klinischen Studien haben noch nicht begonnen und werden Jahre dauern. Als der frühere Gesundheitsminister Allan Rock den Vertrag über den Anbau von Cannabis im Juli 2001 ankündigte, erklärte er, einiges werde für die Forschung verwendet und etwas könnte Patienten gegeben werden, die dazu qualifiziert sind, weil sie schwer oder sterbend krank sind. Rock hatte Ärzte gebeten, Bescheinigungen auszustellen, dass ihre Patienten Marihuana benötigten, was zu Protesten bei einigen medizinischen Gruppen führte. Aber mehrere Ärzte haben die Dokumente ausgestellt und am 2. April lagen dem Gesundheitsministerium 205 Ermächtigungen für den Besitz von Cannabis vor. Diese autorisierten Patienten haben nun die Wahl, ihr eigenes Cannabis entweder selbst anzubauen oder jemanden zu finden, der das für sie tut, ohne legale Quelle für die Samen. Am 23. April erklärte ein Richter in Quebec, dass die Gesetze, die den Verkauf von Marihuana an Kranke, die eine Erlaubnis zur Verwendung der Droge haben, verbieten, verfassungswidrig sind. Richter Gilles Cadieux erklärte, dass die Charta für Rechte und Freiheit (Charter of Rights and Freedoms) das Recht auf Freiheit und Sicherheit der Person schütze, inklusive der Verwendung von Cannabis durch Patienten, die eine medizinische Ausnahmegenehmigung erhalten haben. (Quellen: Canadian Press vom 22. und 23. April 2002, Edmonton Sun vom 23. April 2002) 2. USA: Studie mit gerauchtem Cannabis bei Neuropathie von AIDS-Patienten hat begonnen Eine Studie mit gerauchtem Cannabis bei Neuropathie (Nervenschmerzen) in Zusammenhang mit Aids hat unter der Leitung von Dr. Donald Abrams an der Universität von Kalifornien in San Francisco begonnen. Die dreijährige, mit 956.000 US-Dollar vom Staat finanzierte Studie findet unter der Ägide des Zentrums für medizinische Cannabisforschung der Universität statt. Dieses Zentrum wurde 1999 durch ein staatliches Gesetz eingerichtet. Die Studienteilnehmer sind erfahrene Marihuana-Raucher, die 30 Tage vor Studieneintritt nicht geraucht haben. "Wir wollen sicher sein, dass die Menschen wissen, wie man inhaliert - und wissen ..., was es heißt, stoned zu sein, damit sie nicht ausflippen und uns verklagen," erklärte Abrams. Die Studie beginnt als Pilotstudie mit 16 Teilnehmern. Der erste begann am 27. März. Jeder Teilnehmer wird neun Tage im Krankenhaus sein und dreimal am Tag an sieben dieser Tage Marihuana rauchen. Wenn alles gut mit der Pilotstudie geht, wird eine größere Studie, die insgesamt 100 Probanden umfasst, folgen. Die Studie verwendet THC-freie Cannabis-Zigaretten als Placebos und ist doppel-blind. (Quelle: The Augusta Chronicle vom 13. April 2002) 3. Kanada: Amerikanische Bürger und medizinische Konsumenten von Marihuana, die nach Kanada geflüchtet waren, verhaftet Die kanadischen Einwanderungsbehörden haben Kenneth E. Hayes am 18. April verhaftet und Steve Tuck und Steve Kubby am 16. April. Alle drei erwartet eine Anhörung über ihre Ausweisung. Alle erklärten, sie würden den politischen Flüchtlingsstatus in Kanada anstreben, wenn die Vereinigten Staaten ihre Ausweisung beantrage, oder wenn Kanada versuche, sie auszuweisen. Die Anklage "habe spezifisch mit den Verurteilungen in der Vereinigten Staaten zu tun," erklärte Angela Battiston, eine Sprecherin der kanadischen Einwanderungsbehörde. Keiner von ihnen streitet ab, Cannabis anzubauen oder zu rauchen, sie erklären jedoch, dies geschehe aus medizinischen Gründen, was unter der Proposition 215, einem staatlichen Gesetz, das von den kalifornischen Wählern 1996 angenommen wurde, erlaubt sei. Regierungsvertreter der USA applaudierten der Aktion. "Es ist unglückselig, dass viele Menschen Kanada als einen Zufluchtsort ansehen, um dem US-Recht zu entgehen," erklärte Richard Meyer, ein Sprecher der US-amerikanischen Drogenbehörde DEA (Drug Enforcement Administration). (Quelle: The Press Democrat vom 21. April 2002) 4. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: CBD gegen Übelkeit In einem Rattenmodell für Übelkeit war Cannabidiol (CBD) und sein synthetisches Dimethylhomolog wirksam gegen Übelkeit. Also könnten Cannabinoide ohne psychoaktive Nebenwirkungen einen therapeutischen Wert bei der Behandlung von durch Chemotherapie ausgelöste Übelkeit besitzen. (Quelle: Parker LA, et al. Neuroreport 2002 Apr 16;13(5):567-70) ***USA: Kalifornien Der Stadtrat von Berkeley hat am 23. April eine Resolution verabschiedet, die die Unterstützung der Stadt für medizinisches Marihuana bekräftigt. Der Rat wies die Polizei von Berkeley an, nicht mit der Drogenbehörde DEA bei Untersuchungen zu medizinischen Marihuana-Klubs zusammenzuarbeiten. (Quelle: Daily Californian vom 25. April 2002) ***Wissenschaft: Psychose In einer spanischen Studie wiesen Patienten mit einer durch Cannabis ausgelösten Psychose einige gemeinsame Charakteristika mit akuter Schizophrenie auf, unterschieden sich jedoch in anderen. Die Autoren schlossen daraus, dass anhaltender starker Cannabiskonsum eine psychotische Störung auslösen könne, die sich von der akuten Schizophrenie unterscheide. (Quelle: Nunez LA, Gurpegui M. Acta Psychiatr Scand 2002 Mar;105(3):173-178) ***USA: NORML-Konferenz Etwa 550 Personen nahmen an der jährlichen Tagung der Nationalen Organisation für die Reform der Marihuanagesetze (NORML) in San Francisco teil, die größte Tagung in der 32-jährigen Geschichte der Organisation. Unter den Rednern waren der Bezirksstaatsanwalt von San Francisco, Terence Hallinan, der kalifornische Senator John Vasconcellos, Jack Herer, Dr. Tom Ungerleider, Dr. John P. Morgan und Barbara Ehrenreich. (Quelle: NORML vom 26. April 2002) 5. VOR EINEM JAHR: - Spanien: Katalanisches Parlament einstimmig für medizinische Verwendung von Cannabis - Wissenschaft: Meinung von Ärzten zur medizinischen Verwendung von Cannabis hängt vom Fachgebiet ab VOR ZWEI JAHREN: - Deutschland: Aussetzung eines Gerichtsverfahrens bis zur Entscheidung beim BfArM - USA: Hawaii erlaubt medizinische Verwendung durch Gesetzgebungsverfahren - Holland: Aufbau einer Agentur für medizinisches Cannabis beim Gesundheitsministerium ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 11. Mai 2002 ----------------------------------------------------------------- * Kanada/USA: US-Behörden haben sich geweigert, Kanada Zugang zu Cannabissamen zu gewähren * USA: Medizinischer Cannabisklub hat kein Recht, die Droge zu verteilen, urteilt ein Bundesrichter * Wissenschaft: Dexanabinol wirksam bei Hirnverletzung * Kanada: Negative gesundheitliche Auswirkungen von Cannabis sind gering, erklärt ein Parlamentsausschuss 1. Kanada/USA: US-Behörden haben sich geweigert, Kanada Zugang zu Cannabissamen zu gewähren Im letzten Jahr haben sich die Drogenbehörden der USA geweigert, der kanadischen Regierung Zugang zu ihrem Vorrat an für Forschungszecke geeignete Marihuanasamen zu gewähren. Dies wurde zum ersten Mal am 7. Mai bekannt. Ein kanadisches Cannabisprogramm sollte sowohl Forschungszwecken dienen als auch Patienten einen Zugang zu Cannabis verschaffen. Der früherer Gesundheitsminister Allan Rock machte im April 2001 Einzelheiten des Programms bekannt und erklärte, dass das Marihuana vermutlich im Januar 2002 verfügbar sein werde. Aber nun wurde bei einer Ausschusssitzung bekannt, dass US-Behörden sich geweigert hatten, Kanada mit Samen vom Nationalen Institut für den Drogenmissbrauch zu beliefern. Die US-Entscheidung war zu jener Zeit nicht bekannt gemacht worden und es war auch nicht von Rock erwähnt worden. Das hat dazu geführt, dass das kanadische Gesundheitsministerium Samen verwenden musste, den die Polizei konfisziert hatte. Das daraus hergestellte Cannabis enthält mindestens 185 verschiedene Sorten. Es wird nun einige Zeit dauern, um einen Vorrat an standardisiertem Cannabis zu bilden, der für Forschungszwecke geeignet ist. "Wir sind weiterhin verpflichtet, sicher zu stellen, dass geeignete Kanadier Zugang zu einem standardisierten Vorrat an für die Forschung geeignetem Marihuana für medizinische Zwecke haben," erklärte die neue Gesundheitsministerin Anne McLellan dem Gesundheitsausschuss des Parlaments. "Während sich unsere Politik nicht geändert hat, so hat es allerdings unser Zeithorizont." (Quellen: The Canadian Press vom 7. Mai 2002, Ottawa Citizen vom 8, Mai 2002) 2. USA: Medizinischer Cannabisklub hat kein Recht, die Droge zu verteilen, urteilt ein Bundesrichter Ein Bundesrichter entschied am 3. Mai, dass die Oakland Cannabis Buyers Kooperative (Kalifornien) unter dem von den kalifornischen Wählern 1996 genehmigten medizinischen Marihuanagesetz kein grundgesetzliches Recht zur Verteilung von Marihuana an Patienten habe. Die Kooperative hatte versucht, einen 5 Jahre alten Fall mit neuen Argumenten neu aufzurollen. Aber US-Distriktrichter Charles R. Breyer wies dies auf Drängen der Regierung zurück. "Mit oder ohne ärztliche Genehmigung, die Verteilung von Marihuana ist nach dem Bundesgesetz illegal," schrieb Breyer. Robert Raich, der Anwalt des Klubs, erklärte, dass er die Entscheidung vor dem 9. US-Berufungsgericht in San Francisco anfechten werde. (Quelle: Associated Press vom 3. Mai 2002) 3. Wissenschaft: Dexanabinol wirksam bei Hirnverletzung Alle sechs israelischen neurochirurgischen Intensivpflegestationen waren bei einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie zur Beurteilung der Sicherheit intravenösen Dexanabinols bei schwerer Kopfverletzung beteiligt. 67 Patienten im Alter von 16 - 65 Jahren erhielten eine einzige Gabe von Dexanabinol (48 oder 150 mg) oder nur die Trägersubstanz. Eine hoch signifikante Reduzierung der Zeit mit einem Druck innerhalb des Kopfes von mehr als 25 mmHg, mit einem Durchblutungsdruck im Gehirn von unter 50 mmHg und mit einem systolischen Blutdruck von unter 90 mmHg wurde in der Gruppe, die mit dem Medikament behandelt worden war, festgestellt. Ein Trend zu einer schnelleren und besseren Erholung nach der Glasgow-Outcome-Skala nach 3 und 6 Monaten wurde ebenfalls beobachtet. Art und Häufigkeit von ungünstigen medizinischen Ereignissen waren in beiden Gruppen gleich verteilt. Dexanabinol ist ein nicht-psychotroper Abkömmling von THC mit nervenschützenden Eigenschaften. (Quelle: Knoller N, et al. Dexanabinol (HU-211) in the treatment of severe closed head injury: A randomized, placebo-controlled, phase II clinical trial. Crit Care Med 2002;30(3):548-554) 4. Kanada: Negative gesundheitliche Auswirkungen von Cannabis sind gering, erklärt ein Parlamentsausschuss Der Parlamentsausschuss zu illegalen Drogen plant im Mai und Juni im Land verteilt eine Serie von öffentlichen Anhörungen. Dabei sollen die Kanadier befragt werden, ob sie der Ansicht sind, dass die Regierung Marihuana entkriminalisieren sollte. So heiß es in einem Bericht, der am 2. Mai veröffentlicht wurde. Nach 14-monatiger Untersuchung der Auswirkungen des Cannabiskonsums erklärte der Ausschuss, dass die wissenschaftliche Datenlage nahe lege, dass Marihuana "einige negative Wirkungen auf die Gesundheit von Personen haben kann", dass diese Wirkungen jedoch "relativ gutartig" seien, und dass es keine Einstiegsdroge in den Konsum harter Drogen sei. Nur etwa 10 Prozent der Konsumenten würden gewohnheitsmäßige Konsumenten und 5 bis 10 Prozent würden abhängig werden. Ein entgültiger Bericht soll im August veröffentlicht werden. Der vorläufige Bericht ist auf der Internetseite des Parlaments verfügbar. http://www.parl.gc.ca/illegal-drugs.asp. (Quelle: Xinhua News Agency vom 2. Mai 2002) 5. Kurzmeldungen ***Deutschland: Bionorica stellt Dronabinol her Die phytopharmazeutische Firma Bionorica erklärte am 3. Mai, dass es Dronabinol (THC) herstelle, dass nun für Apotheker zur Herstellung von Medikamenten auf Dronabinol-Basis zur Verfügung stehe. Bionorica ist der zweite Hersteller von Dronabinol in Deutschland. Die Frankfurter Firma THC Pharm produziert Dronabinol seit 1998. (Quelle: Pressekonferenz vom 3. Mai 2002) ***Italien: Nordregion unterstützt medizinisches Cannabis Die Ratsversammlung der Lombardei, Italiens Nordregion, nahm am 30. April einen Antrag an, der Medikamente auf Cannabis-Basis unterstützt. Darin wird die italienische Regierung und das Parlament aufgefordert, "die medizinische Verwendung von Cannabis und seinen Abkömmlingen zu regeln." (Quelle: Reuters vom 1. Mai 2002) ***Welt: Million Marijuana March Etwa 160 Städte in mehr als 30 Ländern der Erde nahmen in diesem Jahr am 4. Mai am Million Marijuana March teil. (Quelle: PA News vom 4. Mai 2002) ***Wissenschaft: Drogenkonsum von Jugendlichen Eine fürsorgliche Mutter ist der einzige wichtigste Faktor beim Schutz von Jugendlichen vor dem Missbrauch von illegalen Drogen und Alkohol. Im Rahmen der Studie wurden etwa 4000 Schüler im Alter von 14 - 15 Jahren aus Städten in England, Irland, Italien, Deutschland und den Niederlanden befragt. (Quelle: McArdle P, et al. Addiction 2002 Mar;97(3):329-36) ***USA: Hungerstreik in Montana Eine 45-jährige Frau aus Missoula befindet sich seit dem 20. April im Hungerstreik und protestiert damit gegen die Unmöglichkeit, legalen Zugang zu Cannabis in Montana zu bekommen, um ihre immunologische Störung zu behandeln. Ihre Erkrankung hat keinen Namen. Robin Prosser kann nicht mehr in die Sonne gehen, und sie leidet unter Symptomen, die ähnlich wie bei der multiplen Sklerose sind. (Quelle: Missoula Independent vom 9. Mai 2002) ***Wissenschaft: Huntington-Krankheit In einem Tiermodell der Huntington-Erkrankung reduzierte die Gabe eines Wiederaufnahmehemmers von Endocannabinoiden (AM404) die motorische Überaktivität. Die Huntigton-Erkrankung resultiert aus einem genetisch vorprogrammierten Verlust von Nervenzellen im Gehirn, der zu unkontrollierten Bewegungen und emotionalen Störungen führt. (Quelle: Lastres-Becker I, et al. Synapse 2002 Apr;44(1):23-35) ***Wissenschaft: Wirkungen auf Zytochrom 450-Enzyme Blutplasmaspiegel der antipsychotischen Medikamente Clozapin und Olanzapin sind bei Rauchern von Tabak und Cannabis niedriger als bei Nichtrauchern, was vor allem an der Induktion von CYP1A2, einem Enzym des Zytochrom P450-Komplexes, durch einige Bestandteile des Rauches, liegt. Das Einstellen des Rauchens kann zu einer unerwarteten Zunahme des Plasmaspiegels führen. Daher sollten rauchende Patienten, die mit Medikamenten behandelt werden, die zum Abbau das CYP1A2-Enzym verwenden, hinsichtlich ihrer Rauchgewohnheiten beobachtet werden, damit die Dosis angepasst werden kann. (Quelle: Zullino DF, et al. Int Clin Psychopharmacol 2002;17(3):141-143) 6. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft/Großbritannien: Vier Phase-II-Studien mit Cannabis erfolgreich - Frankreich: Medizinische Verwendung von Cannabis vor Gericht - Kanada: Bedenken der kanadischen medizinischen Gesellschaft VOR ZWEI JAHREN: - Deutschland: Klinische Studie zu THC beim Tourette-Syndrom - Kanada: Gesundheitsministerium sucht Quelle für Versorgung mit Marihuana - Wissenschaft: Erste Ausgabe des Journal of Cannabis Therapeutics ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 25. Mai 2002 ----------------------------------------------------------------- ======================================== Die neue Ausgabe der Journal of Cannabis Therapeutics ist erschienen ======================================== * Deutschland: - Outing von Patienten, die Cannabis verwenden - Erneute Verfassungsbeschwerde eingelegt - Vorschlag für einen neuen Paragraphen 31b im Betäubungsmittelgesetz * Wissenschaft: Kleine Cannabisdosen sind unwirksam bei multipler Sklerose * Großbritannien: Parlamentsausschuss empfiehlt Überprüfung der internationalen Drogenabkommen 1. Deutschland: - Outing von Patienten, die Cannabis verwenden - Erneute Verfassungsbeschwerde eingelegt - Vorschlag für einen neuen Paragraphen 31b im Betäubungsmittelgesetz Am 23. Mai bekannten sich 11 Schwerkranke mit Fotos und Wohnort in der Wochenzeitschrift Stern zu ihrem illegalen medizinischen Cannabiskonsum. Sie leiden an multipler Sklerose, Morbus Crohn (eine Darmerkrankung), Krebs, Asthma, Migräne, HIV und Hepatitis C. Sie fordern das Ende der Kriminalisierung medizinischer Cannabiskonsumenten. Einer der Beteiligten, ein an multipler Sklerose Erkrankter, hat jüngst mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin erneut eine Verfassungsbeschwerde eingelegt. Er will damit erreichen, dass er sein Cannabis, das vor einigen Wochen von der Polizei beschlagnahmt wurde, zurückerhält. Das Landgericht Mannheim hatte die Beschlagnahme als rechtmäßig erklärt. Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin stellt zudem einen Vorschlag zur Aufnahme eines neuen Paragraphen in das Betäubungsmittelgesetz zur Diskussion, der Staatsanwälten und Richtern die Einstellung von Strafverfahren bei medizinischer Verwendung von Cannabisprodukten ermöglichen soll. Dieser neue Paragraph 31b würde das Vorliegen einer ärztlichen Empfehlung als Bedingung für Straffreiheit enthalten. Dieser Vorschlag wird von Dr. Hans-Harald Körner, Leiter der Zentralstelle für die Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität bei dem Generalstaatsanwalt in Frankfurt (Hessen), und anderen Juristen unterstützt. (Quelle: Der Stern vom 23. Mai 2002) 2. Wissenschaft: Kleine Cannabisdosen sind unwirksam bei multipler Sklerose Eine neue klinische Studie an der Universität von Amsterdam fand, dass THC nicht wirksam bei multipler Sklerose sei, wenn es in Dosen von maximal zweimal täglich 5 mg oral gegeben wird. Dr. Joep Killestein und Kollegen führten eine doppelblinde, plazebokontrollierte Studie mit 16 MS-Patienten durch, die an starker Spastik litten, um die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von oralem THC und einem oralen Cannabisextrakt zu untersuchen. Beide Medikamente waren sicher, jedoch traten unerwünschte Wirkungen häufiger bei der Behandlung mit dem Pflanzenextrakt auf. Verglichen mit Plazebo reduzierten weder THC noch Cannabis in den verwendeten Dosen (2,5 oder 5 mg zweimal täglich in oraler Verabreichung) die Spastik. Dr. Thomas Ungerleider und Kollegen von der Universität von Kalifornien in Los Angeles hatten bereits in ihrer 1987 veröffentlichten Studie festgestellt, dass "die 7,5 mg-Dosis notwendig ist, um eine signifikante Reduzierung der Spastik zu erzielen", und 1999 hatte Dr. Roger Pertwee von der Universität von Aberdeen "ein gewisses Maß an Flexibilität hinsichtlich der Dosis" bei Studien mit THC bei multipler Sklerose empfohlen, und geraten, mit 2,5 oder 5 mg zweimal täglich zu beginnen. (Quellen: Killestein J, et al. Safety, tolerability, and efficacy of orally administered cannabinoids in MS. Neurology 2002;58(9):1404-1407; Pertwee RG. Prescribing cannabinoids for multiple sclerosis. CNS Drugs 1999;11(5):327-334; Ungerleider JT, et al. Delta-9-THC in the treatment of spasticity associated with multiple sclerosis. Adv Alcohol Subst Abuse 1987;7(1):39-50.) 3. Großbritannien: Parlamentsausschuss empfiehlt Überprüfung der internationalen Drogenabkommen In seinem langerwarteten Bericht zur Drogenpolitik, der am 22. Mai veröffentlicht wurde, empfiehlt der Innenausschuss des Parlaments, "dass die Regierung eine Diskussion innerhalb der Kommission zu Betäubungsmitteln über alternative Wege - inklusive der Möglichkeit der Legalisierung und Regulierung - initiiert, um das globale Drogendilemma zu lösen." Hinsichtlich Cannabis unterstützt der Ausschuss die Absicht der Regierung, die Droge von der Klasse B in die Klasse C umzustufen, was Cannabis in die gleiche Kategorie wie Antidepressiva und Steroide einstufen würde. Im Bericht heißt es dazu: "Egal ob Cannabis eine Einstiegsdroge ist oder nicht, wir glauben nicht, dass etwas damit gewonnen ist, wenn seine Schädlichkeit übertrieben wird." Die Liberaldemokraten, die die Legalisierung von Cannabis unterstützen, erklärten, dass der Bericht nicht weit genug gehe. Diese Meinung wird von Lord Bingham, der älteste juristische Lord an Englands höchstem Gericht, geteilt. In einem Interview kritisierte er die "dumme" Herangehensweise der Regierung an Cannabis und fordert die Legalisierung der Droge. Der gesamte Bericht ist erhältlich unter: http://www.publications.parliament.uk/pa/cm200102/cmselect/cmhaff/318/31802.htm (Quellen: Associated Press vom 22. Mai 2002, Reuters vom 23. Mai 2002) 4. Kurzmeldungen ***Kanada: Cannabis von hoher Qualität Die Firma, die Kanadas offiziellen Marihuanavorrat anbaut, erklärt, dass das Kraut sich als zu potent erwiesen habe. Das Marihuana sei nicht schlecht - das Problem sei, dass es zu gut sei, erklärte Prairie Plant Systems am 15. Mai in einem Brief an Gesundheitsministerin Anne McLellan. Firmenchef Brent Zettl ist wütend über den "beschädigten Ruf" der Firma, der aus den jüngsten Enthüllungen von Frau McLellan entstanden sei, nach dem das Projekt, kranke Kanadier mit Marihuana zu versorgen, verzögert wurde, weil das Material nicht rein sei. Das hat zu Meldungen über schlechte Qualität geführt. (Quellen: Ottawa Citizen vom 16. Mai 2002, Toronto Star vom 16. Mai 2002) ***Wissenschaft: Schwangerschaft Die geistige Leistungsfähigkeit von Neugeborenen von 354 Müttern wurde nach 6,5, 12 und 13 Monaten beurteilt. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft war mit einer geringeren kognitiven Leistjungungsfähigkeit verbunden. Die Verwendung von Kokain und Tabak war mit einer geringeren Größe bei der Geburt assoziiert. Es wurden keine Wirkungen in Abhängigkeit von Cannabiskonsum entdeckt. (Quelle: Jacobson SW, et al. Pediatrics 2002 May;109(5):815-25) ***USA: Vermont Die kontroverse Frage, ob Vermont den Cannabiskonsum für Personen mit schweren Erkrankungen legalisieren sollte, scheint für diese Legislaturperiode erledigt zu sein. Am 24. Mai erzielte ein gemeinsames Komitee von Repräsentantenhaus und Senat eine vorläufige Übereinstimmung, die Gesetzesvorlage fallen zu lassen und statt dessen eine Sonderkommission einzusetzen, die das Thema untersuchen und seine Ergebnisse dem nächsten Gesetzgeber berichten soll. (Quelle: Rutland Herald vom 25. Mai 2002) ***USA: Nevada Es gibt nun 154 registrierte Nutzer von Nevadas medizinischem Marihuanaprogramm und zudem 18 Betreuer. Das erklärte Cecile Crofoot, die das Programm im Agrarministerium durchführt. Nach ihrer Kenntnis ist keiner dieser Registrierten wegen Drogenvergehen in rechtliche Schwierigkeiten geraten. Das Programm wurde 2001 vom Gesetzgeber genehmigt. Nevadas Programm ähnelt dem von Oregon, das ebenfalls von Bundesstaatsanwälten ignoriert wurde. (Quelle: Nevada Appeal vom 14. Mai 2002) ***Welt: Doping Die Welt-Anti-Dopingagentur (WADA) hat eine neue Dopingdefinition herausgegeben, die besagt, dass eine Dopingsubstanz oder -methode "das Potenzial besitzt, die sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern". Frühere Definitionen hoben leistungsfördernde Drogen nicht besonders hervor. Rune Andersen, WADA-Direktor für Standards und Harmonisierung, erklärte, dass Cannabis und andere nicht leistungssteigernde Mittel nicht länger auf der Liste der verbotenen Dopingsubstanzen geführt würden. Sie würden statt dessen in einer neuen "Benimmcode"-Kategorie geführt. Es wird erwartet, dass der neue Code im Januar 2004 in Kraft tritt, sechs Monate vor den olympischen Spielen in Athen. (Quelle: Associated Press vom 24. Mai 2002) 5. VOR EINEM JAHR: - IACM: Zweites Call for Papers, Berliner Kongress 2001 - Wissenschaft: Zweite Ausgabe des Journal of Cannabis Therapeutics - USA: Oberster Gerichtshof entscheidet gegen medizinische Cannabisklubs VOR ZWEI JAHREN: - USA: Aids-Patienten können Cannabis in kalifornischer Studie bekommen ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 8. Juni 2002 ----------------------------------------------------------------- ======================================== Mehr als 2.600 Abonnenten der IACM-Informationen Verdopplung innerhalb eines Jahres ======================================== * USA: Proteste gegen Razzien von medizinischen Cannabis-Klubs * Kanada: Zivilklage gegen die Regelungen der Bundesregierung 1. USA: Proteste gegen Razzien von medizinischen Cannabis-Klubs Aktivisten kritisieren Pläne der Bundesregierung, medizinische Cannabisklubs (Kooperativen, die Marihuana anbauen und es an Patienten verteilen) in Kalifornien zu zerschlagen. Sie organisierten landesweite Proteste vor Büros der Drogenbehörde DEA (Drug Enforcement Agency). Die Proteste fanden am 6. Juni vor 60 DEA-Hauptquartieren im ganzen Land statt. Am 29. Mai führten Bundesbeamten eine Razzia im Aiko Compassion Center in Santa Rosa (Kalifornien) durch und verhafteten zwei Besitzer. Diese Razzia ist die vierte seit Oktober 2001, nach Razzien von medizinischen Cannabisklubs in Los Angeles, Sacramento und San Francisco. Fünf Unterstützer des Verkaufs von Cannabis für medizinische Zwecke durch das Los Angeles Cannabis Resource Center haben am 5. Juni einen "Hungerstreik mit offenem Ende" begonnen. Das Zentrum war im Oktober 2001 geschlossen worden, nachdem Bundesbeamten Patientenakten, Pflanzen und anderes Material beschlagnahmt hatten. (Quellen: Los Angeles Times vom 6. Juni 2002, Reuters vom 6. Juni 2002, Associated Press vom 31. Mai 2002) 2. Kanada: Zivilklage gegen die Regelungen der Bundesregierung Sieben Kanadier, die medizinisches Marihuana verwenden oder verteilen, bitten den Obersten Gerichtshof von Ontario, die bundesbehördlichen Zugangsregelungen aufzuheben und die Bundesregierung anzuweisen, sie mit Cannabis zu versorgen. Sie argumentieren, das die Bundesregelungen fundamental verfassungswidrig sind, indem sie den Antragstellern "Leben und Freiheit" rauben, wie sie im Artikel 7 der Charta für Rechte und Freiheiten garantiert sind. Die Regelungen, die entwickelt wurden, um Kranken einen legalen Zugang zu Marihuana zu verschaffen, haben den Zugang zur Droge schwierig gestaltet, weil die Regierung medizinische Erklärungen verlangt, die nur wenige Ärzte ausstellen. Dies erklärte die Gruppe der sieben am 23. Mai bei einer Pressekonferenz am Queens Park. Die Kanadische Medizinische Gesellschaft und der Versicherer der kanadischen Ärzte hatten die Ärzte vor der Ausstellung der Erklärungen gewarnt. Allerdings haben nach Aussage von Andrew Swift, Sprecher des Gesundheitsministeriums, einige Ärzte diese Erklärung unterzeichnet. Seit Einführung der Regelungen im letzten Sommer haben 255 Personen eine Erlaubnis zur Verwendung von medizinischem Marihuana erhalten. (Quellen: Toronto Star vom 24. Mai 2002, Globe and Mail vom 24. Mai 2002) 3. Kurzmeldungen ***Schweiz: Vortragsveranstaltung Am 15. und 16. Juni veranstaltet Hanf-Info eine Vortragsreihe zu Hanf in der Medizin. Die Veranstaltung findet in den Räumlichkeiten von Hanf-Info im Château au Prehl 53 bei Murten statt. Zu den Referenten zählen: Dr. Claude Vaney, Dr. Jens Wagner, Dr. Joerg Fachner, Dr. Oleg Grigoriev, Dr. Sergej Grigoryev und Dr. Ester Fride. ***Wissenschaft: Schmerzen bei Querschnittslähmung 471 Personen mit einer Querschnittserkrankung wurden hinsichtlich ihrer Erfahrungen mit verschiedenen Schmerzbehandlungen befragt. Die als am hilfreichsten eingestuften Behandlungen waren Opiate, physikalische Therapie und eine Behandlung mit Diazepam. Die am wenigsten hilfreich beurteilten Behandlungen waren Stimulation des Rückenmarks, Beratung oder Psychotherapie, die Gabe von Acetaminophen und die Gabe von Amitriptylin. Die als am hilfreichsten eingestuften alternativen Behandlungsformen waren Massage und die Verwendung von Cannabis. (Quelle: Warms CA, et al. Clin J Pain 2002 May-Jun;18(3):154-63) ***Wissenschaft: Vorgeburtliche Cannabisexposition Dieser Bericht einer Längsschnittstudie über die Wirkungen einer vorgeburtlichen Alkohol- und Marihuanaexposition untersuchte, ob diese Drogen die neuropsychologische Entwicklung im Alter von 10 Jahren beeinflussen. 593 Kinder absolvierten eine neuropsychologische Testreihe. Vorgeburtlicher Alkoholkonsum hatte einen signifikanten negativen Einfluss auf Lern- und Gedächtnisfertigkeiten. Vorgeburtliche Marihuanaexposition hatte ebenfalls einen Effekt auf Lernen und Gedächtnis. (Quelle: Richardson GA, et al. Neurotoxicol Teratol 2002 May-Jun;24(3):309-20) 4. VOR EINEM JAHR: - USA: Robert Randall ist gestorben - USA: Registrierung für die medizinische Verwendung von Cannabis VOR ZWEI JAHREN: - Großbritannien: Parteienübergreifende Gesetzesinitiative für Cannabis als Medizin - Kanada: Ausdehnung des Stichtages für Antworten von Bietern für Marihuana-Vertrag ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 22. Juni 2002 ----------------------------------------------------------------- * Wissenschaft: THC reduziert Schlafapnoe im Tierversuch * USA: Kalifornische medizinische Marihuanaklubs wird Verteilung der Droge verboten 1. Wissenschaft: THC reduziert Schlafapnoe im Tierversuch Forscher am Zentrum für Schlaf- und Ventilationsstörungen an der Universität von Illinois in Chicago untersuchten die Wirkungen von THC und des Endocannabinoids Oleamid auf Schlaf, Atemmuster und Schlafapnoe bei Ratten. Professor David W. Carley und seine Kollegen fanden, dass THC und Oleamid die Atmung während aller Schlafphasen stabilisierten und die Apnoe verminderten. Die Autoren folgern aus ihren Ergebnissen, dass die Studie eine wichtige Rolle für Endocannabinoide bei der Aufrechterhaltung der autonomen Stabilität während des Schlafes nahe lege, dass sie zudem eine ausgeprägte Unterdrückung der Schlafapnoe durch THC und Endocannabinoide zeige, und dass diese Beobachtung für die arzneiliche Behandlung von schlafbezogenen Atemstörungen relevant sein könne. Schlafapnoe ist eine Atemstörung, die durch kurze Unterbrechungen der Atmung während des Schlafes charakterisiert ist. Diese Atempausen sind fast immer mit Schnarchen zwischen den Apnoe-Episoden verbunden, wenn auch nicht jeder, der schnarcht, unter Apnoe leidet. Die häufigen Unterbrechungen von tiefem, erholsamen Schlaf führen oft zu einer ausgeprägten Müdigkeit während des Tages und können mit unregelmäßigem Herzschlag, hohem Blutdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden sein. Die Reduzierung der Schlafapnoe durch Cannabinoide kann auf einer Wechselwirkung mit dem Nervenüberträgerstoff Serotonin beruhen. Serotonin kann die schlafbezogene Apnoe verstärken. Es ist bekannt, dass Cannabinoide die stimulierenden Wirkungen des Serotonins auf die Zellen des Ganglion nodosum hemmen. Das Ganglion nodosum ist eine Gruppe von Nervenzellen außerhalb des Rückenmarks, die Informationen über den Blutdruck, den Kohlendioxid-Gehalt und andere Informationen über den Zustand des Körpers über das Rückenmark zum Gehirn transportieren. (Quelle: Carley DW, et al. Functional role for cannabinoids in respiratory stability during sleep. Sleep 2002;25(4):391-398) 2. USA: Kalifornische medizinische Marihuanaklubs wird Verteilung der Droge verboten Ein Bundesrichter in Kalifornien hat zugunsten einer Bitte des Bundesjustizministerium entschieden, durch eine permanente gerichtliche Verfügung drei nordkalifornischen medizinischen Marihuanaklubs die Verteilung der Droge an Patienten zu verbieten. U.S. Bezirksrichter Charles Breyer aus San Francisco hat gegen die Cannabis Buyers Kooperative von Oakland, die Allianz für Medizinisches Marihuana in Marin und eine Verteilungsstelle aus Ukiah entschieden. Rechtsanwälte der Cannabis Buyers Kooperative von Oakland erklärten, dass sie gegen Breyers Urteil Berufung vor einem höheren Gericht einlegen würden, vor dem Berufungsgericht für den neunten Bezirk. In seinem Urteil vom 13. Juni erklärte Breyer: "Beim Fehlen einer gerichtlichen Verfügung werden die Beklagten (die Klubs) wahrscheinlich wieder mit der Verteilung von Marihuana beginnen und damit gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen." Kalifornien ist einer von acht Staaten, der Personen den Anbau und die Verwendung kleiner Mengen Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt, wenn die Verwendung von einem Arzt angeordnet und überwacht wird. (Quelle: NORML vom 13. Juni 2002, CNSNews.com vom 14. Juni 2002) 3. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: Appetit von Ratten THC und das Endocannabinoid Anandamid reduzieren die Zeit, bevor Ratten mit dem Essen beginnen. Außer diesem schnellen Beginn behielt das Cannabinoid-induzierte Essen die normalen artentypischen Charakteristika. Die Daten legen nahe, dass Cannabinoide das Essen fördern, indem sie den Reizwert von Nahrung erhöhen. (Quelle: Williams CM, Kirkham TC. Physiol Behav 2002 Jun;76(2):241-50) ***Wissenschaft: Vergleich von THC und Marihuanawirkungen Zwei Studien wurden durchgeführt, um die subjektiven Wirkungen von reinem THC und Ganzpflanzen-Cannabis, der die gleiche Menge THC enthielt, bei normalen gesunden Freiwilligen zu vergleichen. In einer Studie mit 12 Teilnehmern wurden die Substanzen oral in Plätzchen verabreicht und in der anderen mit 13 Teilnehmern wurden sie durch Rauchen appliziert. In beiden Studien erhielten alle Teilnehmer abwechselnd alle fünf Substanzen, eine niedrige und eine hohe THC-Dosis, eine niedrige und eine hohe Marihuanadosis, sowie ein Plazebo. In beiden Studien produzierten THC und Cannabis ähnliche subjektive Wirkungen, mit nur geringen Unterschieden. (Quelle: Wachtel SR, et al. Psychopharmacology 2002 Jun;161(4):331-339) ***Deutschland: Weltkonferenz Ethnotherapien Die Weltkonferenz Ethnotherapien wird vom 11.-13. Oktober 2002 an der Universität München stattfinden. Am 14. Oktober wird ein Workshop für Therapeuten stattfinden. Mehr Informationen unter: http://www.institut-ethnomed.de/. ***Großbritannien: GW Pharmaceuticals GW Pharmaceuticals hat über verstärkte zwischenzeitliche Verluste berichtet. Aber die Firma erklärte, dass es im Jahre 2004 Medikamente auf Cannabisbasis fertig zur Vermarktung haben werde. Der Verlust vor Steuern beträgt 5,7 Millionen britische Pfund. GW hat seine Angestelltenzahl von 85 auf 102 gesteigert. (Quelle: PA News vom 13. Juni 2002) ***Europa: Bericht zu medizinischem Cannabis Das Europäische Monitorzentrum für Drogen und Drogenabhängigkeit (EMCDDA) hat einen Bericht zur rechtlichen Situation von medizinischem Cannabis in der Europäischen Union veröffentlicht. Er kann zusammen mit anderen Berichten gefunden werden unter: http://eldd.emcdda.org/databases/eldd_comparative_analyses.cfm 4. VOR EINEM JAHR: - USA: Amerikanische Medizinische Gesellschaft gegen Kriminalisierung von Patienten und Ärzten - Kanada: Cannabisanbauer können eine Lizenz erhalten - Wissenschaft: Cannabiskonsum kann bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit selten einen Herzinfarkt auslösen VOR ZWEI JAHREN: - Wissenschaft: Tumor-fördernder Effekt von THC im Tierversuch ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 6. Juli 2002 ----------------------------------------------------------------- * Deutschland: Zweite Firma stellt Dronabinol (THC) her 1. Deutschland: Zweite Firma stellt Dronabinol (THC) her Delta 9 Pharma GmbH, ein Unternehmen der Bionorica AG (Neumarkt, Bayern), beliefert seit Juni 2002 Apotheken mit Dronabinol, die daraus nach entsprechenden Rezepturen des deutschen Apothekerverbandes Medikamente (Kapseln, Tropflösungen) herstellen können. Das gesteigerte Medieninteresse hat zu einer Zunahme der Nachfrage nach Dronabinol bei Patienten und Ärzten geführt, was eine Reduzierung der Preise ermöglichte. Delta 9 Pharma ist nach THC Pharm (Frankfurt), die seit etwa drei Jahren Apotheken bundesweit mit Dronabinol beliefert, die zweite deutsche pharmazeutische Firma, die Dronabinol herstellt und an Apotheken abgibt. Die Bionorica AG ist ein bekannter Hersteller pflanzlicher Arzneimittel. Beide Firmen stellen THC (Dronabinol) durch Isomerisierung aus Cannabidiol (CBD) von Faserhanf her. Preise für Dronabinol von Delta 9 Pharma (Apothekenabgabepreise): 250 mg - ca. 300 Euro 500 mg - ca. 520 Euro Preise für Dronabinol von THC Pharm (Apothekenabgabepreise): 250 mg - ca. 270 Euro 500 mg - ca. 465 Euro 1000 mg - ca. 860 Euro   Danach kostet 1 Milligramm Dronabinol bei einer Abgabegröße von 500 mg etwa ein Euro. Bei einem mittleren Tagesbedarf von 10 bis 20 mg Dronabinol errechnen sich daraus monatliche Behandlungskosten von etwa 300 bis 600 Euro. (Quellen: Persönliche Mitteilungen von THC Pharm und Delta 9 Pharma) 2. Kurzmeldungen ***Großbritannien/Schottland: Cannabisstudie in Schottland Klinische Studien der britischen Firma GW Pharmaceuticals mit einem Cannabisextrakt, der unter die Zunge gesprüht wird, wurden auf Schottland ausgeweitet. Schmerzpatienten vom Gartnavel-Krankenhaus in Glasgow können an der Studie teilnehmen. Es nehmen nun neun Krankenhäuser in Großbritannien teil. GW Pharmaceuticals hofft, das Medikament bei bis zu 1000 Personen zu testen. (Quelle: The Scotsman vom 1. Juli 2002) ***Wissenschaft: Zunahme der Schlafdauer Die synthetischen Cannabinoide HU-210, HU-310 und Arachidonyl-2-Chloroethylamid verlängern bei Mäusen selbst in kleinen Dosen die Schlafdauer nach einer Anästhesie mit Isofluran. (Quelle: Schuster J, et al. Neurosci Lett 2002 Jul 5;326(3):196-200) ***Wissenschaft: Krebs von Immunzellen Cannabinoide, die an den CB2-Receptor binden (inklusive THC, HU-210 und Anandamid) lösten eine Apoptose (programmierten Zelltod) bei einer Anzahl menschlicher Leukämie- und Lymphom-Zelllinien aus. Diese Anti-Krebs-Wirkung wurde zum Teil durch den CB2-Rezeptor vermittelt. (Quelle: McKallip RJ, et al. Blood 2002 Jul 15;100(2):627-34) ***Wissenschaft: Neuropathie bei Diabetes Neuropathische Schmerzen können bei Diabetes als Folge von Schäden an sensiblen Nerven auftreten. Eine Schlüsselmessgröße der sensorischen Nervenfunktion ist die Freisetzung von Neuropeptiden, die durch einen Reiz ausgelöst wurde. Der synthetische CB1-Rezeptoragonist CP55940 hemmte diese Neuropeptidfreisetzung sowohl bei nicht-diabetischen als auch bei diabetischen Mäusen (Quelle: Ellington HC, et al. Neuropharmacology 2002 Jun;42(7):966-975) ***Deutschland: Sozialdemokratische Partei Nach einer internen Vorlage der SPD-Bundestagsfraktion (Sozialdemokratische Partei) soll der Besitz von Cannabis künftig keine Straftat mehr sein, sondern als Ordnungswidrigkeit behandelt werden. Dies berichtete das Nachrichtenmagazin Focus. Eine Sprecherin der SPD-Fraktion versicherte der Deutschen Presseagentur dpa, ihr sei keine derartige Vorlage bekannt. Die SPD bildet zusammen mit den Grünen, die sich für eine Legalisierung des Cannabisbesitzes einsetzen, die Bundesregierung. (Quelle: dpa vom 29. Juni 2002) ***Wissenschaft: Neue Bücher Zwei ausführliche neue englischsprachige Fachbücher sind jüngst erschienen: - Grotenhermen F, Russo E, eds. Cannabis and Cannabinoids. Pharmacology, Toxicology, and Therapeutic Potential. Binghamton NY: Haworth Press, 2002, etwa 450 Seiten. Mit Beiträgen von etwa 50 Autoren. Dieses Buch ist auch in deutsch erhältlich und demnächst auch in spanisch. - Onaivi ES, ed. Biology of Marijuana. From Gene to Behaviour. London/New York: Taylor & Francis, 2002, etwa 635 Seiten. Mit Beiträgen von etwa 50 Autoren. 3. VOR EINEM JAHR: - Kanada: Neue Regelungen treten Ende Juli in Kraft - Wissenschaft: Neues bei der ICRS-Tagung des Jahres 2001 VOR ZWEI JAHREN: - Deutschland: Petitionsausschuss des Bundestages unterstützt medizinische Verwendung von Cannabisprodukten - Wissenschaft: Neues beim Treffen der ICRS - Wissenschaft: Cannabinoide in Schmerzregionen des Rückenmarks ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 20. Juli 2002 ----------------------------------------------------------------- * Großbritannien: Regierung kündigt Entschärfung der Cannabisgesetze an * USA: Höchstes Gericht von Kalifornien urteilt zugunsten von medizinischem Cannabis 1. Großbritannien: Regierung kündigt Entschärfung der Cannabisgesetze an Am 10. Juli erklärte Innenminister David Blunkett dem Parlament, dass Cannabis von einer Droge der Klasse B in die Klasse C heruntergestuft werden soll, was es in die gleiche Kategorie wie anabole Steroide und Wachstumshormone einstufen und seinen Konsum und Besitz zu einem weniger schweren Verbrechen machen würde. "Die Botschaft an junge Menschen und Familien muss offen, ehrlich und glaubhaft sein," erklärte Blunkett. "Cannabis ist eine potenziell schädliche Droge und sollte illegal bleiben. Allerdings, ist es nicht vergleichbar mit Crack, Heroin und Ectasy." Premierminister Tony Blair sagte, dass der Vorschlag keine Entkriminalisierung bedeute und dass er breite Unterstützung bei der Polizei habe, da er ihnen erlauben würde, mehr Zeit für die Bekämpfung härterer Drogen zu verwenden. In Großbritannien führt der Besitz einer Droge der Klasse B zur Zeit zu einer maximalen Strafe von fünf Jahren Gefängnis. Der Besitz einer Droge der Klasse C führt zu einer maximalen Gefängnisstrafe von zwei Jahren, aber diese Strafe wird nur selten auf Ersttäter angewandt. Blunkett erklärte, dass die Polizei in den meisten Fällen von Marihuanabesitz die Droge einfach konfiszieren und den Missetäter verwarnen würde. (Quellen: Reuters vom 10. Juli 2002, AP vom 11. Juli 2002) 2. USA: Höchstes Gericht von Kalifornien urteilt zugunsten von medizinischem Cannabis Medizinische Marihuananutzer sind nach einer Entscheidung des höchsten staatlichen Gerichtes vor kalifornischen Staatsgerichten immun gegenüber strafrechtlicher Verfolgung. Nach dem kalifornischen Gesetz ist der Besitz und der Anbau von Marihuana "nicht krimineller - so lange ihre Bedingungen erfüllt werden - als der Besitz und der Erwerb eines jeden rezeptierfähigen Medikamentes mit einem ärztlichen Rezept," urteilte der kalifornische Supreme Court am 18. Juli. Das Urteil rührt von der Verhaftung und Verurteilung von Myron Mower her, der Cannabis verwendet, um die Komplikationen von Diabetes zu lindern. Das Berufungsgericht bestätigte Mowers Verurteilung. Das Urteil des kalifornischen höchsten Gerichtes schickt den Fall zurück an das Berufungsgericht zu einer neuen Verhandlung. Medizinische Nutzer von Cannabis in Kalifornien, sind allerdings nach dem Bundesgesetz, das Cannabis auch für die medizinische Verwendung verbietet, weiterhin von Strafverfolgung bedroht. (Quelle: AP vom 19. Juli 2002) 3. Kurzmeldungen ***Kanada: Freispruch für Präsident eines Cannabisklubs Am 5. Juli erhielt Philippe Lucas, ein 32-jähriger Mann aus Victoria und Präsident der Vancouver Island Compassion Society, durch das Provinzgericht von Victoria einen vollständigen Freispruch vom Vorwurf des illegalen Cannabisbesitzes. Seine Gesellschaft arbeitete seit 14 Monaten in Oak Bay und versorgte mit stillschweigender polizeilicher Genehmigung Patienten mit Cannabis. Als Lucas einen Einbruch meldete, und dass ein Kilogramm Marihuana gestohlen worden sei, wurde ihm illegaler Besitz vorgeworfen, als er Besitzansprüche an dem gestohlenen Cannabis anmeldete. (Quelle: Victoria Times-Colonist vom 6. Juli 2002) ***USA: Washington DC Wähler des Distrikts von Columbia (Washington DC) könnten eine neue Chance bekommen, über die Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke abzustimmen, nach einer bereits früher erfolgten Abstimmung im Jahre 1998. Am 8. Juli präsentierte das Marijuana Policy Project dem Gremium für Wahlen und Ethik 39.000 Unterschriften von Bürgern, die das Thema zu einem Referendum machen wollen. Wenn wenigstens 17.500 Unterschriften anerkannt werden, wird das Thema im November auf dem Wahlzettel stehen. (Quelle: Washington Post vom 8. Juli 2002) ***Wissenschaft: Dickdarmbewegungen Endocannabinoide sind bei Mäusen ein physiologischer Regulator der Dickdarmbewegung. Forscher fanden, dass Anandamid und der synthetische CB1-Rezeptoragonist WIN 55,212-2 die Dickdarm-Vorbewegung hemmte, eine Wirkung, die durch den selektiven CB1-Rezeptorantagonisten SR141716A gehemmt wurde. Wurde SR141716A allein gegeben, so nahm die Beweglichkeit zu. Zudem wurden große Mengen von Endocannabinoiden (2-AG, Anandamid) im Dickdarm gefunden. (Quelle: Pinto L, et al. Gastroenterology 2002 Jul;123(1):227-234) ***Wissenschaft: Schizophrenie Wissenschaftler fanden, dass ein kleiner Teil der Schizophrenien durch Cannabiskonsum beschleunigt worden sein könnte. Sie befragten ein Kollektiv von 232 Personen mit Erstepisoden von Schizophrenie. 61 Prozent der Patienten mit Drogenmissbrauch (überwiegend Cannabis) und 51 Prozent der Betroffenen mit Alkoholmissbrauch begannen mit dieser Angewohnheit vor Beginn der Erkrankung (= erstes Zeichen der Störung). Missbrauchsbeginn und Krankheitsbeginn traten hochsignifikant innerhalb des gleichen Monats auf. (Quelle: Buhler B, et al. Schizophr Res 2002 Apr 1;54(3):243-51) ***Europa: Cannabisbericht der Gesundheitsminister Das belgische Gesundheitsministerium hat einen Bericht zu einem Treffen am 25. Februar in Brüssel veröffentlicht. Etwa 100 eingeladene Wissenschaftler und Regierungsvertreter nahmen an der wissenschaftlichen Tagung zu Cannabis teil. Sie war von den Gesundheitsministern Belgiens, Hollands, Frankreichs, der Schweiz und Deutschlands initiiert worden. Der 167-seitige englischsprachige Bericht "Cannabis 2002 Report" ist erhältlich bei: Ministry of Public Health, Brussels, Belgium, Telefon: 0032-2-2104807. (Quelle: Cannabis 2002 Report) ***Deutschland: Cannabis und Autofahren Das Bundesverfassungsgericht gab am 12. Juli bekannt, dass alleiniger Cannabisbesitz kein hinreichender Grund sei, die Fahrtauglichkeit in Frage zu stellen. Das Gericht urteile zugunsten eines Autofahrers, dem der Führerschein entzogen worden war, nachdem er sich geweigert hatte, seinen Urin auf Drogen zu untersuchen. Das höchste deutsche Gericht argumentierte, dass es in diesem Fall keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Fahren gegeben habe. (Quelle: Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Juli 2002) 3. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft: Diskussion zum medizinischen Nutzen der Cannabinoide im British Medical Journal - Wissenschaft: Neues bei der ICRS-Tagung des Jahres 2001 (II) VOR ZWEI JAHREN: - Deutschland: Ablehnung von Anträgen zur medizinischen Verwendung von Cannabis durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte - Wissenschaft/USA: Verwendung von Marihuana und THC ist sicher bei AIDS-Patienten unter Protease-Hemmern - Wissenschaft: Neues beim Treffen der ICRS (II) ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 3. August 2002 ----------------------------------------------------------------- * Wissenschaft: Endocannabinoide löschen schlechte Gedanken im Gehirn aus * Wissenschaft: Neues beim Treffen der ICRS des Jahres 2002 (I) 1. Wissenschaft: Endocannabinoide löschen schlechte Gedanken im Gehirn aus Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben gezeigt, dass das endogene Cannabinoidsystem eine zentrale Rolle bei der Auslöschung unangenehmer Erinnerungen spielt. Transgene Mäuse, die keine Gehirn-Cannabinoidrezeptoren (CB1) haben, und Mäuse, die mit einem CB1-Rezeptorantagonisten behandelt worden waren, zeigten in Experimenten eine deutlich beeinträchtigte Auslöschung der Angst. Die Tiere, die darin konditioniert worden waren, einen Musikton mit einem elektrischen Schock zu assoziieren, produzierten eine Angstreaktion und reagierten auch weiterhin auf diese Weise, als der Ton nicht mehr von einem Schock gefolgt wurde. Normale Mäuse hörten schnell damit auf, auf den Ton zu reagieren, wenn er nicht mehr mit einem Schock assoziiert war, aber die behandelten Mäuse brauchten wesentlich länger, um die Angst zu vergessen. Dr. Beat Lutz und sein Team fanden heraus, dass die Amygdala, eine Region des Gehirns, die wichtig für die Speicherung von Erinnerung und Furcht ist, mit Endocannabinoiden überflutet wurde, wenn die Mäuse nach und nach die gelernte Antwort auf den Schock vergaßen. Die Verwendung von Cannabis würde nicht die gleiche Wirkung beim Menschen verursachen, erklärte Lutz, weil es das ganze Gehirn überfluten würde und nicht spezifisch genug sei. Dr. Pankaj Sah, ein Neurowissenschaftler an der australischen nationalen Universität in Canberra sagte in einem Kommentar, dass die jüngsten Befunde erklären könnten, warum einige Menschen mit psychiatrischen Problemen versuchen würden, Linderung mit Marihuana zu finden. Er meinte, dass Menschen mit bestimmten psychiatrischen Problemen sich vielleicht selbst behandeln würden, in einem Versuch, ihren Gehirnen zu helfen, einige schmerzhafte und traumatische Erinnerungen und Gedanken auszulöschen. (Quellen: Marsicano G, et al. The endogenous cannabinoid system controls extinction of aversive memories. Nature 2002 Aug 1;418(6897):530-4; Sah P. Neurobiology: Never fear, cannabinoids are here. Nature 2002 Aug 1;418(6897):488-9; Reuters vom 31. Juli 2002; Seattle Times vom 1. August 2002; Abstract von Giovanni Marsicano et al. bei der ICRS-Tagung von 2002) 2. Wissenschaft: Neues beim Treffen der ICRS des Jahres 2002 (I) Unten finden sich einige Forschungsergebnisse, die beim 12. jährlichen Symposium zu Cannabinoiden der Internationalen Forschungsgesellschaft für Cannabinoide vom 10. bis 14. Juli in den USA (Kalifornien) präsentiert wurden. (Siehe auch die nächsten IACM-Informationen.) (1) Die Wirkungen von Cannabinoiden auf Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems wurden in Tiermodellen untersucht. Autoimmunerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks (EAE) und des Auges (EAU) wurden bei normalen Mäusen und bei transgenen Mäusen, die keine CB1-Rezeptoren besitzen, ausgelöst. Das Fortschreiten der Erkrankung geschah bei den transgenen Mäusen wesentlich schneller als bei normalen Mäusen. Von außen zugeführte Cannabinoide (THC und WIN 55,212-2) produzierten in signifikantem Umfang eine Bewahrung der Retina bei der EAU. Dies legt nahe, dass Cannabinoide einige nervenschützende Eigenschaften bei der multiplen Sklerose aufweisen. (Abstract von Gareth Pryce et al.) (2) Die mögliche Rolle von Endocannabinoiden bei der Hemmung des Wachstums von Dickdarmkrebs wurde in gesundem Gewebe und in Krebsgewebe, die beide durch Biopsien von Menschen gewonnen worden waren, untersucht. Sowohl gesundes als auch krebsiges Dickdarmgewebe exprimierte CB1- und CB2-Rezeptoren. Die Anandamid- und die 2-AG-Konzentrationen im Dickdarmkrebsgewebe waren etwa zweimal so hoch wie in gesundem Dickdarmgewebe. Zudem hemmte Anandamid dosisabhängig das Wachstum von Dickdarmkrebszellen, was durch einen CB1-Rezeptorantagonisten gehemmt wurde. (Abstract von Vinzenzo di Marzo et al.) (3) Das nicht-psychotrope Pflanzencannabinoid Cannabidiol (CBD) reduzierte Entzündung und Schmerzüberempfindlichkeit in einem Rattenmodell für akute Entzündung. Zudem wiesen Tiere, die CBD erhalten hatten, geringere Mengen an Entzündungsparametern auf, eine niedrigere Konzentration von Prostaglandinen E2 (PGE2) im Plasma, eine niedrigere Aktivität der Cyclooxygenase (COX) in der entzündeten Pfote und eine geringere Konzentration von Stickstoffoxid und freien Radikalen in der Pfote. (Abstract von Barbara Costa et al.) (4) Die tägliche gleichzeitige Gabe von niedrigen Dosen THC und Morphin beugte der Toleranzentwicklung des Morphin vor, wie sie bei täglichen Gaben von hohen Morphindosen auftritt, erzielte jedoch ähnliche schmerzlindernde Wirkungen bei Mäusen. (Abstract von Diana C. Cichewicz und Sandra P. Welch) (5) Beim Glaukom kann der Zelltod in der Retina wegen der Giftigkeit des vermehrt gebildeten Neurotransmitters NMDA eintreten. Die Wirkung von Cannabinoiden (CB1-Agonisten) auf den durch NMDA-induzierten Nervenzelltod in der Retina wurde untersucht. Augen, die sowohl mit einem Cannabinoid als auch mit NMDA behandelt worden waren, behielten zweimal so viele Nervenzellen in der Retina wie Augen, die nur dem NMDA ausgesetzt waren, was einen nervenschützenden Effekt des Cannabinoids zeigt. (Abstract von G. Ayoub et al.) (Quelle: Tagungsband des ICRS-Treffens von 2002. Der 182-seitige Tagungsband mit allen Abstracts ist zum Download erhältlich bei: www.cannabinoidsociety.org.) 3. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: THC-Aerosol Ein THC-Aerosol wurde Mäusen mit einem Dosierinhalator verabreicht, um seine physiochemischen und pharmakologischen Eigenschaften zu testen. Die Ergebnisse zeigten, dass die weitere Entwicklung eines THC-Dosierinhalators eine angemessene Applikationsform für die therapeutische Verwendung von Cannabinoiden liefern könnte. (Quelle: Wilson DM, et al. Drug Alcohol Depend 2002 Aug 1;67(3):259-67) ***Zeitschriften: Freiexemplare Freiexemplare des Journal of Cannabis Therapeutics und des neuen Journal of Industrial Hemp sind erhältlich bei: Sample Copy Dept The Haworth Press, Inc. 10 Alice Street Binghamton, NY 13904 USA ***USA: Pressekonferenz am Kapitol Am 24. Juli schlossen sich die Mitglieder des Repräsentantenhauses Barney Frank (Demokrat), Ron Paul (Republikaner), Dana Rohrabacher (Republikaner) und Janice Schakowsky (Demokrat) dem ehemaligen Helfer von Ronald Reagan Lyn Nofziger und einigen Patienten in einer Pressekonferenz am Kapitol in Washington an, um den Kongress aufzufordern, den Staaten zu erlauben, die medizinische Verwendung von Cannabis zu erlauben. (Quelle: AP vom 24. Juli 2002) ***USA: San Francisco Frustriert durch den Entschluss der Bundesregierung, die medizinischen Marihuanaklubs zu schließen, denkt die Stadt San Francisco darüber nach, ihr eigenes Cannabis anzubauen. Ein Gesetzesvorschlag soll auf den Abstimmungszettel für die Wahlen vom November gesetzt werden, der darauf abzielt, dass Stadtvertreter die Möglichkeit erkunden, Marihuana auf öffentlichem Besitz anzubauen und es an kranke Patienten zu verteilen. (Quellen: Associated Press vom 23. Juli 2002, New York Times vom 24. Juli 2002) ***Wissenschaft: Lungenfunktion Die Wirkungen von Cannabis- und Tabakkonsum auf die Lungenfunktion von 900 jungen Erwachsenen aus Neuseeland, die im Alter von 18, 21 und 26 Jahren untersucht worden waren, wurde erforscht. Die Wirkung des kumulativen Cannabiskonsums auf das Verhältnis des forcierten 1-Sekundenausatmungsvolumens (FEV1) und der Vitalkapazität war grenzwertig signifikant (p < 0,09), während Zigarettenrauchen (p < 0,05), Alter (p < 0,001) und Gewicht (p < 0,001) signifikante Vorhersageparameter für die Lungenfunktion waren. (Quelle: Taylor DR, et al. Addiction 2002 Aug;97(8):1055-61) ***Wissenschaft: Apoptose I Ceramid wurde verwendet, um eine Apoptose (programmierter Zelltod) bei Astrozyten (bestimmte Hirnzellen, die keine Nervenzellen sind) auszulösen. Cannabinoide retteten Astrozyten vor der Ceramid-induzierten Apoptose in einer dosis- und zeitabhängigen Weise. (Quelle: Taylor DR, et al. et al. J Biol Chem 2002 Jul 19) ***Wissenschaft: Apoptose II Experimente mit Zellkulturen und Mäusen zeigten, dass die immununterdrückenden Wirkungen von THC zum Teil auf einer Induzierung der Apoptose von Immunzellen beruhen könnten (Quelle: McKallip RJ, et al. J Pharmacol Exp Ther 2002 Aug;302(2):451-65) ***Kanada: Asylsuchende aus den USA Es ist unwahrscheinlich, dass Cannabis rauchende politische Asylsuchende aus den Vereinigten Staaten einen Flüchtlingsstatus in Kanada erhalten werden. Das erklärten Einwanderungsexperten am 23. Juli. Mindestens drei Amerikaner (Steve Kubby, Ken Hayes und Renee Boje) leben in Kanada und argumentieren, dass sie in ihrem Heimatland verfolgt werden, weil sie versucht haben, Marihuana für medizinische Zwecke anzubauen und zu verwenden. (Quelle: Globe and Mail vom 24. Juli 2002) ***Wissenschaft: Dexanabinol Am 24. Juli erhielt Pharmos Corporation die Genehmigung des israelischen Gesundheitsministeriums, Dexanabinol zur Vorbeugung von leichten kognitiven Beeinträchtigungen, die nach Herzoperationen auftreten können, zu testen. Dexanabinol ist ein nicht-psychotroper THC-Abkömmling. Eine Abnahme der Denkleistung nach Herzoperationen wurde bis vor zwei Jahren nicht als großes Problem angesehen. Dann zeigte eine Studie, dass die Beeinträchtigung, die durch die Unterbrechung des Blutflusses zum Gehirn während der Operation auftritt, lang andauert. (Quelle: Jerusalem Post vom 25. Juli 2002) 4. VOR EINEM JAHR: - Kanada: Neue Regelungen zur medizinischen Verwendung von Marihuana treten in Kraft - Wissenschaft: Studie mit gerauchtem Cannabis durch kanadische Regierung gefördert VOR ZWEI JAHREN: - IACM: Erstes Treffen bei der Biorohstoff Hanf im September - Kanada: Der höchste Gerichtshof von Ontario nennt Marihuana-Gesetzgebung verfassungswidrig - Deutschland: Vier Tage Biorohstoff Hanf mit einem Tag zu den Cannabinoiden - Wissenschaft: Erhöhte Spiegel von Endocannabinoiden im Globus pallidus assoziiert mit Bewegungsabnahme in einem Tiermodell der Parkinson-Krankheit ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 17. August 2002 ----------------------------------------------------------------- * Kanada: Razzia in medizinischem Cannabisklub von Toronto * Wissenschaft: Neues beim Treffen der ICRS des Jahres 2002 (II) * Wissenschaft: Cannabinoidrezeptor-Blocker bei Fettsucht 1. Kanada: Razzia in medizinischem Cannabisklub von Toronto Vier Personen wurden am 13. August verhaftet, nachdem die Polizei eine Razzia im "Compassion Centre" von Toronto, der medizinisches Marihuana an mehr als 1,200 Personen verkaufte, durchgeführt hatte. Den Vieren wurde der Handels mit Betäubungsmittel sowie der Besitz mit der Absicht, damit zu handeln, vorgeworfen. Der Klub wurde seit mehr als vier Jahren offen betrieben. Die Klienten benötigten einen Brief mit der Diagnose von ihrem Arzt. Die Polizei gab keine Erklärung zu ihren Motiven für die Razzia ab. Ein Beamte erklärte, dass sie von ihrem Vorgesetztem den Befehl erhalten hätten, den Fall nicht zu diskutieren. "Wir hatten den Eindruck, dass sie nicht glücklich mit dem waren, was wir taten, aber sie haben weggeschaut, weil sie wussten, dass ich nichts an Kinder verkauft habe," erklärte Warren Hitzig, der Gründer und frühere Direktor des Zentrums und einer der Verhafteten, nachdem er am 14. August freigelassen worden war. Hitzig ist es nun untersagt, sein früheres Büro zu betreten. Die Zukunft des Klubs ist unklar. Ein anderes medizinisches Cannabiszentrum, das CALM (Cannabis as a Living Medicine), existiert noch. (Quellen: Toronto Star vom 14. and 16. August 2002) 2. Wissenschaft: Neues beim Treffen der ICRS des Jahres 2002 (II) Unten finden sich einige weitere Forschungsergebnisse, die beim 12. jährlichen Symposium zu Cannabinoiden der Internationalen Forschungsgesellschaft für Cannabinoide vom 10. bis 14. Juli in den USA (Kalifornien) präsentiert wurden. (Siehe auch die letzten IACM-Informationen.) (1) Denkleistung: Es wurde eine Metaanalyse von 39 Studien durchgeführt, um zu untersuchen, ob regelmäßiger Cannabiskonsum langzeitige Konsequenzen auf das zentrale Nervensystem haben könnte. Die Forscher folgerten: "Die Studien, die unsere Kriterien erfüllten, erbrachten keine Basis für die Folgerung, dass langzeitiger Cannabiskonsum mit einem generalisierten neurokognitiven Rückgang assoziiert ist, mit der möglichen Ausnahme von leichten Verminderungen im Bereich des Erlernens neuer Informationen." (Abstract von Igor Grant et al.) (2) Depressionen: In einem Mäusemodell der menschlichen Depression zeigte das natürliche Cannabinoid CBD, jedoch nicht THC, ähnliche antidepressive Wirkungen wie ein bekanntes antidepressives Medikament (Imipramin). (Abstract von Richard Musty et al.) (3) Entzündung: Die Botenstoffe Interleukin-1-Beta und Tumornekrosefaktor Alpha tragen zur Entzündung und zum Fortschreiten der Gelenkzerstörung bei der Arthritis bei. Das Cannabinoid ajulämische Säure (CT3) reduzierte den Spiegel und die Ausschüttung von Interleukin-1-Beta in menschlichen Blutzellen, ohne die Konzentration von Tumornekrosefaktor Alpha zu beeinflussen. (Abstract von Bonnie Bidinger et al.) (4) Schwangerschaft: Kinder im Alter von 13 bis 16 Jahren, deren Mütter Cannabis oder Tabak während der Schwangerschaft konsumiert hatten, wurden getestet. Die Ergebnisse zeigten, dass die vorgeburtliche Exposition mit Cannabis keine Wirkung auf die globale Intelligenz hatte, jedoch mit einer verminderten Leistung bei Aufgaben, die visuelles Gedächtnis, Analyse und Integration von Informationen benötigen, verbunden waren. Vorgeburtliche Tabakexposition war mit globaler Intelligenz und Gehörgedächtnis assoziiert. (Abstract von Peter Fried et al.) (Quelle: Tagungsband des ICRS-Treffens von 2002. Der 182-seitige Tagungsband mit allen Abstracts ist zum Download erhältlich bei: www.cannabinoidsociety.org.) 3. Wissenschaft: Cannabinoidrezeptor-Blocker bei Fettsucht Eine kleine Phase-II-Studie des französischen Unternehmens Sanofi-Synthelabo bei Fettsüchtigen mit dem Cannabinoidrezeptor-Blocker SR141716 (Rimonabant) wurde gerade abgeschlossen. In der 16-wöchigen Studie verlor die Gruppe, die die höchste Dosis Rimonabant erhalten hatte, durchschnittlich 4 kg an Gewicht. SR141716 blockiert den CB1-Rezeptor. Dieser Rezeptor wird durch THC aktiviert und vergrößert den Appetit. Rimonabant verursachte einige Nebenwirkungen im Magendarmbereich, wurde jedoch im Allgemeinen gut vertragen, erklärte ein Sprecher von Sanofi. Im August 2001 initiierte das Unternehmen Phase-III-Studien mit Rimonabant, mit insgesamt 6180 Patienten. Die erste Studie ist eine zweijährige nordamerikanische Studie mit 2800 Patienten, bei der Dosen von 5 mg und 20 mg Rimonabant mit Plazebo bei der Gewichtsreduzierung und der Vorbeugung von erneuter Gewichtszunahme verglichen werden. Eine ähnliche Studie mit 1400 Patienten wird in Europa durchgeführt. Neben diesen Studien führt Sanofi zwei weitere Studien mit je 990 Personen durch, die die Wirkungen des Medikaments bei Diabetes und Fettstoffwechselstörungen untersuchen. (Quelle: Associated Press vom 14. August 2002) 4. Kurzmeldungen ***Kanada: 800 Kanadier dürfen Cannabis verwenden Seit dem 30. Juli 2001, als das kanadische Gesundheitsministerium die neuen Zugangsregeln einführte, die kranken Kanadiern die Verwendung von Cannabis erlauben, wurde 315 neuen Patienten eine solche Erlaubnis erteilt. Das ist etwa einer pro Tag. 472 Personen hatten bereits eine Ausnahmegenehmigung von der Strafverfolgung unter einem vorausgehenden Gesetz erhalten. Die Zahl der legalen Marihuanakonsumenten beläuft sich also heute auf 786. Von diesen bauen 208 ihre eigenen Pflanzen mit persönlichen Anbaugenehmigungen an. (Quelle: Calgary Sun vom 3. August) ***Wissenschaft: Psychose Eine dreijährige Längsschnittstudie der Allgemeinbevölkerung von 4045 Psychose-freien Personen und von 59 Personen mit der Diagnose einer psychotischen Störung wurde in den Niederlanden durchgeführt. Cannabiskonsum erhöhte bei den Psychose-freien Personen innerhalb der Untersuchungszeit das Risiko, psychotisch zu werden, und war mit einer schlechteren Prognose bei Personen mit psychotischen Störungen verbunden. (Quelle: Van Os J, et al. Am J Epidemiol 2002 Aug 15;156(4):319-27) 5. VOR EINEM JAHR: - Kanada: GW Pharmaceuticals beginnt klinische Studien in Kanada VOR ZWEI JAHREN: - USA: Juristische Auseinandersetzung um die Öffnung der Oakland Cannabis Buyers Cooperative - Belgien: Seminar zu Marihuana im Parlament ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 31. August 2002 ----------------------------------------------------------------- * Kanada: Verwirrung über Pläne der Gesundheitsministerin * Wissenschaft: Britische Umfrage zu Cannabis bei multipler Sklerose 1. Kanada: Verwirrung über Pläne der Gesundheitsministerin Gesundheitsministerin Anne McLellan erklärte am 19 August vor der kanadischen medizinischen Gesellschaft, dass sie "einen gewissen Grad an Unbehagen" dabei empfinde, Cannabis, das für ein Regierungsprogramm in einer verlassenen Kupfermine in Flin Flon (Manitoba) angebaut wurde, an Patienten zu verteilen. Sie erklärte, dass sie warten will, bis wissenschaftliche Studien bewiesen haben, dass Cannabis sicher ist, bevor sie es an Patienten abgeben will. Dies führte zu Vermutungen, dass die Regierung ihre Politik hinsichtlich des medizinischen Cannabisprojektes deutlich verändern wird. Studien haben noch nicht begonnen und werden mehrere Jahre dauern. Ursprünglich sollte das in der Mine angebaute Cannabis gleichzeitig für klinische Forschung und für die Verteilung an Patienten verwendet werden. McLellan machte allerdings klar, dass die Gesetze, die Menschen mit bestimmten Erkrankungen erlauben, besondere Ausnahmegenehmigungen zu beantragen, die ihnen erlauben, Cannabis zur Linderung ihrer Symptome zu verwenden, in Kraft bleiben. "Wir haben 855 solcher Personen. Es werden weiterhin Anträge gestellt," erklärte McLellan. (Quellen: National Post vom 29. August 2002, Toronto Star vom 26. August 2002, Edmonton Sun vom 21. August 2002) 2. Wissenschaft: Britische Umfrage zu Cannabis bei multipler Sklerose Eine Umfrage unter Patienten mit multipler Sklerose, die in England leben, fand, dass 45 Prozent Cannabis zur Linderung von Spasmen in den Beinen oder ihrer Schmerzen verwenden. Diese Ergebnisse wurden beim 10. Weltschmerzkongress vorgestellt. Der Neurologe Dr. M. Sam Chong vom King's-College-Krankenhaus in London erklärte, dass die "Verwendungsrate in der Tat höher ist, als erwartet." Er sagte, dass etwa die Hälfte der Patienten mit der Verwendung von Cannabis erst nach der Diagnosestellung begonnen haben. Bei 74 Prozent wurden die Spasmen in den Beinen beseitigt oder kontrolliert, während 54 Prozent angaben, dass sie Cannabis zur Schmerzlinderung nutzten. Die 15-seitige Umfrage wurde an 300 MS-Patienten verschickt, die sich in einer MS-Patientendatenbank befanden, die von der neurologischen Abteilung und auswärtigen Kliniken verwendet wird. 258 Fragebögen wurden zurückgeschickt. Er erklärte, dass Patienten, die stärkere Symptome angaben, auch wahrscheinlicher Cannabis verwendeten als Patienten mit leichteren oder mäßig starken Symptomen. (Quelle: United Press International vom 18. August 2002) 3. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: Juckreiz Juckreiz aufgrund von Lebererkrankungen kann schwierig zu behandeln sein und ist häufig therapieresistent gegenüber einer Anzahl medizinischer Behandlungsmaßnahmen. Drei Patienten mit therapieresistentem Juckreiz und erheblich reduzierter Lebensqualität, inklusive Schlafmangel, Depressionen, Arbeitsunfähigkeit und Selbstmordgedanken erhielten THC (Dronabinol). Alle Patienten begannen mit 5 mg THC zur Schlafenszeit. Alle drei berichteten von einer Abnahme des Juckreizes und einer deutlichen Verbesserung des Schlafes. Die Dauer der juckreizstillenden Wirkung betrug etwa 4 bis 6 Stunden. (Quelle: Neff GW, et al. Am J Gastroenterol 2002;97(8):2117-9) ***USA: Mikuriya angeklagt Dr. Tod Mikuriya, ein Psychiater aus Berkeley (Kalifornien) und bekannter Unterstützer der medizinischen Verwendung von Cannabis, der innerhalb der vergangenen fünf Jahre etwa 6.000 Kaliforniern die Verwendung von Marihuana empfohlen hatte, wird von der Ärztekammer "unprofessioneller Handlungsweise" in 18 Fällen vorgeworfen. Nicht einer der 18 Beschwerden sei von einem Patienten initiiert worden, erklärte Mikuriya. Alle seien von Polizei, Sheriffs und Drogenbehörde an die Kammer geschickt worden. (Quelle: Anderson Valley Advertiser vom 14. August 2002) ***Wissenschaft: Schmerzen 15 Patienten mit chronischen Schmerzen, die angaben, Cannabis medizinisch zu verwenden, nahmen an einer Befragung in Kanada teil. Die mediane Häufigkeit der Einnahme war viermal am Tag (Spanne: 1 bis 16mal am Tag). Zwölf berichteten von einer Verbesserung der Schmerzen und der Stimmung, und 11 berichteten von einem verbesserten Schlaf. Eine Toleranzentwicklung wurde nicht berichtet. (Quelle: Ware MA, et al. Pain Res Manag 2002;7(2):95-9) ***Deutschland: Mehrheit gegen Kriminalisierung Die Mehrheit der Deutschen lehnt eine Strafverfolgung von Cannabisbesitzern ab. Nach einer Umfrage des Emnid-Instituts votierten 36,4 Prozent der 1007 Befragten dafür, diesen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ähnlich dem Falschparken nur als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. 26,0 Prozent wollten sogar eine Legalisierung des Drogenbesitzes. 35,7 Prozent sprachen sich für eine weitere Strafverfolgung aus. (Quelle: dpa) ***Wissenschaft: Abhängigkeit Je jünger jemand ist, wenn er zum ersten Mal Marihuana nimmt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie im späteren Leben abhängig von illegalen Drogen wird. Dies erklärten Wissenschaftler der US-Regierung am 28. August. Der Bericht, der auf repräsentativen Daten (National Household Survey) basiert, fand, dass 18 Prozent der Erwachsenen, die angaben, Cannabis zum ersten Mal vor dem 15. Lebensjahr genommen zu haben, die Kriterien entweder von Abhängigkeit oder von Missbrauch von Alkohol oder illegalen Drogen erfüllten, verglichen mit 2,1 Prozent, die erklärten, niemals Marihuana genommen zu haben. (Quelle: Reuters vom 28. August 2002) 4. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft: Cannabis weniger wirksam gegen Erbrechen als Serotonin-Antagonisten VOR ZWEI JAHREN: - USA: Zentrum für medizinische Cannabisforschung an der Universität von Kalifornien - Wissenschaft: THC-Abkömmling CT-3 sicher in klinischer Phase-I-Studie - USA: Oberster Gerichtshof stoppt die Verteilung von Marihuana in Kalifornien ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 14. September 2002 ----------------------------------------------------------------- * Kanada: Ausschuss des Senats zu Drogen empfiehlt Legalisierung von Cannabis * USA: Stadt plant, mit der Verteilung von Cannabis zu protestieren * Kanada: Klinische Studien könnten fünf Jahre dauern 1. Kanada: Ausschuss des Senats zu Drogen empfiehlt Legalisierung von Cannabis Der von Kanadas Senat eingesetzte Sonderausschuss zu illegalen Drogen empfahl am 4. September einstimmig, dass die Regierung den Cannabiskonsum legalisieren und ähnlich reguliert wie Alkohol verkaufen solle. "Im Wesentlichen empfiehlt der Ausschuss, dass Marihuana von jetzt an legalisiert werden und für einen eingeschränkten Konsum verfügbar sein soll, so dass Kanadier wählen können, ob sie es konsumieren wollen oder nicht," erklärte der Ausschussvorsitzende Senator Pierre Claude Nolin. "In einer freien Gesellschaft wie der unseren bleibt es jeder Person überlassen, ob sie Cannabis verwenden will oder nicht. Wir wollen zu diesen Konsum nicht mehr ermutigen als zum Konsum von Alkohol," fügte er hinzu. Der Ausschuss folgerte in einem 600-seitigen Bericht, dass Cannabis keine sogenannte Einstiegsdroge und tatsächlich weniger gefährlich als Alkohol sei. Im Bericht heißt es, dass das "Verbot von Cannabis die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kanadier wesentlich mehr gefährdet als die Substanz selbst." Hinsichtlich des medizinischen Nutzens stellte der Ausschuss fest, dass es "klare, wenn auch nicht endgültige Hinweise auf einen therapeutischen Nutzen von Marihuana bei den folgenden Zuständen gibt: Schmerzlinderung bei chronischen Schmerzen, Antispastik bei multipler Sklerose, Antikonvulsion bei Epilepsie, Brechreizhemmung bei Chemotherapie und Appetitanregung bei Kachexie [Abmagerung]." Die Berichte des Sonderausschusses zu illegalen Drogen sind erhältlich unter: http://www.parl.gc.ca/illegal-drugs.asp (Quellen: Senate Special Committee on Illegal Drugs. Cannabis: Our Position for a Canadian Public Policy. Senate of Canada. September 2002; Reuters vom 4. September 2002; Associated Press vom 4. September 2002) 2. USA: Stadt plant, mit der Verteilung von Cannabis zu protestieren Mitglieder der städtischen Verwaltung von Santa Cruz (Kalifornien) planen, sich medizinischen Marihuanakonsumenten bei einer Abgabeaktion an der Stadthalle in der nächsten Woche anzuschließen. Sie hoffen damit eine Botschaft an die Bundesbehörden zu senden, dass medizinisches Marihuana in Santa Cruz willkommen ist. Die Einladung kommt eine Woche, nachdem Beamte der Bundesdrogenbehörde (DEA, Drug Enforcement Agency) die Besitzer einer Cannabisfarm, Valerie and Michael Corral, verhaftet und 130 Pflanzen, die für die medizinische Verwendung angebaut worden waren, beschlagnahmt hatten. "Es ist in meinen Augen absolut widerlich, dass Geld, Energie und Zeit der Bundesbehörden verwendet wird, um solche Leute zu plagen," sagte die zweite Bürgermeisterin Emily Reilly, die plant, am 17. September mit mehreren Stadtratskollegen in einem Garten-ähnlichen Hof der Stadthalle medizinisches Marihuana an kranke Leute zu verteilen DEA-Sprecher Richard Meyer war von dem Plan überrascht. "Ich bin schockiert, dass Mitglieder der Stadtverwaltung auf diese Weise die Verwendung von Marihuana fördern," erklärte er. "Welches Signal sendet das an unsere Jugend?" (Quellen: Associated Press vom 6. und 11. September 2002) 3. Kanada: Klinische Studien könnten fünf Jahre dauern Klinische Studien mit inhaliertem Cannabis, die von Bundesgesundheitsministerin Anne McLellan gefordert werden, könnten mehr als fünf Jahre bis zu ihrem Abschluss dauern. Das erklärte Dr. Mark Ware von der McGill Universität in Montreal am 11. September. Im Juli 2001 gab die Universität bekannt, dass Dr. Ware eine bundesbehördliche Genehmigung für Kanadas erste klinische Studie mit Marihuana bei Schmerzen erhalten habe. Es war geplant, dass die einjährige Studie am Allgemeinen Krankenhaus von Montreal im Januar beginnen sollte. "Tatsächlich haben war aber noch nicht begonnen," sagte Ware. Eine "Anzahl von Anforderungen", inklusive Importgenehmigungen, mit denen Cannabis aus den Vereinigten Staaten geholt werden soll, müssten noch erfüllt werden, erklärte er. Die Studie würde 32 Patienten mit chronischen Schmerzen einschließen. Weitere Studien würden folgen. (Quelle: Montreal Gazette vom 12. September 2002) 4. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: Schmerzen Forscher des Gesundheitszentrums der McGill Universität in Montreal (Kanada) stellten einen Fallbericht vor, ein "dramatisches Ansprechen auf inhaliertes Cannabis bei einer Frau mit zentralen thalamischen Schmerzen und Dystonie". Die Frau leidet seit mehr als zehn Jahren an starken Schmerzen und halbseitiger Dystonie. Einige Hirnoperationen wurden durchgeführt. Eine Vielzahl weiterer Behandlungen, inklusive Opiate, waren ebenfalls erfolglos. Das Rauchen von Cannabis führte zu einer vollständigen Schmerzlinderung. Trotz des abrupten Absetzens der hochdosigen Morphinbehandlung berichtete die Frau unter Cannabis von keinem Opiatentzug. (Quelle: Chatterjee A, et al. J Pain Symptom Manage 2002;24(1):4-6) ***USA: Symposium Ein Symposium zu Cannabinoiden in der Schmerzbehandlung wird am 28. September in Reno (Nevada) als Teil des 13. jährlichen klinischen Treffens der amerikanischen Akademie für Schmerzbehandlung durchgeführt. Referenten sind Philip Robson, John McPartland, Ethan Russo, Mark Ware, William Notcutt, Petra Makela und Igor Grant sein. (Quelle: www.aapainmanage.org) ***Wissenschaft: Wirkungen auf Blase und Gebärmutter Wissenschaftler bemerkten gegensätzliche Wirkungen eines synthetischen Cannabinoids auf die Beweglichkeit der Blase und der Gebärmutter von Ratten. Das Cannabinoid reduzierte die Beweglichkeit der Blase und steigerte die Beweglichkeit der Gebärmutter, beides vermutlich durch Aktivierung von CB1-Rezeptoren. (Dmitrieva N, Berkley KJ. J Neurosci 2002;22(16):7147-53) 5. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft/Großbritannien: 77 Prozent zeigten Linderung in Schmerzstudien von GW - Wissenschaft/Großbritannien: 200 Patienten in Multiple-Sklerose-Studie des MRC aufgenommen VOR ZWEI JAHREN: - USA: Bundesrichter entschied, dass kalifornische Ärzte Marihuana empfehlen dürfen - Kanada: Minister kündigt neue Herangehensweise bei der medizinischen Verwendung von Cannabis an ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 28. September 2002 ----------------------------------------------------------------- * Wissenschaft: Cannabinoide hemmen die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit * USA: Proteste unterstützt durch Vertreter der Stadtverwaltung von Santa Cruz 1. Wissenschaft: Cannabinoide hemmen die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit Dr. Nathaniel Milton von der medizinischen Fakultät des Königlichen Freien und Universitätskollegs in London fand, dass Cannabinoide in der Lage waren, Nervenzellen vor der Giftigkeit von Amyloid-Beta zu schützen. Dies könnte dabei helfen, der Entstehung der Alzheimer-Krankheit vorzubeugen. Das Gehirn eines Alzheimer-Kranken enthält abnorme Ablagerungen, die "Plaques" oder "Knäuel" genannt werden. Es gibt Proteine, die im Zusammenhang mit diesen Ablagerungen stehen, die Amyloid-Beta-Protein und Tau-Protein genannt werden. Man nimmt an, dass erhöhte Gehirnspiegel von Amyloid-Beta zu einer Anhäufung diese Proteins führen, so dass sich Plaques bilden, die Nervenschäden verursachen. In seiner Forschungsarbeit, die in der Zeitschrift Neuroscience Letters veröffentlicht werden soll, und die auch bei einer Konferenz zu Neurobiologie und Altern in diesem Oktober in Florida vorgestellt werden soll, berichtet Milton, dass Cannabinoide verhindern können, dass Amyloid-Beta Nervenzellen abtötet. "Meine grundlegenden Hypothese," erklärt er," ist, dass Amyloid-Beta in die Neuronen aufgenommen wird, wo es phophoryliert wird und sie tötet. Es sind diese toxische Wirkungen, der Cannabinoide vorbeugen." Milton entdeckte dies durch Inkubation von menschlichen Nervenzellen in Kulturen, die er dann mit Amyloid-Beta vergiftet hat. Wenn er Cannabinoide hinzu gab, war Amyloid-Beta offensichtlich nicht länger toxisch. Werden wir in der Zukunft sehen, dass Cannabiskonsumenten immun gegen die Alzheimer-Krankheit sind? Milton sagt, dass dies nicht so sein werde, weil seine Forschung nicht nur die Fähigkeit von Cannabinoiden zeige, vor dem Gehirnzelltod bei der Alzheimer-Krankheit zu schützen, sondern ebenfalls, dass zuviel davon toxisch sei. (Quelle: The Guardian Unlimited vom 26. September 2002) 2. USA: Proteste unterstützt durch Vertreter der Stadtverwaltung von Santa Cruz Befürworter von medizinischem Marihuana - begleitet von Mitgliedern der Stadtverwaltung von Santa Cruz (Kalifornien) - verteilten am 17. September Cannabis an ein Dutzend kranke Menschen an der Stadthalle. "Santa Cruz ist ein besonderer Ort, und heute lassen wir die Welt wissen, wie mitfühlend wir sein können," erklärte Bürgermeister Christopher Krohn. Mehr als 1.000 Bürger der Stadt zwängten sich in den Garten-ähnlichen Hof für eine unterstützende Demonstration während der Abgabeaktion, um gegen die jüngste Razzia einer örtlichen Cannabisanbaukooperative durch die US-Regierung zu protestieren. Kalifornische Kooperativen verteilen Cannabis an Patienten seit 1996, als die kalifornischen Wähler eine medizinische Marihuanainitiative annahmen. Aber Drogenbeamte der Bundesbehörden haben in den vergangenen Monaten Razzien in mehreren solcher Kooperativen durchgeführt. Das kalifornische Gesetz, das die medizinische Verwendung von Marihuana erlaubt, stand immer im Konflikt mit dem Bundesgesetz. Der Sprecher der Drogenbehörde Richard Meyer sagte, er sei entsetzt über den Vorgang, und fürchtete die Gemeinde sende eine gefährliche Botschaft an ihre Kinder. (Quellen: Reuters vom 17. September 2002, AP vom 17. September 2002, New York Times vom 18. September 2002) 3. Kurzmeldungen ***Deutschland: Weitere Liberalisierung der Cannabisgesetze? Die sozialdemokratische Partei (SPD) und die Grünen werden nach der gewonnen Wahl am 22. September weiterhin die Bundesregierung bilden. Es könnte eine Veränderung im Widerstand der SPD gegen liberalere Drogengesetze geben, wie dies von den Grünen gefordert wird. In einem internen Papier lehnt die SPD eine vollständige Legalisierung von weichen Drogen ab, will aber die weitere Entkriminalisierung des Besitzes kleiner Mengen vorantreiben. (Quelle: dpa vom 27. September 2002) ***Wissenschaft: Wechselwirkung entzündungshemmender Medikamente und THC Nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Aspirin und Indometacin vermindern die schmerzlindernden Wirkungen der Cannabinoide. Umgekehrt vermindert die chronische Verwendung von THC auch die Wirksamkeit nichtsteroidaler Entzündungshemmer, möglicherweise durch Änderung des Cyclooxygenase-Systems. (Quelle: Anikwue R, et al. J Pharmacol Exp Ther 2002 Oct;303(1):340-6) ***USA: Washington D.C. Bemühungen, die Verwendung von Marihuana für medizinische Zwecke im Distrikt von Columbia zu legalisieren, wurden blockiert, nachdem ein Bundesberufungsgericht am 19. September ohne Begründung eine frühere Gerichtsentscheidung überstimmte. Diese Entscheidung beendet eine 14-monatige Kampagne des Marihuana-Politik-Projektes, den Wählern von Washington D.C. im November 2002 erneut die Marihuana-Initiative zur Abstimmung vorzulegen. Dies ist das zweite Mal, dass die Gesetzvorlage im Distrikt blockiert wurde. (Quelle: Washington Post vom 20. September 2002) ***UK: Mowlan fordert Drogenlegalisierung Mo Mowlam drängt die britische und die US-Regierung, den Krieg gegen der Terrorismus durch die Legalisierung des internationalen Drogenhandels zu bekämpfen, anstatt "Zivilisten in muslimischen Ländern zu bombardieren". Nach Aussage der ehemaligen Ministerin, die für die Drogenpolitik verantwortlich war, würde die Legalisierung von Drogen den Terroristen die finanzielle Unterstützen entziehen und ihre Aktivitäten stoppen. (Quelle: PA News vom 18. September 2002) 4. VOR EINEM JAHR: - Wissenschaft: Cannabis und THC verbessern die Blasenfunktion bei MS und Querschnittslähmung VOR ZWEI JAHREN: - IACM: Grundsätze und Strukturen der IACM - Kanada: Marihuana innerhalb eines Jahres vom Gesundheitsministerium erhältlich - USA: Patent für Cannabinoid-Pflaster ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 12. Oktober 2002 ----------------------------------------------------------------- ======================================== S c h w e d i s c h e Version nun verfügbar. Anmeldung unter: www.cannabis-med.org/swedish/subscribe.htm ======================================== * Wissenschaft/Kanada: Klinische Studie mit gerauchtem Cannabis bei HIV/AIDS hat begonnen * Wissenschaft/Deutschland/Schweiz: Aufnahmestop in einer klinischen Studie mit Cannabisextrakt bei Gewichtsverlust von Krebspatienten 1. Wissenschaft/Kanada: Klinische Studie mit gerauchtem Cannabis bei HIV/AIDS hat begonnen Das kommunale Forschungsinstitut von Toronto und das St.-Michaels-Krankenhaus in Toronto kündigten am 9. Oktober den Start der ersten kanadischen, regierungsunterstützten Studie zur Beurteilung der appetitanregenden Wirkungen von gerauchtem Cannabis bei HIV/AIDS an. Die Pilotstudie unter der Leitung von Dr. Kevin Gough vom St.-Michaels-Krankenhaus wird zudem die Sicherheit kurzzeitiger Expositionen gegenüber verschiedenen Cannabisstärken testen, sowie die Wechselwirkungen mit HIV-Medikamenten. Sekundäre Fragestellungen umfassen die Wirkung von gerauchtem Marihuana auf Übelkeit, Schmerzen, Stimmung und neurokognitive Funktionen. Anders als frühere Cannabisstudien wird das Team aus Toronto die Forschung mit ambulanten Patienten durchführen. Die Studie wird mit einem kreuzkontrollierten Studienplan durchgeführt, was bedeutet, dass alle Patienten Cannabis mit verschiedenen THC-Konzentrationen zu verschiedenen Zeiten erhalten werden, inklusive eines Plazebo-Cannabis ohne THC. Die Ergebnisse der Pilotstudie werden helfen, eine größere, klinische Multicenter-Studie in Kanada zu entwickeln. (Quellen: Canada NewsWire vom 9. Oktober 2002, Toronto Star vom 9. Oktober 2002) 2. Wissenschaft/Deutschland/Schweiz: Aufnahmestop in einer klinischen Studie mit Cannabisextrakt bei Gewichtsverlust von Krebspatienten Für eine große Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit eines oralen Cannabisextraktes im Vergleich mit THC und Placebo bei Krebspatienten mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, die seit November 1999 in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden durchgeführt wurde, ist nun von der Studienleitung ein Aufnahmestop ausgesprochen worden. Bei einer im September 2002 durchgeführten Zwischenauswertung fanden sich nach jeweils sechswöchiger doppelblinder Behandlung hinsichtlich des Appetits und der Lebensqualität keine relevanten Unterschiede zwischen den Patienten, die täglich 5 mg THC in einem Cannabisextrakt, 5 mg THC oder ein Placebo erhalten hatten. Insgesamt gingen 156 Patienten aus 25 Studienzentren, darunter Universitätskliniken in Aachen, Berlin, Bonn, Jena, Leipzig und Tübingen, in die Zwischenauswertung ein. Mit den Ergebnissen der Abschlussauswertung, die dann 236 Patienten umfassen wird, ist ab Frühjahr 2003 zu rechnen. In einer Erklärung wies die Studienleitung, bestehend aus Prof. Thomas Cerny, Dr. Florian Strasser (Kantonsspital St. Gallen/Schweiz), und Dr. Martin Schnelle (Institut für onkologische und immunologische Forschung, Berlin), darauf hin, dass die drei Patientengruppen auch keine relevanten Unterschiede hinsichtlich der Nebenwirkungen aufwiesen, so dass die "in der Studie verwendete Dosierung von 5 mg THC pro Tag offensichtlich zu gering" gewesen sei. Es wird daher zur Zeit ein neuer Studienplan erarbeitet, der neben einer höheren Dosierung auch weitere Verbesserungsmöglichkeiten berücksichtigt. Es sollte gegenwärtig vermieden werden, "voreilige Schlüsse zu ziehen, da die in dieser Studie gestellten Fragen weiterhin unbeantwortet bleiben und weiterer Studien bedürfen," heißt es in der Erklärung. (Quelle: Erklärung der Studienleitung vom 7. Oktober 2002) 3. Kurzmeldungen ***Kanada: Legale Marihuanafabrik Eine Gruppe kündigte am 30. September die offizielle Eröffnung der - wie sie es selbst ausdrücken - ersten kanadischen Marihuanafabrik an. Die Einrichtung in Vancouver soll aus 110 Cannabispflanzen feuchte dunkle Pillen machen, die sich leicht in Olivenöl oder Butter auflösen, damit sie mit der Nahrung aufgenommen werden können. Der Sprecher der Gruppe Michael Maniotis erklärte, die Fabrik laufe unter einer Lizenz des kanadischen Gesundheitsministeriums, die Schwerkranke von den Marihuanagesetzen ausnimmt. Die THC-Pillen, die in der Fabrik hergestellt werden, werden umsonst an drei Lizenznehmer abgegeben. (Quelle: Globe and Mail vom 30. September 2002) ***Großbritannien: Letzter Patient aufgenommen Der medizinische Forschungsrat hat bekannt gegeben, dass es den letzten von 660 Patienten in einer 1,9 Millionen Euro-Studie, die die Wirksamkeit von oralem Cannabis bei multipler Sklerose untersucht, aufgenommen hat. Dr. John Zajicek vom Derriford-Krankenhaus in Plymouth leitet die Studie, die den gleichen kapsulierten Cannabisextrakt verwendet wie die deutsch-schweizerische Studie mit Krebspatienten (siehe oben). Die Ergebnisse werden im Mai oder Juni 2003 erwartet. (Quellen: Reuters vom 3. Oktober 2002, Independent vom 7. Oktober 2002) ***USA: Neumexiko Nach einer aktuellen Umfrage in Neumexiko würden 72 Prozent der Befragten eine "Legalisierung des Marihuanakonsums durch jene, die an schweren Erkrankungen leiden, um Schmerzen und andere Symptome zu lindern," befürworten. (Quelle: Santa Fe New Mexican vom 5. Oktober 2001) ***USA: Koalition für die Umstufung von Cannabis Eine Koalition von Organisationen, die den medizinischen Zugang zu Cannabis befürworten, übergaben der Drogenbehörde (Drug Enforcement Administration, DEA) am 9. Oktober 2002 eine ausführliche Umstufungspetition. Unter den zwölf Mitgliedern der Koalition sind die American Alliance for Medical Cannabis, National Organization for the Reform vom Marijuana Laws, Jon Gettman und Patients Out of Time. Mehr unter: http:// www.drugscience.org (Quelle: Pressemitteilung der Coalition for Rescheduling Cannabis vom 9. Oktober 2002 ***USA: Kalifornien Vier Kläger haben am 9. Oktober vor einem Bundesgericht Klage gegen US-Generalstaatsanwalt John Ashcroft und Asa Hutchinson, Leiter der Drogenbehörde DEA, eingereicht. Sie fordern darin eine gerichtliche Verfügung, die die Bundesregierung daran hindert, Menschen wegen der medizinischen Verwendung von Cannabis, die nach staatlichem Gesetz erlaubt ist, zu verhaften. Zwei der Kläger, Angel McClary Raich und Diane Monson, sind Patienten mit schweren Erkrankungen. (Quelle: CNN vom 10. Oktober 2002) ***Großbritannien: Freispruch Ein 45 Jahre alter Mann, der wegen des Besitzes von 55 Gramm Cannabis angeklagt worden war, wurde freigesprochen, nachdem er dem Gericht berichtet hatte, er benötige die Droge aus gesundheitlichen Gründen. Er behauptete, das Rauchen von Cannabis lindere die Schmerzen seiner verkrüppelnden Rückenerkrankung. Der Fall wird als einer der wenigen angesehen, bei denen ein Gericht medizinische Gründe als Verteidigung bei Besitz einer großen Menge Cannabis akzeptierte. (Quelle: Independent vom 10. Oktober 2002) ***Wissenschaft: Krämpfe/Epilepsie Endocannabinoide scheinen eine natürliche Rolle bei der Unterdrückung von Krämpfen zu spielen. Das Endocannabinoid Anandamid erwies sich als wirksames Antikonvulsivum in einem Mäusemodell für Epilepsie. Dem entgegengesetzt, reduzierte ein CB1-Rezeptorblocker die maximale Krampfschwelle und erleichterte Krämpfe, was die Existenz eines endogenen Cannabinoidtonus anzeigt, der die Krampfaktivität moduliert. (Quelle: Wallace M, et al. Eur J Pharmacol 2002 Oct 11;452(3):295) ***Wissenschaft: Spermienfunktion Die Forschung zeigt, dass Anandamid an der normalen Spermienfunktion beteiligt ist. Das Sperma benötigt eine mehrstündige Exposition mit Sekreten im weiblichen Reproduktionstrakt, bevor es die Fähigkeit zur Befruchtung von Eiern bekommt. Anandamid findet sich in verschiedenen dieser Reproduktionsflüssigkeiten. Die Forscher fanden, dass THC in nanomolarer Konzentration in einem Kulturmedium die Befruchtungsfähigkeit der Spermien reduzierte. Sie nehmen an, dass THC die Fruchtbarkeit von Frauen beeinträchtigen kann, die Cannabis konsumieren. Allerdings erklären die Forscher nicht, warum das offenbar in der Realität nicht passiert, und wie nanomolare THC-Konzentrationen unter natürlichen Bedingungen in reproduktiven Flüssigkeiten erreicht werden können. (Quelle: Schuel H. et al. Mol Reprod Dev 2002 Nov;63(3):376-87) 4. VOR EINEM JAHR: - Deutschland: THC Pharm erhält Erlaubnis zur Herstellung von Cannabisextrakt - USA: DEA definiert alle Produkte, die THC enthalten als kontrollierte Substanzen der Anlage I - Spanien: Gewählter Präsident der ICRS gegen die medizinische Verwendung von Marihuana VOR ZWEI JAHREN: - Europa: Regierungen lockern Ihre Linie zu Cannabis - Spanien/Wissenschaft: Antitumor-Effekt von THC kann nicht am Menschen untersucht werden ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 26. Oktober 2002 ----------------------------------------------------------------- * USA: Reforminitiativen für die Cannabisgesetzgebung bei den Novemberwahlen 1. USA: Reforminitiativen für die Cannabisgesetzgebung bei den Novemberwahlen Die Wähler in Arizona und Nevada werden bei den diesjährigen Zwischenwahlen am 5. November über staatenweite Reforminitiativen für die Cannabisgesetzgebung abstimmen. Es gibt zudem eine lokale Initiative in San Francisco und einen Gesetzesvorschlag für den Anbau von Industriehanf in Süddakota. Arizona (Proposition 203): Die Wähler entscheiden darüber, ob die bestehenden Marihuanastrafen beim Besitz von bis zu zwei Unzen von einer Straftat zu einem mit einer Geldstrafe zu ahnenden zivilrechtlichen Vergehen herabgestuft werden sollen (1 Unze = 28,5 Gramm). Die Gesetzesvorlage wird zudem das bestehende medizinische Marihuanagesetz von Arizona verbessern und staatlich registrierten Patienten oder ihren Betreuern erlauben, bis zu zwei Unzen Cannabis legal zu besitzen, und von den staatlichen Behörden verlangen, dass sie ein Verteilungssystem für medizinisches Cannabis einrichten. Nevada (Frage 9): Frage 9 würde straf- und zivilrechtliche Strafen für den Konsum und den Besitz von bis zu drei Unzen Marihuana durch Personen von 21 Jahren oder älter abschaffen und den Staat beauftragen, ein System einzurichten, durch das Erwachsene Marihuana durch einen gesetzlich regulierten Markt bekommen können. Die Bürger von San Francisco werden entscheiden, ob sie wollen, dass die Stadt Marihuana für Patienten anbaut. Etwa 3.600 Einwohner von San Francisco haben die Erlaubnis, Cannabis als Medizin zu verwenden. (Quellen: Las Vegas Review-Journal vom 20. Oktober 2002, NORML vom 24. Oktober 2002) 2. Kurzmeldungen ***USA/Kanada: Folgen für den Handel über die Grenze Offizielle Vertreter der US-Regierung erklärten, dass sie den Handel über die nördliche US-Grenze drastisch reduzieren könnten, wenn die kanadische Regierung ihre Marihuana-Gesetze entschärfen würde. Sie sagten, dass die Entkriminalisierung von Cannabis, die von der kanadischen Regierung in Erwägung gezogen wird, den Handel durch organisierte kriminelle Elemente vergrößern würde. Die USA würden mit schärferen Grenzkontrollen antworten, was den Handel behindern könne, der für die kanadische Wirtschaft so wichtig sei. (Quelle: Associated Press vom 15. Oktober 2002) ***USA: Gouverneurs-Kandidaten von New York Mehrere Kandidaten für den Gouverneur von New York erklärten ihre Unterstützung für die medizinische Verwendung von Cannabis, darunter der Kandidat der Unabhängigen Partei, B. Thomas Golisano, und der Kandidat der Demokraten, H. Carl McCall. Der amtierende Gouverneur von New York, George Pataki (Republikanische Partei), stellt sich gegen diese Idee. Die Kandidaten der Marihuana-Reform-Partei, der Grünen und der Libertären Partei unterstützen der generelle Legalisierung von Cannabis. (Quelle: Associated Press vom 16. Oktober 2002) ***Wissenschaft: Erbrechen Mehrere Cannabinoide, darunter THC, hemmten die Aktivierung von 5-HT(3A)-Rezeptoren unabhängig von Cannabinoidrezeptoren. 5-HT3-(Serotonin-)Antagonisten sind besonders wirksame Medikamente gegen Erbrechen. Die Forscher nehmen an, dass Cannabinoide an einer modulatorischen Stelle des 5-HT(3A)-Rezeptor wirken und folgern: "Diese Stelle ist ein potenzielles neues Ziel für neue schmerzlindernde und brechreizhemmende Medikamente." (Quelle: Barann M, et al. Br J Pharmacol 2002 Nov;137(5):589-96) ***Wissenschaft: Alzheimer-Krankheit Grundlagenforschung zeigt, dass die Endocannabinoide Anandamid und Noladinäther vorbeugend gegenüber der Nervenschädigung durch das Amyloid-Beta-Peptid, das eine wichtige Rolle bei der Alzheimer-Krankheit spielt, wirken. (Quelle: Milton N. Neurosci Lett 2002 Oct 31;332(2):127) ***Wissenschaft: Glaukom Die Wirkung des neuen möglichen endogenen Cannabinoids Noladinäther auf den Augeninnendruck wurde untersucht. Noladinäther reduzierte den Augeninnendruck unmittelbar nach der lokalen Gabe am Kaninchenauge, während die bekannten Endocannabinoide Anandamid und 2-Arachidonylglyzerol zunächst zu einem vorübergehenden Anstieg führen. Die Wirkungen von Noladinäther auf den Augeninnendruck unterschieden sich von den anderen Endocannabinoiden wahrscheinlich wegen seiner stabileren chemischen Struktur. Sie werden vermutlich über den CB1-Rezeptor vermittelt. (Quelle: Laine K, et al. Invest Ophthalmol Vis Sci 2002 Oct;43(10):3216-22) 3. VOR EINEM JAHR: - Holland: Regierung will die medizinische Verwendung von Cannabis erlauben - Wissenschaft: Neues beim Kongress der IACM des Jahres 2001 VOR ZWEI JAHREN: - Wissenschaft: THC vermindert Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit HIV-Behandlung - USA: Registrierung für medizinisches Marihuana in Oregon ist erfolgreich ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 9. November 2002 ----------------------------------------------------------------- * USA: Ärzte dürfen ihren Patienten die Verwendung von Cannabis empfehlen * Großbritannien: Medikamente auf Cannabisbasis könnten bereits in 2003 erhältlich sein 1. USA: Ärzte dürfen ihren Patienten die Verwendung von Cannabis empfehlen Ein Bundesberufungsgericht in Kalifornien hat entschieden, dass die Regierung nicht die Lizenz von Ärzten, die ihren Patienten Marihuana empfehlen, entziehen darf. Die Bundesregierung solle nun ihre missgeleitete Politik verlassen, Ärzte und kranke Menschen anzugreifen, um den Cannabiskonsum zu bekämpfen. In seiner Entscheidung vom 29. Oktober hielt das Berufungsgericht für den 9. Bezirk das Urteil eines niedrigeren Gerichts aufrecht, das das verfassungsmäßige Recht von Ärzten, medizinisches Marihuana zu empfehlen, schützt. "Ein integraler Betsandteil der medizinischen Praxis ist die Kommunikation zwischen einem Arzt und einem Patienten," erklärte das aus drei Richtern bestehende Gericht in seiner einstimmigen Entscheidung. Ärzte, die medizinisches Cannabis "empfehlen" würden nur ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung, die durch den ersten Zusatz zur Verfassung garantiert sind, ausüben. Das Gericht wies zudem die Behauptung der Regierung zurück, nach der Ärzte durch die Empfehlung der medizinischen Verwendung von Marihuana ihre Patienten einladen würden, das Gesetz zu brechen. Es wies daraufhin, dass es legale Wege gibt, nach denen Patienten Marihuana suchen könnten, wie etwa durch ein von der Regierung erlaubtes Forschungsprojekt oder durch den Versuch, die Bundesregierung von einer Änderung der Cannabisgesetzgebung zu überzeugen. Der erste Zusatz zur US-amerikanischen Verfassung lautet: "Der Kongress soll kein Gesetz machen, das sich auf die Etablierung einer Religion bezieht, oder ihre freie Ausübung verbietet; oder die Freiheit der Rede oder der Presse beschränkt; oder das Recht der Menschen, sich friedlich zu versammeln und die Regierung zu bitten, Missstände zu beseitigen." (Quellen: Reuters vom 29. Oktober 2002, Associated Press vom 30. Oktober 2002, New York Times vom 31. Oktober 2002, Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika) 2. Großbritannien: Medikamente auf Cannabisbasis könnten bereits in 2003 erhältlich sein GW Pharmaceuticals erklärte am 5. Novemver, dass vier Phase-III-Studien, die die Wirksamkeit ihrer Cannabiszubereitung bei der multiplen Sklerose untersucht, signifikant besser als Plazbo bei der Linderung von Krankheitssymptomen sei. Die Phase III ist die letzte Phase bei Medikamententests vor der Zulassung. Das Medikament, das in den Mund gesprüht wird, reduzierte in den Studien mit etwa 350 Patienten wirksam die Schmerzen aufgrund von Nervenverletzungen, sowie Spastik und Schlafstörungen. In anderen Studien wird der Spray auch für die Behandlung von Krebsschmerzen und Querschnittserkrankungen untersucht. "Die Leistungsfähigkeit der Medizin von GW hat unsere eigenen Erwartungen übertroffen," erklärte Vorstandsvorsitzender Geoffrey Guy. "Vorbehaltlich einer offiziellen Genehmigung sind wir nun auf dem Weg, im nächsten Jahr unser erstes verschreibbares Medikament auf den britischen Markt zu bringen." In zwei weiteren europäischen Ländern könnte Cannabis in 2003 in Apotheken verfügbar sein, in Holland und Deutschland. In Holland wird der Schritt, Marihuana von lizensierten Anbauern in die Apotheken zu bringen, vom Büro für medizinisches Cannabis der Regierung vorbereitet. In Deutschland entwickelt die Bundesvereinigung der Apotheker auf Bitten des Bundesgesundheitsministeriums eine Rezepturvorschrift für einen Cannabisextrakt vor, so dass Apotheker die Medizin herstellen können. (Quellen: Reuters Health vom 5. November 2002, und andere) 3. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: Appetit Die Ergebnisse einer Studie mit Ratten enthüllten eine unerwartete Rolle für periphere CB1-Rezeptoren bei der Regulierung der Ernährung. Nahrungsentzug verursachte eine Konzentrationszunahme des Endocannabinoids Anadamid im Dünndarm um das Siebenfache, jedoch nicht im Gehirn oder Magen. Erneutes Füttern normalisierte die Anandamid-Spiegel im Darm. Die periphere, jedoch nicht die zentrale Gabe von Cannabinoiden (Anandamid und WIN55,212-2) förderte ein verstärktes Fressen bei zum Teil satten Ratten. In ähnlicher Weise reduzierte die periphere, aber nicht die zentrale Gabe eines CB1-Rezptor-Antagonisten die Nahrungsaufnahme. (Quelle: Gomez R, et al. Neurosci 2002 Nov 1;22(21):9612-7) ***USA: Zwischenwahlen Eine Gesetzesvorlage, die am 5. November von 63 Prozent der Wähler von San Francisco angenommen wurde, macht es zur offiziellen Politik der Stadt, dass sie die Einrichtung eines Cannabisanbau- und Verteilungsprogramms für Patienten untersucht. Es bedeutet nicht, dass San Francisco sofort mit dem Anbau von Marihuana beginnt, sondern vielmehr, dass Vertreter der Stadt das Recht haben, verschiedene Möglichkeiten zu erkunden. Andere Cannabis-Vorschläge fielen bei den diesjärigen Zwischenwahlen durch. Die Wähler von Arizona und Nevada lehnten die Emtkriminalisierung bzw. Legalisierung des Marihuanakonsums ab. (Quellen: Associated Press vom 6. November 2002, Agence France-Press vom 6. November 2002) ***USA: Oregon und Colorado Die Zahl der Bewohner Oregons mit einer staatlichen Genehmigung zur medizinischen Verwendung von Marihuana stieg in den 3,5 Jahren nach Beginn des Programms im Jahre 1998 auf 4.162. Die Zahl in Colorado mit einem ähnlichen staatlichen Gesetz stieg auf 181 innerhalb von zwei Jahren. (Quelle: Associated Press vom 1. November 2002) ***Wissenschaft: Cannabis, Alkohol, Tabak und Depressionen 736 New Yorker wurden im Alter von etwa 14, 16, 22 und 27 Jahren interviewt, und psychiatrische Störungen wurden erfasst. Tabakkonsum bei Heranwachsenden war signifikant mit einem erhöhten Risiko für Alkoholabhängigkeit und Drogenkonsumstörungen, jedoch nicht mit Depressionen im Alter von 27 Jahren assoziiert. Früher Alkoholkonsum und früher Marihuanakonsum war mit späteren schweren depressiven Störungen und Drogenkonsumstörungen assoziiert. (Quelle: Brook DW, et al. Gen Psychiatry 2002 Nov;59(11):1039-44) 4. VOR EINEM JAHR: - IACM: Konferenz zu Cannabis und den Cannabinoiden des Jahres 2001 - IACM: Neue Mitglieder im Vorstand und in der Patientenvertretung - USA: Bundesdrogenbehörde führt Razzia in kalifornischem medizinischen Cannabisklub durch - Großbritannien: Cannabisgesetze sollen entschärft werden VOR ZWEI JAHREN: - Australien: Neu-Süd-Wales erwägt legale medizinische Verwendung von Cannabis - Wissenschaft: Endocannabinoide verhindern Krämpfe der Atemwege und Husten - USA: Colorado und Nevada stimmen Gesetzesinitiativen für die medizinische Verwendung von Marihuana zu ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 23. November 2002 ----------------------------------------------------------------- * Wissenschaft: Cannabis kann bei der Parkinson-Krankheit hilfreich sein * Großbritannien: Britische Lungen-Stiftung warnt vor Cannabisrauchen * Wissenschaft: Cannabiskonsum und psychische Störungen 1. Wissenschaft: Cannabis kann bei der Parkinson-Krankheit hilfreich sein Nahezu die Hälfte aller Patienten, die an der Parkinson-Krankheit leiden und Cannabis versucht hatten, erklärten in einer Patientenumfrage, dass die Droge ihre Symptome gelindert habe. Dr. Evzin Ruzicka, Neurologe an der Karls-Universität in Prag (Tschechien), berichtete von diesen Ergebnissen beim 7. Internationalen Kongress zu Parkinson-Krankheit und Bewegungsstörungen der Gesellschaft für Bewegungsstörungen am 10. - 14. November in Miami (USA). Die Untersucher baten alle Patienten, die wegen der Parkinson-Krankheit an einem Zentrum in Prag behandelt werden, einen Fragebogen auszufüllen, der sie zum Cannabiskonsum und verschiedenen Symptomen der Erkrankung befragte. Von 630 verschickten Fragebögen wurden 339 (54 %) zurückgeschickt. Unter den Antwortenden gaben 25 % einen Cannabiskonsum an. Die meisten hatten es oral verwendet, entweder als frische oder getrocknete Blätter. Innerhalb dieser Gruppe gaben 39 Patienten (46 %) an, dass die Symptome der Parkinson-Krankheit nach Beginn der Cannabisverwendung allgemein gelindert worden seien. 26 (31 %) gaben eine Verbesserung des Ruhetremors an, und 38 (45 %) berichteten von einer Linderung der Bewegungsstarre (Bradykinesie). Eine Linderung der Muskelrigidität wurde von 32 (38 %) angegeben, und 12 (14 %) erklärten, dass sie eine Verbesserung der durch Levodopa ausgelösten Dyskinesien verspürten. Die Teilnehmer gaben an, dass die Verbesserung im Durchschnitt 1,7 Monate nach Beginn der Cannabisverwendung eintrat. Patienten, die es mindestens drei Monate eingenommen hatten, erlebten wahrscheinlicher eine Symptomverbesserung als jene mit einer kürzeren Erfahrung. (Quelle: Reuters Health vom 13. November 2002) 2. Großbritannien: Britische Lungen-Stiftung warnt vor Cannabisrauchen Ein von der Britischen Lungen-Stiftung publizierter Bericht zu den Risiken des Cannabisrauchens erzielte einige Aufmerksamkeit in den Medien. Der Bericht kommt zu ähnlichen Folgerungen wie frühere Übersichten der verfügbaren Studien. Es heißt darin, dass die Konzentrationen bekannter Krebs erzeugender Substanzen "im Rauch einer Cannabiszigarette bis zu 50 % höher sind" verglichen mit dem Rauch von Tabakzigaretten, dass das Rauchen einer Cannabiszigarette "in einer vierfach größeren Menge inhalierten Teers" resultiere, wegen des längeren Atemanhaltens und anderer Faktoren, und dass "3 - 4 Cannabiszigaretten am Tag mit den gleichen Befunden von akuter und chronischer Bronchitis und dem gleichen Grad an Schäden der Bronchialschleimhaut assoziiert sind wie 20 oder mehr Tabakzigaretten am Tag." Der Bericht bemerkt, dass "Forschung zum Zusammenhang zwischen Cannabisrauchen und der Entwicklung von Krebs der Atemwege existiert, obwohl es auch widersprüchliche Befunde gibt," und dass die Beweise hinsichtlich "eines möglichen Zusammenhangs zwischen Cannabisrauchen und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) bisher nicht überzeugend etabliert werden konnten." COPD umfasst Erkrankungen wie chronische Bronchitis und Emphysem. Es heißt darin, dass heutiges Cannabis gefährlicher sein könnte als Cannabis von vor 30 Jahren, da es größere Mengen THC enthält. Allerdings erwähnt der Bericht nicht, dass ein höherer THC-Gehalt das Rauchen geringerer Cannabismengen erlaubt, um die gleiche Wirkung zu erzielen, was hinsichtlich möglicher Schäden für die Atemwege vorteilhaft ist. Der Bericht warnt vor dem Cannabisrauchen bei Asthma, gesteht jedoch zu, dass Cannabis ohne Schaden für die Lunge auch oral genommen werden kann, merkt jedoch an, dass "die orale Einnahme von THC ebenfalls unerwünschte Nebenwirkungen verursacht," - was allerdings für alle Asthma-Medikamente gilt. (Quelle: British Lung Foundation. A smoking gun. Verfügbar unter: http://www.lunguk.org/news/a_smoking_gun.pdf, PA News vom 10. November 2002, Reuters vom 11. November 2002) 3. Wissenschaft: Cannabiskonsum und psychische Störungen Es gilt als gesichert, dass Personen mit psychischen Störungen wie Schizophrenie, Angststörungen und Depressionen häufiger Tabak und Cannabis konsumieren sowie häufiger alkoholabhängig sind. Zudem wurden kausale Zusammenhänge mit diesen Störungen für Alkoholabhängigkeit und Cannabiskonsum vorgeschlagen. Drei Studien, die im British Medical Journal veröffentlicht wurden, unterstützen die Annahme eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen Cannabiskonsum und psychischen Erkrankungen, zumindest bei jungen Konsumenten der Droge. Eine australische Studien mit 1.601 Schülern fand, dass heranwachsende Mädchen, die tägliche Cannabiskonsumenten sind, fünfmal wahrscheinlicher an einer späteren Depression und Angststörung leiden als andere Heranwachsende, während das Risiko für männliche Teenager nicht erhöht war. In einer Studie mit 1.073 zwischen 1972 und 1973 in Neuseeland Geborenen litten solche, die im Alter von 15 Jahren mit dem Cannabiskonsum begannen, im Alter von 26 Jahren mit einer vierfach erhöhten Wahrscheinlichkeit an "Schizophrenie-ähnlichen Störungen" - jedoch nicht an Schizophrenie - als Heranwachsende, die die Droge nicht konsumiert hatten. Nachdem psychotische Symptome im Alter von 11 Jahren berücksichtigt worden waren, war das weiterhin leicht erhöhte Risiko nicht mehr signifikant, was nahe legt, dass Teenager, die bereits ein höheres Risiko für die spätere Entwicklung psychischer Gesundheitsprobleme aufweisen, auch wahrscheinlicher Cannabis rauchen. Im Gegensatz zur australischen Studie fand die neuseeländische Studie keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum im Alter von 15 Jahren und einer späteren depressiven Störung. Nach einer weiteren Studie mit 50.087 schwedischen Männern im Alter zwischen 18 und 20 Jahren vergrößerte der Cannabiskonsum das Risiko für die Entwicklung einer Schizophrenie innerhalb der folgenden 15 Jahre um 30 Prozent. Von 1.648 Personen, die Cannabis konsumiert hatten, entwickelten 18 (1,1 %) eine Schizophrenie. Von den 70 Personen, die die Droge mehr als 50 mal konsumiert hatten, entwickelten 4 (5,7 %) eine Schizophrenie. In einem Einladungs-Kommentar in der gleichen Zeitschrift stellten Dr. Joseph Rey und Dr. Christopher Tennant von der Universität von Sydney fest, dass diese und andere Befunde "das Argument stärken, nach dem der Cannabiskonsum das Risiko für Schizophrenie und Depression erhöht," dass es jedoch weiterhin unklar ist, "ob der Konsum von Cannabis den Beginn der Schizophrenie oder Depression bei anderweitig empfindlichen Menschen ist oder ob es tatsächlich diese Zustände bei nicht-prädisponierten Personen verursacht." (Quelle: British Medical Journal vom 23 November 2002 unter: www.bmj.com) 4. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: Journal of Cannabis Therapeutics Die neue Ausgabe des Journal of Cannabis Therapeutics, Ausgabe 2(3/4), ist erschienen. Die Kurzfassungen aller Beiträge und der vollständige Text einer historischen Übersicht zur Cannabisbehandlung in der Geburtshilfe und Gynäkologie von Dr. Ethan Russo findet sich unter: >www.cannabis-med.org/science/jcant.htm<. ***Spanien: Treffen der SEIC Die Sociedad Espanola de Investigación sobre Cannabinoides (Spanische Gesellschaft zur Erforschung der Cannabinoide) hielt ihr drittes jährliches Treffen vom 15. - 16. November in Malaga ab. Mehr unter: >http://www.ucm.es/info/seic-web<. ***Slowenien: Konferenz zur medizinischen Verwendung Eine Konferenz zur medizinischen Verwendung von Cannabis, organisiert vom Regierungsbüro für Drogen, wurde am 18. November am Allgemeinen Krankenhaus von Ljubljana abgehalten. Referenten waren Willem Scholten, William Notcutt, Brendan Hughes und Henrie Korthout. ***Wissenschaft: Cannabis und Denkfunktionen Sehr starker Cannabiskonsum könnte mit einer dauerhaften Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden sein. Die Teilnehmer wurden nach den wöchentlich gerauchten Cannabiszigaretten in leichte Konsumenten (2 - 14 Joints, Durchschnitt: 11), mittlere Konsumenten (18 - 70 Joints, Mittel: 42) und starke Konsumenten (78 - 117 Joints, Mittel: 94) eingeteilt. Nach 28-tägiger Abstinenz führten die Teilnehmer eine Anzahl neurokognitiver Tests durch. Sehr starke Konsumenten zeigten verglichen mit leichten Konsumenten eine signifikant schlechtere Leistung bei 5 der 35 Tests, was irreversible Wirkungen nahe legt. Gedächtnis, exekutive Funktion, psychomotorische Schnelligkeit und manuelle Fertigkeiten waren beeinflusst. (Quelle: Bolla KI, et al. Neurology 2002 Nov 12;59(9):1337-43) ***Wissenschaft: Cannabis und Psychosen Cannabiskonsum war in einer Hochrisiko-Gruppe nicht mit der Entwicklung einer Psychose assoziiert. 100 junge Menschen, die durch das Vorhandensein von psychotischen Symptomen unterhalb der Schwelle oder einer Kombination aus einem erstgradigen Verwandten mit einer psychotischen Störung und kürzlicher funktioneller Leistungsabnahme identifiziert worden waren, wurden über einen Zeitraum von 12 Monaten beobachtet. 32 % entwickelten eine akute psychotische Episode. Das Risiko war nicht mit dem Grad des Cannabiskonsums vor Aufnahme in die Studie assoziiert. Die Autoren folgern, dass die Ergebnisse nahe legen, dass Cannabiskonsum keine relevante Rolle bei der Entwicklung einer Psychose in einer Hochrisikogruppe für die Erkrankung spielen könnte. (Quelle: Phillips LJ, et al. Aust N Z J Psychiatry 2002 Dec;36(6):800-6.) 5. VOR EINEM JAHR: - Kanada: Diskussion über das Gesetz zur medizinischen Verwendung von Cannabis - Wissenschaft: Diskussion zu Übersichtsartikeln in britischer Ärztezeitung - Großbritannien: Polizei unsicher im Umgang mit Cannabis-Café VOR ZWEI JAHREN: - Wissenschaft/USA: Marihuanastudie mit Aids-Patienten in Kalifornien - IACM: ACM und österreichische CAM erste regionale Gliederungen der IACM ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 7. Dezember 2002 ----------------------------------------------------------------- * Wissenschaft: Ein Blocker des Anandamid-Abbaus verringert Angst * USA: Medizinische Marihuana-Gesetze beeinträchtigen nicht die Durchsetzung der Gesetze * Wissenschaft: Cannabis keine Einstiegsdroge 1. Wissenschaft: Ein Blocker des Anandamid-Abbaus verringert Angst Substanzen, die das Enzym blockieren, das für den Abbau des Endocannabinoids Anandamid verantwortlich ist, könnte nach einer neuen Studie für die Behandlung von Angst und Depressionen verwendet werden. Endocannabinoide wirken ähnlich wie THC am Cannabinoidrezeptor, aber ihre Wirkung dauert nur kurz an, da sie schnell durch das Enzym FAAH (Fettsäureamid-Hydrolase) in Abbauprodukte gespalten werden. Hemmer der FAAH verlängern und verstärken die Endocannabinoid-Wirkungen. Zwei FAAH-Hemmer, URB532 und URB597, wurden in Tiermodellen für Angst und Depression getestet. Wenn die Tiere die Substanzen erhalten hatten, quiekten sie unter Isolationsbedingungen weniger und verhielten sich in einem Labyrinth weniger zögerlich. Diese Wirkungen waren von erhöhten Anandamid-Spiegeln im Gehirn begleitet. Die Wirkung dieser experimentellen Drogen ähnelt Antidepressiva, die die Gehirnspiegel eines anderen Neurotransmitters, Serotonin, erhöhen, erklärte Forschungsleiter Daniele Piomelli, Professor für Pharmakologie an der Universität von Kalifornien in Irvine. "Einige Menschen haben geringe Serotoninspiegel und möglicherweise gibt es einige Menschen, die niedrige Anandamid-Spiegel haben," erklärte er. Studien am Menschen mit den neuen Medikamenten könnten innerhalb eines Jahres beginnen, fügte er hinzu. (Quellen: Kathuria S, et al. Nat Med 2002 Dec 2; United Press International vom 30. November 2002, Associated Press vom 30. November 2002) 2. USA: Medizinische Marihuana-Gesetze beeinträchtigen nicht die Durchsetzung der Gesetze Nach einer Umfrage des Allgemeinen Büros für Rechnungswesen (GAO, General Accounting Office) funktionieren die staatlichen Gesetze, die die medizinische Verwendung von Cannabis legalisieren, im Allgemeinen so, wie es die Wähler beabsichtigt haben, und sie haben nicht zu einem weit verbreiteten Missbrauch geführt. "Offizielle von mehr als der Hälfte der 37 ausgewählten Bundes-, staatlichen und lokalen Behörden der Exekutive, die wir in den vier Staaten befragten, erklärten, dass die Einführung der medizinischen Marihuanagesetze die Maßnahmen zur Durchsetzung der Gesetze nicht stark behinderten," heißt es im Bericht. In einigen Fällen erklärten Beamte, dass die Marihuanagesetze zu "einer allgemeinen Aufweichung" der Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Marihuana geführt hätten, jedoch "hat keiner der Bundesbeamten, mit denen wir gesprochen haben, Informationen geliefert, die eine Stellungnahme unterstützen würden, nach der in einem der Staaten, inklusive Kalifornien, routinemäßig ein Missbrauch von medizinischem Marihuana auftreten würde." Sowohl die Zahl der Patienten, die Cannabis medizinisch verwenden, als auch die Zahl der Ärzte, die es verschreiben, ist in Alaska, Hawaii und Oregon relativ niedrig. Nur 1 - 3 Prozent der Ärzte in Oregon und Hawaii - die beiden Staaten, wo es solche Aufzeichnungen gibt - empfahlen ihren Patienten Cannabis. Die meisten registrierten Patienten waren über 40 Jahre alt. "Starke Schmerzen und Muskelspasmen waren die häufigsten Erkrankungen, bei denen Marihuana empfohlen worden war," sagt der Bericht. Nach seinen eigenen Worten ist " das Allgemeinen Büro für Rechnungswesen [General Accounting Office] (GAO) der USA eine Institution, die für den Kongress und das amerikanische Volk arbeitet. Der Kongress bittet GAO Programme und Ausgaben der Bundesregierung zu untersuchen. (…) GAO berät den Kongress und die Leiter ausführender Dienststellen über Wege, die Regierung effektiver und verantwortlicher zu machen." Der GAO-Bericht, "Marijuana: early experiences with four states' laws that allow use for medical purposes," ist verfügbar unter: http://www.gao.gov/new.items/d03189.pdf. (Quellen: United Press International vom 30. November 2002, Associated Press vom 30. November 2002) 3. Wissenschaft: Cannabis keine Einstiegsdroge Eine Studie des Forschungszentrums für Drogenpolitik des RAND widerspricht der Theorie, nach der Marihuana als sogenannte Einstiegsdroge für schädlichere Drogen wie Heroin und Kokain wirkt. Unter Verwendung der Daten der Nationalen Haushaltsumfrage zum Drogenmissbrauch (National Household Survey on Drug Abuse) von 1982 bis 1994 folgerte die Studie, dass Jugendliche, die harte Drogen nehmen, dazu prädisponiert seien, unabhängig davon, ob sie vorher Cannabis probiert hatten oder nicht. "Wir haben gezeigt, dass der Marihuana-Einstiegsdrogeneffekt nicht die beste Erklärung für die Beziehung zwischen Marihuanakonsum und dem Konsum harter Drogen ist," erklärte Andrew Morral, leitender Autor der Studie. "Eine andere, einfachere und zwingendere Erklärung deutet das Muster des Drogenkonsums, das man in diesem Land beobachtet, ohne irgendwelche Einstiegsdrogen-Effekte zu verwenden." "Die Menschen, die zum Drogenkonsum prädisponiert sind und die Möglichkeit haben, Drogen zu verwenden, konsumieren wahrscheinlicher sowohl Marihuana und härtere Drogen," erklärte Morall. "Marihuana kommt typischerweise zuerst, weil es leichter verfügbar ist. Waren diese Fakten einmal in unser mathematisches Modell aufgenommen, dann konnten wir alle Beziehungen des Drogenkonsums erklären, die als Beweis für den Einstiegsdrogeneffekt von Marihuana zitiert worden waren." Dies ist eine sehr wichtige Studie mit umfassenden Implikationen für die Politik zur Marihuanakontrolle," erklärte Charles R. Schuster, ein ehemaliger Direktor des Nationalen Instituts für den Drogenmissbrauch und nun Direktor des Suchtforschungsinstituts der Wayne State Universität. "Ich kann nur hoffen, dass sie mit Objektivität gelesen, nach seinen wissenschaftlichen Verdiensten beurteilt und nicht reflexartig zurückgewiesen wird, weil sie den Glauben der meisten Politiker stört." (Quellen: Pressemitteilung des RAND vom 2. Dezember 2002 unter www.rand.org, Reuters vom 2. Dezember 2002) 4. Kurzmeldungen ***Wissenschaft: Vergleich von THC und Cannabis Gerauchtes Cannabis mit 3,1 % THC, das viermal am Tag genommen wurde, und die viermalige Gabe von oralen 20 mg THC wurden hinsichtlich ihrer Wirkungen verglichen. Sie verursachten ähnliche subjektive Wirkungsbeurteilungen, obwohl einige der Wirkungen gerauchten Marihuanas ausgeprägter und weniger anfällig für eine Toleranzentwicklung waren. Beide Drogen verstärkten die Nahrungsaufnahme für die drei Tage der Drogengabe, hatten jedoch nur einen geringen Effekt auf die psychomotorische Leistungsfähigkeit. (Quelle: Hart CL, et al. Psychopharmacology (Berl) 2002 Dec;164(4):407-15.) ***USA: Kalifornien In Reaktion auf Razzien bei kalifornischen medizinischen Marihuana-Kooperativen durch die Bundesdrogenbehörde DEA haben einige Städte des Staates, darunter die Stadträte von San Francisco, Berkeley und Sebastopol, ihre lokale Polizei angewiesen, nicht mehr mit den Bundesbeamten zu kooperieren. (Quelle: Los Angeles Times vom 21. November 2002) ***USA: Vermont Der Studienausschuss des Gesetzgebers zu medizinischem Marihuana, der einen Richter, den Polizeichef, den Generalstaatsanwalt sowie Ärzte und Patienten umfasste, ist zu dem Schluss gelangt, dass Marihuana einen medizinischen Wert besitzt. Bei seinem letzten Treffen am 5. Dezember stimmte der Ausschuss darin überein, dass die Bundesregierung Marihuana irrtümlicherweise als Droge ohne medizinische Verwendung eingestuft hat. (Quelle: Associated Press vom 6. Dezember 2002) 5. VOR EINEM JAHR: - Frankreich: Studie von INSERM zu gesundheitlichen Effekten von Cannabis - Wissenschaft/USA: Genehmigung für Studien an der Universität von Kalifornien durch die DEA VOR ZWEI JAHREN: - Wissenschaft: Die meisten Schmerzpatienten profitieren in einer britischen Studie von Cannabis - USA: Oberster Gerichtshof will über die medizinische Verwendung von Marihuana entscheiden - Wissenschaft: Cannabinoide könnten hilfreich bei manchen Formen von Durchfall sein ----------------------------------------------------------------- IACM-Informationen vom 21. Dezember 2002 ----------------------------------------------------------------- >>> IACM-Kongress 2003 in Köln <<< Der nächste wissenschaftliche IACM-Kongress findet am 12.-13. September 2003 in Kopperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie der Klinik für Anästhesiologie der Universität Köln statt. Am Abend des 11. September 2003 findet die jährliche Mitgliederveranstaltung der IACM statt. (Siehe: www.cannabis-med.org) * Kanada: Parlamentsausschuss drängt auf Lockerung der Cannabisgesetze * USA: Unterstützung für Gründer eines Cannabisklubs durch den Stadtrat von Santa Cruz 1. Kanada: Parlamentskomitee drängt auf Lockerung der Cannabisgesetze Ein parlamentarischer Ausschuss drängte die kanadische Regierung am 12. Dezember, die Gesetze zum Besitz von Marihuana zu lockern, eine Idee, die von Washingtons Drogenbeauftragtem als gefährlich bezeichnet wurde. Ein spezieller Ausschuss zur nicht-medizinischen Verwendung von Drogen erklärte in einem Bericht, Marihuana sollte entkriminalisiert, jedoch nicht legalisiert werden. Das bedeutet, dass Personen, die Cannabis in Mengen von weniger als 30 Gramm besitzen oder anbauen eine Geldstrafe erhielten, wenn sie erwischt werden, anstatt eine Anklage, wie es zur Zeit der Fall ist. Der Bericht unterstützt das Vorhaben von Justizminister Martin Cauchon, der erklärte, er plane im nächsten Jahr ein Gesetzesvorhaben zur Entkriminalisierung von Marihuana. "Wir haben gefolgert, dass der Besitz von Marihuana illegal bleiben soll, und dass der Handel mit jeder Cannabismenge ein Verbrechen bleiben soll," berichtete die Ausschussvorsitzende Paddy Torsey in einer Pressekonferenz. "Das Rauchen jeder Menge von Marihuana ist ungesund, aber die Konsequenzen einer Verurteilung wegen einer kleinen Marihuana-Menge zum Eigenbedarf stehen nicht im Verhältnis zu dem möglichen Schaden," erklärte sie. In den Vereinigten Staaten wurde die Vorstellung, dass Cannabis nicht besonders gefährlich sei, verurteilt. John Walters, Direktor der Büros für die nationale Drogenkontrollpolitik im Weißen Haus, erklärte, dass diese Empfehlungen zu einem größeren Konsum von Marihuana und anderen Drogen führen würden, und wenn die kanadischen Gesetze gelockert würden, wären die Vereinigten Staaten möglicherweise gezwungen, die Sicherheit an der gemeinsamen Grenze zu vergrößern, um den Handel zu verhindern. Der Bericht ist verfügbar unter: www.parl.gc.ca/InfoComDoc/37/2/SNUD/Studies/Reports/snudrp02-e.htm. (Quelle: Reuters vom 12. Dezember 2002) 2. USA: Unterstützung für Gründer eines Cannabisklubs durch den Stadtrat von Santa Cruz Valerie und Michael Corral, Gründer der Wo/Men's Alliance for Medical Marijuana, wurden durch einen einstimmigen Beschluss des Stadtrates von Santa Cruz (Kalifornien) zu Stadtbeauftragten. Sie besitzen nun die Befugnis, medizinisches Marihuana nach städtischer Anordnung anzubauen, zu verteilen und zu besitzen. Die Ratsmitglieder hoffen, dass diese Maßnahme den rechtlichen Schutz für das Paar verbessern wird, die vor zukünftiger Strafverfolgung auf der Hut sind. Im September wurden sie verhaftet, und 130 ihrer Pflanzen wurden von der Bundesdrogenbehörde (DEA) konfisziert. "Es ist vor allem eine Demonstration der Unterstützung für ihre Professionalität und das wirklich gewissenhafte Kontrollsystem, das sie entwickelt haben," erklärte Ratsfrau Cynthia Mathews. "Ich weiß nicht, welche Art von städtischem Auftrag sie erhalten haben, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es illegal ist," erklärte DEA-Sprecher Richard Meyer. "Niemand hat einen Blankoscheck zur Verteilung von Marihuana." (Quelle: Associated Press vom 11. Dezember 2002) 3. Kurzmeldungen ***Kanada: Cannabis übers Internet Ein Richter aus Quebec hat am 19. Dezember einen Drogenhandel-Prozess beendet und alle Anklagepunkte gegen zwei Aktivisten, Marc-Boris Saint-Maurice und Alexandre Neron, die Cannabis in einem Montrealer Klub für den medizinischen Konsum verteilt haben, fallen gelassen. Richter Gilles Cadieux erklärte, das Fehlen einer legalen Marihuana-Quelle für Personen, die Cannabis medizinisch verwenden dürfen, nehme ihnen Recht auf Leben und Freiheit. Kurz nach der Entscheidung startete die Marijuana-Partei eine Internetseite zum Verkauf von Cannabis an Patienten unter >www.marijuanahomedelivery.ca<. (Quellen: Globe and Mail vom 19. Dezember 2002, Reuters vom 19. Dezember 2002) ***Deutschland: Drogenbeauftragte der Bundesregierung Die Bundesdrogenbeauftragte Marion Caspers-Merk forderte in einem Interview eine Neuregelung für die Strafverfolgung bei Cannabis-Besitz. Die Rechtspraxis in Deutschland müsse nach dem Vorbild der Niederlande in den Bundesländern vereinheitlicht werden. "Man muss sehen, dass das liberalste Land in Europa, die Niederlande, fünf Gramm straffrei abgibt. Die Größenordnung halte ich für richtig, aber die Coffee-Shops halte ich für falsch." Gleichzeitig warnte die Drogenbeauftragte vor einer Verharmlosung des Cannabis-Konsums. (Quelle: dpa vom 7. Dezember 2002) ***Wissenschaft: Entzündung Es wurde gezeigt, dass THC die Immunantwort von T-Lymphozyten moduliert. Es unterdrückte die Vermehrung von T-Zellen und veränderte die Balance der T-Helfer-1-(Th1) Zytokinen zu den T-Helfer-2-(Th2) Zytokinen. Es reduzierte die entzündungsfördernde Th1-Reaktion (z.B. die Produktion von Interferon-Gamma) und verstärkte die Th2-Reaktion. Dies kann erklären, warum THC wirksam gegen Entzündungen mit einer starken Th1-Reaktion ist, z.B. bei multipler Sklerose, Morbus Crohn und Arthritis. (Quelle: Yuan M, et al. J Neuroimmunol 2002 Dec;133(1-2):124-131) ***Wissenschaft: Erbrechen Es ist bekannt, dass 5-HT3-Antagonisten starke brechreizhemmende Medikamente sind, und es gibt Hinweise aus klinischen Studien mit Kindern und experimenteller Forschung, dass Cannabinoide ihre brechreizhemmenden Eigenschaften wenigstens zum Teil nicht über Cannabinoidrezeptoren vermitteln. Diese neue Forschung zeigt, dass Cannabinoide (darunter Delta-9-THC und Anandamid) durch 5-Hydroxytryptamin (Serotonin) induzierte Ströme in Zellen mittels 5-HT3A-Rezeptoren unabhängig von Cannabinoidrezeptoren hemmte. Die Autoren schließen, dass diese Beobachtung für die Entwicklung neuer schmerzhemmender und brechreizhemmender Medikamente interessant sein könnte. (Quelle: Barann M, et al. Br J Pharmacol 2002 Nov;137(5):589-96) 4. VOR EINEM JAHR: - Kanada: Patienten können Marihuana von der Regierung erhalten - Wissenschaft: Cannabis keine Einstiegsdroge VOR ZWEI JAHREN: - Kanada: Mine in Manitoba wird legales Marihuana produzieren - Holland: Einrichtung eines Büros für medizinisches Cannabis