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IACM-Informationen vom 08. Juli 2000

Deutschland: Petitionsausschuss des Bundestages unterstützt medizinische Verwendung von Cannabisprodukten

Am 28. Juni befürwortete der 29-köpfige Petitionsausschuss des Bundestages eine Petition der Selbsthilfegruppe Cannabis als Medizin in Berlin und der ACM für die Möglichkeit einer medizinischen Verwendung natürlicher Cannabisprodukte und einzelner Cannabinoide.

Damit tritt erstmals eine Institution des Bundestages mehrheitlich für eine Abgabe von Cannabisprodukten an Kranke ein.

Mit den Stimmen der Ausschussmitglieder von PDS (Sozialisten), Grünen und SPD (Sozialdemokraten), gegen die Stimmen der CDU/CSU (Christdemokraten) und bei Enthaltung der FDP (Freiheitliche) wurde die Petition an die Bundesregierung "zur Berücksichtigung überwiesen", weil das vorgebrachte Anliegen begründet und Abhilfe notwendig sei. Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass Cannabis vielen Erkrankten hilft, "ihre Erkrankungen zu heilen bzw. zu lindern und ihr Leben wieder lebenswert zu gestalten"

Sollte die Bundesregierung die Petition nicht berücksichtigen, so ist sie angehalten, dies gegenüber dem Ausschuss zu begründen.

Am 10. April dieses Jahres wurde einem deutschen Unternehmen die Erlaubnis erteilt, THC (Dronabinol) Apotheken zur Verfügung zu stellen, so dass dort demnächst entsprechende Arzneimittel angefertigt werden können. Bisher konnte nur eine Apotheke in Frankfurt beliefert werden. Andere Apotheken konnten nur das aus den USA importierte und sehr teure THC-Präparat Marinol abgeben.

(Quellen: Presseerklärung der Grünen vom 28. Juni 2000, Presseerklärung der PDS vom 28. Juni 2000, Berliner Zeitung vom 29. Juni 2000)

Wissenschaft: Neues beim Treffen der ICRS

Beim jährlichen Treffen der Internationalen Gesellschaft für Cannabinoidforschung vom 22.-24. Juni in den USA wurden eine Anzahl interessanter neuer Forschungsergebnisse präsentiert. Einige werden unten vorgestellt sowie in der nächsten Ausgabe der ACM-Informationen, die am 23. Juli erscheint.

(1) Eine israelische Forschergruppe fand Hinweise, dass das Endocannabinoid-System entscheidend für die Entwicklung neugeborener Mäuse ist. Endocannabinoide könnten verantwortlich für den Saugreflex von Neugeborenen sein und dadurch eine entscheidende Rolle für ihr Wachstum und körperliches Wohlbefinden spielen. Wenn das Cannabinoidsystem von den Forschern durch einen Cannabinoidrezeptor-Antagonisten (SR 141716A) lahmgelegt wurde, nahmen die Neugeborenen nicht zu und starben innerhalb von 6-8 Tagen nach der Geburt. Eine einzige Gabe von SR 141716A innerhalb des ersten Lebenstages reichte, um das Wachstum vollständig zu stoppen. Es ist bekannt, dass Cannabinoide den Appetit anregen und dieser Effekt kann auch für Neugeborene wichtig sein. (Quelle: Kurzfassung von Ester Fride, et al)

(2) Die Verwendung gerauchten Marihuanas durch HIV-Patienten unter Therapien mit Proteasehemmern ist anscheinend klinisch sicher und gut verträglich. Dies ergibt eine Sicherheitsstudie an der Universität von Kalifornien in San Francisco. 67 Patienten erhielten über einen Zeitraum von 21 Tagen entweder gerauchtes Marihuana, Dronabinol oder Placebo. Viele Parameter, inklusive Immunfunktionen und Pharmakokinetik von Proteasehemmern, wurden gemessen. Es gab 4 unerwünschte Nebenwirkungen vom Grad II und 2 vom Grad III, jeweils die Hälfte davon in den Marihuanagruppe. Laborparameter werden erst analysiert, wenn alle Patienten die Studie beendet haben. (Quelle: Kurzfassung von Donald Abrams, et al)

(3) Die analgetischen Wirkungen der ajulämischen Säure (CT3) wurden durch den Cannabinoidrezeptor-1-Antagonisten SR 141716A umgekehrt (und nicht durch einen CB2-Rezeptorantagonisten). Ajulämische Säure ist ein Abkömmling eines nicht-psychotropen THC-Metaboliten. Eine plausible Erklärung für diese Beobachtung wäre die Existenz eines neuen Cannabinoidrezeptors, für den ajulämische Säure ein Agonist und SR 141716A ein Antagonist ist, sagt die Forschergruppe der Brown Universität/USA. (Quelle: Kurzfassung von Michael Walker, et al)

(4) Drei verschiedene sublinguale Cannabisextrakte, einer mit vorwiegend THC, einer mit vorwiegend Cannabidiol und einer mit einem Verhältnis von THC zu CBD von etwa 1:1, wurde sechs gesunden Freiwilligen verabreicht. Sie erhielten bis zu 20 mg THC. Die Messung der kognitiven Funktion zeigte eine geringe THC-assoziierte Abnahme der Leistungsfähigkeit des räumlichen Arbeitsgedächtnisses. Die britische Studie zeigte, dass die sublinguale Verabreichung eines Cannabisextraktes zu relativ schnellen Effekten führt und gut vertragen wird. (Quelle: Kurzfassung von Geoffrey W Guy, et al)

Wissenschaft: Cannabinoide in Schmerzregionen des Rückenmarks

Ein britisches Forscherteam fand in der Ratte CB1-Rezeptoren in Regionen des Rückenmarks, die wichtig für die Schmerzverarbeitung sind. Die Entdeckung, die in der Zeitschrift "Molecular and Cellular Neuroscience" veröffentlicht wurde, öffnet den Weg für die Entwicklung von Medikamenten auf Cannabinoidbasis, die bei der Schmerzbekämpfung auf das Rückenmark zielen.

Dr. Andrew Rice, ein Mitglied des Teams am Imperial College in London erklärte: "Wir haben einen wichtigen Schritt bei der Trennung der psychoaktiven Nebenwirkungen von Cannabis von ihren schmerzhemmenden Effekten erreicht." Medikamente auf Cannabinoidbasis könnten entwickelt werden, die an spinale Cannabinoidrezeptoren andocken, oder sie könnten direkt in den Spinalkanal appliziert werden. In den 70er Jahren wurden auch Opioid-Rezeptoren im Rückenmark nachgewiesen. Dies führte zur Entwicklung von epiduralen Schmerzmitteln, die in den Spinalkanal gegeben werden.

Diese Befunde zeigen, dass Cannabinoide die Fähigkeit haben können, eine Form des Schmerzes zu lindern, der bisher nur schlecht behandelt werden kann. Schmerz kann in zwei Arten unterteilt werden: Entzündung und schmerzhafte Neuropathie. Es gibt nur wenige Medikamente, die schmerzhafte Neuropathien bekämpfen. "Wenn man einen Nerven verletzt, verliert man Opioidrezeptoren im Rückenmark. Deshalb wirkt Morphin in diesen Situationen nicht gut," erklärte Rice.

(Quellen: Reuters vom 4. Juli 2000; PA News vom 4. Juli 2000; Farquhar-Smith WP, Egertová M, Bradbury EJ, McMahon SB, Rice ASC, Elphick MR: Cannabinoid CB1 receptor expression in rat spinal cord. Mol Cell Neurosci 2000;15:510-521)

Kurzmeldungen

USA:
Die medizinische Kommission des Staates Washington hat Erkrankungen, die schwere gastrointestinale Symptome, Krämpfe oder Muskelspasmen verursachen, auf die Liste der "terminalen oder entkräftenden medizinischen Zuständen" gesetzt, für die Marihuana legal nach einem Staatsgesetz verwendet werden darf, das die Wähler 1998 verabschiedet haben. Die Maßnahme der Kommission für medizinische Qualitätssicherung fügte zu dieser Liste Erkrankungen, deren Symptome Übelkeit, Erbrechen, schwerer Gewichtsverlust, Krämpfe oder Appetitverlust umfassen, und die durch Standardbehandlungen oder ?medikamente nicht gelindert werden können. Die Kommission lehnte es ab, Schlaflosigkeit und posttraumatische Stressstörungen aufzunehmen. (Quelle: Seattle Times vom 27. Juni 2000)

Holland:
Am 27. Juni nahm das holländische Parlament eine Resolution an, nach der der Anbau von Cannabis toleriert und reguliert werden soll. Parlamentarier von zwei der drei Parteien in der Regierungskoalition brachten den Antrag ein, der die 150 Sitze umfassende Kammer mit 73 zu 72 passierte. Die Abstimmung war jedoch so knapp, dass der Sprecher des Justizministeriums, Victor Holtus, erklärte, es ein unwahrscheinlich, dass das Kabinett die Resolution billigen werde. "Sie steht in scharfem Kontrast zu internationalen Vereinbarungen," erklärte er. (Quelle: AP vom 28. Juni 2000)

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