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IACM-Informationen vom 12. Juli 2014

Wissenschaft/Mensch: THC wirksam bei schwerst mehrfach behinderten Kindern

THC zeigt deutliche positive Wirkungen bei Kindern hinsichtlich Schmerzen, Spastik, Unruhe sowie Schlafstörungen. Dies ist das Ergebnis einer Fallserie von Ärzten des Universitätsklinikums des Saarlandes (Deutschland). 17 Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 17 Jahren mit Schmerzen, Unruhe und schwerer Spastik (10 Kinder mit infantiler Cerebralparese, 2 mit Leukodystrophie, 3 mit Stoffwechseldefekten und 2 Kinder mit Zustand nach hypoxisch-ischämischem Hirnschaden) wurden behandelt. Die meisten Kinder erhielten neben THC auch andere Medikamente. Die THC-Dosis lag zwischen 0,1 und 1,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

16 Kinder zeigten eine klinisch relevante Schmerzreduktion, 14 eine Reduktion der Spastik, sowie 12 Kinder eine Verbesserung der Unruhe und der nächtlichen Schlafstörungen. Bei 5 Kindern konnte die Opioid-Medikation im Verlauf reduziert werden, bei 2 Kindern konnte die Schmerzmedikation ganz ausgeschlichen werden. Die Autoren schreiben, dass „größere prospektive multizentrische Erhebungen höchst wünschenswert“ wären.

Gottschling S, Müller S, Theurer J, Bialas P, Ebinger F, Meyer S, Gronwald B. Dronabinol bei schwerst-mehrfach-behinderten Kindern mit Spastik, Schmerzen und Unruhe. Palliativmedizin 2014;15-PD356.

Wissenschaft/Mensch: Nabilon wirksam bei der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung

Nabilon verursachte signifikante Verbesserungen beim Schlaf, bei Albträumen, chronischen Schmerzen und anderen Symptomen von Patienten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dies ist das Ergebnis einer retrospektiven Studie von 101 männlichen Patienten mit schweren seelischen Erkrankungen, denen Nabilon verschrieben worden war, analysiert durch Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie der Universität von Ottawa (Kanada). Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift Journal of Clinical Psychopharmacology veröffentlicht.

Die Ergebnisse zeigten, dass Nabilon, ein synthetisches THC-Derivat mit ähnlichen pharmakologischen Eigenschaften, im Durchschnitt 3,5 Indikationen pro Patient beeinflusste. Die mittlere Dosierung lag bei 4 mg. Medikamente mit einem größeren Risiko für Nebenwirkungen oder Missbrauch als Nabilon konnten oft abgesetzt werden, meistens antipsychotische Medikamente und Schlafmittel/Sedativa. Die Autoren folgerten, dass "diese Studie das Versprechen von Nabilon als eine sichere, wirksame Behandlung für Störungen von psychisch Schwerkranken unterstützt".

Cameron C, Watson D, Robinson J. Use of a Synthetic Cannabinoid in a Correctional Population for Posttraumatic Stress Disorder-Related Insomnia and Nightmares, Chronic Pain, Harm Reduction, and Other Indications: A Retrospective Evaluation. J Clin Psychopharmacol, 1. Juli 2014 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabis wirksam bei behandlungsresistenter Übelkeit nach Schlaganfall

Ein Fallbericht einer 78 Jahre alten Frau mit therapieresistenter Übelkeit nach Schlaganfall des Kleinhirns, die gut auf eine Behandlung mit THC ansprach, wurde von Ärzten der Klinik für Geriatrie am Glan Cluryd Hospital in Rbyl (Großbritannien) vorgestellt. Ihre ursprünglichen Symptome waren therapieresistente Übelkeit, Schwindel und Gangunsicherheit (Ataxie). Während die Ataxie und der Schwindel sich nach der Rehabilitation verbesserten, blieb die Übelkeit bestehen. Sie wurde so stark, dass die Patientin bei der geringsten Bewegung krank wurde. Eine Anzahl von Standardmedikamenten, die ausprobiert worden waren, war ohne relevante Wirkung.

Da ihre Symptome so schwerwiegend waren, akzeptierte sie einen Versuch mit Cannabis und besorgte sich Cannabis illegal. Ihr wurden Cannabis-Kekse geliefert und sie begann, kleine Mengen davon einmal täglich auf ihren Toast zu geben. Ihre Symptome verbesserten sich innerhalb einer Woche, und sie war in der Lage, herumzugehen und das Haus zu verlassen. Auch wenn sie weiterhin an Übelkeit litt, so war sie nicht länger dadurch belastet, und sie erlebte im Verlauf von 2 Jahren keine Nebenwirkungen. Die Autoren folgerten, dass "Cannabis eine Option für die Behandlung therapieresistenter Übelkeit nach Schlaganfall sein könnte, jedoch nur nachdem alle anderen Behandlungen fehlschlugen".

Adhiyaman V, Arshad S. Cannabis for intractable nausea after bilateral cerebellar stroke. J Am Geriatr Soc. 2014 Jun;62(6):1199.

Kurzmeldungen

Dominikanische Republik: Der Premierminister möchte die Cannabisgesetze überdenken
Premierminister Roosevelt Skerrit erklärte, dass die Zeit gekommen sei, um die Cannabisgesetze der Dominikanischen Republik zu überprüfen. Ein regionales Komitee könnte bald eingesetzt werden, um die Thematik mit Experten zu besprechen. Die Dominikanische Republik ist ein Inselstaat in der Karibik.
Dominica Vibes vom 8. Juli 2014

Wissenschaft/Tier: Hohe Anandamid-Konzentrationen im Gehirn sind mit einer besseren Stress-Toleranz assoziiert
Tierexperimentelle Forschung legt nahe, dass die Anandamidspiegel im Gehirn eine akute durch Stress induzierte Angst vorhersagt. Die Autoren folgerten, dass eine Zunahme der Endocannabinoid-Spiegel "eine praktikable pharmakologische Strategie für die Behandlung stressbedingter neuropsychiatrischer Störungen darstellt".
Klinik für Psychiatrie, Medizinische Fakultät der Vanderbilt-Universität, Nashville, USA.
Bluett RJ, et al. Transl Psychiatry 2014;4:e408.

Wissenschaft/Tier: Krafttraining reduziert Schmerzen durch Aktivierung des Endocannabinoidsystems
Widerstandstraining, auch bekannt als Krafttraining, reduziert Schmerzen. Eine einzelne Übungseinheit von Widerstandstraining bei Ratten aktivierte das Endocannabinoidsystem, um eine Schmerzreduzierung zu bewirken.
Bundesuniversität von Minas Gerais, Belo Horizonte, Brasilien.
Galdino G, et al. Anesth Analg, 26. Juni 2014 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Ein Rausch durch Stimulanzien, nicht jedoch durch Cannabis ist mit einem exzessiven Alkoholkonsum assoziiert
Eine Online-Umfrage mit 1994 jungen Australiern, die im vergangenen Jahr Alkohol konsumiert hatten, ergab, dass "ein Rausch durch Stimulanzien, nicht jedoch ein Cannabisrausch bei jungen Erwachsenen mit exzessivem Alkoholkonsum assoziiert ist".
Die australische nationalen Universität, Canberra, Australien.
McKetin R, et al. Drug Alcohol Rev, 30. Juni 2014 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Unterschiede zwischen Heranwachsenden mit bipolarer Störung mit und ohne Cannabiskonsum
Eine Studie mit 67 Heranwachsenden zeigte, dass Heranwachsende mit bipolarer Störung und gleichzeitigem Cannabiskonsum nicht die gleiche Überaktivität der Hirnregionen, die an emotionalen Prozessen beteiligt sind, zeigen wie Heranwachsende mit bipolarer Störung allein. Die Autoren schrieben, dass dies "nahelegt, dass diese Personen einen einzigartigen Endophänotyp der bipolaren Störung aufweisen oder dass Cannabis die Hirnaktivität bei Patienten mit bipolarer Störung, die Cannabis konsumieren, einzigartig verändert".
Universität von Cincinnati, USA.
Bitter SM, et al. Addiction, 24. Juni 2014 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Acetylcholin ist wichtig für die Beeinträchtigung des Gedächtnisses durch Cannabis
Der Neurotransmitter Acetylcholin spielt eine wichtige Rolle bei der Beeinträchtigung des Gedächtnisses durch Cannabis. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit 15 gelegentlichen Cannabiskonsumenten, die nach der Inhalation von Cannabis verschiedene Medikamente erhielten. Wenn sie mit Riyastigmin, eine cholinerge Substanz, behandelt wurden, war die Beeinträchtigung des Gedächtnisses zum Teil abgeschwächt.
Institut für Neuropsychologie und Psychopharmacology, Universität Maastricht, Niederlande.
Theunissen EL, et al. Psychopharmacology (Berl), 8. Juli 2014 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung des CB2-Rezeptors schützt das Herz in frühen Stadien der Kardiomyopathie
Der Cannabinoid-2-Rezeptor spielt eine Schlüsselrolle beim Schutz des Herzens während der ersten Phasen der Entwicklung einer ischämischen Kardiomyopathie. Das zeigen Studien mit Mäusen.
Klinik für Herzchirurgie, Universitätskliniken Bonn, Deutschland.
Duerr GD, et al. Basic Res Cardiol 2014;109(4):425.

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