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IACM-Informationen vom 18. Mai 2013

Israel: Patienten wollen mit einem Hungerstreik gegen Einschränkungen der medizinischen Verwendung von Cannabis protestieren

Patienten und Ärzte organisieren für den 23. Mai einen Hungerstreik vor dem Haus von Gesundheitsminister Yael German, um gegen neue Beschränkungen der medizinischen Verwendung von Cannabis zu protestieren. Die neuen Vorschriften, die sofort in Kraft treten, etablieren eine Liste von Erkrankungen, für die ein Patient eine Erlaubnis zur Verwendung von Cannabis erhalten kann. Auf der Liste sind Patienten mit metastasierendem Krebs, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, HIV-Patienten mit extremem Gewichtsverlust, Patienten mit Multipler Sklerose und Muskelkrämpfen sowie Patienten mit einer Lebenserwartung bis zu einem halben Jahr. Patienten mit neuralgischen Schmerzen erhalten eine Erlaubnis zur Verwendung von Cannabis nur nach einer einjährigen Behandlung an anerkannten Schmerzkliniken und nach dem Versagen vorheriger Behandlungen.

Die Demonstranten wollen das weitere Erkrankungen in die Liste aufgenommen werden, darunter Morbus Parkinson, Glaukom, und psychiatrische Erkrankungen und Störungen. Jüngst haben vier Ärzte des Ärzteforums für Sicheren Zugang zu Cannabis einen Brief an German geschrieben, indem sie gegen die neuen Vorschriften demonstrieren. Der Vorsitzende des Forums Dr. Ilya Reznick vom Reut-Krankenhaus in Tel Aviv, Dr. Jonathan Greenfeld, Direktor in der Abteilung für Palliativmedizin und Onkologie des Assaf Harofeh-Krankenhauses, Dr. Alan Flashman von der hebräischen Universität in Jerusalem und Dr. Yakir Rotenberg vom Hadassah-Medizin Zentrum warnen, dass die neuen Regelungen dazu führen könnten, dass Patienten, die nicht länger auf der Liste sind, Drogen vom illegalen Markt kaufen könnten. Nach ihrer Ansicht sind die angekündigten Regelungen „willkürlich und diskriminieren Patienten mit anderen Erkrankungen ohne jede logische Erklärung und sind dafür verantwortlich, die Kontinuität der Behandlung von einigen von ihnen, zu schädigen, entgegen des Gesetzes zum Schutz der Patientenrechte.“ Zur Zeit dürfen etwa 11000 Patienten in Israel Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden.

Haaretz vom 17. Mai 2013.

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum ist mit einer niedrigeren Insulinresistenz und einem reduzierten Risiko für Diabetes verbunden

Trotz eines erhöhten Appetits und größerer Kalorieneinnahme zeigt eine repräsentative Studie, dass Cannabiskonsum mit einem niedrigeren Nüchterninsulinspiegel, einer niedrigeren Insulinresistenz und einem geringerem Bauchumfang verbunden ist. Dies ist das Ergebnis einer epidemiologischen Studie mit 4657 Erwachsenen, die von Forschern der medizinischen Fakultät der Universität von Nebraska in Omaha, der Abteilung für Epidemiologie der Harvard-Universität in Boston und der Forschungseinheit für kardiovaskuläre Epidemiologie des Beth Israel Deaconess Medizinzentrums in Boston (USA) durchgeführt wurde. Von den Teilnehmern waren 579 aktuelle Cannabiskonsumenten und 1975 ehemalige Konsumenten.

Aktueller Cannabiskonsum war mit einem um 16 % niedrigeren Nüchterninsulinspiegel und einem 17 % niedrigeren HOMA-IR verbunden. Das homöostatische HOMA-Modell ist eine Methode die verwendet wird, um die Insulinresistenz und die Funktion der Zellen, die Insulin in der Bauchspeicheldrüse produzieren, den so genannten Beta-Zellen, zu beurteilen. Die Forscher fanden auch signifikante Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und einem geringeren Bauchumfang. Diese Cannabiswirkungen können einen Schutz vor der Entwicklung von Diabetes darstellen. Die Forscher spekulieren, dass ihre Ergebnisse mit den Wirkungen des Hormons Adiponektin, das vom Fettgewebe abgegeben wird, zu tun haben könnte. Adiponektin beeinflusst eine Anzahl von Stoffwechselprozessen, darunter die Zuckerregulierung. Die Spiegel des Hormons sind bei einem hohen Fettanteil des Körpers hoch.

Penner EA, Buettner H, Mittleman MA. The Impact of Marijuana Use on Glucose, Insulin, and Insulin Resistance among US Adults. Am J Med, 16. Mai 2013 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabis verbessert die Symptome des Morbus Crohn in einer Placebo-kontrollierten Studie

Die Inhalation von Cannabis verbesserte bei Patienten mit Morbus Crohn die Symptome und die Krankheitsaktivität. Das ist das Ergebnis einer klinischen Studie mit 21 Teilnehmern, die nicht auf eine Therapie mit Steroiden, Immunmodulatoren oder Substanzen gegen den Tumor-Nekrose-Faktor-Alpha ansprachen, an der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie der Universität von Tel Aviv (Israel). Die Patienten erhielten 8 Wochen lang entweder zweimal täglich eine Cannabiszigarette oder Placebo-Cannabiszigaretten.

Ein vollständiges Verschwinden der Krankheitszeichen wurde bei 5 von 11 Patienten in der Cannabisgruppe und bei einem von 10 in der Placebo-Gruppe festgestellt. Eine klinisch signifikante Verbesserung trat bei 10 der 11 Patienten in der Cannabisgruppe und bei 4 der 10 Teilnehmer in der Placebo-Gruppe ein. 3 Patienten in der Cannabisgruppe konnten von ihrer Steroid-Abhängigkeit entwöhnt werden. Teilnehmer, die Cannabis erhielten, gaben einen verbesserten Appetit und einen verbesserten Schlaf an, ohne relevante Nebenwirkungen. Die Forscher folgerten, dass eine "kurzzeitige Gabe (8 Wochen) von THC-reichem Cannabis im Vergleich zu einem Placebo signifikante klinische, steroidfreie positive Wirkungen bei 11 Patienten mit aktivem Morbus Crohn verursachte, ohne Nebenwirkungen".

Naftali T, Bar Lev L, Dotan I, Lansky EP, Sklerovsky BF, Konikoff FM. Cannabis Induces a Clinical Response in Patients with Crohn's Disease: a Prospective Placebo-Controlled Study. Clin Gastroenterol Hepatol, 3. Mai 2013 [im Druck]

Kurzmeldungen

Wissenschaft/Mensch: Cannabis und Baclofen wirkten synergistisch bei einem Patienten mit Multipler Sklerose
Bei einem Patienten mit sekundär progredienter Multipler Sklerose, dessen Spastizität nicht auf konventionelle Behandlungsmöglichkeiten reagiert hat, war eine Kombination von Baclofen-Injektionen in das Hirnwasser und einer sehr niedrigen Dosis des Cannabisextrakts Sativex sehr wirksam. Baclofen allein war unwirksam. Die Forscher stellten eine „supra-additive Wirkung bei der Kombination“ beider Medikamente fest.
Neurologische Klinik, St. Josef-Krankenhaus, Ruhr-Universität Bochum, Deutschland.
Stroet A, et al. Ther Adv Neurol Disord 2013;6(3):199-203.
Frei verfügbarer Text.

Wissenschaft/Mensch: Bessere geistige Leistungsfähigkeit bei Patienten mit Psychosen, die Cannabis konsumieren
Forscher untersuchten die graue Substanz des Gehirns von 28 Patienten mit einer erstmals diagnostizierten Psychose und einer Cannabis-Anamnese, 78 Patienten ohne Cannabis-Anamnese und von 80 gesunden Kontrollpersonen, die keinen Cannabis konsumiert hatten. Patienten mit Cannabiskonsum in der Vorgeschichte wiesen geringere Gehirnveränderungen auf und hatten geringere Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit im Vergleich zu Patienten ohne Cannabiskonsum.
Klinik für Psychiatrie, Medizinische Fakultät, Universität von São Paulo, Brasilien.
Cunha PJ, et al. Schizophr Res, 11. Mai 2013 [im Druck]

Italien: Sativex bald verfügbar
GW Pharmaceuticals kündigte an, dass ihr Cannabisextrakt Sativex eine Zulassung zum Vertrieb in Italien erhalten hat. Das Unternehmen erwartet die Markteinführung durch den Partner von GW, Almirall, für den September.
Pressemitteilung von GW Pharmaceuticals vom 7. Mai 2013

USA: Der Gesetzgeber von Colorado stimmt für die Besteuerung von Cannabis für den Freizeitkonsum
Der Gesetzgeber von Colorado verabschiedete eine Gesetzesvorlage, die nun zum Gouverneur geht, nach der zum ersten Mal Steuern auf konventionelle Verkäufe von Cannabis, die in den Vereinigten Staaten für den Freizeitkonsum gekauft werden, erheben würde. Die Gesetzesvorlage wurde als Teil eines Maßnahmenpakets verabschiedet, das das Cannabisgesetz von Colorado, das im vergangenen November von den Wählern angenommen worden war, umsetzt. Es wird erwartet, dass der demokratische Gouverneur John Hickenlooper das Gesetz unterzeichnen wird.
Reuters vom 9. Mai 2013

Georgien: Die Regierung überlegt, Cannabis zu legalisieren
Die georgische Regierung überlegt eine Möglichkeit zur Legalisierung von Cannabis. Dies erklärte der Minister für Arbeit, Gesundheit und soziale Angelegenheiten, David Sergeyenko. "Wenn es um Drogen geht, führen verbotsorientierte Maßnahmen häufig zu Gegenreaktionen, die verlangen, dass noch strengere Maßnahmen und Entwicklungen in anderen Bereichen ergriffen werden müssen", zitiert die Nachrichtenagentur Novosti-Georgien Sergeyenko.
RIA Novosti vom 10. Mai 2013

Wissenschaft/Tier: Cannabinoide schwächten die Reaktionen bestimmter Schmerzrezeptoren bei Krebsschmerzen ab
Das synthetische Cannabinoid WIN 55,212-2 reduzierte die Reaktion von Schmerzrezeptoren so genannter C-Fasern bei Mäusen mit Krebsschmerzen. C-Fasern sind für die Schmerzwahrnehmung nach starken Reizen verantwortlich.
Abteilung für diagnostische und biologische Wissenschaften, Universität von Minnesota, Minneapolis, USA.
Uhelski ML, et al. Neuroscience, 11. Mai 2013 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung weisen Veränderungen des Endocannabinoidsystems auf
Verglichen mit 29 gesunden Personen wiesen 10 Patienten, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten, höhere Konzentrationen der Endocannabinoide Anandamid und 2-AG auf und hatten weitere Veränderungen des Endocannabinoidsystems. Die Autoren schrieben, dass dies "pathophysiologische und diagnostische Konsequenzen haben könnte".
Klinik für Anästhesiologie, Ludwig-Maximilians-Universität, München, Deutschland.
Hauer D, et al. PLoS One 2013;8(5):e62741.

Wissenschaft/Tier: Cannabidiol reduziert Anfälle in einem Mausmodell für Epilepsie
Cannabidiol (CBD) reduzierte Anfälle bei Mäusen, bei denen Anfälle durch eine chemische Substanz und Elektroschocks verursacht wurden.
Forschungszentrum für Neurowissenschaften, Shahid Beheshki Universität für Medizinische Wissenschaften, Teheran, Iran.
Shirazi-Zand Z, et al. Epilepsy Behav 2013;28(1):1-7.

Wissenschaft/Tier: Cannabidiol erleichtert die Auslöschung von Angst
Wiederholte Mikroinjektionen von CBD in bestimmte Gehirnregionen (infralimbischer Kortex) von Mäusen erleichterte die Auslöschung von Furcht. Diese Wirkung war durch CB1-Rezeptoren vermittelt. Die Forscher folgerten, dass diese Ergebnisse "eine potenzielle therapeutische Verwendung von CBD bei Therapien, die auf einer Auslöschung unangenehmer Erinnerungen beim Menschen basieren, nahe legen".
Departamento de Farmacologia, Universidade Federal de Santa Catarina, Florianópolis, Brasilien.
Do Monte FH, et al. Behav Brain Res, 1. Mai 2013 [im Druck]

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