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IACM-Informationen vom 28. Juli 2012

Wissenschaft/Mensch: Cannabis verbessert in einer großen klinischen Studie Symptome der Multiplen Sklerose

In einer klinischen Studie mit 279 Patienten, die an Multipler Sklerose litten, verbesserte ein Cannabisextrakt die Muskelsteifheit, die Schmerzen, die Krämpfe und den Schlaf. Die so genannte MUSEC-Studie (Multiple Sclerosis and Extract of Cannabis) wurde von Dr. John Zajicek, Professor an der Universität Plymouth, geleitet und an 22 Krankenhäusern in Großbritannien durchgeführt. Eine Kapsel des Extrakts enthielt 2,5 mg THC und 1,25 mg CBD (Cannabidiol). Auf eine 2-wöchige Dosisfindungsphase, in der die Teilnehmer die tägliche Dosis von 5 mg auf maximal 25 mg THC steigern konnten, folgte eine 10-wöchige Erhaltungsphase.

Die Häufigkeit der Linderung der von den Patienten angegebenen Muskelsteifheit war nach 12 Wochen in der Cannabisgruppe etwa doppelt so hoch wie in der Placebogruppe (29,4 Prozent gegenüber 15,7 Prozent). Ähnliche Ergebnisse wurden für Schmerzen, Spasmen und Schlafqualität beobachtet. Die Autoren folgerten: "Diese Studie erreichte ihr primäres Ziel, nämlich den Nachweis der Überlegenheit des Cannabisextrakts gegenüber dem Placebo bei der Behandlung der Muskelsteifheit bei MS. Dies wurde durch Ergebnisse bei den sekundären Wirksamkeitsvariablen unterstützt.

Zajicek JP, Hobart JC, Slade A, Barnes D, Mattison PG; on behalf of the MUSEC Research Group. MUltiple Sclerosis and Extract of Cannabis: results of the MUSEC trial. J Neurol Neurosurg Psychiatry, 12. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Sativex verbessert nach einer Umfrage eine Anzahl von Symptomen bei der Multiplen Sklerose

Die Verwendung des Cannabisextrakts Sativex führte zu Verbesserungen bei einer Anzahl täglicher Aktivitäten sowie zu einer Reduzierung der Verwendung anderer antispastischer Medikamente und der Verwendung anderer Behandlungsmaßnahmen. Dies ist das Ergebnis von Antworten auf eine Umfrage durch Patienten und Betreuer, die von Dr. William Notcutt vom James Paget Universitätskrankenhaus Great Yarmouth (Großbritannien), durchgeführt wurde.

Ein kurzer Fragebogen, der überwiegend aus Fragen mit Antworten zum Ankreuzen sowie einigen Fragen für freien Text bestand, richtete sich an den Patienten oder seinen Betreuer. Er wurde über Ärzte in Großbritannien, die Sativex verschreiben, mit der Bitte verteilt, ihn an Patienten weiterzugeben, die in den vorausgegangenen vier Monaten wiederholt Rezepte für Sativex erhalten hatten. Die meisten Patienten hatten MS und die wichtigsten Gründe für die Verwendung von Sativex waren Spastik und Schmerzen. Die Rücklaufrate betrug 57 Prozent (124 Fragebögen).

Notcutt WG. A questionnaire survey of patients and carers of patients prescribed Sativex as an unlicensed medicine. Prim Health Care Res Dev, 12. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: THC könnte nach einer experimentellen Studie die Auslöschung von Furcht bei Angststörungen verbessern

THC beugte in einem Experiment zur Extinktion (Auslöschung) dem Wiederauftreten von Furcht vor. Dies ist das Ergebnis einer placebokontrollierten Studie mit 29 gesunden Personen an der Klinik für Psychiatrie der Universität von Michigan in Ann Arbor (USA). Die Teilnehmer wurden einem Standardmodell für die Extinktion von Furcht ausgesetzt. In diesem Experiment der klassischen Konditionierung folgt auf einen neutralen Reiz, beispielsweise ein Ton, ein zweiter (unangenehmer) Reiz, beispielsweise Schmerzen. Wenn dieses Experiment wiederholt wird, verursacht bereits der erste (neutrale) Reiz eine körperliche Reaktion, weil die Personen die Schmerzen (den zweiten Reiz) erwarten. Bei der Extinktion handelt es sich um einen Lernprozess, bei dem die erlernte Reaktion auf den ersten Reiz verschwindet, wenn dieser Reiz ohne den zweiten (unangenehmen) Reiz auftritt. Dieses Erlernen der Extinktion stellt eine wichtige Herangehensweise bei der Behandlung von Angststörungen dar.

In der Studie erhielten 14 Teilnehmer zwei Stunden vor der Extinktion orales THC, während 15 ein Placebo erhielten. 24 Stunden nach der Extinktion wurden die Probanden erneut getestet. Verglichen mit Teilnehmern, die ein Placebo erhalten hatten, wiesen die Personen, die THC bekommen hatten, eine bessere Extinktion der Furcht auf. THC könnte daher nützlich bei der Behandlung von Angststörungen, wie beispielsweise posttraumatischen Belastungsstörungen, sein. Die Wissenschaftler folgerten, dass "diese Ergebnisse den ersten Nachweis dafür liefern, dass eine pharmakologische Verstärkung der Extinktion beim Menschen funktioniert, wenn Modulatoren des Cannabinoidsystems verwendet werden. Dies verdient weitere Entwicklungen und klinische Untersuchungen."

Rabinak CA, Angstadt M, Sripada CS, Abelson JL, Liberzon I, Milad MR, Phan KL. Cannabinoid facilitation of fear extinction memory recall in humans. Neuropharmacology, 13. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabis reduziert Symptome bei einem Patienten mit schwerer posttraumatischer Belastungsstörung

Die Symptome einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung wurden bei einem jungen Mann signifikant durch die Selbstbehandlung mit Cannabis verbessert. Dies geht aus einem Fallbericht der Klinik für Psychiatrie der Medizinischen Hochschule Hannover (Deutschland) hervor. Seit seinem vierten Lebensjahr war der Patient Opfer eines langzeitigen, sadistischen sexuellen Missbrauchs durch seinen Vater und den Onkel väterlicherseits. Dies hielt bis zu seinem 15. Lebensjahr an, als er zum zweiten Mal versuchte, sich umzubringen.

Die Autoren des Berichts sahen den Patienten mehrere Jahre später zum ersten Mal. Zu diesem Zeitpunkt war er während einer akuten Krise mit starken, unkontrollierten Flashbacks, Panikattacken und Impulsen, sich selbst zu verletzen, zu seiner Sicherheit und Stabilisierung in die Psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Die Selbstverletzungen hatten in der Vergangenheit zu Narben durch Messerschnitte geführt. Nach einigen Tagen, in denen er sich stabilisiert hatte, wurde er in einem Psychotherapie-Behandlungszentrum zurücküberwiesen. In den folgenden Wochen verbesserte sich sein Zustand dramatisch. Als er gefragt wurde, was nach seiner Ansicht für die Verbesserung seines Zustands verantwortlich war, gab er zu, dass er von anderen Patienten gelernt habe, Cannabisharz zu rauchen. Er hatte entdeckt, dass er gespaltenen Bewusstseinszuständen durch das Rauchen von Cannabis vorbeugen konnte, sobald er erste Gefühle der Reaktivierung und Verstärkung der traumatischen Erinnerungen als Flashbacks bemerkte. Auch wenn er nach der Cannabisverwendung weiterhin Flashback-Phänomene erlebte, so waren ihr Verlauf und ihre Stärke verändert. Die Autoren nahmen eine Übersicht zu diesem Thema vor und folgerten: "Es gibt zunehmende Hinweise, dass Cannabinoide eine Rolle bei der Extinktion von Furcht und antidepressiven Wirkungen spielen könnten."

Passie T, Emrich HM, Karst M, Brandt SD, Halpern JH. Mitigation of post-traumatic stress symptoms by Cannabis resin: A review of the clinical and neurobiological evidence. Drug Test Anal, 26. Juni 2012 [im Druck]

Kurzmeldungen

Frankreich: Konferenz zur medizinischen Verwendung von Cannabis
Eine Konferenz zur medizinischen Verwendung von Cannabinoiden und Cannabis wird am 19. Oktober 2012 im EURopäischen Parlament in Straßburg stattfinden. Die Veranstaltung wird von Icare (Straßburg) und Action Sida Ville (ASV Straßburg) organisiert.
Avancées pharmacologiques et utilisations thérapeutiques des cannabinoïdes

Wissenschaft/Mensch: Cannabis verbessert die geistige Leistungsfähigkeit bei bipolaren Störungen
Verglichen mit Patienten mit bipolarer Störung, die keinen Cannabis konsumierten, zeigten Patienten mit Cannabiskonsum eine bessere Leistungsfähigkeit in Tests zu Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Arbeitsgedächtnis. In der Studie wurden 50 Patienten mit bipolarer Störung und Cannabiskonsum (CUD) mit 150 Patienten ohne Cannabiskonsum verglichen. Die Wissenschaftler schrieben: "Interessanterweise wiesen bipolare Patienten mit CUD in ihrer Krankengeschichte verglichen mit Patienten ohne CUD in der Anamnese eine bessere neurokognitive Leistungsfähigkeit auf."
Zucker Hillside Hospital, Glen Oaks, New York, USA.
Braga RJ, et al. Psychiatry Res, 17. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum verändert nicht die Schilddrüsefunktion
Blutspiegel von Schilddrüsenhormonen waren bei 24 regelmäßigen Cannabiskonsumenten normal. Die Wissenschaftler folgerten: "Diese Ergebnisse sprechen gegen einen relevanten Einfluss einer chronischen Cannabiseinnahme auf die Schilddrüsenfunktion beim Menschen."
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Evangelisches Krankenhaus Castrop-Rauxel, Deutschland.
Bonnet U. Pharmacopsychiatry, 20. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum ist mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt verbunden
In einer großen klinischer Studie mit 3234 gesunden Schwangeren war Cannabiskonsum mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt assoziiert. Es gab insgesamt 4,9 Prozent Frühgeburten. Die Wissenschaftler stellten mehrere Risikofaktoren fest, inklusive Cannabiskonsum, die Risiken waren jedoch gering.
Lyell McEwin Hospital, Adelaide, Australien.
Dekker GA, et al. PLoS One, 2012;7(7):e39154.

Wissenschaft/Zellen: Endocannabinoide schwächen entzündungsfördernde Zustände ab
Das Hinzufügen von Endocannabinoiden zu Kulturen bestimmter Immunzellen der Retina (Netzhaut des Auges) hilft den Zellen der Netzhaut in einer entzündlichen Umgebung zu überleben, indem sie ein entzündungshemmendes Milieu schaffen. Die Wissenschaftler folgerten, dass Cannabinoide "einen molekularen Wechsel innerhalb des angeborenen Immunsystems verursachen, so dass die Balance der Bildung von entzündungsfördernden und entzündunghemmenden Zytokinen ein das Überleben förderndes Milieu schafft".
Klinik für Pathologie des Auges, Vision Research Foundation, Chennai, Indien.
Krishnan G, Chatterjee N. Glia, 17. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung des CB2-Rezeptors macht die Abnahme des Gedächtnisses durch Amyloid rückgängig
Die Injektion von Amyloid in die Gehirne von Ratten verursachte einige Veränderungen, die typisch für die Alzheimer-Krankheit sind. Die Behandlung mit einem Cannabinoid, das an den CB2-Rezeptor bindet, kehrte diese Wirkungen um und stellte kognitive Leistungsfähigkeit und Gedächtnis wieder her.
Institut für Anästhesie, Cleveland Clinic, USA.
Wu J, et al. Neurobiol Aging, 12. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Angiotensin II verursacht eine Freisetzung von Endocannabinoiden
Angiotensin II erhöht den Blutdruck. Jetzt wurde gezeigt, dass dieses Hormon auch die Freisetzung des Endocannabinoids 2-AG aus den Blutgefäßwänden induziert. Dies schwächt durch eine Aktivierung von CB1-Rezeptoren den Gefäß zusammenziehenden Effekt des Angiotensin II ab.
Semmelweis-Universität, Budapest, Ungarn.
Szekeres M, et al. J Biol Chem, 11. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Hohe Anandamid-Konzentrationen während der Stillzeit verursachen Übergewicht im Erwachsenenalter
Neugeborene Mäuse, die während der gesamten Stillzeit orales Anandamid erhielten, waren im Erwachsenenalter übergewichtig und wiesen eine erhöhten Nahrungsaufnahme auf. Sie zeigten zudem ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes.
Aguirre CA, et al. Diabetol Metab Syndr, 2012;4(1):35.

Blick in die Vergangenheit

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