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IACM-Informationen vom 03. Dezember 2011

Wissenschaft: Cannabis verbessert Symptome entzündlicher Darmerkrankungen in einer offenen klinischen Studie

An einer Klinik für Gastroenterologie (Magendarmerkrankungen), die zur Universität von Tel Aviv (Israel) gehört, wurden 13 Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in eine prospektive Pilotstudie aufgenommen, um die Wirkungen einer Behandlung mit inhaliertem Cannabis zu untersuchen. Mehrere Parameter wurden vor der Behandlung und nach dreimonatiger Therapie beurteilt, darunter der Harvey-Bradshaw-Index, der Informationen zur Krankheitsaktivität beim Morbus Crohn liefert, inklusive allgemeinem Wohlbefinden, Bauchschmerzen, Häufigkeit des flüssigen Stuhlgangs und Komplikationen.

Nach einer dreimonatigen Behandlung gaben die Patienten eine Verbesserung der allgemeinen Gesundheit, des sozialen Lebens, der Fähigkeit zu arbeiten, der körperlichen Schmerzen und Depressionen an. Eine schematische Skala der Gesundheitswahrnehmung zeigte eine Verbesserung des durchschnittlichen Wertes von 4,1 auf 7. Die Patienten nahmen durchschnittlich um 4,3 kg an Gewicht zu und wiesen eine Zunahme des BMI (Body-Mass-Index) um durchschnittlich 1,4 auf. Der Harvey-Bradshaw-Index wurde durchschnittlich von 11,36 auf 5,72 reduziert. Die Autoren folgerten, dass "eine dreimonatige Behandlung mit inhaliertem Cannabis Maße der Lebensqualität und der Krankheitsaktivität verbessert sowie eine Zunahme von Gewicht und BMI bei Patienten mit langzeitigen entzündlichen Darmerkrankungen verursacht".

(Quelle: Lahat A, Lang A, Ben-Horin S. Impact of Cannabis Treatment on the Quality of Life, Weight and Clinical Disease Activity in Inflammatory Bowel Disease Patients: A Pilot Prospective Study. Digestion. 2011;85(1):1-8.)

USA: Gesetze für medizinischen Cannabis reduzieren Zahl der Verkehrstoten durch geringeren Alkoholkonsum

Eine neue Studie zeigt, dass Gesetze, die die medizinische Verwendung von Cannabis legalisieren, zu einer Reduzierung der Verkehrstoten um fast 9 Prozent und einer Reduzierung der Bier-Verkäufe um 5 Prozent geführt haben. "Unsere Forschung legt nahe, dass die Legalisierung von medizinischem Marihuana die Zahl der verkehrsbedingten Todesfälle durch eine Abnahme des Alkoholkonsums durch junge Erwachsene reduziert", erklärte Daniel Rees, Professor für Ökonomie an der Universität von Colorado in Denver, der die Studie zusammen mit D. Mark Anderson, Professor für Ökonomie an der Universität von Montana, durchgeführt hat.

Die Forscher sammelten Daten aus mehreren Quellen, darunter die nationale Umfrage zu Drogenkonsum und Gesundheit (National Survey on Drug Use and Health), das Überwachungssystem zu Risikofaktoren des Verhaltens (Behavioral Risk Factor Surveillance System) und das Berichtsystem zur Todesfallanalyse (Fatality Analysis Reporting System). Es ist die erste Studie, die den Zusammenhang zwischen der Legalisierung von medizinischem Cannabis und Verkehrstoten untersucht. Anderson stellte fest, dass Verkehrstote von einem Politik-Standpunkt von Bedeutung sind. "Verkehrstote sind aus einer politischen Perspektive ein wichtiges Ereignis, da sie die häufigste Todesursache von Amerikanern im Alter zwischen fünf und 34 Jahren darstellen", erklärte er. Die Ökonomen analysierten Verkehrstote landesweit, inklusive der 13 Staaten, die zwischen 1996 und 2009 medizinischen Cannabis legalisierten. "Auch wenn wir keine politischen Empfehlungen geben, so scheint es sicherlich so zu sein, dass medizinische Marihuanagesetze unsere Highways sicherer machen", erklärte Rees.

Die Studie untersuchte auch den Cannabiskonsum in drei Staaten, die medizinischen Cannabis Mitte 2000 legalisierten, Montana, Rhode Island und Vermont. Der Cannabiskonsum durch Erwachsene nahm nach der Legalisierung in Montana und Rhode Island, nicht jedoch in Vermont zu. Es gab keinen Hinweis, dass der Cannabiskonsum bei Minderjährigen zunahm.

Mehr in: "Medical Marijuana Laws, Traffic Fatalities, and Alcohol Consumption":
- www.iza.org/en/webcontent/publications/papers/viewAbstract?dp_id=6112
- www.eurekalert.org/pub_releases/2011-11/uocd-ssm112911.php

(Quelle: EURekalert vom 29. November 2011)

Kurzmeldungen

USA: Gouverneure für Umstufung von Cannabis
Die Gouverneure der Staaten Washington und Rhode Island richteten am 30. November eine Petition an die Bundesdrogenbehörde (Drug Enforcement Administration), die es Ärzten erlauben würde, legal Cannabis als medizinische Behandlung zu verschreiben. Die Demokratin Christine Gregoire von Washington und der unabhängige Lincoln Chafee von Rhode Island baten die DEA, Cannabis von einer Droge der Liste 1 in die Liste 2 umzustufen, was es Ärzten erlauben würde, seine Verwendung zu empfehlen, und Apothekern, ihn abzugeben. Washington und Rhode Island sind zwei der 16 US-Staaten, die die medizinische Verwendung von Cannabis erlauben. (Quelle: Reuters vom 1. Dezember 2011)

Europa: Sativex
Das britische Unternehmen GW Pharmaceuticals kündigte an, dass es die Zulassungen für Sativex im Jahr 2012 um bis zu 10 weitere EURopäische Länder erweitern möchte. Sativex ist bereits in Großbritannien, Deutschland, Spanien und Dänemark verfügbar sowie in der Tschechischen Republik zugelassen. Weitere Zulassungen werden für Italien, Schweden und Österreich erwartet mit Markteinführungen im Jahr 2012. (Quelle: Pressemitteilung von GW Pharmaceuticals vom 28. November 2011)

Wissenschaft: Knochenverlust
Es ist bekannt, dass eine Behandlung mit Glukokortikoiden (Cortison) das Risiko für Osteoporose erhöht. Forscher aus Taiwan zeigten, dass diese Wirkung durch den CB1-Rezeptor vermittelt wird. Ein CB1-Rezeptorantagonist blockierte diesen Effekt. Die Autoren folgerten, dass "die Modulierung der CB1-Signalgebung ein therapeutisches Potenzial für die Vorbeugung Glukokortikoid-induzierter osteopenischer Störungen besitzt". (Quelle: Ko JY, et al. Arthritis Rheum, 29. November 2011 [im Druck])

Wissenschaft: Augenblinzeln
Nach Forschung an der Universität Leiden (Niederlande) reduziert regelmäßiger Cannabiskonsum die Häufigkeit des Augenblinzelns. Die Häufigkeit des Blinzelns korrelierte negativ mit den Jahren der Cannabisexposition, der maximalen monatlichen Cannabisverwendung und dem Cannabiskonsum während des gesamten Lebens. (Quelle: Kowal MA, et al. PLoS One 2011;6(11):e26662.)

Wissenschaft: Entzündung des Dickdarms
Nach tierexperimenteller Forschung an der Universität von Süd-Carolina in Columbia (USA) reduzierte ein synthetisches Cannabinoid Entzündungen des Dickdarms (Colitis) durch eine Induktion des programmierten Zelltods von aktivierten T-Lymphozyten, eine Reduzierung der Zahl der aktivierten T-Lymphozyten sowie die Unterdrückung der Induktion weiterer weißer Blutkörperchen (Mastzellen, natürliche Killerzellen und neutrophile Granulozyten) im Bereich der Entzündungen. Diese Wirkungen waren durch den CB2-Rezeptor vermittelt. (Quelle: Singh UP, et al. Toxicol Appl Pharmacol, 18. November 2011 [im Druck])

Wissenschaft: Schlaganfall
Tierexperimentelle Forschung der Takeda Pharmaceutical Company in Kanaga (Japan) zeigt, dass die Aktivierung von CB1- und CB2-Rezeptoren durch ein synthetisches Cannabinoid (TAK-937) die Konsequenzen einer vorübergehend unterbrochenen Blutversorgung des Gehirns reduzierte. Die Wissenschaftler folgerten, dass "TAK-937 nützlich bei der Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls sein könnte". (Quelle: Suzuki N, et al. Brain Res, 4. November 2011 [im Druck])

Wissenschaft: Rhythmusstörungen des Herzens
Cannabidiol (CBD) und ein CB1-Rezeptorantagonist stabilisierten durch unterschiedliche Mechanismen den Herzrhythmus. Forscher der Robert Gordon-Universität in Aberdeen (Großbritannien) zeigten, dass ein CB1-Rezeptorantagonist und CBD synergistisch wirkten. Sie schlugen vor, dass es während einer Ischämie eine "Wechselwirkung zwischen CB1- und anderen CB-Rezeptoren im Herzen gibt". (Quelle: Hepburn CY, et al. Heart 2011;97(24):e8.)

Wissenschaft: Herzinfarkt
Nach tierexperimenteller Forschung an der Shanghai Jiaotong-Universität (China) schützt die Aktivierung des CB2-Rezeptors das Herz bei reduzierter Blutversorgung, was eine mögliche Behandlung eines Herzinfarkts eröffnet. (Quelle: Wang PF, et al. J Cardiovasc Pharmacol, 21. November 2011 [im Druck])

Wissenschaft: Arteriosklerose
Nach Forschung an der Universität Genf (Schweiz) mit Gewebe von menschlichen Arterien (Carotis-Arterie) und mit Tieren ist der CB2-Rezeptor bei instabilen Arteriosklerose-Plaques herunter reguliert. Die Autoren schlagen vor, dass die Aktivierung des CB2-Rezeptors "selektiv die Verletzlichkeit der Carotiden beim Menschen reduzieren könnte". (Quelle: Montecucco F, et al. EUR Heart J, 22. November 2011 [im Druck])

Wissenschaft: Körperliches Training
Nach Forschung an der Universität von München (Deutschland) wird das Endocannabinoidsystem beim Menschen bei starker körperlicher Belastung aktiviert. Die Blutkonzentration von Anandamid verdoppelte sich bei 12 trainierten gesunden Freiwilligen nach anstrengendem Wandern. Diese Wirkung wurde durch eine reduzierte Sauerstoffkonzentration in großer Höhe im Gebirge gesteigert. (Quelle: Feuerecker M, et al. EUR J Appl Physiol, 19. November 2011 [im Druck])

Wissenschaft: Cannabiskonsum
Nach Forschung an der Columbia-Universität in New York (USA) ist der Cannabiskonsum in Staaten mit medizinischen Cannabisgesetzen nahezu doppelt so hoch wie in Staaten ohne solche Gesetze. Sie nahmen etwa 68.000 Personen in ihre Studie auf. Sie schrieben, dass diese Assoziation auf "einer zu Grunde liegenden gemeinsamen Ursache beruhen könnte, wie gesellschaftlichen Normen, die unterstützend für die Legalisierung von medizinischem Marihuana und für Marihuanakonsum sind". (Quelle: Cerdá M, et al. Drug Alcohol Depend, 16. November 2011 [im Druck])

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