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IACM-Informationen vom 14. August 2010

Deutschland/USA: Drei Viertel der Bürger in den USA und Deutschland unterstützen die medizinische Verwendung von Cannabis

Nach einer Umfrage durch das Emnid-Institut gibt es in Deutschland eine breite Unterstützung für die medizinische Verwendung von Cannabis. Von 1001 telefonisch befragten Bundesbürgern waren 76 Prozent der Auffassung, dass die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt sein sollte, während nur 18 Prozent dies ablehnten und 6 Prozent keine Meinung zu diesem Thema hatten. Die aus zwei Fragen bestehende Umfrage war von der deutschen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) in Auftrag gegeben worden. Nach den Antworten der zweiten Frage sind 65 Prozent der Deutschen der Auffassung, dass eine Behandlung mit dem Cannabiswirkstoff Dronabinol (THC) von den Krankenkassen übernommen werden sollte, was bisher im Allgemeinen nicht der Fall ist.

Die Unterstützung für die medizinische Verwendung von Cannabis war am höchsten in gebildeten Schichten, bei Männern, bei Befragten im Alter zwischen 50 und 60 Jahren sowie bei Wählern der kleinen politischen Parteien, Grüne (90 Prozent), FDP (85 Prozent) und Linke (85 Prozent). Mehr als drei Viertel der Wähler der großen Parteien SPD (83 Prozent) und CDU/CSU (77 Prozent) unterstützten ebenfalls die medizinische Cannabisnutzung. Bei den Nichtwählern war die Unterstützung mit 72 Prozent am niedrigsten. Diese Ergebnisse stimmen mit einer aktuellen Rasmussen-Umfrage in den USA überein. Sie hatte ergeben, dass 75 Prozent der Amerikaner die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke unterstützen, wenn er durch einen Arzt verschrieben wurde.

Mehr unter:
- www.cannabis-med.org/german/emnid_2010.pdf
- www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/multiple_sklerose/article/615041/umfrage-kaum-vorbehalte-cannabis-medizin.html?sh=4&h=-1265806251
- www.reuters.com/article/idUS96644+05-Aug-2010+MW20100805
- www.cannabis-med.org/german/acm-mitteilungen/ww_de_db_cannabis_artikel.php?id=65

(Quellen: Reuters vom 5. August 2010, dpa vom 13. August 2010, ACM)

USA: Vorschläge für Regelungen zur medizinischen Verwendung von Cannabis in Washington D.C.

Es wird Geschäften, die medizinischen Cannabis in Washington verkaufen, nicht erlaubt sein, ihre Waren mit riesigen Cannabisblättern zu bewerben, und die Packungen, die sie abgeben, müssen eine Warnung zu gesundheitlichen Risiken aufweisen. Das sind nur zwei von mehr als 300 vorgeschlagenen Regelungen, die am 6. August publiziert wurden und ein neues medizinisches Cannabisgesetz in der Stadt umsetzen sollen. Die Regelungen, die von den Bedingungen für den Anbau bis zu Vorschriften für Verteilungsstellen reichen, sind der erste Schritt, um festzulegen, wie die Bürger von Washington Cannabis zur medizinischen Verwendung erhalten können.

Die aktuell vorgeschlagenen Vorschriften, die vom Büro des Bürgermeisters erstellt wurden, können nun von der Öffentlichkeit kommentiert werden. Es wird nicht erwartet, dass Patienten vor 2011 Cannabis in der Stadt kaufen können. Verfechter der medizinischen Verwendung von Cannabis kritisieren bereits einige der Regelungen und fragen, warum es so lange dauern soll, bis sie in Kraft treten. Beispielsweise kritisieren sie Regelungen, nach denen die Anbauer und Verkäufer von Cannabis unter die Aufsicht der gleichen Behörde der Stadt gestellt werden soll, die für Lizenzen für alkoholische Getränke zuständig ist. Nach ihrer Auffassung sollte medizinischer Cannabis unter der Aufsicht des Gesundheitsministeriums, das auch für die Registrierung von Patienten zuständig ist, stehen.

Mehr unter:
www.msnbc.msn.com/id/38595694/ns/health

(Quelle: Associated Press vom 6. August 2010)

Kurzmeldungen

USA: Colorado
Der Staat Colorado hat etwa 7 Millionen Dollar (etwa 5,5 Millionen EUR) an Gebühren von den mehr als 700 Besitzern von Verteilungsstellen, die eine staatliche Lizenz beantragt haben, eingenommen. Der Staat erhielt zudem etwa 1300 Lizenz-Anträge für Anbau-Anlagen und von anderen Unternehmen für medizinischen Cannabis. Nach einem neuen Gesetz vom Juni 2010 müssen Unternehmen, die im Bereich der medizinischen Verwendung von Cannabis arbeiten, eine staatliche Lizenz beantragen. (Quelle: Denver Daily News vom 4. August 2010)

Wissenschaft: Schmerzen
Nach einer Studie des pharmazeutischen Unternehmens AstraZeneca produzierte ein peripher begrenzter Cannabinoid-1-Rezeptoragonist (AZ11713908) robuste schmerzlindernde Wirkungen in Mausmodellen für entzündliche und neuropathische Schmerzen. Es traten keine zentralnervösen Nebenwirkungen auf. (Quelle: Yu XH, et al. Pain, 7. August 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Zwangsstörungen
Nach einer Studie an der Universität von Sao Paulo (Brasilien) ist das natürliche Cannabinoid Cannabidiol (CBD) wirksam in einem Mausmodell für Zwangsstörungen, ein Test, in dem die Tiere Murmeln vergruben. CBD (15, 30 und 60 mg/kg Körpergewicht) induzierte eine signifikante Abnahme der Zahl der vergrabenen Murmeln (um 34, 41 bzw. 48 Prozent). Dieser Effekt wurde durch einen CB1-Rezeptorantagonisten blockiert. (Quelle: Casarotto PC, et al. Behav Pharmacol 2010;21(4):353-8.)

Wissenschaft: Schlaf
An den Johns-Hopkins-Medical-Institutions in Baltimore (USA) wurden die Folgen der Einstellung eines Cannabiskonsums durch 18 starke Konsumenten bis zum 13. Tag der Abstinenz auf den Schlaf untersucht. Während des gesamten Zeitraums nahmen die Schlafzeit, die Schlafeffektivität sowie der Umfang des so genannten REM-Schlafs ab, während das Aufwachen nach Beginn des Schlafes und Perioden von Extremitätenbewegungen während des Schlafes zunahmen. (Quelle: Bolla KI, et al. Sleep Med, 2. August 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Krebs
Nach einer Studie am italienischen Institut für Krankheiten des Verdauungsapparates in Bari (Italien) reduzierte das Endocannabinoid Anandamid den Spiegel der so genannten Polyamine (Putrescin, Spermidin und Spermin) in menschlichen Dickdarmkrebszellen und hemmte die Vermehrung der Krebszellen. Diese Wirkungen waren durch den CB1-Rezeptor vermittelt. Polyamine sind Substanzen, die eine wichtige Rolle bei der Zellvermehrung spielen. (Quelle: Linsalata M, et al. Anticancer Res 2010;30(7):2583-9.)

Wissenschaft: Reizdarm
Nach einer tierexperimentellen Studie an der Huazhong-Universität für Wissenschaft und Technologie in Wuhan (China) verursacht chronischer leichter Stress eine Überempfindlichkeit des Darms. Diese Überempfindlichkeit konnte in der Untersuchung durch ein Cannabinoid (ACEA) reduziert werden, und diese Wirkung war durch den CB1-Rezeptor vermittelt. Ein Reizdarm ist mit einer Überempfindlichkeit des Darms assoziiert. Die Forscher folgerten, dass "es einen Schlüsselbeitrag peripherer CB1-Rezeptoren an der Aufrechterhaltung einer viszeralen Hyperalgesie gibt". (Quelle: Shen L, et al. J Neurogastroenterol Motil 2010;16(3):281-90.)

Wissenschaft: Krebs
Forscher der Universität Rostock (Deutschland) untersuchen die Mechanismen der krebshemmenden Wirkungen von Cannabidiol (CBD) bei Lungenkrebszellen. Sie stellten keine signifikante Abnahme des Plasminogen-Aktivator-Hemmer-1 fest. Sie folgerten, dass ihre "Daten Hinweise für einen bisher unbekannten Mechanismus liefert, der der anti-invasiven Wirkung von Cannabidiol bei menschlichen Lungenkrebszellen zu Grunde liegt". (Quelle: Ramer R, et al. Pharm Res, 29. Juli 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Zeit
Forscher der Yale-Universität in New Haven, USA, untersuchten die Wirkungen von Cannabinoiden auf die zirkadiane Uhr des Gehirns. Cannabinoide veränderten nicht den frei laufenden Rhythmus im Mäusegehirn, schwächten jedoch die Fähigkeit der zirkadianen Uhr ab, von Licht-Zeitgebern mitgenommen zu werden. (Quelle: Acuna-Goycolea C, et al. J Neurosci 2010;30(30):10061-6.)

Wissenschaft: Nervenschutz
Nach einer chinesischen Arbeitsgruppe, die mit Ratten arbeitete, basieren die neuroprotektiven Wirkungen des synthetischen Cannabinoids WIN 55,212-2 gegen negative Konsequenzen einer vorübergehenden Ischämie (Mangeldurchblutung) auf der Aktivierung bestimmter extrazellulärer Kinasen. Eine Vorbehandlung mit dem Cannabinoid schützte das Gehirn vor einer vorübergehenden Ischämie, die durch eine Unterbrechung der mittleren Gehirnarterie verursacht worden war, und vergrößerte die Konzentration dieser Kinasen (bestimmte Enzyme). (Quelle: Hu B, et al. EUR J Pharmacol, 27. Juli 2010 [im Druck])

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