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IACM-Informationen vom 22. Mai 2010

Wissenschaft: Ruf nach klinischen Studien zu Cannabis bei amyotropher Lateralsklerose

Nach einer Übersicht durch Wissenschaftler der Universität von Washington (USA) gibt es nun ausreichende wissenschaftliche Daten, die die Durchführung klinischer Studien zu Cannabis bei amyotropher Lateralsklerose (ALS) unterstützen. Sie stellen fest, dass "vorklinische Daten nahe legen, dass Cannabis starke antioxidative, entzündungshemmende und neuroprotektive Wirkungen besitzt", Wirkungen, die bei der Bekämpfung des Fortschreitens der Erkrankung von Nutzen sein können. In den vergangenen Jahren wurden mehrere tierexperimentelle Studien durchgeführt, die gezeigt haben, dass Cannabinoide eine positive Wirkung auf den Beginn der Erkrankung und/oder der Lebenszeit haben. Beispielsweise wurde in einer Studie aus dem Jahr 2007 gezeigt, dass ein synthetisches Cannabinoid, das selektiv an den CB2-Rezeptor bindet, das Überleben verlängerte. Tägliche Injektionen mit dem selektiven CB2-Agonisten AM-1241 verlängerten das Überleben nach Ausbruch der Erkrankung um 56 Prozent. In einer Studie aus dem Jahr 2006 verzögerte ein synthetisches Cannabinoid (WIN 55,212-2) und die Hemmung des Endocannabinoidabbaus den Krankheitsbeginn bei den Tieren, ohne die Lebenspanne zu beeinflussen.

Zudem besitzt Cannabis viele Eigenschaften, die bei der Behandlung der ALS eingesetzt werden können. Dazu zählen Schmerzlinderung, Muskelentspannung, Bronchienerweiterung, Reduzierung der Speichelbildung, Stimulierung des Appetits und Förderung des Schlafes, die bereits von vielen ALS-Patienten genutzt werden. Die Forscher stellen fest, dass "sowohl von dem Gesichtspunkt der Krankheitsbeeinflussung als auch dem der Symptombehandlung klinische Studien mit Cannabis der nächste logische Schritt sind. Basierend auf den gegenwärtig verfügbaren wissenschaftliche Daten, ist es vernünftig anzunehmen, dass Cannabis das Fortschreiten der ALS signifikant verlangsamten könnte, potenziell die Lebenserwartung vergrößern und die Belastung durch die Erkrankung substanziell reduzieren könnte."

(Quelle: Carter GT, Abood ME, Aggarwal SK, Weiss MD. Cannabis and Amyotrophic Lateral Sclerosis: Hypothetical and Practical Applications, and a Call for Clinical Trials. Am J Hosp Palliat Care, 3. Mai 2010 [im Druck])

Kurzmeldungen

Holland: Cannabis-Apotheke
Es gibt nun eine zweite Apotheke in den Niederlanden, die Cannabis des Unternehmens Bedrocan zu einem geringeren Preis verkauft als normale Apotheken in den Niederlanden, da sie große Mengen der Droge kauft und sie dann selbst in kleinere Einheiten verpackt. Es handelt sich um die "Apotheek Maasbracht" in Maasbracht (www.apotheekmaasbracht.nl) in der Nähe von Maastricht. Die erste holländische Cannabisapotheke war Hanzeplein in Groningen (www.hanzeplein.nl).

Wissenschaft: Psychose
Wissenschaftler des Albert-Einstein-Kollegs für Medizin in New York (USA) untersuchten die Frage, ob Cannabiskonsumstörungen (CKS) mit einem jüngeren Alter beim Beginn der Psychose assoziiert sind. Sie verglichen dabei 49 Personen mit einer ersten Episode einer Schizophrenie und CKS mit 51 Personen mit einer ersten Schizophrenie-Episode ohne Substanzkonsumstörungen. Sie fanden heraus, dass "obwohl Cannabiskonsum dem Krankheitsausbruch bei den meisten Patienten vorausgeht, es keine signifikante Assoziation zwischen dem Krankheitsausbruch und CKS gab, die nicht auf demografische und klinische Variablen zurückzuführen war. Frühere Studien, die einen Zusammenhang zwischen CKS und Schizophrenie herstellten, müssen möglicherweise den Zusammenhang zwischen CKS und Schizophrenie umfassender erfassen und zusätzliche Variablen, die wir als mit CKS assoziiert fanden, berücksichtigen." (Quelle: Sevy S, et al. Schizophr Res, 12. Mai 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Schlaganfall
Nach einer Gruppe italienischer Forscher, die das Blut von 10 Patienten mit Schlaganfall innerhalb von sechs Stunden nach Einsetzen der Symptome untersuchten und es mit 8 Kontrollpersonen verglichen, waren die Spiegel des Endocannabinoids Anandamid bei den Schlaganfall-Patienten signifikant erhöht. Es gab eine positive Korrelation zwischen Anandamid-Blutkonzentrationen und Ausdehnung des Schlaganfalls. (Quelle: Naccarato M, et al. Lipids Health Dis 2010;9(1):47.)

Wissenschaft: Verstoffwechselung von Fett
Nach Zellexperimenten an der Universität von Porto (Portugal) beeinflusst THC die Biologie von Fettzellen. Ihre Beobachtungen zu den Wirkungen von Cannabinoiden legen eine erhöhte Ablagerung von Fettgewebe in den Zellen und eine verbesserte Insulin-Empfindlichkeit der Zellen nahe. (Quelle: Teixeira D, et al. Obesity (Silver Spring), 13. Mai 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Passivrauchen
Wissenschaftler der Universität Mainz (Deutschland) untersuchten Urin- und Blutproben von 8 gesunden Personen nach dreistündiger Passivexposition mit Cannabisrauch in einem holländischen Coffee-Shop. "THC konnte in Spuren nahe an der Nachweisgrenze der verwendeten Methode in den ersten beiden Blutproben nach der Exposition nachgewiesen werden (1,5 und 3,5 Stunden). In den 6-Stunden-Proben war THC nicht mehr nachweisbar." (Quelle: Röhrich J, et al. J Anal Toxicol 2010;34(4):196-203.)

Wissenschaft: Parkinson-Erkrankung
Nach Forschung an der Tor-Vergata-Universität von Rom (Italien) sind die Anandamid-Spiegel im Nervenwasser von Patienten mit Morbus Parkinson im Vergleich zu Kontrollpersonen mehr als verdoppelt. Nach einer Dauertherapie mit Levodopa normalisierten sich diese Spiegel. Die Wissenschaftler stellten fest, dass "die unnormale Anandamid-Zunahme einen kompensatorischen Mechanismus, der im Verlauf der Parkinson-Erkrankung auftritt und auf eine Normalisierung des Dopamin-Mangels abzielt, widerspiegeln könnte." (Quelle: Pisani V, et al. Mov Disord 2010;25(7):920-4.)

Wissenschaft: Panikattacken
Nach tierexperimenteller Forschung mit Ratten an der Universität von Rio Grande do Norte (Brasilien) verursachte Cannabidiol (CBD), das in eine bestimmte Gehirnregion (dorsales periaquäduktales Grau) gespritzt wurde, eine angstlösende Wirkung und hemmte die Fluchtreaktion, ein panikartiger Effekt, und zwar durch Aktivierung des 5-HT1A-Rezeptors. (Quelle: Soares VD, et al. Behav Brain Res, 8. Mai 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Schwangerschaft
Nach einer niederländischen Studie hatte die Verwendung von Cannabis während der Schwangerschaft einen spezifischen Effekt auf den Blutfluss in der Gebärmutter. Die Forscher verglichen schwangere Frauen mit anhaltendem Cannabiskonsum (9 Frauen), Cannabiskonsum nur in der Frühschwangerschaft (14), anhaltender Tabakkonsum (85), Tabakkonsum nur in der Frühschwangerschaft (92) und kein Tabak- oder Cannabiskonsum während der Schwangerschaft (85 Frauen). (Quelle: El Marroun H, et al. Early Hum Dev, 5. Mai 2010 [im Druck])

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