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IACM-Informationen vom 10. April 2010

Wissenschaft: Cannabis wirksam bei tardiver Dystonie in einem Fallbericht

In einem Leserbrief an eine Fachzeitschrift für Psychiatrie berichteten Ärzte aus einem Krankenhaus in Izmir (Türkei) über einen ihrer Patienten mit paranoider Schizophrenie, der acht Monate nach Beginn einer anti-psychotischen Therapie eine tardive Dyskinesie und eine tardive Dystonie entwickelt hatte. Es traten unwillkürliche Bewegungen im Bereich des Gesichts und des Mundes mit Problemen, Nahrung zu kauen und herunter zu schlucken (tardive Dyskinesie) sowie unwillkürliche, anhaltende Anspannungen der Nackenmuskulatur (tardive Dystonie) auf. Er stellte fest, dass durch die Verwendung von Cannabis die unwillkürlichen Bewegungen signifikant abnahmen und rauchte daher zwei Jahre lang drei bis viermal wöchentlich Cannabis, bis er wegen Drogenschmuggels verhaftet wurde. Während einer siebenmonatigen Haftzeit traten die Symptome mit der ursprünglichen Stärke wieder auf.

Bei der tardiven Dyskinesie handelt es sich um unwillkürliche Bewegungen im Gesichtsbereich oder der Gliedmaßen. Diese Symptome sind nach Behandlungen mit Neuroleptika und anderen Psychopharmaka oft irreversibel, können also auch nach Absetzen der Medikamente bestehen bleiben, und sind schwer zu behandeln. Durch eine Umstellung der Medikamente gelang es den Ärzten, die unwillkürlichen Bewegungen im Gesichtsbereich weitgehend zum Verschwinden zu bringen, die Beschwerden im Nacken blieben jedoch bestehen und ließen sich mit konventionellen Medikamenten (Diazepam, Baclofen, Gabapentin, etc.) nicht behandeln. Die Autoren hatten keine Möglichkeit, dem Patienten Cannabinoide zu verabreichen, weil Medikamente auf Cannabinoidbasis in der Türkei nicht legal verfügbar sind, sie wiesen jedoch darauf hin, dass "wir denken, dass Cannabinoidagonisten eine angemessene Wahl bei der Behandlung nicht behandelbarer tardiver Dystonien darstellen könnten".

(Quelle: Beckmann Y, Seçil Y, Güngör B, Yigit T. Tardive Dystonia and the Use of Cannabis. Turk Psikiyatri Derg 2010;21(1):90-91.)

USA: Ein wenig bekanntes Gesetz zur medizinischen Verwendung von Cannabis in Illinois

Eine Chicagoer Zeitung berichtete über den Stand der Gesetzgebung zur medizinischen Verwendung von Cannabis in Illinois. Cannabis kann nach Gesetzen in 14 Staaten der USA für medizinische Zwecke verwendet werden (Alaska, Kalifornien, Colorado, Hawaii, Maine, Maryland, Michigan, Montana, Nevada, New Jersey, Neumexiko, Oregon, Rhode Island, Vermont und Washington). "Hier ist ein wenig bekanntes Faktum: technisch ist er in Illinois ebenfalls legal - und zwar seit 32 Jahren." Im Jahr 1978 verabschiedete der Gesetzgeber von Illinois ein Gesetz (Cannabis Control Act), das gesunden Menschenverstand in die staatlichen Drogengesetze zu bringen versuchte.

Im Namen der "Forschung" gab das Gesetz dem Gesundheitsministerium die Erlaubnis, Ärzten zu erlauben, Cannabis zur Behandlung von "Glaukom, Nebenwirkungen der Chemotherapie oder Strahlentherapie bei Krebspatienten oder anderen Zuständen, bei denen er als medizinisch notwendig betrachtet wird", zu verwenden. Es gab jedoch zwei Hindernisse. Das erste bestand darin, dass dem Gesundheitsministerium nur erlaubt wurde, Ärzten diese Erlaubnis zu erteilen, es jedoch nicht dazu verpflichtet wurde. Das zweite bestand darin, dass es nur "mit der schriftlichen Erlaubnis des Ministeriums für die staatliche Polizei" handeln konnte. Mit anderen Worten: zwei staatliche Ministerien mussten eine neue Vorgehensweise etablieren, bevor medizinischer Cannabis tatsächlich verschrieben und abgegeben werden konnte. Bis heute hat das keines der beiden gemacht.

Mehr unter:
www.chicagoreader.com/chicago/medical-marijuana-pot-illinois-cannabis-control-act-legalization/Content?oid=1629059

(Quelle: Chicago Reader vom 8. April 2010)

Kurzmeldungen

Wissenschaft: Online-Umfrage
Wissenschaftler der Universität von Calgary (Kanada) führen eine Studie zum Nutzen von Cannabis für die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen oder das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen als eine Nebenwirkung von Cannabiskonsum mittels einer Online-Umfrage durch. Personen, die an der Umfrage teilnehmen möchten, sind eingeladen, folgende Webseite zu besuchen:
ibd-cannabis-survey.limequery.com/index.php?sid=64184&lang=en (Quelle: Persönliche Mitteilung von Dr. Martin Storr)

USA: Washington
Angehörigen weiterer medizinischer Berufe wird es erlaubt sein, Patienten im Staat Washington die medizinische Verwendung von Cannabis zu erlauben. Gouverneur Chris Gregoire unterzeichnete am 1. April ein entsprechendes Gesetz, das am 10. Juni in Kraft tritt. Es fügt Neuropathen, bestimmte Krankenschwestern und andere zur Liste der Personen hinzu, die Patienten Cannabis empfehlen dürfen. Wie in den anderen Staaten mit Gesetzen zur medizinischen Verwendung von Cannabis waren auch in Washington bisher nur Ärzte befugt, entsprechende Empfehlungen auszustellen. (Quelle: Seattle Times vom 1. April 2010)

Wissenschaft: Appetit
Wissenschaftler der Universität von Reading (Großbritannien) untersuchten die Wirkungen von Dronabinol (THC) und eines Dronabinol-reichen Cannabisextrakts auf die Nahrungsaufnahme von Ratten. Sie stellten "signifikante, wenn auch kleine Unterschiede im Muster der Wirkungen" zwischen reinem Dronabinol und dem Cannabisextrakt fest und fügten hinzu, dass andere Bestandteile der Cannabispflanze "die durch Delta-9-THC induzierte Hyperphagie modulieren können, was sie interessant für weitere Untersuchungen hinsichtlich ihres therapeutischen Potenzials macht". (Quelle: Farrimond JA, et al. Psychopharmacology (Berl), 27. März 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: THC-Zubereitung
Nach Forschung an der Universität von Mississippi (USA) konnte die Löslichkeit von THC im Wasser durch die Bildung von Komplexen aus einem THC-Hemisuccinatester und Beta-Cyclodextrinen erhöht werden. Die Wissenschaftler wollen eine orale THC-Zubereitung mit vergrößerter Bioverfügbarkeit entwickeln. (Quelle: Upadhye SB, et al. AAPS PharmSciTech, 24. März 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Sport
Wissenschaftler der Universität von Heidelberg (Deutschland) untersuchten die Bedeutung des Endocannabinoidsystems für das Wohlbefinden während körperlicher Aktivität. Sie folgerten, dass "während Endocannabinoide, wahrscheinlich vermittelt durch CB1-Rezeptoren, zu den motivationalen Aspekten freiwilligen Laufens bei Nagetieren beizutragen scheinen und so die gesamte Entfernung beeinflussen, sind sie weniger an langzeitigen Veränderungen des emotionalen Verhaltens, das durch freiwilliges Training induziert wird, beteiligt". (Quelle: Fuss J, Gass P. Exp Neurol, 27. März 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

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