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IACM-Informationen vom 27. Februar 2010

Wissenschaft/USA: Ein Bericht des kalifornischen Zentrums für medizinische Cannabisforschung liefert weitere Erkenntnisse für den medizinischen Nutzen von Cannabis

Die ersten US-amerikanischen klinischen Studien zum medizinischen Nutzen von Cannabis seit mehr als zwei Jahrzehnten bestätigen, dass die Droge wirksam bei der Reduzierung von Muskelspasmen bei multipler Sklerose und bei chronischen Schmerzen unterschiedlicher Ursachen ist. Dies ergibt ein Bericht, der am 17. Februar veröffentlicht wurde. Dr. Igor Grant, ein Psychiater, der das Zentrum für medizinische Cannabisforschung an der Universität von Kalifornien in San Diego leitet, erklärte, dass fünf, vom Staat geförderte Studien mit Freiwilligen durchgeführt wurden, die nach einem Zufallsprinzip entweder echten Cannabis oder ein Plazebo erhalten hatten, um zu sehen, ob die Pflanze eine Linderung herbeiführte, die durch übliche Medikamente nicht erzielt werden konnte.

"Es gibt nun gute Erkenntnisse, nach denen Cannabinoide entweder ein Zusatzmedikament oder ein Medikament der ersten Wahl sein können", erklärte Grant bei einer Pressekonferenz, bei der er die Ergebnisse vorstellte. Der kalifornische Gesetzgeber richtete das Forschungszentrum im Jahr 2000 ein, um die Frage zu untersuchen, ob die Behauptungen von Befürwortern der medizinischen Verwendung von Cannabis einer wissenschaftlichen Untersuchung standhalten. Im Jahr 1996 waren die staatlichen Wähler die ersten des Landes, die ein Gesetz, das die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt, annahmen. Es folgten 13 weitere Staaten, Kalifornien ist jedoch der einzige, der Forschung zur medizinischen Verwendung von Cannabis sponsert. Nach zehn Jahren und nahezu 9 Millionen US-Dollar (etwa 6,6 Millionen EUR) bereitet sich das Zentrum für medizinische Cannabisforschung auf eine Beendigung seiner Arbeit im nächsten Jahr vor. Neben Studien zu Muskelspasmen und Schmerzen im Zusammenhang mit Querschnittslähmung und Aids hat das Zentrum auch Forschung zur Untersuchung der Wirkung von Cannabis auf den Schlaf und die Teilnahme am Straßenverkehr, auf Gliederschmerzen bei Diabetes und zur Frage, ob verdampfter Cannabis so wirksam wie das Rauchen ist, gefördert.

Der Bericht ist verfügbar unter:
www.cmcr.ucsd.edu/CMCR_REPORT_FEB17.pdf

Mehr unter:
- hosted.ap.org/dynamic/stories/U/US_MARIJUANA_RESEARCH?SITE=FLTAM&SECTION=HOME&TEMPLATE=news_generic.htm
- www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2010/02/18/MNRF1C3964.DTL
- www.upi.com/Health_News/2010/02/18/Studies-Pot-good-for-some-types-of-pain/UPI-60541266552210/

(Quellen: Associated Press vom 17. Februar 2010, UPI vom 18. Februar 2010, San Francisco Chronicle vom 18. Februar 2010)

IACM: Ermittlungsverfahren gegen Franjo Grotenhermen eingestellt

In einem Brief an Dr. Franjo Grotenhermen, Geschäftsführer der IACM, vom 5. Februar, der seinen Anwalt Mitte Februar erreichte, informierte ihn der Staatsanwalt von Hamburg, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt worden sei. Es gab keinen Hinweis auf irgendeine kriminelle Aktivität. Bis auf eine polizeiliche Vernehmung eines ACM-Mitglieds aus Hamburg ist kein Mitglied von ACM oder IACM von der Polizei behelligt worden. "Ich bin froh, dass die Hausdurchsuchung keine rechtlichen Folgen für Patienten innerhalb der ACM oder IACM hatte, und dass sich auch in der Zukunft kein Mitglied Sorgen in dieser Hinsicht machen muss", erklärte Grotenhermen.

Am 17. März 2009 hatte die örtliche Polizei eine Hausdurchsuchung in den Räumen der deutschen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) und den Privaträumen des Vorsitzenden der ACM, Dr. Grotenhermen, durchgeführt und Aktenordner der ACM und IACM beschlagnahmt. Zudem war eine Kopie der Festplatte des Computers angefertigt worden. Die Durchsuchung war auf Grund eines Beschlusses wegen des bestehenden Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz durch das Amtsgericht Hamburg auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hamburg durchgeführt worden. Die Ermittlungsbehörden erhofften sich Hinweise auf verbrecherische Aktivitäten im Zusammenhang mit der Hanfapotheke (www.hanfapotheke.org).

(Quelle: Persönliche Mitteilung von Franjo Grotenhermen)

Italien: Eine Richterin ordnet den freien Zugang zu Medikamenten auf Cannabisbasis für einen Multiple-Sklerose-Kranken an

Ein Gericht in Avezzano, eine Stadt in den Abruzzen in der Provinz L’Aquila, urteilte am 2. Februar, dass ein Patient mit multipler Sklerose einen freien Zugang zu einer Behandlung mit einem auf Cannabis basierenden Medikament, das außerhalb von Italien hergestellt wird, haben soll. Richterin Elisabetta Pierazzi stellte fest, dass andere Medikamente nicht wirksam gewesen seien, und dass Cannabis das einzige Medikament sei, das die Symptome des Patienten reduziert. Ihr Urteil basierte auf Artikel 32 der Verfassung, der das Recht der Bürger auf Gesundheit betont. Nach einem Zeitungsbericht handelt es sich um das erste Urteil dieser Art in Italien.

Es wurde festgestellt, dass der Patient keine ausreichenden finanziellen Mittel besitze, um das Medikament zu kaufen, und dass eine Dringlichkeit für den Patienten bestehe, das Medikament zu erhalten, um eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands zu verhindern. "Ich bin froh über meinen Sieg", wurde der Patient zitiert. "Dies ist ein Sieg für alle Kranken, die gezwungen sind, auf das einzige Heilmittel zu verzichten, das ihre Leiden lindern kann, weil es unvernünftige Verbote gibt, die grundlegenden Menschen- und Bürgerrechten widersprechen."

Mehr unter:
ricerca.gelocal.it/ilcentro/archivio/ilcentro/2010/02/10/CR3CQ_CR301.html

(Quelle: Il Centro vom 10. Februar 2010)

Kurzmeldungen

USA: Montana
Die Zahl der medizinischen Cannabispatienten in Montana nahm im Jahr 2009 um mehr als 600 Prozent zu. Zwischen 2008 und 2009 stieg die Zahl der Personen, die eine legale Registrierung zur Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke beantragten, von 830 auf 6069. Die Gesamtzahl der Genehmigungen beträgt nun 7339. (Quelle: Helena Independent Record vom 14. Februar 2010)

Wissenschaft: Nerventoxizität
Nach Forschung mit Mäusen an der Universität von Barcelona (Spanien) reduziert THC die durch MDMA (Ecstasy) verursachten Schäden des Nervensystems. Die Autoren schlagen vor, dass "diese neuroprotektiven Wirkungen primär durch die Reduzierung der Hyperthermie durch die Aktivierung von CB1-Rezeptoren vermittelt werden. Allerdings können CB2-Rezeptoren auch dazu beitragen, die Nervenentzündung zu reduzieren." (Quelle: Touriño C, et al. PLoS One 2010;5(2):e9143.)

Wissenschaft: Humaner Papillomvirus
Nach einer großen epidemiologischen Studie in den USA ist die Verwendung von Cannabis nicht mit dem natürlichen Verlauf des zervikalen humaner Papillomvirus und Gebärmutterhalskrebs bei HIV-positiven und HIV-negativen Frauen assoziiert. Einige dieser Virustypen können bösartige Veränderungen hervorrufen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) bei Frauen. Die Studie schloss eine große prospektive Kohorte von 2584 HIV-positiven und 915 HIV-negativen Frauen ein. (Quelle: D'Souza G, et al. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev, 16. Februar 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Querschnittslähmung
Nach Tierforschung spanischer Wissenschaftler reduziert das Endocannabinoid 2-AG den Nervenschaden nach einer Querschnittslähmung. Diese Wirkung war sowohl durch CB1- als auch durch CB2-Rezeptoren vermittelt. Die Autoren stellten fest, dass diese Forschungsergebnisse nahe legen, dass "dieses endogene Cannabinoid nützlich als protektive Behandlung bei akuter Querschnittslähmung sein könnte". (Quelle: Arevalo-Martin A, et al. Neurobiol Dis, 12. Februar 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Schmerzen
Forschung an der Universität von Modena und Reggio Emilia (Italien) unterstützt Erkenntnisse, nach denen Acetylsalicylsäure (Aspirin) und Cannabinoide synergistisch bei der Schmerzreduzierung wirken. Die Autoren verwendeten das synthetische Cannabinoid HU210. Die Wechselwirkung fand unter Beteiligung von Serotonin- und Cannabinoidrezeptoren statt. Sie stellten fest, dass "eine Kombination aus geringen Dosen von Cannabinoiden und nicht-steroidalen Entzündungshemmern aus einem therapeutischen Blickwinkel von Interesse sein könnte". (Quelle: Ruggieri V, et al. Life Sci, 12. Februar 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Cannabisanbau
Nach Forschung an der Universität von Gent (Belgien) stellt Cannabisanbau in kleinem Maßstab, wie beispielsweise der Selbstanbau, ein zu wenig erforschtes Marktsegment dar, im Vergleich zum Anbau im großen kommerziellen Stil. Der Autor unterstützt "eine größere Toleranz gegenüber Cannabisanbau im kleinen Maßstab, um den am wenigsten schädlichen Cannabismarkt sicherzustellen". (Quelle: Decorte T. Int J Drug Policy, 20 Februar 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Schmerzen
Nach tierexperimenteller Forschung an der Universität von Arizona in Tucson (USA) reduzierte ein CB2-Rezeptoragonist krebsinduzierte Schmerzen und krebsbedingten Knochenverlust. (Quelle: Lozano A, et al. Life Sci, 19. Februar 2010 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

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