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IACM-Informationen vom 26. September 2009

Wissenschaft: Äußerliche Behandlung mit Cannabinoid-Creme wirksam bei der Reduzierung von Schmerzen bei Patienten mit Herpes Zoster

Forscher an der Hautklinik der Universität Münster (Deutschland) untersuchten die Wirksamkeit der äußerlichen Behandlung von durch einen Herpes Zoster ausgelösten Schmerzen mit einem Cannabinoid, das Cannabinoidrezeptoren aktiviert. In einer offenen Studie erhielten acht Patienten mit einer Neuralgie bei einem Herpes Zoster eine Creme, die das Endocannabinoid Palmitoylethanolamin enthält. Der Verlauf der Symptome wurde mit einer visuellen Analogskala gemessen.

Fünf der 8 Patienten (62,5 Prozent) erlebten eine durchschnittliche Schmerzreduzierung um 88 Prozent. Die Therapie wurde von allen Patienten gut vertragen. Es traten keine unangenehmen Wahrnehmungen oder Nebenwirkungen auf. Die Autoren schlossen, dass "topische Cannabinoidrezeptoragonisten eine wirksame und gut verträgliche adjuvante Therapieoption bei der postherpetischen Neuralgie darstellen". Diese Creme ist in Deutschland bereits unter dem Markennamen "Physiogel A.I. Creme" zur Behandlung von Juckreiz erhältlich.

(Quelle: Phan NQ, Siepmann D, Gralow I, Ständer S. Adjuvant topical therapy with a cannabinoid receptor agonist in facial postherpetic neuralgia. J Dtsch Dermatol Ges, 10. September 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

USA: Das medizinische Cannabisgesetz sorgt für Verwirrung im Staat Washington

In einer Ecke des Staates Washington könnte einem 62 Jahre alten Rheumapatienten wegen des Anbaus von Cannabis für ihn selbst und drei weitere Personen mehr als acht Jahre Gefängnis drohen, während in der Stadt Seattle ein Zusammenschluss von Anbauern ohne große Beeinträchtigung durch die Polizei 2000 Menschen versorgt. Diese Diskrepanz ist typisch für die Verwirrung, die seit der Verabschiedung des medizinischen Cannabisgesetzes durch die Wähler vor mehr als zehn Jahren herrscht. Ein Patient darf bis zu 15 Cannabispflanzen und 24 Unzen (680 Gramm) getrocknetes Pflanzenmaterial besitzen.

Anders als in einigen anderen Staaten verlangt Washington von seinen Patienten, dass sie Cannabis selbst anbauen oder einen Betreuer bestimmen, der ihn für sie anbaut. Aber es gibt Patienten, die zu krank sind, um Cannabis selbst anzubauen und nicht das Geld haben, um eine Aufzuchtanlage aufzustellen. So haben sie sich zu Anbaukollektiven und Verteilungsstellen zusammengeschlossenen, Methoden, die zu einer zunehmenden Besorgnis bei Polizei und Strafverfolgern führen. Jüngst hat die amerikanische Bürgerrechtvereinigung (American Civil Liberties Union) von Washington Gespräche mit der Polizei von Seattle aufgenommen, um zu klären, ob die Größe kooperativer Anbauanlagen begrenzt werden sollte. In diesem Monat schloss die Polizei eine Verteilungsstelle für medizinischen Cannabis - die erste einer solchen Maßnahme in diesem Staat - und verhaftete die beiden Besitzer. Sie warnten ein halbes Dutzend anderer Verteilungsstellen, ebenfalls zu schließen.

Mehr unter:
hosted.ap.org/dynamic/stories/U/US_MEDICAL_MARIJUANA?SITE=FLTAM&SECTION=HOME&TEMPLATE=news_generic.htm

(Quelle: Associated Press vom 20. September 2009)

Kurzmeldungen

Holland: Coffee-Shops
Am 15. September wies ein holländischer Richter einen Antrag von sechs Coffee-Shops aus zwei südlichen Städten gegen die Pläne ihrer Bürgermeister, den Verkauf von Cannabis zu verbieten, ab. Der Fall sei vor das falsche Gericht gebracht worden, erklärte der Richter. Die Bürgermeister von Roosendaal und Bergen-op-Zoom, beide nahe an der Grenze zu Belgien, hatten letztes Jahr angekündigt, dass allen acht Coffee-Shops in ihren Grenzen der Verkauf von Cannabis vom 16. September an verboten werde, um die Zahl der Cannabis rauchenden Touristen zu reduzieren. (Quelle: Traveller vom 16. September 2009)

Wissenschaft: Posttraumatische Stressstörung
In einer Langzeitstudie an der Universität von Pittsburgh (USA) mit 693 Heranwachsenden, die im Alter zwischen 10 und 12 Jahren in die Studie aufgenommen und bis zum Alter von 25 Jahren begleitet wurden, erhöhte das Vorliegen einer posttraumatischen Stressstörung das Risiko für Cannabiskonsumstörungen. Teilnehmer mit einer posttraumatischen Stressstörung hatten ein 13-fach erhöhtes Risiko für regelmäßigen Cannabiskonsum. (Quelle: Cornelius JR, et al. Addict Behav, 11. September 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Multiple Sklerose
Forschung mit dem Cannabisextrakt Sativex bei Patienten mit MS, die bereits früher in den IACM-Informationen vorgestellt worden war, wurde nun im September beim Kongress des EURopäischen Komitees für die Behandlung und Erforschung der multiplen Sklerose (ECTRIMS) in Düsseldorf (Deutschland) vorgestellt. In einer Phase-III-Studie mit 572 Patienten "zeigte Sativex eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserung der Spastik bei MS-Patienten und wurde gut vertragen". (Quelle: Pressemitteilung von GW Pharmaceuticals vom 14. September 2009)

Wissenschaft: Blutdruckabfall
Wissenschaftler der medizinischen Fakultät der Charité in Berlin (Deutschland) untersuchten die Hypothese, dass hohe Endocannabinoidkonzentrationen zu einem Blutdruckabfall im Stehen prädisponieren. Allerdings beobachteten sie das Gegenteil. Die Anandamid-Plasmakonzentrationen waren in Ruhe direkt mit einer besseren Resistenz gegen einen Blutdruckabfall während medizinischer Tests, die einen Orthostasestress verursachen, korreliert. (Quelle: Schroeder C, et al. Clin Auton Res, 15. September 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Schmerzen
Wissenschaftler der Universität von Sydney erklärten, warum Cannabinoide akute Schmerzen verstärken könnten, während sie chronische Schmerzen reduzieren. Endocannabinoide, die im Rückenmark produziert werden, können Schmerzen durch Dämpfung von Synapsen von hemmenden Nervenzellen verstärken. Diese Schmerzen verstärkende Wirkung von Endocannabinoiden verschwindet während der Entwicklung chronischer Schmerzen, die durch eine Entzündung oder Nervenverletzung ausgelöst werden. (Quelle: Christie MJ & Mallet C. Sci Signal 2009;2(88):pe57.)

Wissenschaft: Multiple Sklerose
An der Abteilung für Neurowissenschaften der Universität Tor Vergata in Rom, Italien, wurden die Wirkungen von Sativex, ein Medikament mit gleichen Anteilen an THC und CBD, bei 20 MS-Patienten untersucht. Der Cannabisextrakt hatte keinen Einfluss auf die Spastik und die Erregbarkeit des Streckreflexes. Cannabis hatte zudem keine Wirkung auf die Synthese und den Abbau des Endocannabinoids Anandamid sowie auf die Expression der CB1- und CB2-Rezeptoren auf Lymphozyten (eine Form weißer Blutkörperchen). (Quelle: Centonze D, et al. Neurol Sci, 19. September 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

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