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IACM-Informationen vom 31. Januar 2009

Wissenschaft: Neues synthetisches Cannabinoid in klinischer Phase-I-Studie getestet

Ein neuer Cannabinoidrezeptoragonist (CRA13), der vom pharmazeutischen Unternehmen Novartis entwickelt worden war, wurde nun hinsichtlich Sicherheit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik in einer klinischen Phase-I-Studie an 69 gesunden Personen getestet. CRA13 bindet wie THC sowohl an den CB1- als auch an den CB2-Rezeptor. 63 Teilnehmer wurden in sieben Gruppen zu neun Personen aufgeteilt, die jeweils eine einzige Dosis von ansteigenden Dosen des Cannabinoids (1 bis 80 mg) oder ein Plazebo oral morgens in nüchternem Zustand und ohne anschließendes Frühstück erhielten. Um die Wirkungen von Nahrung zu untersuchen, erhielten 6 weitere Teilnehmer 40 mg CRA13 in nüchternem Zustand und zwei Wochen später erneut nach einem fettreichen und hochkalorischen Frühstück.

Die Nebenwirkungen von CRA13 waren ähnlich wie nach der Einnahme von THC oder Cannabis und waren dosisabhängig. Die maximalen Blutkonzentrationen wurden etwa zwei Stunden nach der Einnahme beobachtet, ebenfalls ähnlich wie die Ergebnisse von Studien mit oralem THC. Die Gabe des Cannabinoids zusammen mit der Mahlzeit verdoppelte die Bioverfügbarkeit. Die Autoren stellten fest, dass die Aufnahme vieler fettlöslicher Substanzen durch die gleichzeitige Aufnahme von fettreicher Nahrung verbessert wird, was auf verschiedene Faktoren zurückgeführt wurde, inklusive einer verbesserten Löslichkeit der Substanz.

(Quelle: Gardin A, Kucher K, Kiese B, Appel-Dingemanse S. CRA13, a novel cannabinoid agonist: first in human pharmacokinetics and safety. Drug Metab Dispos, 14. Januar 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Welt: Synthetische Cannabinoide finden ihren Weg auf den illegalen Drogenmarkt

Verschiedene Kräutermischungen, die unter dem Namen Spice bekannt sind und seit etwa 2002 in EURopa, Kanada und Neuseeland verkauft werden, enthalten synthetische Cannabinoide, die CB1-Rezeptoren aktivieren und ähnliche Wirkungen wie THC haben. Auch wenn der Hersteller der "Räuchermischungen" offiziell vor der Einnahme durch Menschen warnt, wird es im Allgemeinen geraucht. Seit Dezember 2008 wurden drei synthetische Cannabinoide in diesen Mischungen entdeckt, und sie wurden kürzlich zum Teil in mehreren Ländern, inklusive Deutschland, verboten. In Kanada sind sie verboten, weil die "ähnliche synthetische Zubereitungen" wie Cannabis sind.

Am 15. Dezember 2008 gab das deutsche pharmazeutische Unternehmen THC Pharm bekannt, dass JWH-018 als eine der aktiven Bestandteile in mindestens drei Versionen von Spice nachgewiesen wurde. Am 19. Januar 2009 gab die Universität Freiburg (Deutschland) bekannt, dass eine weitere Wirksubstanz in Spice ein nicht näher bezeichnetes Analog des synthetischen Cannabinoids CP 47,497 ist. Ein a anderes potentes synthetisches Cannabinoid, HU-210, ist nach Angaben der US-Zollbehörden in beschlagnahmtem Spice entdeckt worden. Da viele Cannabinoide leicht synthetisiert werden können, wird erwartet, dass sie leicht durch ähnliche Substanzen ersetzt werden können.

Mehr unter:
en.wikipedia.org/wiki/Spice_(drug)
www.cbp.gov/xp/cgov/newsroom/news_releases/01142009_3.xml
hosted.ap.org/dynamic/stories/E/EU_GERMANY_SPICE_BAN?SITE=FLTAM&SECTION=HOME&TEMPLATE=news_generic.htm

(Quellen: CBP vom 14. Januar 2009, Associated Press vom 21. Januar 2009, andere)

Kurzmeldungen

USA: Kalifornien
Der San Francisco Chronicle berichtete am 26. Januar, dass auch wenn die Stadt im Jahr 2005 eine Verordnung verabschiedet habe, nach der medizinische Cannabisklubs eine städtische Erlaubnis benötigen, nur wenige Erlaubnisse ausgestellt worden seien. Die Zeitung schrieb, dass die Stadt 10 Erlaubnisse für Cannabisklubs erteilt habe und weitere 13 bearbeitet würden. Offizielle Vertreter der Stadt erklärten, dass es gegenwärtig 23 Cannabisklubs in der Stadt gebe, verglichen mit mehr als 40, als der Regulierungsprozess im Jahr 2005 begann. (Quelle: Associated Press vom 26. Januar 2009)

USA: Neumexiko
Das Gesundheitsministerium von Neumexiko hat Regelungen für die Ausstellung von Ausweiskarten und ein Produktions-/Verteilungssystem für sein medizinisches Cannabisprogramm beendet. Die neuen Richtlinien legen fest, dass qualifizierte Patienten bis zu sechs Unzen (etwa 170 Gramm) medizinischen Cannabis (oder mehr, wenn vom Arzt erlaubt) und/oder 16 Pflanzen (vier reife, 12 unreife) besitzen dürfen. Mehr unter: www.health.state.nm.us/marijuana.html (Quelle: Gesundheitsministerium von Neumexiko)

Wissenschaft: Juckreiz
In tierexperimenteller Forschung untersuchten Wissenschaftler den Effekt einer Modulierung des Endocannabinoidsystems auf das Kratzen auf Grund von Juckreiz, der bei Mäusen erzeugt worden war. Die Hemmung des Enzyms (FAAH), dass das Endocannabinoid Anandamid abbaut, und dadurch die Erhöhung der Anandamid-Konzentration reduzierte das Kratzen. Die Autoren stellten fest, dass "dies die ersten vorklinischen Daten sind, die nahe legen, dass FAAH einen neuen Angriffspunkt für die Behandlung von Juckreiz ohne Verursachung starker Nebenwirkungen darstellt". (Quelle: Schlosburg JE, et al. J Pharmacol Exp Ther, 23. Januar 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Manisch-depressive Störung
In einer großen Studie mit 3459 Patienten, die an einer manisch-depressiven Störung (bipolare Störung) litten, wurde die Wirkung des Cannabiskonsums auf den Verlauf der Erkrankung untersucht. Im Verlauf einer zwölfmonatigen Behandlung wiesen Cannabiskonsumenten im Vergleich mit Nichtkonsumenten eine geringere Befolgung der Therapiemaßnahmen (Compliance), höhere Werte der allgemeinen Krankheitsintensität, der Manie und von Psychosen auf. (Quelle: van Rossum I, et al. J Nerv Ment Dis 2009;197(1):35-40)

Wissenschaft: Stress
Eine Forschergruppe aus Brasilien untersuchte die Art und Weise, wie Cannabídiol (CBD) seine Wirkungen ausgeübt. Eine Behandlung von Ratten mit CBD reduzierte die Herzfrequenz und die Angst bei Tests, die Stress verursachten. Ein Blocker eines Serotoninrezeptors (5-HT(1A)-Rezeptor) hob diese Wirkungen auf. Die Autoren folgerten, dass "CBD akute autonome Reaktionen auf Stress und verzögerte emotionale Konsequenzen reduzieren kann, indem es die 5-HT(1A)-Rezeptor-vermittelte Nervenübertragung erleichtert". (Quelle: Resstel LB, et al. Br J Pharmacol 2009;156(1):181-8)

Wissenschaft: Psychose
Schweizer Wissenschaftler untersuchten die Entwicklung psychiatrischer Störungen bei Heranwachsenden, die subklinische Halluzinationen aufwiesen. Ein vollständiges Verschwinden der subklinischen Halluzinationen trat bei über der Hälfte und eine zumindest teilweise Remission bei zwei Drittel der Patienten innerhalb eines Jahres ein. Cannabiskonsum hatte keinen Einfluss auf den Verlauf. Die Forscher folgerten, dass "subklinische Halluzinationen bei Heranwachsenden über ein breites Spektrum geistiger Zustände auftreten und eine hohe Remissionsrate aufweisen". (Quelle: Simon AE, et al. Schizophr Res, 21 Januar 2009 [elektronische Veröffentlichung von dem Druck])

Wissenschaft: Herzinfarkt
In einem Mausmodell für verminderte Blutzufuhr (Ischämie) wurde die Wirkung eines Cannabinoids, das an den CB2-Rezeptor bindet, untersucht. Bei den Tieren wurde eine Koronararterie 30 Minuten lang abgeschnürt und dann erneut von Blut durchflossen. Fünf Minuten vor dem erneuten Durchfluss wurde den Tieren das Cannabinoid (JWH-133) injiziert. Eine signifikant reduzierte Infarktgröße des Herzens, die auf eine direkte Schutzwirkung auf Herzzellen zurückgeführt wurde, wurde durch das Cannabinoid erreicht. (Quelle: Montecucco F, et al. J Mol Cell Cardiol, 7. Januar 2009 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

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Vor einem Jahr

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