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IACM-Informationen vom 26. April 2008

Wissenschaft: Cannabis wirksam bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen in klinischer Studie

In einer Plazebo-kontrollierten, klinischen Studie mit 38 Patienten (Durchschnittsalter: 46 Jahre) an der Universität von Kalifornien (USA) war das Rauchen von Cannabis wirksam bei der Reduzierung von neuropathischen Schmerzen unterschiedlicher Ursache (Diabetes, Querschnittslähmung, multiple Sklerose und andere Ursachen). Die Teilnehmer erhielten zu drei verschiedenen Gelegenheiten entweder Cannabis zweier unterschiedlicher Stärken (3,5 Prozent oder 7 Prozent) oder Plazebo-Cannabis ohne THC. Bei jeder Sitzung, die mindestens drei Tage auseinander lagen, nahmen die Patienten nach einem standardisierten Verfahren die gleiche Anzahl an Zügen von der Cannabiszigarette, um die Gleichartigkeit der erhaltenen Dosis bei jeder Stärke sicher zu stellen.

Alle Teilnehmer hatten Vorerfahrungen mit Cannabis, setzten jedoch 30 Tage vor Beginn der Studie die Einnahme von Cannabis oder THC (Marinol) ab. 31 Patienten nahmen Opiate ein und führten dieser Behandlung auch während der Studie fort. Beide Cannabisdosen reduzierten signifikant die Schmerzen und diese Reduzierung hielt mehrere Stunden an. Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Schmerzreduzierung zwischen den beiden Cannabissorten. Die Forscher notierten, dass "psychoaktive Wirkungen minimal waren und gut toleriert wurden, die neuropsychologische Beeinträchtigung jedoch problematisch war, insbesondere bei der höheren Konzentration der Studienmedikation".

(Quelle: Wilsey B, Marcotte T, Tsodikov A, Millman J, Bentley H, Gouaux B, Fishman S. A randomized, placebo-controlled, crossover trial of cannabis cigarettes in neuropathic pain. J Pain, 8. April 2008 [Elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Nabilon reduzierte die Schmerzen, die Verwendung von Opiaten und die Übelkeit bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs

Eine prospektive Beobachtungsstudie zur Wirksamkeit des synthetischen THC-Abkömmlings Nabilon bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs wurde an der Universität von Toronto (Kanada) durchgeführt. 47 Patienten, die Nabilon erhielten, wurden mit 65 an Krebs Leidenden, die das Cannabinoid nicht erhielten, verglichen.

Mit Nabilon behandelte Patienten wiesen signifikant niedrigere Schmerzwerte und eine geringere Verwendung von Opiaten auf. Es gab zudem eine signifikante Verbesserung der Übelkeit, der Angst und des allgemeinen Stresses. Verglichen mit denen, die kein Nabilon einnahmen, begannen Patienten, die das Cannabinoid einnahmen, nicht so häufig eine Behandlung mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern, mit trizyklischen Antidepressiva, mit dem Schmerzmittel Gabapentin, dem Cortisonpräparat Dexamethason und den übelkeitshemmenden Medikamenten Metoclopramid und Ondansetron und wiesen eine größere Tendenz auf, diese Medikamente abzusetzen.

(Quelle: Maida V, Ennis M, Irani S, Corbo M, Dolzhykov M. Adjunctive nabilone in cancer pain and symptom management: a prospective observational study using propensity scoring. J Support Oncol 2008;6(3):119-24.)

Wissenschaft: Cannabinoide können hilfreich bei der Behandlung von Nebenwirkungen einer anti-viralen Medikation bei Patienten mit Hepatitis C sein

Nach Angaben von Forschern der Universität von Ottawa (Kanada) kann die Verwendung von Cannabinoiden hilfreich bei der Behandlung der Appetitlosigkeit und der Übelkeit bei Patienten mit Hepatitis C sein. Die Krankenakten von allen Hepatitis C-Patienten, die zwischen August 2003 und Januar 2007 eine Behandlung mit Ribavirin und Interferon erhalten hatten, wurden durchgesehen. Von den 191 identifizierten Patienten hatten 25 ein orales Cannabinoid-haltiges Medikament erhalten. Die Behandlung mit Cannabinoiden wurde im Median sieben Wochen nach Beginn der anti-viralen Therapie begonnen. Die wichtigsten Gründe für eine Cannabinoid-Behandlung waren Appetitverlust (72 Prozent) und Übelkeit (32 Prozent).

64 Prozent aller Patienten, die Cannabinoide erhalten hatten, erlebten eine subjektive Verbesserung der Symptome. Der mediane Gewichtsverlust betrug vor dieser Behandlung 4,5 kg. Der Gewichtsverlust stabilisierte sich einen Monat nach Beginn der Cannabinoid-Therapie. Eine Reduzierung der Interferon-Dosis war selten und unterschied sich nicht zwischen Patienten, die Cannabinoide erhalten hatten, im Vergleich zu jenen, die keine Cannabinoide verwendeten. Die Anteil der Patienten, der einen vollständigen Zyklus einer anti-viralen Hepatitis C-Therapie absolviert und eine anhaltende virologische Reaktion erzielt hatte, war bei den Cannabinoid-Empfängern größer als in der Vergleichsgruppe.

(Quelle: Costiniuk CT, Mills E, Cooper CL. Evaluation of oral cannabinoid-containing medications for the management of interferon and ribavirin-induced anorexia, nausea and weight loss in patients treated for chronic hepatitis C virus. Can J Gastroenterol 2008;22(4):376-80.)

Wissenschaft: Anandamid wirksam gegen Impotenz bei diabetischen Ratten

Nach einer Studie am Institut für Pharmakologie der Universität Teheran (Iran) verbesserte das Endocannabinoid Anandamid die Entspannung des Schwellkörpers (Corpus cavernosum) des Penis von diabetischen Ratten. Dazu waren die Tiere getötet und die Schwellkörper des Penis isoliert worden. In einer Lösung wurden die Schwellkörper verschiedenen Substanzen ausgesetzt. Im Vergleich mit Schwellkörpern gesunder Tiere war die Entspannungsfähigkeit von Schwellkörpern diabetischer Tiere durch Anlage eines elektrischen Feldes beeinträchtigt. Sowohl die Gabe von Anandamid als auch die Gabe von Arginin verbesserte die Entspannungsfähigkeit. Die kombinierte Gabe beider Substanzen führte bereits in niedrigen Konzentrationen zu einer erheblichen Verbesserung der Entspannungsfähigkeit.

Es ist bekannt, dass bei Diabetikern die neurogene Entspannungsfähigkeit des Schwellkörpers und damit die Erektionsfähigkeit beeinträchtigt sein kann. Es wird vermutet, dass diese Beeinträchtigung durch eine verminderte Produktion von Stickstoffmonoxid bedingt ist. Stickstoffmonoxid löst einen Prozess aus, der zur Muskelentspannung im Schwellkörper führt, die das Einströmen von Blut und damit die Erektion ermöglicht. Die Aminosäure Arginin ist ein Stickstoffmonoxid-Geber und erhöht so die Konzentration dieses Moleküls im Blut. Anandamid übt seine erektionsfördernden Wirkungen über die Aktivierung des CB1-Rezeptors und des Vanilloid-1-Rezeptors aus. Ob THC ähnliche Wirkungen ausübt, ist bisher nicht untersucht worden.

(Quelle: Ghasemi M, Sadeghipour H, Dehpour AR. Anandamide improves the impaired nitric oxide-mediated neurogenic relaxation of the corpus cavernosum in diabetic rats: involvement of cannabinoid CB1 and vanilloid VR1 receptors. BJU Int 2007;100(6):1385-90.)

Kurzmeldungen

Wissenschaft: Einstiegsdrogentheorie
Eine Studie mit Zwillingspaaren durch Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania (USA) unterstützt nicht die Einstiegsdrogentheorie. Sie schreiben, dass "anstatt die Interpretation, dass früherer Marihuanakonsum den späteren Konsum harter Drogen 'triggert', zu unterstützen, legen diese Ergebnisse nahe, dass das longitudinale Muster des Drogenkonsums, das als 'Einstiegseffekt' interpretiert wurde, besser dem Konzept eines genetisch beeinflussten Entwicklungsweges entspricht". (Quelle: Cleveland HH &Wiebe RP. Dev Psychopathol 2008;20(2):615-32.)

Österreich/Spanien: Sativex
Sativex ist nun in ganz Spanien unter dem Verwaltungsstatus einer Verwendung aus Mitgefühl (compassionate use), wenn andere Medikamente nicht gewirkt haben, erhältlich. Dies ist eine Konsequenz aus den Ergebnissen einer Studie mit Sativex in Katalonien. Sativex ist seit kurzem auch in Österreich auf Rezept erhältlich. (Quelle: Persönliche Mitteilungen von Marta Duran und Kurt Blaas)

Zypern: ICRS-Kongress
Vom 1. bis 4. Mai 2008 veranstaltet die ICRS (Internationale Gesellschaft für Cannabinoidforschung) auf Zypern einen Kongress zum therapeutischen Potenzial der Cannabinoide. Das Programm mit den Kurzfassungen der Vorträge ist verfügbar unter:
www.cannabinoidsociety.org/SYMPOSIUM.2008/2008.Limassol/Program/2008.Limassol.Satellite.Program.pdf (Quelle: ICRS)

Argentinien: Freispruch
Ein Berufungsgericht in Buenos Aires erklärte das Verbot des Drogenbesitzes zum Eigenbedarf als verfassungswidrig und sprach zwei Angeklagte vom illegalen Besitz kleiner Mengen Cannabis und Ecstasy frei. Das Urteil wird vom höchsten argentinischen Gericht überprüft. Nach einem Zeitungsbericht befürwortet die Regierung eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums. (Quelle: El Financiero vom 23. April 2008)

Wissenschaft: Hirnschaden
Wissenschaftler der Universität von Oxford (Großbritannien) untersuchten die Gehirnstruktur von starken Cannabiskonsumenten, die ihren Konsum in einem frühen Alter begonnen hatten. Sie fanden abnorme Veränderungen im Corpus callosum, die kognitiven Konsequenzen eines langzeitigen starken Cannabiskonsums durch junge Menschen zu Grunde liegen könnte. Das Corpus callosum verbindet die linke und die rechte Gehirnhälfte miteinander. (Quelle: Arnone D, et al. Neuroimage, 14. März 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Entzündung des Endometriums
Das Endometrium ist die innere Membran der Gebärmutter. Wissenschaftler der Universität von Neapel (Italien) fanden heraus, dass eine Entzündung des Endometriums (Endometritis) mit einer Zunahme von CB2-Rezeptoren in der Gebärmutter assoziiert ist. Sie nehmen an, das diese Zunahme die Möglichkeit für Endocannabinoide verbessert, entzündungshemmende Wirkungen durch Bindung an diese Rezeptoren auszuüben. (Quelle: Iuvone T, et al. J Cell Mol Med 2008;12(2):661-670.)

Wissenschaft: Arthritis
Das Vorkommen von Cannabinoidrezeptoren und Endocannabinoiden wurde in den Knien von 45 Patienten mit Arthritis, die operiert wurden, untersucht. Die Endocannabinoide Anandamid und 2-AG kamen in der Gelenkflüssigkeit der Patienten, jedoch nicht in der Gelenkflüssigkeit von gesunden Kontrollpersonen vor, was nahe legt, dass Cannabinoide bei der Behandlung von Schmerzen und Entzündungen bei Arthritis hilfreich sein könnten. (Quelle: Richardson D, et al. Arthritis Res Ther 2008;10(2):R43.)

UNO: Antonio Costa
Während der jährlichen Konferenz des Komitees zu Betäubungsmitteln (Committee on Narcotic Drugs, CND) der Vereinten Nationen im März 2008 wurde der Direktor des Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung (UNODC), Antonio Costa, gefragt, wie er die Tatsache erklärt, dass die Niederlande verglichen mit den umgebenden Ländern keine höheren Cannabiskonsumraten aufweisen. Wie er es bereits früher gemacht hatte, vermied er es, diese Frage zu beantworten. Ein Film zur Frage und der Reaktion von Herrn Costa ist verfügbar unter: www.youtube.com/watch?v=fe208nLLEwk (Quelle: www.youtube.com)

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