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IACM-Informationen vom 03. März 2007

Wissenschaft: Sativex wirksam gegen Spastik bei MS-Patienten in klinischer Studie

Die Ergebnisse einer klinischer Studie mit dem Cannabisextrakt Sativex bei Patienten mit multipler Sklerose, die bereits auf der Webseite von GW Pharmaceuticals und in den IACM-Informationen vorgestellt worden waren, sind nun im EURopean Journal of Neurology veröffentlicht worden. Sativex enthält gleiche Anteile an THC und CBD. Die Studie ist Teil eines Antrages auf Zulassung von Sativex für Spastik bei MS, der im September 2006 in vier EURopäischen Ländern gestellt wurde.

Insgesamt erhielten 189 Personen mit MS und Spastik sechs Wochen lang entweder Sativex (124 Patienten) oder ein Placebo (65 Patienten). Alle Personen nahmen weiterhin ihre bisherige Medikation ein. Teilnehmer, die mit dem Cannabisextrakt behandelt wurden, nahmen verglichen mit der Kontrollgruppe eine signifikant stärkere Reduzierung der Spastik wahr. Ein objektives Maß der Spastik, der so genannte Ashworth-Wert, wurde nicht signifikant verbessert, zeigte jedoch Vorteile für die aktive Behandlung gegenüber dem Placebo. In der Cannabisgruppe erzielten 40 Prozent der Patienten eine Verbesserung um mehr als 30 Prozent. Acht Studienabbrüche wurden auf Nebenwirkungen zurückgeführt, sechs davon unter der aktiven Therapie und zwei unter dem Placebo. Die Forscher folgerten, dass der Cannabisextrakt "ein nützliches neues Mittel für die Behandlung der symptomatischen Reduzierung der Spastik bei MS darstellen könnte".

Die Kurzfassung ist online verfügbar unter:
www.cannabis-med.org/studies/study.php
Weitere Informationen zur Studie sind verfügbar auf der Webseite von GW Pharmaceuticals (www.gwpharm.com)

(Quelle: Collin C, Davies P, Mutiboko IK, Ratcliffe S, for the Sativex Spasticity in MS Study Group. Randomized controlled trial of cannabis-based medicine in spasticity caused by multiple sclerosis. EUR J Neurology 2007;14(3):290–296.)

USA: Unterstützer der medizinischen Verwendung von Cannabis verklagen die Bundesregierung

Basierend auf Studienergebnissen zu gerauchtem Cannabis bei HIV-assoziierten Nervenschmerzen haben Americans for Safe Access die Bundesregierung am 21. Februar verklagt, weil sie behauptet, dass Cannabis keinen akzeptierten medizinischen Nutzen hat. Die Studie, die an der Universität von Kalifornien in San Francisco durchgeführt und im Februar 2007 veröffentlicht worden war, hatte gezeigt, dass die Verwendung von Cannabis bei diesem Zustand nützlich ist. Die Klage klagt das Bundesgesundheitsministerium an, sich in einer "willkürlichen und ungesetzlichen Weise" zu verhalten, die verhindert, "dass kranke und sterbende Personen eine Medizin erhalten können, die ihnen notwendige und oft lebensrettende Linderung verschafft".

Die Unterstützer-Gruppe mit Sitz in Kalifornien will, dass ein Richter das Ministerium sowie die Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) zwingt, damit aufzuhören, Informationen herauszugeben, die die Wirksamkeit von Cannabis zur Behandlung verschiedener Erkrankungen anzweifeln. "Die FDA-Position zu medizinischem Cannabis ist unkorrekt, unehrlich und eine schamlose Verletzung der Gesetze, die verlangen, dass die Regierung ihre Politik auf solide Wissenschaft stützt," erklärte ein Sprecher von Americans for Safe Access in einer Stellungnahme.

(Quelle: Associated Press vom 21. Februar 2007)

Kurzmeldungen

Wissenschaft: Parkinson-Krankheit
Nach Forschung von Wissenschaftlern der Stanford-Universität, USA, mit Tiermodellen der Parkinson-Krankheit reduziert die kombinierte Gabe von Dopamin-2-Rezeptoragonisten und Substanzen, die die Endocannabinoid-Konzentrationen erhöht, wirksam Bewegungsdefizite der Erkrankung. Die Forscher schlossen daraus, dass ihre Befunde "Herangehensweisen für die Entwicklung therapeutischer Substanzen für die Behandlung" der Parkinson-Krankheit und ähnlicher Erkrankungen nahe legen. (Quelle: Kreitzer AC, Malenka RC. Nature 2007;445(7128):643-7.)

Wirtschaft: GW und Otsuka
GW Pharmaceuticals kündigte am 14. Februar an, dass das Unternehmen eine langfristige strategische Allianz mit Otsuka Pharmaceutical eingegangen sei. Die Beziehung habe mit der Unterzeichnung einer exklusiven Lizenz und Entwicklungsvereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung von Sativex® in den Vereinigten Staaten begonnen. (Quelle: Pressemitteilung von GW Pharmaceuticals vom 14. Februar 2007, www.gwpharm.com)

Wissenschaft: Nervenschutz
In tierexperimentellen Studien wurde gezeigt, dass sich eine Toleranz gegen die Nerven schützenden Wirkungen von THC bei Hirnschäden entwickelte, sich jedoch keine Toleranz gegen die Nerven schützenden Wirkungen von Cannabidiol (CBD) entwickelte. (Quelle: Hayakawa K, et al. Neuropharmacology, 20. Februar 2007; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Wissenschaft: Angst und Depressionen
In einer australischen Studie war die Verwendung von Cannabis vor einem Alter von 15 Jahren mit einem höheren Risiko für die Entwicklung von Angst und Depressionen im frühen Erwachsenenalter assoziiert. Wissenschaftler hatten 3239 Personen von der Geburt bis zu einem Alter von 21 Jahren begleitet. (Quelle: Hayatbakhsh MR, et al. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 2007;46(3):408-417.)

Wissenschaft: Geruch
In tierexperimenteller Forschung haben Wissenschaftler der Universität Göttingen (Deutschland) herausgefunden, dass Zellen, die für die Wahrnehmung von Gerüchen in der Nase verantwortlich sind, durch Cannabinoide beeinflusst werden. Eine Blockierung von CB1-Rezeptoren durch Cannabinoidrezeptor-Antagonisten reduzierte die Empfindlichkeit für Gerüche, während die Gabe von Cannabinoiden die Empfindlichkeit erhöhte. Der leitende Forscher Dr. Dirk Czesnik erklärte in einem Zeitungsartikel, dass dies Sinn mache. Im Falle von Hunger sind die Endocannabinoidspiegel im Gehirn erhöht, und hungrige Menschen nehmen Gerüche stärker wahr. "Je mehr Cannabis wirkt, desto stärker ist das Geruchsempfinden." (Quelle: Die Welt vom 26. Februar 2007; Czesnik D, et al. Proc Natl Acad Sci U S A, 14. Februar 2007; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

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