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IACM-Informationen vom 10. Juni 2006

Wissenschaft: THC reduziert Schmerzen bei Fibromyalgie in einer Pilotstudie

In einer Studie an der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Universitätsklinik Mannheim wurde die Wirkung von oralem THC bei neun Patienten mit Fibromyalgie untersucht. Bei der Fibromyalgie handelt es sich um eine chronische Schmerzerkrankung unklarer Ursache. Bei den vier Teilnehmern, die die dreimonatige Studie beendeten, trat eine mittlere Reduzierung der Schmerzen um 67 Prozent auf. Alle vier erlebten eine um mehr als 50 Prozent reduzierte Schmerzlinderung.

Drei Wochen vor Beginn dieser offenen Pilotstudie setzten die Teilnehmer sämtliche Analgetika ab. Sie erhielten danach täglich einmal 2,5 bis 15 mg THC, beginnend mit der niedrigsten Dosis, die in wöchentlichen Abständen um 2,5 mg gesteigert wurde, so lange keine starken Nebenwirkungen auftraten. Einmal wöchentlich wurde jeweils 24 Stunden nach der letzten THC-Gabe und einen Tag vor jeder Dosissteigerung bei den Teilnehmern ein elektrisch induzierter Schmerz erzeugt. Zudem wurde die Schmerzintensität auf einer numerischen Schmerzskala mit den Endpunkten 0 (keine Schmerzen) und 10 (maximal vorstellbarer Schmerz) notiert.

Fünf der neun Teilnehmer beendeten die Studie vor Erreichen der Maximaldosis von 15 mg wegen starker Nebenwirkungen, vor allem Sedierung, Benommenheit, Erschöpfung und anhaltende Müdigkeit, vorzeitig. Der experimentell induzierte Schmerz wurde durch THC in einer Dosis von 10 und 15 mg signifikant reduziert. Die täglich festgehaltene Schmerzintensität wurde von durchschnittlich 8,1 bei Beginn der Studie auf 2,8 nach drei Monaten reduziert.

(Quelle: Schley M, Legler A, Skopp G, Schmelz M, Konrad C, Rukwied R. Delta-9-THC based monotherapy in fibromyalgia patients on experimentally induced pain, axon reflex flare, and pain relief. Curr Med Res Opin 2006;22(7):1269-1276 [elektronische Publikation vor dem Druck])

Wissenschaft: Cannabidiol hemmt das Tumorwachstum bei Leukämie und Brustkrebs im Tierversuch

Italienische Wissenschaftler untersuchten die tumorhemmenden Wirkungen von fünf natürlichen Cannabinoiden der Cannabispflanze (Cannabidiol, Cannabigerol, Cannabichromen, Cannabidiol-Säure und THC-Säure) bei Brustkrebs. Cannabidiol (CBD) war das wirksamste Cannabinoid bei der Hemmung von menschlichen Brustkrebszellen, die unter die Haut von Mäusen injiziert worden waren. CBD reduzierte auch die Lungenmetastasen, die aus menschlichen Brustkrebszellen, die in die Pfoten der Tiere injiziert worden waren, entstanden waren.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Anti-Tumorwirkungen des CBD durch die Induktion von Apoptosen (programmierter Zelltod) verursacht wurden. Sie schlossen, dass ihre Daten "die weitere Testung von Cannabidiol und Cannabidiol-reichen Extrakten hinsichtlich ihres Potentials zur Krebstherapie unterstützen".

Diese Beobachtungen werden durch Untersuchungen von US-Wissenschaftlern unterstützt, die herausfanden, dass die Exposition von Leukämiezellen mit CBD zu einer Reduzierung der Zelllebensfähigkeit und einer Induktion von Apoptosen führt. Bei lebenden Tieren verursachte CBD eine Reduzierung der Zahl der Leukämiezellen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass CBD "eine neue und hochselektive Behandlung für die Leukämie sein könnte".

(Quellen: Ligresti A, Schiano Moriello A, Starowicz K, Matias I, Pisanti S, De Petrocellis L, Laezza C, Portella G, Bifulco M, Di Marzo V. Anti-tumor activity of plant cannabinoids with emphasis on the effect of cannabidiol on human breast carcinoma. J Pharmacol Exp Ther, 25. Mai 2006; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck]; McKallip RJ, Jia W, Schlomer J, Warren JW, Nagarkatti PS, Nagarkatti M. Cannabidiol-induced apoptosis in human leukemia cells: A novel role of cannabidiol in the regulation of p22phox and Nox4 expression. Mol Pharmacol, 5. Juni 2006; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Kurzmeldungen

USA: Süd-Dakota
Die Bürger von Süd-Dakota werden im November 2006 darüber entscheiden, ob schwerkranke Patienten die Erlaubnis erhalten sollen, Cannabis für medizinische Zwecke in diesem Staat zu verwenden. Die zur Abstimmung stehende Gesetzesinitiative würde es qualifizierten Patienten erlauben, bis zu sechs Pflanzen und/oder eine Unze (28,5 Gramm) Cannabis zu besitzen. Qualifizierte Patienten müssen die Empfehlung eines Arztes zur Verwendung von Cannabis besitzen und sich beim Gesundheitsministerium registrieren lassen. Bisher haben elf Staaten (Alaska, Kalifornien, Colorado, Hawaii, Maine, Montana, Nevada, Oregon, Rhode Island, Vermont und Washington) vergleichbare Gesetze verabschiedet. (Quelle: NORML vom 8. Juni 2006)

Großbritannien: Dronabinol
Dronabinol-Kapseln mit 2,5 mg, 5 mg und 10 mg des Wirkstoffs sind in Großbritannien nun vom Specials Laboratory Newcastle erhältlich. In einem Joint-Venture zwischen STI Pharmaceuticals und THC Pharm Frankfurt wurde die Herstellung verschiedener Cannabinoid-Zubereitungen in das Specials Laboratory verlagert, um Probleme von britischen Klinikern und Forschern, die Cannabinoide beforschen wollen, zu verringern. Interessierte Forscher und Kliniker können sich an Fiona Cruickshank (FionaC@specialslab.co.uk) wenden. (Quelle: Persönliche Mitteilung durch Andrew Davies von STI Pharmaceuticals)

USA: Repräsentantenhaus
In den kommenden Monaten wird das Repräsentantenhaus über eine Gesetzesvorlage abstimmen, die die Angriffe der Bundesregierung auf Patienten in Staaten mit medizinischen Cannabisgesetzen beenden würde. Die Hinchey-Rohrabacher-Vorlage zu medizinischem Cannabis aus dem Jahre 2005 lautete: "Nach dieser Entschließung werden keine Mittel an das Justizministerium bereitgestellt, um die Staaten Alaska, Kalifornien, Colorado, Hawaii, Maine, Montana, Nevada, Oregon, Vermont oder Washington an der Durchführung der staatlichen Gesetze, die die Verwendung von medizinischem Marihuana in diesen Staaten erlauben, zu hindern." Es wird erwartet, dass der Wortlaut der Vorlage im Jahre 2006 der gleiche sein wird – unter Erweiterung um Rhode Island. (Quelle: Marijuana Policy Project)

Wissenschaft: Psychose
In einer australischen Studie wurden die Gründe für den Cannabiskonsum durch psychotische Patienten in Interviews mit 49 Personen mit psychotischen Störungen untersucht. Es wurde gefunden, dass Langeweile, soziale Motive, Verbesserung von Schlaf, Angst und Unruhe, sowie Symptome im Zusammenhang mit negativen psychotischen Symptomen oder Depressionen die wichtigsten Motive für den Cannabiskonsum waren, während positive Symptome keinen Einfluss hatten. Symptome bei Psychosen können als positiv (beispielsweise Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Gefühle von Großartigkeit) oder negativ (beispielsweise schwache Emotionen sowie emotionaler oder sozialer Rückzug) klassifiziert werden. (Quelle: Schofield D, et al. Aust N Z J Psychiatry 2006;40(6):570-4)

Wissenschaft: Wasserlösliche Cannabinoide
Wissenschaftler der Commonwealth-Universität von Virginia in den USA haben neue Cannabinoide synthetisiert, die wasserlöslich sind und daher injiziert werden können. (Quelle: Martin BR, et al. J Pharmacol Exp Ther, 6. Juni 2006; [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

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