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IACM-Informationen vom 10. Dezember 2005

Wissenschaft: Creme mit Endocannabinoiden wirksam bei der Behandlung von Juckreiz bei Nierenerkrankungen

Wissenschaftler der Universität von Wroclaw (Polen) untersuchten die Wirkungen einer Salbe mit strukturierten physiologischen Lipiden sowie Endocannabinoiden bei 21 Patienten mit Juckreiz wegen einer Fehlfunktion der Nieren im Endstadium. Der so genannte urämische Pruritus ist weiterhin ein häufiges Symptom bei Patienten mit Nierenversagen im Endstadium. Allerdings gibt es keine wirksame Behandlung. Alle Patienten trugen die Creme täglich für eine Dauer von drei Wochen auf. Der globale Juckreiz und die trockene Haut wurden vor Beginn der Studie, in wöchentlichen Intervallen und zwei Wochen nach Beendigung der Studie beurteilt.

Nach der dreiwöchigen Therapie war der Juckreiz bei acht Patienten völlig verschwunden. Auch die trockene Haut war signifikant verbessert. Die Wissenschaftler folgerten, dass "es sehr wahrscheinlich ist, dass die Abnahme des Juckreizes durch die getestete Substanz nicht nur das Ergebnis einer Verbesserung der trockenen Haut ist, sondern dass die Zugabe von Endocannabinoiden ebenfalls eine Rolle gespielt haben kann."

(Quelle: Szepietowski JC, Szepietowski T, Reich A. Efficacy and tolerance of the cream containing structured physiological lipids with endocannabinoids in the treatment of uremic pruritus: a preliminary study. Acta Dermatovenerol Croat 2005;13(2):97-103.)

Wissenschaft: Autofahrer mit THC im Blut haben nur ein geringfügig erhöhtes Unfallrisiko

Wissenschaftler des französischen Nationalinstitutes für Transport- und Sicherheitsforschung (INRETS) sowie anderer französischer Forschungseinrichtungen stellten in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" die Ergebnisse der bisher größten Untersuchung zu Cannabis im Straßenverkehr vor. Diese von der Regierung finanzierte Studie bestätigt Ergebnisse früherer Untersuchungen, nach denen Cannabiskonsum keine oder nur eine geringe Zunahme des Unfallrisikos verursacht. Wie bereits in einer im Jahre 2004 veröffentlichten australischen Untersuchung beobachtet wurde, stieg das Risiko mit zunehmender THC-Blutkonzentration an.

Die Fall-Kontroll-Studie umfasste 10.748 Fahrer von Kraftfahrzeugen (überwiegend Pkws), die zwischen Oktober 2001 und September 2003 in Frankreich in Unfälle mit Todesfolge verwickelt waren. Die Forscher verglichen die 6766 Fahrer, die als Unfallverursacher betrachtet wurden (Fälle), mit 3006 Fahrern, die aus den 3982 übrigen Fahrern ausgewählt worden waren (Kontrollen). 681 Fahrer wiesen eine THC-Blut-Konzentration von über 1 ng/ml auf, von denen 42 Prozent zusätzlich eine Blutalkoholkonzentration von über 0,5 Promille aufwiesen. 60,5 Prozent der THC-positiven Fahrer waren jünger als 25 Jahre alt, verglichen mit 24,5 Prozent in der gesamten Gruppe der 9772 analysierten Fahrer.

Der Nachweis von THC war mit einem erhöhten Risiko für die Unfallverursachung von 3,3 assoziiert. Es bestand eine Dosis-Wirkungsbeziehung. Eine THC-Blutkonzentration von weniger als 1 ng/ml war mit einer Verursachungsrate von 2,2 assoziiert, die bei einer THC-Blutkonzentration von über 5 ng/ml auf 4,7 anstieg. Wenn das zusätzliche Vorkommen von Alkohol über 0,5 Promille berücksichtigt wurde, nahm das Risiko für THC-positive Fahrer von 3,3 auf 2,4 ab, und wenn das Alter der Fahrer und weitere Einflussfaktoren berücksichtigt wurden, sank das Risiko für die THC-positive Gruppe weiter auf 1,8 ab. Nach Berücksichtigung aller Einflussfaktoren war eine THC-Blutkonzentration unter 1 ng/ml mit einem erhöhten Risiko von 1,6 assoziiert, das bei einer THC-Blutkonzentration über 5 ng/ml auf 2,1 anstieg. Ein Alter unter 25 Jahre war mit einem erhöhten Risiko von 1,9 assoziiert. Das angepasste Risiko für Alkohol über 0,5 Promille Blutkonzentration betrug 8,5. Aus ihren Daten schrieben die Forscher 2,5 Prozent aller tödlichen Unfälle dem Cannabis und 29 Prozent dem Alkohol zu.

In einem Leserbrief an das British Medical Journal schrieb Dr. Franjo Grotenhermen vom deutschen nova-Institut: "Die Darstellung der Ergebnisse in der Zusammenfassung ist ein wenig irreführend. Die Zahlen für die unangepassten Odds Ratios legen eine Risikoerhöhung um mehr als das Dreifache für alle THC-positiven Fahrer und eine mehr als zweifache Erhöhung selbst für Fahrer mit einer THC-Blutkonzentrationen von weniger als 1 ng/ml nahe. Allerdings zeigt eine genauere Betrachtung der Ergebnisse, dass zwei Faktoren zu dem erhöhten Unfallrisiko beitrugen, nämlich Alkoholkonsum und das niedrigere Alter der THC-positiven Fahrer verglichen mit dem Gesamtkollektiv. Etwa 42 Prozent der THC-positiven Fahrer wiesen zudem eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von mehr als 0,5 Promille auf. Selbst eine BAK unter 0,5 Promille war in der Studie mit einem erhöhten Risiko um den Faktor 2,7 verbunden, es wurden jedoch keine Daten zum Anteil der THC-positiven Fahrer mit einer zusätzlichen BAK von weniger als 0,5 Promille angegeben. Daher sind keine Informationen über die Fahrer verfügbar, die nur THC in ihrem Blut aufwiesen, sowie über ihr Unfallverursachungsrisiko, was bisher die übliche Art und Weise der Ergebnisdarstellung in früheren Studien war."

(Quelle: Laumon B, Gadegbeku B, Martin JL, Biecheler MB. Cannabis intoxication and fatal road crashes in France: population based case-control study. BMJ 2005, 2. Dezember [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Kurzmeldungen

Italien: Klinische Studie mit Sativex bei MS
Eine klinische Studie mit dem Cannabisextrakt Sativex bei Patienten mit multipler Sklerose hat an der Universität von Rom begonnen. In einer 10-wöchigen Plazebo-kontrollierten Studie wird die Gehirnaktivität im Zusammenhang mit Bewegungen bei 20 MS-Patienten, die an einer Spastik der unteren Gliedmaßen leiden, untersucht. Die Studie wird zudem den Umfang der Spastik und Veränderungen der Erregbarkeit in bestimmten Hirnregionen, inklusive von Regionen, die verantwortlich für Bewegungen sind, untersuchen. Die Untersuchungen der Gehirnaktivität werden mit der funktionellen Magnetresonanztomographie durchgeführt. Dieses bildgebende Verfahren ist eine Technik zur Bestimmung der Frage, welche Teile des Gehirns durch verschiedene Arten körperlicher Wahrnehmungen oder Aktivitäten, wie Sehen, Geräusche oder die Bewegung eines Fingers aktiviert werden. (Quelle: www.clinicaltrials.gov/ct/show/nct00202423)

Italien: Klinische Studie mit THC bei Schmerzen
80 Patienten mit Krebs werden an einer klinischen Studie mit THC (Marinol) für die Behandlung von Schmerzen teilnehmen. Dies wurde von Dr. Rosanna Cerbo, Professorin für Neurologie an der Universität von Rom angekündigt. Sie stellte das Studienprotokoll bei der Tagung "Cannabinoide und Schmerz" am 28. Oktober in Mailand vor. Die Hälfte der Patienten soll THC erhalten und die andere Hälfte THC und Morphium. Das Studienprotokoll ist verfügbar in dem Bericht über die Tagung "Cannabinoidi e dolore: attualita e prospettive" unter medicalcannabis.it. (Quelle: Pressemitteilung von ACT vom 9. November 2005)

Spanien: SEIC-Tagung
Die spanische Gesellschaft zur Erforschung der Cannabinoide (SEIC, Sociedad Espanola de Investigacion Sobre Cannabinoides) hielt vom 25. bis 27. November in Barcelona ihre sechste jährliche Tagung ab. Neben der Vorstellung von Grundlagenforschung gab es einen runden Tisch zur therapeutischen Verwendung von Cannabinoiden, inklusive einer Vorstellung von Sativex, einem Cannabisextrakt, der von dem britischen Unternehmen GW Pharmaceuticals hergestellt wird, und der an eine begrenzte Zahl von Patienten in Spanien abgegeben werden soll. Der Tagungsband ist verfügbar auf der Webseite unter www.ucm.es/info/seic-web/libro2005.pdf. (Quelle: persönliche Mitteilung von Ricardo Navarrete-Varo)

Holland: Legalisierung
Eine breite Mehrheit im niederländischen Parlament hat einen Plan zur Legalisierung des Cannabis-Anbaus vorgelegt. Die Kriminalität im Umfeld der Cannabis-Produktion soll so eingedämmt werden. Zudem könnten Steuern eingenommen werden. In einem Testprogramm sollen die Pflanzen dem Vorschlag zufolge zunächst in der Nähe von Maastricht unter öffentlicher Kontrolle angebaut werden. Coffe-Shops, in denen die Droge legal gekauft und konsumiert werden kann, müssten ihre Kunden über Herkunft der Droge, über seine chemische Zusammensetzung und über die Gefahren des Cannabiskonsums informieren. (Quelle: Der Spiegel vom 2. Dezember 2005)

USA: Time Magazin
In einem Artikel mit dem Titel "Das Jahr in der Medizin von A bis Z" stellte das Time Magazin fest: "Marihuana: Forschung zu den schmerzlindernden und entzündungshemmenden Wirkungen von Cannabis ermutigt weiterhin das Thema der medizinischen Verwendung von Marihuana und machen aus den "Patienten-Cannabisgesetzen", die in 11 Staaten verabschiedet wurden, weniger eine soziale Bewegung als einen legitimen medizinischen Trend." (Quelle: Time Magazin vom 5. Dezember 2005)

USA: Seattle
Im Jahre 2003 verabschiedeten die Bürger von Seattle eine Gesetzesvorlage, die die Verhaftung von erwachsenen Cannabiskonsumenten zur niedrigsten Priorität für die Strafverfolgungsbehörden der Stadt machten. Eine Auswertung des Gesetzes kam zu dem Ergebnis, dass die Verhaftungen wegen der Verwendung von Cannabis abgenommen hatten, dass die Verwendung von Cannabis jedoch nicht zugenommen hatte. Ähnliche Gesetzesinitiativen folgten in Oakland, Denver und Columbia, Missouri. (Quelle: The Stranger vom 7. Dezember 2005)

Mexiko: Medizinische Verwendung
Elías Miguel Moreno Brizuela, Präsident des Ausschusses für Gesundheit und soziale Sicherheit des Senats, kündigte an, dass der Ausschuss die Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke diskutieren werde. (Quelle: Milenio vom 4. November 2005)

Wissenschaft: Verwendung von Cannabis durch Heranwachsende
Forscher des Albert-Einstein-Kollegs für Medizin in New York erklärten am 30. November, dass starker Konsum von Cannabis durch Heranwachsende bestimmte Nervenbahnen im Gehirn schädigen kann, die eine Bedeutung für die Entwicklung der Sprache haben. Bilder des Gehirns zeigten bei Heranwachsenden, die starke Cannabisraucher waren, mikroskopische Veränderungen in einer Region des Gehirns, die höhere Aspekte der Sprache und des Zuhörens kontrolliert. "Diese Ergebnisse legen nahe, dass zusätzlich zur Beeinflussung der normalen Gehirnentwicklung starker Cannabiskonsum bei Heranwachsenden zudem zu einem früheren Beginn der Schizophrenie bei Personen führt, die eine genetische Veranlagung dafür haben," erklärte Psychiatrieprofessor Sanjiv Kumra. (Quelle: Reuters vom 30. November 2005)

Wissenschaft: Pharmakokinetik von THC und CBD
Deutsche Wissenschaftler untersuchten die pharmakokinetischen Wechselwirkungen von THC und CBD bei gesunden Personen. 24 Freiwillige erhielten in wöchentlichen Abständen 10 mg THC, einen Cannabisextrakt mit 10 mg THC und 5,4 mg CBD sowie ein Placebo. Die Blutkonzentrationen von THC, seinen Metaboliten 11-OH-THC und THC-COOH sowie von CBD wurden bis zu 24 Stunden nach der Einnahme analysiert. Die Forscher fanden Hinweise auf eine Hemmung der Hydroxylierung von THC zu 11-OH-THC durch CBD. Allerdings war die Wirkung von CBD auf THC im Vergleich zur durch andere Faktoren bedingten Variabilität gering. (Quelle: Nadulski T, et al. Ther Drug Monit 2005;27(6):799-810.)

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