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IACM-Informationen vom 09. Juli 2005

Wissenschaft: Cannabisrauchen verursachte nach einer Fall-Kontroll-Studie keinen Krebs

Nach einer Fall-Kontroll-Studie von Dr. Donald Tashkin und seinen Kollegen von der Universität von Kalifornien in Los Angeles ist selbst starkes langzeitiges Cannabisrauchen nicht mit Lungenkrebs und anderen Krebsarten des oberen Verdauungs- und Atemtraktes assoziiert. Diese Ergebnisse wurden am 26. Juni bei der jährlichen Konferenz der Internationalen Gesellschaft für Cannabinoid-Forschung (ICRS, International Cannabinoid Research Society) vorgestellt.

Die Studie schloss 1209 Einwohner von Los Angeles im Alter zwischen 18 und 59 Jahren, die an Krebs (611 Lunge, 403 Mund/Rachen, 90 Kehlkopf und 108 Speiseröhre) litten, ein. Die Interviewer sammelten Daten zum Konsum von Cannabis, Tabak, Alkohol und anderen Drogen, sowie Daten zu anderen Faktoren, die das Krebsrisiko beeinflussen können, darunter Ernährung, Umwelteinflüsse und das Vorkommen von Krebs in der Familie. Die Exposition mit Cannabis wurde in Joint-Jahren (ein Joint-Jahr = 365 Joints) gemessen. Die Krebskranken wurden mit 1040 krebsfreien Kontrollen verglichen. Die Kontrollen hatten zu 46 Prozent niemals Cannabis konsumiert. 31 Prozent hatten es weniger als ein Joint-Jahr, 12 Prozent 10 bis 30 Joint-Jahre, 3 Prozent auf 30 bis 60 Joint-Jahre und 3 Prozent mehr als 60 Joint-Jahre konsumiert.

Verglichen mit Personen, die Cannabis weniger als ein Joint-Jahr konsumiert hatten, betrug das Risiko für Lungenkrebs 0,78 für 1 bis 10 Joint-Jahre, 0,74 für 10 bis 30 Joint-Jahre, 0,85 für 30 bis 60 Joint-Jahre und 0,81 für mehr als 60 Joint-Jahre. Ein Risiko unter 1,0 bedeutet, dass das Risiko für Cannabiskonsumenten etwas geringer war als für Nichtkonsumenten. Ähnliche Ergebnisse wurden für die anderen Krebsarten gefunden. Es gab keine Dosis-Wirkungsbeziehung, was bedeutet, dass es kein erhöhtes Risiko für stärkere Konsumenten gab. Die Daten zum Tabakkonsum zeigten wie erwartet einen sehr starken Effekt und eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung für das Krebsrisiko.

(Quelle: Morgenstern H, et al. Marijuana use and cancers of the lung and upper aerodigestive tract: results of a case-control study. Vortrag bei der ICRS-Konferenz zu Cannabinoiden, 24.-27. Juni, Clearwater, USA)

Wissenschaft: Neues bei der ICRS-Konferenz des Jahres 2005

Die diesjährige Konferenz der Internationalen Gesellschaft für Cannabinoid-Forschung (ICRS) fand vom 24. bis 27. Juni in Clearwater, Florida, statt. Etwa 300 Wissenschaftler nahmen an dem Kongress teil. Einige Abstracts werden hier kurz vorgestellt.

(1) Neuropathische Schmerzen: Es wurden vorläufige Ergebnisse einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie mit 50 Patienten mit einer peripheren Neuropathie bei HIV, die entweder gerauchten Cannabis oder Plazebo-Cannabis erhalten hatten, vorgestellt. In der Studie, die an der Universität von Kalifornien durchgeführt worden war, wurde gezeigt, dass Cannabis die Schmerzen ungefähr so gut linderte wie Gabapentin, das am meisten eingesetzte Medikament für diese Symptome, die etwa 30 Prozent der Patienten mit HIV betreffen. (Abstract von D. Abrams et al.)

(2) Schizophrenie: Ergebnisse einer vierwöchigen doppelblinden klinischen Studie mit Cannabidiol und Amisulprid bei akuter Schizophrenie wurden von Forschern der Universität von Köln vorgestellt. Cannabidiol reduzierte die psychopathologischen Symptome im Vergleich zum Ausgangszustand signifikant sowohl nach zwei als auch nach vier Wochen. Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit zwischen Cannabidiol und Amisulprid. Allerdings verursachte Cannabidiol signifikant weniger Nebenwirkungen als das andere Medikament.

(3) Entzugssymptome: Plötzliches Unterbrechen einer einjährigen Behandlung mit dem Cannabisextrakt Sativex war bei 25 Patienten mit multipler Sklerose nicht mit einem Entzugs-Syndrom oder starken Entzugsymptomen assoziiert. Bei etwa der Hälfte der Patienten traten Entzugssymptome auf, wie sie auch im Zusammenhang mit dem Entzug von regelmäßigem Freizeitkonsum von Cannabis beobachtet wurden. (Abstract von E. Russo und P. Robson)

(4) CB2-Rezeptor im Gehirn: Es wurde Forschung mit Mäusen vorgestellt, die das Vorkommen des CB2-Rezeptors im Gehirn nachwies. Ihre Zahl nahm bei chronischem leichten Stress zu. Diese Ergebnisse legen nahe, dass CB2-Rezeptoren im Gehirn von Säugetieren vorkommen, und dass sie eine Rolle bei Depressionen spielen könnten. (Abstract von E. Onaivi et al.)

(5) Amyotrophische Lateralsklerose (ALS): Ein synthetisches Cannabinoid (AM1241), das selektiv an den CB2-Rezeptor bindet, verlangsamte den Krankheitsverlauf in einem Maus-Modell für ALS. Der Verlust der Bewegungsfähigkeit wurde bei männlichen Tieren um 12,5 Tage und bei weiblichen Tieren um 3 Tage verzögert. (Abstract von M. Abood et al.)

(Quelle: Abstract sich-Band der ICRS-Konferenz des Jahres 2005, www.cannabinoidsociety.org)

USA: Rhode Island wird wahrscheinlich trotz des Vetos durch den Gouverneur die medizinische Verwendung von Cannabis legalisieren

Der staatliche Senat von Rhode Island stimmte am 6. Juli ab, um das Veto von Gouverneur Don Carcieri gegen eine Gesetzesvorlage, die die medizinische Verwendung von Cannabis legalisieren würde, zurückzuweisen. Wenn das Repräsentantenhaus das Veto ebenfalls überstimmt, dann würde Rhode Island der 11. Staat werden, der den medizinischen Cannabiskonsum erlaubt.

Carcieri legte am 5. Juli sein Veto gegen die Gesetzesvorlage ein, nachdem das Repräsentantenhaus die Vorlage mit 52 zu 10 Stimmen und der Senat mit 34 zu 2 Stimmen angenommen hatten. Eine Überstimmung verlangt, dass drei Fünftel der Abgeordneten in beiden Kammern zustimmen. Der Senat nahm die Überstimmung mit 28 zu 6 an.

Das Gesetz würde es Personen mit einem "schweren medizinischen Leiden", darunter Krebs, Glaukom und Aids erlauben, eine schriftliche Stellungnahme von ihrem Arzt zu erhalten, die feststellt, dass sie von Cannabis profitieren würden. Patienten und ihre Betreuer würden beim staatlichen Gesundheitsministerium registriert werden. Es würde ihnen erlaubt sein, bis zu 12 Cannabispflanzen oder 2,5 Unzen verwendbaren Cannabis zu besitzen.

(Quellen: Associated Press vom 30. Juni 2005, New York Times vom 29. Juni 2005)

Kurzmeldungen

Wissenschaft/Kanada: Cannabis bei chronischen Schmerzen
Der Cannabisklub von Vancouver Island (Vancouver Island Compassion Club, VICC) kündigte an, dass das Gesundheitsministerium eine Genehmigung "für eine Studie, die die Wirkungen von gerauchtem Cannabis bei chronischen Schmerzen untersucht," erteilt hat. Die Studie wird mit 50.000 kanadischen Dollar durch das Marijuana Policy Project unterstützt und von Philipe Lucas (VICC), Dr. Shannon Hamersley und Rick Doblin, Direktor der Multidsiciplinary Association of Psychedelic Studies, durchgeführt. Die Gruppe plant, 15 Teilnehmern Cannabis unterschiedlicher Stärken zu verabreichen. (Quelle: Viktoria News vom 29. Juni 2005)

USA: Kalifornien
In der Sorge, dass Staatsbeamte wegen Straftaten angeklagt werden könnten, haben Vertreter des kalifornischen Gesundheitsministeriums angekündigt, dass sie nicht länger Ausweiskarten für medizinische Cannabis-Patienten ausstellen würden. Sandra Shewry, Direktorin des Ministeriums, erklärte, dass diese Entscheidung eine Reaktion auf das Urteil des obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vom vergangenen Monat sei. Mit 6 zu 3 Stimmen hatte das Gericht das Recht der Bundesbehörden zur Verfolgung von Besitz und Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken selbst in Staaten wie Kalifornien, die dies nach den staatlichen Gesetzen erlauben, aufrecht erhalten. (Quelle: New York Times vom 9. Juli 2005)

Wissenschaft: Stress-induzierte Schmerzhemmung
Akuter Stress unterdrückt Schmerzen. Diese Stress-induzierte Analgesie wird zum Teil durch endogene Opioide vermittelt. Neue Forschung zeigt, dass sie zum Teil auch durch endogene auf Cannabinoide (Endocannabinoide) vermittelt wird. Diese Effekte basieren auf einer koordinierten Freisetzung von 2-AG (2-Arachidonylglycerol) und Anandamid im periaquäduktalen Grau. (Quelle: Hohmann AG, et al. Nature 2005;435(7045):1108-12)

Wissenschaft: Sublinguale Bioverfügbarkeit von THC
Neuartige Cyclodextrin-enthaltende sublinguale Zubereitungen von Cannabinoiden wurden von finnischen Forschern entwickelt. Durch Zugabe von Cyclodextrin zu THC oder CBD wurde ihre Löslichkeit in Wasser erheblich gesteigert. Die sublinguale Verabreichung eines THC-Cyclodextrin-Komplexes vergrößerte die Bioverfügbarkeit von THC bei Kaninchen deutlich. (Quelle: Mannila J, et al. EUR J Pharm Sci 12. Juni 2005; [Elektronische Publikation vor dem Druck])

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