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IACM-Informationen vom 27. November 2004

USA: Gesetzesvorlage zum Schutz von medizinischen Marihuana-Patienten in den Senat eingebracht

Am 17. November brachten die Senatoren Richard Durbin (Illinois), Patrick Leahy (Vermont) und Jim Jeffords (Vermont) zum ersten Mal einen Gesetzesentwurf in den Senat ein, der sicher stellen soll, dass Geschworene von Bundesgerichten die ganze Geschichte erfahren, wenn medizinische Marihuana-Patienten und ihre Versorger, die nach den staatlichen Gesetzen legal arbeiten, wegen Verstoßes gegen Bundesgesetze angeklagt sind.

Diese Gesetzesvorlage (S. 2989) ähnelt dem "Truth in Trials Act" (Gesetz zur Wahrheit in Gerichtsverhandlungen), das im letzten Jahr in das Repräsentantenhaus eingebracht worden war. Dieser Entwurf war zum Teil durch den Fall von Ed Rosenthal inspiriert worden. Im Januar 2003 war Rosenthal von einem Geschworenengericht wegen illegalen Marihuanaanbaus schuldig gesprochen worden. Den Geschworenen war nicht erlaubt worden, in ihrer Entscheidung zu berücksichtigen, dass das Cannabis für die medizinische Verwendung durch Schwerkranke bestimmt war und mit einer Erlaubnis der Stadt Oakland in Kalifornien angebaut worden war.

Als sie die Wahrheit erfuhren, nahmen die Geschworenen, die Rosenthal verurteilt hatten, öffentlich ihre eigene Entscheidung zurück und entschuldigten sich bei ihm, weil sie fühlten, dass sie bei der Verurteilung eines unschuldigen Mannes getäuscht worden waren. In seiner Stellungnahme zur Einführung der Gesetzesvorlage, merkte Durbin an: "Dies ist ein eng gezogenes Gesetz … Unter diesem Gesetz können Angeklagte in den zehn Staaten mit medizinischen Marihuana-Gesetzen als des Verstoßes gegen Bundesgesetze nicht schuldig befunden werden, wenn ihre Handlungen in Übereinstimmung mit dem staatlichen Gesetz standen."

(Quelle: Marijuana Policy Project vom 18. November 2004)

Italien: Schwierigkeiten bei der Erlangung von Medikamenten auf Cannabisbasis

Obwohl Cannabis noch immer im italienischen Arzneimittelbuch aufgeführt ist, gibt es in Italien keine Medikamente auf Cannabisbasis. Patienten mit Multipler Sklerose oder anderen Erkrankungen, bei denen Cannabis oder seine Abkömmlinge vielleicht von therapeutischem Nutzen sein könnten, benötigen für jedes ärztliche Rezept eine vom Gesundheitsministerium ausgestellte, spezielle Importerlaubnis.

Medikamente, die in anderen Ländern erhältlich sind, wie z. B. Nabilon oder Dronabinol (Marinol) oder den in niederländischen Apotheken erhältlichen Cannabis, kann von italienischen Ärzten verschrieben werden, aber die Umstände des Imports sind sehr kompliziert. Weil diese Medikamente kontrollierte Substanzen (Betäubungsmittel) sind, kann ein einziges Rezept nicht für mehr als 30 Tagesdosen ausgestellt werden. Überdies können solche Medikamente nicht über eine normale Apotheke bestellt werden, sondern lediglich bei der Apotheke der örtlichen "Gesundheitsbehörde" (ASL), im allgemeinen das nächstgelegene Krankenhaus. Zudem sind italienische Ärzte sehr zurückhaltend bei der Verschreibung eines solch kontroversen Medikamentes.

Nach Kenntnis der italienischen Gesellschaft für Therapeutischen Cannabis (Associazione per la Cannabis Terapeutica, ACT) gibt es nur wenige Patienten in Italien, die Nabilon erhalten und vermutlich nur einen mit der Erlaubnis, medizinischen Cannabis aus den Niederlanden zu importieren. Viele von ihnen erhalten wegen der oben beschriebenen Probleme ihre Medikation nicht regelmäßig.

(Quelle: Associazione per la Cannabis Terapeutica, www.medicalcannabis.it)

Kurzmeldungen

Großbritannien: Konferenz zu Cannabis und seelischer Gesundheit
Eine internationale Konferenz zu Cannabis und seelischer Gesundheit findet vom 2. - 3. Dezember an der Klinik für Psychiatrie in London statt. Am Ende der Konferenz wird es eine Diskussion zu einer Resolution geben, die lautet: „Die Teilnehmer sind der Auffassung, dass die Legalisierung von Cannabis das Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen verringert“. Die Konferenz wird von Drs. Zerrin Atakan, Robin Murray und Jim van Os organisiert. Zu den Referenten zählen Raphael Mechoulam, Wayne Hall, Don Liszen, Richard Doll, Nadia Solowij, Les Iversen und viele andere. Mehr Informationen unter: www.iop.kcl.ac.uk/iopweb/events/?event=136

USA: Texas
Nach einer neuen Umfrage befürwortet eine große Mehrheit der Bürger von Texas die Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke. In der Umfrage des Instituts Scripps Howard erklärten 75 Prozent, dass es Personen, die an Krebs erkrankt sind oder an anderen ernsthaften Krankheiten leiden, erlaubt sein sollte, Cannabis zu medizinischen Zwecken zu verwenden, so lange ihr Arzt zustimmt. 19 Prozent erklärten, dass sie gegen ein solches Gesetz wären. (Quelle: Houston Chronicle vom 18. November 2004)

USA: Vermont
Etwa 30 Vermonter zeigten Interesse daran, Cannabis zu medizinischen Zwecken zu verwenden, seit der Staat am 28. Oktober 2004 damit begonnen hat, entsprechende Anträge entgegen zu nehmen. Das Ministerium für Öffentliche Sicherheit hat etwa 30 Antragsformulare an Personen verschickt, die sich eine Legalisierung der Droge zur Symptomlinderung chronischer Erkrankungen wünschen. Im vergangenen Frühling hat der Gesetzgeber ein Gesetz zu medizinischem Marihuana verabschiedet und machte Vermont zum neunten Staat, in dem Cannabis für medizinische Zwecke verwendet werden darf. Das Gesetz schützt Menschen mit schweren Erkrankungen, die geringe Cannabismengen konsumieren, vor Verfolgung oder Haft. Der Patient und ein Betreuer müssen sich beim Ministerium registrieren lassen und eine Gebühr von 100 Dollar zahlen. (Quelle: Times Argus vom 13. November 2004)

Wissenschaft: Säuresekretion im Magen
Kürzlich wurde nachgewiesen, dass Cannabinoide die Säuresekretion im Magen reduzieren. In einer neuen tierexperimentellen Studie von italienischen Wissenschaftlern wurde gezeigt, dass dafür hauptsächlich die Aktivierung peripherer Cannabinoid-1-Rezeptoren verantwortlich ist. (Quelle: Adami M, et al. Brain Res Bull 2004;64(4):357-61)

Wissenschaft: Stress
Neue Forschung zeigt, dass Endocannabinoide oder die Vergrößerung der Endocannabinoid-Konzentration vielleicht eine neue Herangehensweise zur Behandlung von angstbezogenen Störungen darstellt. Endocannabinoide reduzieren die Stress verursachende Aktivierung einer funktionellen Einheit, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse genannt wird. Cannabinoide, die an CB1-Rezeptoren binden, reduzierten die Konzentration von Cortison im Blut bei gestressten Mäusen, während ein CB1-Rezeptor-Antagonist die Cortisonspiegel erhöhte. (Quelle: Patel S, et al. Endocrinology 2004;145(12):5431-8)

Wissenschaft: Cannabis und Schmerzen
Die Studie von Berman und seinen Kollegen mit 48 Patienten, die an neuropathischen Schmerzen durch eine Schädigung des Brachialplexus (Nervengeflecht im Bereich des Oberarms) litten, wurde nun als Artikel in der Zeitschrift "Pain" veröffentlicht. Sie war bereits im Jahre 2003 als Kurzfassung in der Zeitschrift "Anaesthesia" erschienen. Die Patienten hatten in einer doppelblinden und kreuzkontrollierten Studie, die aus drei zweiwöchigen Perioden bestand, zwei verschiedene Cannabisextrakte erhalten. Beide Extrakte reduzierten den Schmerz und verbesserten den Schlaf. Die Wirkungen waren mäßig stark, jedoch überwiegend statistisch signifikant. (Quelle: Berman JS, et al. Pain 2004; 112(3):299-306)

Wissenschaft: Echinacea wirkt auf Cannabinoid-Rezeptoren
Schweizer Wissenschaftler fanden heraus, dass Bestandteile der Echinacea-Pflanze, so genannte Alkylamide, die Synthese von Tumor-Nekrose-Faktor-Alpha (TNF-Alpha) modulieren. Diese Wirkung ist durch CB2-Rezeptoren vermittelt. TNF-Alpha ist eine vom Körper produzierte Substanz, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielt. (Quelle: Gertsch J, et al. FEBS Lett 2004;577(3):563-9)

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