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IACM-Informationen vom 30. Oktober 2004

IACM: Kongress an der Universität Leiden im Jahr 2005

CALL FOR PAPERS: Das Programmkomitee möchte Sie herzlich einladen, Ihre Forschungsergebnisse beim 3. IACM-Kongress zu Cannabinoiden in der Medizin vom 9. - 10. September 2005 in Leiden (Niederlande) vorzustellen. Sie können ihr Abstrakt elektronisch bis zum 1. April 2005 einreichen. Wenn Ihr Abstrakt akzeptiert wird, dann übernehmen wir Ihre Übernachtungskosten und laden Sie zu einem Abendessen am 9. September ein.

IACM-PREIS: Beim Kongress wird die IACM vier Personen für Ihre Leistungen hinsichtlich der Wiedereinführung von Cannabis und Cannabinoiden als Medizin ehren. Wir möchten Sie bitten, Kandidaten vorzuschlagen und Ihren Vorschlag bis zum 1. Juni 2005 per E-Mail an Award2005@cannabis-med.org zu schicken. Das IACM-Preis-Komitee, das aus Vincenzo Di Marzo, Franjo Grotenhermen, Raphael Mechoulam und Roger Pertwee besteht, wird die Empfänger auswählen.

Weitere Informationen über den IACM Preis und das Call for Papers finden Sie unter www.Leiden2005.org

Wissenschaft: Drei Studien weisen therapeutische Wirkungen von Cannabis bei Multipler Sklerose nach

Drei klinische Studien mit THC und Cannabis bei Multipler Sklerose wurden in der August-Ausgabe der Zeitschrift Multiple Sclerosis veröffentlicht. Die Studien von Wade et al. (2004) aus Oxford und Brady et al. (2004) aus London verwendeten einen Spray mit einem Cannabisextrakt und die Schweizer Studie von Vaney et al. (2004) verwendeten einen Cannabisextrakt in Kapselform.

In der Schweizer Studie mit 57 Patienten, die täglich eine Dosis von 15 - 30 mg THC erhielten, reduzierte sich die Spasmenhäufigkeit und verbesserte sich die Mobilität bei den 37 Patienten, die mindestens 90 Prozent der maximalen Dosis erhalten hatten. Die Autoren schlossen aus ihren Ergebnissen, dass der Extrakt "bei MS-Patienten mit persistierender Spastik, die nicht auf andere Medikamente ansprechen, bei akzeptablen Nebenwirkungen die Spasmusfrequenz verringern und die Mobilität verbessern könnte."

In die Studie von Wade et al. (2004) wurden 160 MS-Patienten mit mindestens einem der folgenden Symptome aufgenommen: Spastik, Spasmen, Blasenprobleme, Muskelzittern oder Schmerzen. Sie erhielten tägliche Dosen von 2,5 – 120 mg THC. Unter der Einnahme von Cannabis nahmen die Werte des primären Symptoms nicht signifikant von im Mittel 74 auf 49 ab, verglichen mit einer Abnahme von 74 auf 55 unter Placebo. Die Spastikwerte wurden signifikant reduziert.

Brady et al. (2004) untersuchten die Wirkung von Cannabis auf 21 Patienten mit Blasenfunktionsstörungen, von denen 15 die Studie beendeten. Harndrang, die Anzahl und das Volumen der Inkontinenz-Episoden, die Häufigkeit der Blasenentleerungen und nächtlicher Harndrang nahmen unter der Therapie sämtlich signifikant ab.

Die Kurzfassungen der Artikel sind online in der IACM-Datenbank zu klinischen Studien erhältlich unter:
www.cannabis-med.org/studies/study.php

(Quellen: Vaney C, et al. Mult Scler 2004;10(4):417-24; Wade DT, et al. Mult Scler 2004;10(4):434-41; Brady CM, et al. Mult Scler 2004;10(4):425-33.)

Kanada: Neue Vorschriften sehen die Einführung des Verkaufs von Cannabis in Apotheken vor

Vorschriften, die am 23. Oktober vom Gesundheitsministerium angekündigt wurden, "erlauben begrenzte Möglichkeiten für ein auf Apotheken basierendes Verteilungssystem für getrocknetes Marihuana, das durch lizenzierte Anbauer hergestellt wurde".

Die neuen Vorschriften wollen auf Besorgnisse und Einwände hinsichtlich des gegenwärtigen Programms durch Polizei, Ärzte und Patienten eingehen, und "die Beschaffung von Marihuana für medizinische Zwecke in Kanada hin zu einem traditionelleren Gesundheitsversorgungsmodell" bewegen. Sie ermuntern die Bundesbehörden, Vorgaben zu entwickeln, nach denen es Apotheken erlaubt sein soll, medizinisches Cannabis an qualifizierte Patienten abzugeben. Der vorgeschlagene Plan hat das holländische Programm, das im September 2003 begann, zum Vorbild.

"Die Einbeziehung von Apotheken in das Verteilungssystem könnte die Identifizierung und Verhinderung von Risiken für die autorisierten Personen verbessern, besonders wenn Marihuana mit anderen Arzneimitteln, die die autorisierte Person verwenden könnte, kombiniert wird," heißt es in den Vorschriften.

Im Juli 2004 war es 781 Personen in Kanada erlaubt, Cannabis für medizinische Zwecke zu besitzen. Innerhalb dieser Gruppe waren 491 Personen zudem autorisiert, Cannabis für sich selbst herzustellen, während 81 weitere von den Behörden die Erlaubnis erhalten hatten, das bestimmte andere Personen die Droge für sie anbauen.

(Quelle: Health Canada [Kanadisches Gesundheitsministerium]. Regulations amending the marihuana medical access regulations. 23. Oktober 2004)

Wissenschaft: Nach einer Studie ist die Beziehung zwischen Cannabiskonsum und Depressionen nicht ursächlicher Natur

Dr. Michael T. Lynskey und Kollegen von der Medizinischen Fakultät der Universität Washington in St. Louis untersuchten die Rolle genetischer Faktoren und Umwelteinflüssen während der Kindheit auf die Beziehung zwischen Cannabiskonsum und schweren Depressionen. Sein Team befragte Personen aus dem australischen Zwillingsregister im Alter von etwa 30 Jahren.

Sie identifizierten 277 Paare, bei denen nur einer von beiden Cannabis konsumierte. Die Wahrscheinlichkeiten für die Entwicklung von Depressionen, Selbstmordgedanken und versuchtem Selbstmord waren beim Zwilling, der Cannabis konsumierte, 1,3 bis 3,4 Mal größer als beim nicht konsumierenden Zwilling. Die Stärke der Assoziation war bei zweieiigen Zwillingen höher als bei eineiigen Zwillingen. Dieser letzte Befund bedeute, so heißt es in dem Artikel, dass die "genetische Bereitschaft einen erheblichen Beitrag" zur Beziehung zwischen Cannabiskonsum und Depressionen leiste.

Diese Ergebnisse bedeuten, dass "Depressionen nicht die Ursache für Cannabiskonsum sind und dass Cannabiskonsum und -abhängigkeit nicht an sich Depressionen auslösen", wie Lynskey in einem Interview mit Reuters Health erklärte. "Deshalb ist es von einem klinischen Standpunkt aus gesehen nicht notwendigerweise so, dass die Eliminierung einer der beiden dazu führt, dass wir das andere loswerden." Mit anderen Worten, fügte er hinzu, beide Probleme "müssen während der Behandlung angegangen werden."

(Quellen: Reuters Health vom 8. Oktober 2004; Lynskey MT, et al. Major depressive disorder, suicidal ideation, and suicide attempt in twins discordant for cannabis dependence and early-onset cannabis use. Arch Gen Psychiatry 2004;61(10):1026-32.)

Kurzmeldungen

USA: Cannabis auf dem Wahlzettel in drei Staaten
Montana, Alaska und Oregon haben Cannabis-bezogene Vorschläge auf den Wahlzetteln vom 2. November. Wenn alle drei Gesetzesentwürfe genehmigt werden, würde Montana der 10. Staat werden, der die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisieren würde, Oregon würde sein bestehendes medizinisches Marihuana-Programm erheblich ausweiten, und Alaska würde der erste Staat werden, der Cannabis insgesamt entkriminalisieren würde. (Quelle: Associated Press vom 10. Oktober 2004)

Wissenschaft: Endocannabinoide reduzieren psychotische Symptome
Die Anandamid-Spiegel in der Gehirnflüssigkeit von paranoiden Schizophrenen im ersten Schub sind achtmal so hoch wie bei gesunden Personen. Diese Veränderung fehlt bei Schizophrenen, die mit "typischen" antipsychotischen Medikamenten behandelt worden waren. Zudem war der Anstieg der Anandamid-Konzentration bei nicht behandelten Schizophrenen negativ mit den psychotischen Symptomen korreliert. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Anandamidzunahme bei akuter paranoider Schizophrenie eine kompensatorische Anpassung an den Krankheitszustand bedeuten könnte. (Quelle: Giuffrida A et al. Neuropsychopharmacology 2004;29(11):2108-2114.)

Israel: Traumatisierte Soldaten erhalten THC in einer Studie
Im Rahmen eines experimentellen Programms wird 15 israelischen Soldaten innerhalb der nächsten Wochen THC verabreicht. Damit soll ihre posttraumatische Stressstörung bekämpft werden. Dr. Raphael Mechoulam von der hebräischen Universität in Jerusalem, der leitende Forscher hinter einem Projekt, das er als das weltweit erste dieser Art beschrieb, erklärte, THC könne dem Gehirn helfen, unerwünschte Erinnerungen zu unterdrücken. Für Soldaten, die von wiederkehrenden Erinnerungen an traumatische Kampferfahrungen verfolgt werden, könne das Medikament die Antwort auf hunderte schlaflose Nächte sein, sagte er. (Quelle: Reuters vom 3. Oktober 2004)

Holland: Elektronischer Newsletter des Büros für medizinisches Cannabis
Das holländische Büro für medizinisches Cannabis des Gesundheitsministeriums hat im Juni 2004 mit einem Newsletter begonnen. Man kann den Newsletter kostenlos abonnieren, in dem man eine E-Mail an cannabisoffice-subscribe@yahoogroups.com (englischer Newsletter) oder cannabisbureau-subscribe@yahoogroups.com (holländischer Newsletter). Als Abonnent kann man auch das Archiv des Newsletters einsehen. Das Büro für medizinisches Cannabis hat auch eine Webseite in englisch und holländisch: www.cannabisoffice.nl
(Quelle: Holländisches Büro für medizinisches Cannabis).

Wissenschaft: Endocannabinoide bei Leberzirrhose
Es war vorgeschlagen worden, dass das Cannabinoidsystem bei Leberzirrhose verändert ist, und dass das Endocannabinoid Anandamid eine Schlüsselsubstanz bei der arteriellen Gefäßerweiterung bei einer Zirrhose ist. Allerdings zeigt eine neue Studie spanischer Wissenschaftler, dass die Zunahme der Anandamid-Spiegel bei der Leberzirrhose unabhängig vom Umfang der arteriellen Gefäßerweiterung und der Schwere der Leberschädigung ist. (Quelle: Fernandez-Rodriguez CM, et al. Liver Int 2004;24(5):477-83.)

Wissenschaft: Cannabis bei Dyskinesie von Parkinson-Kranken
In einer kleinen Studie britischer Forscher war orales Cannabis ineffektiv bei der Reduzierung von Symptomen der Levodopa-induzierten Dyskinesie. Dyskinesien sind Bewegungsstörungen, die häufig als Nebenwirkung des Parkinson-Medikamentes Levodopa auftreten. 19 Patienten nahmen an dieser Placebo kontrollierten Studie teil. Die Behandlung mit Cannabis dauerte vier Wochen. 17 Patienten beendeten die Studie. Cannabis wurde gut vertragen und hatte keinen Einfluss auf die Schwere der Parkinson-Symptome und der Dyskinesie. (Quelle: Carroll CB, et al. Neurology 2004;63(7):1245-50.)

Blick in die Vergangenheit

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