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IACM-Informationen vom 22. Mai 2004

USA: Vermont ist der neunte Staat, der die medizinische Verwendung von Cannabis erlaubt

Am 19. Mai erteilte der Senat einer Gesetzesvorlage, die die medizinische Verwendung von Marihuana erlaubt, die letzte rechtliche Genehmigung. Gouverneur James Douglas erklärte später, er werde sie ohne seine Unterschrift Gesetz werden lassen. Vermont ist damit der neunte Staat, der entsprechend qualifizierten Patienten den Anbau, den Besitz und die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt, ohne Angst vor Verhaftung nach dem staatlichen Gesetz, und der zweite Staat nach Hawaii, der es durch staatliche Gesetzgebung und nicht über eine Initiative der Wähler macht. Alaska, Arizona, Kalifornien, Colorado, Hawaii, Maine, Nevada, Oregon und der Staat Washington haben bereits ähnliche Gesetze.

Die Verabschiedung des Gesetzes ist der Höhepunkt dreijähriger Bemühungen in Vermont. Trotz überwältigender öffentlicher Unterstützung, wurde die Vorlage von mächtigen gewählten Persönlichkeiten bekämpft, darunter dem früheren Gouverneur Howard Dean und seinem Nachfolger James Douglas.

Im Gegensatz zu anderen Staaten ist das Ministerium für öffentliche Ordnung, dem die staatliche Polizei unterstellt ist, und nicht das Gesundheitsministerium für die Durchführung des Gesetzes verantwortlich. Es erlaubt den Besitz von nur drei Cannabispflanzen. Zudem verlangt es, dass der Patient und ein Betreuer sich beim Ministerium für öffentliche Ordnung registriert. Das Marihuana muss außerdem in einem abgeschlossenen Raum gelagert werden, zu dem nur der Kranke und sein Betreuer Zugang haben.

Douglas erklärte, er glaube, dass die "Mechanismen zur Verhinderung der Verteilung der Droge" geholfen haben, "eine Mehrzahl der Volksvertreter – und in der Tat vieler Bewohner Vermonts selbst [zu überzeugen], dass es ratsam ist, die Vorlage Gesetz werden zu lassen."

(Quellen: Associated Press vom 19. Mai 2004, MPP vom 20. Mai 2004)

Wissenschaft: Nach den Ergebnissen einer neuen Studie gibt es keine starken Hinweise, dass Cannabis psychologische Probleme verursacht

Verschiedene Berichte zeigen, dass junge Menschen, die Cannabis verwenden, dazu tendieren, psychologische und soziale Probleme zu haben. Allerdings gibt es nach den Ergebnissen einer Studie, die am 15. Mai im Lancet veröffentlicht wurde, keinen Beweis, dass Cannabiskonsum direkt mit diesen Problemen verbunden ist.

"Verfügbare Befunde liefern keine starke Unterstützung für die Annahme einer bedeutenden ursächlichen Beziehung zwischen Cannabiskonsum durch junge Menschen und psychosozialen Schäden, können jedoch nicht ausschließen, dass eine solche Beziehung besteht," schrieben Dr. John Macleod von der Universität Birmingham in Großbritannien und seine Kollegen.

"Es gibt viele Beweise, nach denen Cannabiskonsum mit diesen Dingen verbunden ist, diese Beziehung könnte jedoch verschiedene Erklärungen haben," erklärte Macleod gegenüber Reuters, darunter Faktoren, wie Unglück in der frühen Kindheit, die mit Cannabiskonsum und psychosozialen Problemen assoziiert sein können. Macleod und sein Team analysierten 48 Langzeitstudien, von denen 16 die höchste Informationsqualität über den Zusammenhang zwischen illegalem Drogenkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und späteren psychologischen und sozialen Problemen aufwiesen.

"Behauptungen über die Gefahren von Cannabis sind oft übertrieben," heißt es in einem Kommentar von Dr. Franjo Grotenhermen vom nova-Institut, Deutschland. Aber "es gibt Gründe für die Annahme, dass Cannabis psychologische und soziale Schäden bei jungen Menschen verursachen kann, auch wenn die ursächliche Beziehung bisher nicht bewiesen ist," erklärte er gegenüber Reuters. Allerdings gäbe "es wenig Grund zur Annahme, dass die Kriminalisierung einen starken Einfluss auf den Umfang des Cannabiskonsums bei jungen Menschen hat."

(Quellen: Reuters vom 17. Mai 2004, Macleod J, et al. Lancet 2004;363(9421):1579-88; Grotenhermen F. Lancet 2004;363(9421):1568-9.)

Kurzmeldungen

Kanada: Bayer beantragt Vermarktung von Sativex
Das pharmazeutische Unternehmen Bayer hat die Vermarktung eines Medikamentes auf Cannabis-Basis in Kanada beantragt. Bayer und GW Pharmaceuticals aus Großbritannien gaben am 11. Mai bekannt, dass sie die Lizenzierung von Sativex, einem oral anzuwendenden Cannabisspray, beim Gesundheitsministerium beantragt haben. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, dass es im Allgemeinen 18 Monate dauert, bis das Ministerium über einen Antrag entschieden hat. Ein Sprecher von Bayer erklärte, dass die Unternehmen auf der Grundlage früherer Gespräche mit dem Ministerium zuversichtlich sind , dass der Antrag genehmigt wird. (Quelle: Canadian Press vom 11. Mai 2004)

Wissenschaft: Multiple Sklerose
In einer anonymen Internet-Umfrage, die von australischen Forschern durchgeführt wurde, wurden Menschen mit MS gefragt, wie ihr Zustand durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird. Von September 2001 bis Juli 2002 füllten insgesamt 2529 Menschen den Fragebogen aus. Allgemeine Faktoren, die als günstig angegeben wurden, waren Cannabisverwendung, kalte Bäder, Meditation und Ernährungsfaktoren. Allgemeine schädliche Faktoren waren starker Stress, hohe Temperaturen und Virusinfekte. (Quelle: Simmons RD, et al. Mult Scler 2004;10(2):202-11)

Russland: Entkriminalisierung kleiner Mengen
Am 12. Mai traten neue Drogengesetze in Kraft, nach denen der Besitz geringer Drogenmengen entkriminalisiert wird. Nach dem alten Gesetz konnte der Besitz einer einzigen Cannabiszigarette zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe führen. Nach dem neuen Gesetz stellt der Besitz von mehr als dem 10-fachen der "durchschnittlichen einfachen Dosis" keine Straftat mehr dar, sondern wird mit einer Geldstrafe geahndet. Die Grenze ist 20 Gramm für Marihuana und 5 Gramm für Haschisch. Der Besitz zwischen dem 10- und 50-fachen einer Einzeldosis wird mit einer höheren Geldstrafe bestraft. (Quelle: Drug War Chronicle vom 14. Mai 2004)

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