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IACM-Informationen vom 31. Januar 2004

Großbritannien: Entschärfte Cannabisgesetze sind in Kraft getreten

Das neue britische Cannabisgesetz ist am 29. Januar in Kraft getreten. Die Droge wurde in den gleichen Status wie anabole Steroide und Antidepressiva herabgestuft. Das bedeutet, dass Cannabisbesitz in den meisten Fällen keine Verhaftung mehr nach sich ziehen wird. Nach einer aktuellen Umfrage erklärten 52 Prozent von 2.500 befragten Briten, dass sie die Umstufung befürworten.

Nach dem neuen Gesetz bleibt Cannabisbesitz illegal, werde aber "im Allgemeinen kein Vergehen sein, das zur Verhaftung führt". Statt dessen soll die Polizei eine Verwarnung aussprechen und die Droge konfiszieren. Unter bestimmten Bedingungen wird Cannabiskonsum weiterhin eine Verhaftung nach sich ziehen, darunter Rauchen der Droge in der Öffentlichkeit und Besitz der Droge innerhalb oder in der Nähe von Plätzen, an denen sich Kinder aufhalten.

Verschiedene medizinische Gruppen warnten, dass die Entscheidung der Regierung, Cannabis herabzustufen, die öffentliche Gesundheit gefährden könnte. Dr. Peter Maguire von der britischen Ärztegesellschaft BMA erklärte. "Die BMA ist sehr besorgt, dass die Öffentlichkeit denken könnte, dass die Umstufung Sicherheit bedeute. Das tut sie nicht. Chronisches Cannabisrauchen erhöht das Risiko für Herzerkrankungen, Lungenkrebs, Bronchitis und Emphysem."

Sir Michael Rawlins, Vorsitzender des Komitees für Drogenmissbrauch, erklärte demgegenüber, dass es Zeit sei zu überlegen, ob man weiter gehen könne. Er erklärte, seine Mitglieder würden neue Wege zur Beurteilung der relativen Schädlichkeit aller illegaler Drogen untersuchen.

(Quellen: The Guardian vom 27. Januar 2004, Western Gazette vom 29. Januar 2004)

Großbritannien/Schweiz: Doch kein Todesfall durch Cannabis in Großbritannien

Am 20. Januar berichtete die Zeitung Daily Telegraph, dass Cannabis für den Tod eines 36-jährigen Briten verantwortlich gemacht wird. Allerdings zeigte eine Überprüfung der toxikologischen Daten und des Obduktionsberichtes durch einen Schweizer Experten, dass es keinen Grund für die Annahme gibt, dass der plötzliche Tod von Lee Maisey durch Cannabis verursacht war.

Herr Maisey rauchte seit 11 Jahren täglich sechs Cannabiszigaretten, was nach einigen Zeitungsartikeln mit "exzessiv" charakterisiert wurde. Er hatte sich am 22. August vergangenen Jahres über Kopfschmerzen beklagt und war am nächsten Morgen tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Michael Howells, der örtliche Leichenbeschauer, der die Untersuchung der Todesursache leitete, erklärte Herr Maisey habe an keinen Krankheiten gelitten und seit mindestens 48 Stunden keinen Alkohol getrunken. Man habe "hohe Konzentrationen von Cannabinoiden" im Blut gefunden. Der Bericht über den Cannabis-Todesfall führte zu Warnungen über die Gefahren der Droge. Dr. John Henry, Professor für Toxikologie am Imperial College in London erklärte: "Ich habe noch nie vorher etwas Derartiges gesehen. Es korrigiert das Argument, dass Cannabis niemanden umbringen kann."

Das Gesundheitsministerium der Schweiz (Bundesamt für Gesundheit) bat Dr. Rudolf Brenneisen, Professor am Departement für Klinische Forschung der Universität Bern, die Daten des Falles zu überprüfen. Dr. Brenneisen erklärte, dass die Daten der toxikologischen Analyse und der Obduktion "dürftig und nicht beweiskräftig" seien, und dass die Schlussfolgerung Tod durch Cannabisvergiftung "nicht legitim" sei.

Gemäß der durch das britische Labor Forensic Alliance durchgeführten Analyse enthielt Herr Maiseys Blut 130 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) des THC-Stoffwechselproduktes THC-COOH. THC habe wegen analytischer Probleme nicht festgestellt werden können. Dr. Franjo Grotenhermen vom nova-Institut erklärte: "Eine Konzentration von 130 ng/ml THC-COOH im Blut ist eine mäßig hohe Konzentration, die einige Stunden nach dem Konsum von ein oder zwei Cannabiszigaretten auftreten kann. Starker gewohnheitsmäßiger Cannabiskonsum führt leicht zu THC-COOH-Konzentrationen von mehr als 500 ng/ml. Viele Menschen konsumieren deutlich mehr Cannabis als es Herr Maisey tat, ohne negative Konsequenzen."

(Quellen: Daily Telegraph vom 20. Januar 2004, Neue Zuericher Zeitung vom 28. Januar 2004, persönliche Mitteilungen)

Wissenschaft: THC verstärkt die Brechreiz hemmenden Wirkungen von Ondansetron in einer Tierstudie

Die 5-HT3-Antagonisten wie Ondansetron gelten als die wirksamsten Medikamente zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Chemotherapie. Es ist bekannt, dass die natürlichen Cannabinoide THC und CBD (Cannabidiol) diese Symptome ebenfalls hemmen. Die relativen und kombinierten Wirkungen dieser Substanzen bei der Unterdrückung des durch Cisplatin ausgelösten Erbrechens wurde an Spitzmäusen untersucht. Cisplatin ist ein Chemotherapeutikum, das starkes Erbrechen verursacht.

Forscher der Wilfrid Laurier Universität in Waterloo, Kanada, zeigten, dass sowohl Ondansetron als auch THC das durch Cisplatin induzierte Erbrechen und Würgen bei Spitzmäusen unterdrückten. Zudem unterdrückte die kombinierte Gabe von Dosen beider Substanzen, die jeweils allein unwirksam waren, vollständig Erbrechen und Würgen. CBD verursachte eine zweiphasige Wirkung mit einer Unterdrückung des Erbrechens durch niedrige und eine Verstärkung durch hohe Dosen.

In zwei früheren klinischen Studien durch Artim und DiBella (1983) sowie Lane und Kollegen (1991) verstärkte THC die Brechreiz hemmenden Wirkungen von Prochlorperazin bei Patienten, die eine Chemotherapie erhielten. Die neue Tierstudie zeigt, dass Cannabinoide helfen können, Übelkeit und Erbrechen zu unterdrücken, die nicht durch 5-HT3-Antagonisten allein kontrolliert werden können.

(Quelle: Kwiatkowska M, Parker LA, Burton P, Mechoulam R. A comparative analysis of the potential of cannabinoids and ondansetron to suppress cisplatin-induced emesis in the Suncus murinus (house musk shrew). Psychopharmacology (Berl) 2004 Jan 22, [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Kurzmeldungen

Großbritannien: Cannabis-Medikament im Sommer erhältlich
Es wird erwartet, dass das von GW Pharmaceuticals entwickelte Cannabismedikament im Frühjahr die Genehmigung zum Verkauf erhält. Alan Macfarlane, ein Aufsichtsbeamter aus dem Innenministerium erklärte, dass die Ergebnisse der klinischen Studien mit Sativex viel versprechend aussehen. "Ich hoffe, dass man sich in den nächsten zwei bis drei Monaten damit befasst, und ich würde mich wundern, wenn es keinen Erfolg hätte," erklärte er. GW Pharmaceuticals hofft, das Medikament im Sommer verfügbar zu machen. (Quelle: New York Times vom 27. Januar 2004)

Wissenschaft: Wirkung des rechtlichen Status
Die Wirkung des rechtlichen Status und des Preises von Cannabis auf die Konsumhäufigkeit wurde von einem australischen Wissenschaftler untersucht. Er fasste zusammen, dass "die Entkriminalisierung mit einer Zunahme der Verbreitung des Konsums bei Männern über 25 Jahren assoziiert ist. Es gibt keinen Hinweis, dass die Entkriminalisierung die Teilnahme am Marihuanakonsum bei jungen Männern oder Frauen relevant erhöht oder dass die Entkriminalisierung die Häufigkeit des Konsums bei Marihuanakonsumenten erhöht." (Quelle: Williams J. Health Econ 2004;13(2):123-37)

Wissenschaft: Cannabis und Hunde
Die Wirkung der Cannabisaufnahme durch 213 Hunde in den Jahren 1998 bis 2003 wurde von Forschern der Fakultät für Tiermedizin in Warschau, Polen, untersucht. Die aufgenommene Cannabismenge bewegte sich zwischen 0,5 und 90 Gramm. Die niedrigste Dosis, bei der Zeichen des Rausches auftraten, war 85 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und die höchste berichtete Dosis betrug 26,8 Gramm pro Kilogramm. Die Zeichen hielten zwischen 30 Minuten und 96 Stunden an. Alle Tiere erholten sich vollständig. (Quelle: Janczyk P, et al. Vet Hum Toxicol 2004;46(1):19-21)

Wissenschaft: Cannabis und Autofahren
Nach Forschungsergebnissen britischer Wissenschaftler kann eine geringe Cannabismenge die Leistungsfähigkeit beim Fahren verbessern. Eine Gruppe von 20 Fahrern im Alter zwischen 21 und 40 Jahren nahmen an einer Untersuchung mittels Fahrsimulator teil. Zehn von ihnen rauchten ein Äquivalent einer halben Cannabiszigarette. Personen unter Cannabis schnitten bei den meisten Aufgaben besser ab als nüchterne Fahrer, inklusive Reaktionszeit und Zahl der Zusammenstöße. Simon Smith Wright vom Labor, das die Untersuchung durchführte, erklärte: "Die Ergebnisse unseres Tests zeigen klar, dass eine kleine oder moderate Cannabismenge tatsächlich recht nützlich für die Leistungsfähigkeit beim Fahren ist." (Quelle: Evening News vom 24. Januar 2004)

Kanada: Cannabis-Klub von Toronto
Am 28. Januar hat das Bundesjustizministerium eine Klage wegen Drogenhandels gegen Besitzer des "Compassion Clubs" von Toronto fallen lassen, ein neuer Sieg für unlizensierte Gruppen, die Patienten einen Zugang zu medizinischem Marihuana ermöglichen. Im August 2002 war im Zentrum eine Razzia durchgeführt worden. Zu dieser Zeit versorgte er 1.200 Patienten mit einer ärztlichen Bescheinigung mit Cannabis. (Quelle: Toronto Star vom 29. Januar 2004)

USA: Kalifornien
Nach einer staatenweiten Umfrage unterstützen 75 Prozent der Wähler von Kalifornien die medizinische Verwendung von Cannabis, was deutlich mehr ist als vor einigen Jahren. Die Proposition 215, das kalifornische medizinische Marihuana-Gesetz, wurde 1996 mit nur 56 Prozent verabschiedet. Heute ist die Akzeptanz des Gesetzes wesentlich höher als 1996. (Quelle: Sacramento Bee vom 30. Januar 2004)

Blick in die Vergangenheit

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