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IACM-Informationen vom 27. Oktober 2001

Holländische Regierung will die medizinische Verwendung von Cannabis erlauben

Die holländische Regierung entschied am 19. Oktober, das Gesetz zu ändern, um Ärzten die Verschreibung von Cannabis zu erlauben und Apothekern, es in "pharmazeutischer Qualität" abzugeben. Es wird erwartet, dass das Parlament in den nächsten Monaten über den Vorschlag abstimmt, medizinisches Cannabis auf den nationalen Gesundheitsversorgungsplan zu setzen. Die meisten Konsumenten würden dann die Kosten für ihre Joints von der Regierung ersetzt bekommen, solange sie von einem Arzt verschrieben sind.

Das Amt für medizinisches Cannabis beim Gesundheitsministerium wird den Anbau von Marihuana, seine Qualitätskontrolle und Verteilung kontrollieren. Es wurde kein genaues Datum für den Beginn des Programms festgesetzt, da noch unklar ist, wie lange die Vorbereitungen dauern werden.

Das Gesetz wird benötigt, um einen "unerwünschten" Widerspruch zwischen Praxis und Gesetzeslage zu beseitigen "trotz des Fehlens wissenschaftlicher Beweise" der Wirkungen der Cannabisverwendung, wie es in einer Stellungnahme der Regierung heißt. Viele Patienten, die die Droge ohne professionelle Unterstützung verwenden, haben erfolgreiche Ergebnisse erhalten, fügt sie hinzu. "Die Erfahrungen sind positiv: weniger Schmerzen, weniger Übelkeit nach Chemotherapie, weniger Steifheit bei MS," heißt es in der Stellungnahme.

Obwohl der Verkauf von Cannabis technisch illegal ist, tolerieren die holländischen Behörden den Verkauf kleiner Mengen in Hunderten sogenannter "Coffee-Shops". "Menschen mit schmerzhaften Erkrankungen gehen zu Coffee-Shops, aber es gibt keinen Arzt, der die Verwendung kontrolliert." erklärte der Sprecher des Gesundheitsministeriums Bas Kuik.

(Quellen: Reuters vom 19. Oktober 2001, AP vom 19. Oktober 2001, dpa vom 19. Oktober 2001)

Wissenschaft: Neues beim Kongress der IACM des Jahres 2001

Beim Treffen der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM) vom 26.-27. Oktober in Berlin (Deutschland) wurden eine Anzahl interessanter neuer Forschungsergebnisse präsentiert. Einige werden unten vorgestellt.

(1) Die Wirkungen eines Cannabisextraktes in Tiermodellen der Depression, Spastik und Schmerzlinderung wurden untersucht. Der Cannabisextrakt verursachte keinen antidepressiven Effekt bei den Mäusen. Allerdings produzierte der Extrakt eine Abnahme spastischen Verhaltens und zeigte schmerzlindernde Eigenschaften. Diese Daten legen nahe, dass THC-Extrakte nützlich bei spastischen Zuständen und bei Schmerzen sein können. (Quelle: Abstract von Richard Musty und Richard Deyo)

(2) Menschen und Ratten mit Leberzirrhose weisen einen niedrigen Blutdruck auf. Bei Ratten kann der niedrige Blutdruck mit CB1-Rezeptorantagonisten angehoben werden, was auch den erhöhten Blutfluss in dem Darmarterien (Aa. mesenteriae) verminderte. Verglichen mit nicht-zirrhotischen Lebern fand sich in zirrhotischen menschlichen Lebern eine Verdreifachung der Zahl der CB1-Rezeptoren in isolierten Endothelzellen der Blutgefäße. Die Ergebnisse zeigen einen neuen Ansatz zur Behandlung des gefäßerweiterten Zustandes bei fortgeschrittener Leberzirrhose. (Quelle: Abstract von Jens Wagner)

(3) Forschung an Ratten zeigt, dass CB1-Rezeptoragonisten einen hemmenden Einfluss auf die Blasenbewegungen, jedoch einen verstärkenden Einfluss auf die Bewegungen der Gebärmutter ausüben. Dieser hemmende Effekt war bei Ratten mit entzündeten Blasen stärker als bei nicht-entzündeten Blasen, was nahe legt, dass eine Entzündung die Wirksamkeit der Cannabinoide in der Blase erhöht. Die Wirkung auf die Gebärmutter war bei Ratten mit entzündeten Blasen reduziert. Diese Forschung unterstützt positive Wirkungen auf die hyperaktive Blase bei Patienten mit multipler Sklerose und Querschnittslähmung. (Quelle: Abstract von Karen Berkley und Natalia DMitrieva)

(4) Bei einer Patientin mit multipler Sklerose wurde ein Cannabisextrakt mit einem THC-CBD-Verhältnis von 1:1 besser toleriert als THC allein. Ihre wichtigsten Probleme waren starker Schmerz in der Harnröhre und ein Schmerz tief im Becken. Sie erreichte eine nahezu vollständige Schmerzkontrolle von dem Cannabisextrakt. Psychologische Nebenwirkungen wurden überwiegend während der Zeiten gesehen, in denen sie THC allein einnahm. Während der Zeitabschnitte, während der sie die 1:1 Mischung aus THC und CBD einnahm, nahm die Häufigkeit der Nebenwirkungen dramatisch ab, obwohl sie die gleiche THC-Gesamtmenge einnahm. (Quelle: Abstract von William Notcutt)

Die Kurzfassungen der Vorträge werden im Journal of Cannabis Therapeutics veröffentlicht.

(Quelle: Programm und Kurzfassungen des IACM-Kongresses zu Cannabis und den Cannabinoiden des Jahre 2001)

Kurzmeldungen

Wissenschaft: Übelkeit
Cannabinoide hemmen das Erbrechen durch CB1-Rezeptoren im Hirnstamm des Frettchen. Endocannabinoide stellen ein neues regulatorisches System bei der Kontrolle des Erbrechens dar. (Quelle: Van Sickle et al. Gastroenterology 2001 Oct;121(4):767-74)

Wissenschaft: Cannabidiol
Das nicht-psychotrope Planzen-Cannabinoid Cannabidiol (CBD) könnte einige Wirkungen durch die Aktivierung des Vanilloid-Rezeptors vom Typ 1 oder durch Erhöhung der Anandamid-Spiegel ausüben. (Quelle: Bisogno T, et al. Br J Pharmacol 2001 Oct 4;134(4):845-852)

Wissenschaft: Kokain-Rückfall
Bei Kokain-abhängigen Ratten vermindert der selektive CB1-Rezeptorantagonist SR141716A den Rückfall ins Kokain-Suchen, ausgelöst durch eine erneute Exposition mit Kokain. Die Daten legen eine wichtige Rolle für das Cannabinoidsystem bei den neuronalen Prozessen, die dem Rückfall ins Kokain-Suchen zugrunde liegen, nahe. (Quelle: De Vries TJ, et al. Nat Med 2001 Oct;7(10):1151-4)

USA: Verhaftungen wegen Marihuana
Die Polizei verhaftete nach einem Bericht des FBI, der am 22. Oktober veröffentlicht wurde, im Jahre 2000 geschätzte 734.500 Personen wegen Vergehen gegen die Marihuanagesetze, die höchste je vom FBI angegebene Zahl. (Quelle: NORML vom 22. Oktober 2001)

Blick in die Vergangenheit

Vor einem Jahr

Vor zwei Jahren

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